Android P: Erste Beta für Pixel und sieben weitere Hersteller ist fertig

Nicolas La Rocco 58 Kommentare
Android P: Erste Beta für Pixel und sieben weitere Hersteller ist fertig

Ab sofort steht eine öffentliche Beta von Android P zum Download bereit, nachdem bisher nur eine erste Developer Preview zur Verfügung stand. Im Rahmen der Google I/O 2018 hat Google erläutert, was Anwender von der nächsten Version des Betriebssystems erwarten können. Die Beta gibt es nicht nur für Pixel-Nutzer.

Die erste Developer Preview von Android P konnte ausschließlich von Besitzern eines Pixel, Pixel XL, Pixel 2 oder Pixel 2 XL installiert werden. Auf die Geräte von Google bezogen ist das auch weiterhin der Fall, hinzugekommen sind aber die Hersteller Nokia, Vivo, OnePlus, Xiaomi, Sony, Essential und Oppo. Eine Liste der kompatiblen Smartphones lässt sich hier bei Google einsehen. Grundsätzlich listet die neue Seite für die Teilnahme am Betaprogramm von Android P alle kompatiblen Smartphones von Google auf. Auf einem Pixel 2 der Redaktion konnte das Update von der ersten Developer Preview kommend durchgeführt werden.

Intelligenz, Einfachheit und digitales Wohlbefinden

Mit der ersten Betaversion von Android P ist nun deutlich besser zu erkennen, welchen Weg Google mit dem neuen Betriebssystem einschlagen will. Zur Google I/O ließ Dave Burke, Vice President Engineering Android, die Begriffe Intelligenz, Einfachheit und digitales Wohlbefinden zur Vorstellung der Betaversion fallen.

Zum Bereich der neuen intelligenten Features in Android P zählen „Adaptive Battery“ und „Adaptive Brightness“. Um den Akkuverbrauch zu reduzieren, führt Google maschinelles Lernen direkt auf dem Endgerät aus, um zu ermitteln, welche Anwendungen der Nutzer aktuell verwendet respektive in den nächsten Stunden, häufig oder kaum im Laufe des Tages benutzen wird. Das soll dazu führen, dass die CPU bis zu 30 Prozent seltener geweckt werden muss. Außerdem will Google dadurch Apps intelligenter den Low-Power-Kernen des SoCs zuordnen.

Probleme in Verbindung mit der automatischen Regulierung der Display-Helligkeit will Google mit „Adaptive Brightness“ angehen. Dabei merkt sich das System, in welchen Situationen die Helligkeit des Displays trotz automatischer Regulierung nachträglich verändert wurde. Um zu verhindern, dass die Helligkeit aufgrund dieser manuellen Anpassung später zu hoch oder niedrig ist, übernimmt die adaptive Regulierung fortan diese Anpassungen, nachdem sie vom Nutzer trainiert wurde.

App Actions und Slices picken App-Funktionen heraus

Schlauer soll das Betriebssystem auch durch das Vorschlagen von Aktionen werden. Das Feature „App Actions“ baut auf den bisher verfügbaren App-Vorschlägen innerhalb des App Drawers auf, wo bisher unter Android Oreo in der ersten App-Reihe wahrscheinlich demnächst benötigte Apps vorgeschlagen werden. App Actions gehen einen Schritt weiter und schlagen direkt darunter zwei Aktionen innerhalb von Apps vor. Das könnte ein Telefonat oder ein Workout einer Fitness-App sein und basiert auf dem Nutzerverhalten des Anwenders. Werden Kopfhörer angeschlossen, erlaubt eine Schaltfläche den schnellen Wechsel zum zuletzt in Spotify gehörten Album.

Damit das funktioniert, müssen Entwickler ihre App um eine XML-Datei mit den unterstützten App Actions erweitern. App Actions sollen neben dem App Drawer auch innerhalb der Google-Suche, dem Google Assistant, dem Play Store und bei der smarten Textauswahl funktionieren.

Slices wiederum sind eine Möglichkeit für Entwickler, Teile ihrer App innerhalb des Betriebssystems zugänglich zu machen. Unter Android P lassen sich Slices zunächst nur in die Google-Suche einbinden. Wird zum Beispiel nach dem Ride-Sharing-Dienst Lyft gesucht, erscheinen gleich in der Google-Suche die Optionen, um ein Fahrzeug nach Hause oder zur Arbeit zu buchen. Das Öffnen der eigentlichen App entfällt damit. Die Funktion lässt auch zum Abspielen von Videos oder zum Einchecken bei einem Hotel verwenden, sofern Slices und die jeweilige Funktion von der App unterstützt werden. Auch Google Fotos ist bereit für Slices. Die Bildersuche in der Google-Suche zeigt in diesem Fall passende Fotos aus den persönlichen Galerien an.

Wischgesten bestimmen das neue Android

In den Bereich der Einfachheit fallen zahlreiche Überarbeitungen der Bedienoberfläche von Android P. Google betont, dass alle Veränderungen am Design nur auf Geräte zutreffen, die das unveränderte OS-Design von Google verwenden, sprich Stock-Android. Die größte Veränderung betrifft dabei die Navigation innerhalb des Betriebssystems, die fortan deutlich stärker auf Wischgesten setzt.

Ein neuer Home-Button ist der Start für viele Interaktionen mit Android P. Wird von dort kurz nach oben gewischt, erscheint eine Übersicht der aktuell geöffneten Apps mit jeweils einer großen Vorschau. Längeres Wischen oder eine zweite Wischgesten öffnet dann schließlich den App Drawer, der jetzt nur noch die zweite Anlaufstelle ist. Google spricht davon, dass die App-Ansicht und der App Drawer zu einer Ebene vereint wurden. Die Wischgesten über den virtuellen Home-Button lassen sich von jeder Stelle im Betriebssystem aus durchführen. Wischen nach links oder rechts über den Home-Button ermöglicht schnelles Scrollen durch geöffnete Apps. Direkt innerhalb der App-Vorschau lassen sich Befehle wie Copy & Paste in Apps durchführen.

Die Einstellung der Lautstärke sitzt unter Android P im rechten Bereich des Bildschirms respektive auf der Seite, auf der sich die Tasten befinden. Der Standard-Lautstärkeregler ist zudem fortan der für die Medienwiedergabe und nicht mehr der für eingehende Telefonate.

Das Rotieren des Smartphones hat Google dahingehend überarbeitet, dass nun bei eingeschalteter Rotationssperre beim Drehen des Smartphones ein Vorschlag in der Navigationsleiste erscheint, der das Rotieren in dieser einen Situation erlaubt, ohne zwischen beiden Modi wechseln zu müssen. Das Aktivieren und Deaktivieren der Rotationssperre entfällt dadurch.

Lernen das Smartphone wegzulegen

Zur Kategorie des digitalen Wohlbefindens zählt Google Features, die es dem Nutzer ermöglichen, eine Balance zwischen der Nutzung des Smartphones und der Teilnahme am echten Leben zu finden. Android P soll beim Finden dieser Balance helfen. Ein neues Dashboard zeigt an, wie viel Zeit aktiv mit dem Smartphone verbracht wurde, wie lange welche Apps genutzt wurden, wie oft das Smartphone entsperrt wurde oder wie viele Benachrichtigungen eingegangen sind.

Android P soll dem Anwender aber nicht nur eine Übersicht, sondern auch Kontrollmöglichkeiten zur Hand geben. Ein neuer App Timer suggeriert, dass es an der Zeit ist, die App für heute zu schließen, weil bereits das vorher gewählte Zeitlimit erreicht wurde. Das App-Symbol liegt daraufhin ausgegraut auf dem Homescreen, um den Anwender an sein Vorhaben der reduzierten Nutzung zu erinnern. Im neuen Nicht-stören-Modus können jetzt auch visuelle Benachrichtigungen vollständig ausgeblendet werden. „Shush“ nennt sich ein neues Feature, das den Nicht-stören-Modus automatisch aktiviert, sobald das Smartphone mit dem Display nach unten abgelegt wird. Wichtige Kontakte können wahlweise auf eine Whitelist gesetzt werden.

Und kurz vor dem Schlafengehen soll „Wind Down“ dabei helfen, das Smartphone nicht übermäßig lange im Bett zu verwenden. Über den Google Assistant lässt sich dem Betriebssystem mitteilen, wann „Wind Down“ aktiviert werden soll. Sobald zum Beispiel 22 Uhr erreicht wurde, wechselt das Display in die Schwarz-Weiß-Darstellung, um dem Anwender dezent darauf hinzuweisen, dass es Zeit zum Weglegen des Smartphones ist. Am nächsten Morgen wird die normale Farbdarstellung wieder aktiviert.

Android P kommt im dritten Quartal

Google will von Android P insgesamt fünf Versionen als Vorschau anbieten, bevor im dritten Quartal dieses Jahres die finale Version veröffentlicht werden soll. Welcher Name hinter Android P steckt, hat Google zur I/O noch nicht verraten.