Gaming-Grafikkarten: 8 GB VRAM werden heute 12 Jahre alt
Heute ist es auf den Tag genau zwölf Jahre her, dass ComputerBase die erste Gaming-Grafikkarte mit 8 GB VRAM im Test hatte. In einem Alleingang hatte AMD-Boardpartner Sapphire die Radeon R9 290X mit doppeltem Grafikspeicher aufgelegt. Bis zur ersten regulären 8-GB-Grafikkarte, der R9 390(X), dauerte es noch ein Jahr länger.
Das verbotene 8-GB-Modell der Radeon R9 290X
Im Herbst 2013 hatte AMD die Hawaii-GPU vorgestellt, den Grafikchip der High-End-Grafikkarten Radeon R9 290 und R9 290X. Beide Modelle hat AMD mit einem Speicherausbau von 4 GB GDDR5 an 512 Bit vorgesehen und so kamen sie Ende des Jahres auch auf den Markt. Einem Boardpartner war das allerdings nicht genug: Im Alleingang kündigte Sapphire im März 2014 eine Variante der Radeon R9 290X Vapor-X mit auf 8 GB GDDR5 verdoppeltem Speicherausbau an, nur um sie wenige Wochen später wieder abzusagen: AMD war das VRAM-Upgrade nicht genehm.
Wieder einen Monat später war die 8-GB-Machbarkeitsstudie, wie Sapphire das Modell zwischenzeitlich nannte, dann überraschend im Handel aufgetaucht – erst bei Overclockers UK, dann auch bei Caseking in Deutschland. AMD hatte die Genehmigung erteilt, die bereits vor dem Verbot produzierten rund 250 Grafikkarten abzuverkaufen. ComputerBase bemühte sich prompt um ein Testmuster, um das Modell gegen die handelsübliche 4-GB-Variante antreten zu lassen.
Vorteile mussten damals provoziert werden
Konsequenterweise fand der Vergleich ausschließlich in der damals noch exotisch hohen UHD-Auflösung (3.840 × 2.160 Pixel) statt. Weil beim Einsatz vierfacher Kantenglättung (Post-Processing, kein MSAA/SSAA) noch keine Unterschiede zur 4-GB-Version auszumachen waren, wurden einige Spiele auch mit achtfacher Kantenglättung und sechzehnfacher anisotroper Filterung getestet.
Im Jahr 2026 wirken beide Grafikoptionen aus der Zeit gefallen: Post-Processing-Kantenglättung ist temporalen Lösungen und modernem KI-Upsampling deutlich unterlegen und in neuen Spielen de facto ausgestorben, wohingegen 16×AF längst Standard sind und in der Regel gar keine entsprechende Einstellungsmöglichkeit mehr angeboten wird. Im Jahr 2014 wiederum standen diese Funktionen für maximale Bildqualität – und konnten die 4 GB VRAM der handelsüblichen Radeon R9 290X in einigen Spielen tatsächlich zum Überlaufen bringen.
Sogar im Durchschnitt lag die Vapor-X mit 8 GB dann satte 79 Prozent im Vorsprung. Besonders groß war der Unterschied beispielsweise in Company of Heroes 2, wo 28,5 FPS statt nur 3,6 FPS mit dem 4-GB-Modell erreicht wurden. Ähnlich war der Vorsprung in Hitman: Absolution. Und Battlefield 4 wollte mit den maximierten Einstellungen bei 4 GB VRAM gar nicht mehr starten, lief letztlich aber auch mit 8 GB nicht flüssig – es mangelte an GPU-Leistung.
Abseits ausgewählter Extremszenarien waren 4 GB VRAM im Jahr 2014 aber keine Einschränkung. Letztlich war die R9 290X Vapor-X mit 8 GB genau das, wozu AMD sie verdonnert hatte: eine enthusiastische Machbarkeitsstudie. Und warum sollte sie damals noch nicht sein dürfen? Weil der Hersteller nur ein Jahr später im Juni 2015 den warmen Hawaii-Aufguss Radeon R9 390(X) (Test) folgen ließ, mit dem 8 GB Grafikspeicher in Serie erschienen. Nvidia schloss im Jahr 2016 mit GeForce GTX 10 auf.
8 GB VRAM wollen nicht verschwinden
Nur noch drei Jahre werden ins Land ziehen, bis die Sapphire Radeon R9 290X Vapor-X 8 GB ein Fall für das Samstags-Format „Im Test vor 15 Jahren“ wird. Im Jahr 2026 strahlen 8 GB VRAM zwar auch schon einen Hauch Retro aus, sind aber bekanntermaßen nach wie vor ein aktuelles Thema. Mit der nach wie vor aktuellen RTX-50-Generation hat Nvidia die GeForce RTX 5060 Ti herausgebracht, die es neben einer soliden 16-GB-Version (Test) wieder auch mit nur 8 GB VRAM gibt – und damit einem Speicherausbau, den in dieser Preisklasse schon die GeForce RTX 2060 Super im Jahr 2019 bot.
Tatsächlich war dieser Umstand dem Hersteller selbst peinlich, sodass Testberichte zum Marktstart nach Möglichkeit verhindert wurden. Und auch die GeForce RTX 5060 (Test) wollte Nvidia verstecken und Redaktionen keinen Treiber für Tests bereitstellen – es sei denn, sie testeten mit von Nvidia kuratierten Einstellungen, die das 8-GB-Problem kaschierten. Mit der GeForce RTX 5050 (Test) folgte die dritte aktuelle GeForce mit 8 GB.
AMD wiederum hat aktuell die Radeon RX 9060 XT (Test) im Angebot – mit voraussichtlich wahlweise 16 GB oder abermals nur 8 GB VRAM. Brandaktuell sind wiederum die Gerüchte zu einer neuen Radeon RX 9050 mit ebenfalls 8 GB Grafikspeicher, die AMD im Sommer 2026 auf den Markt bringen könnte.