Intel NUC Hades Canyon im Test: Der stärkste 1,2-Liter-PC dank AMD Vega auf Kaby Lake-G 3/3

Jan-Frederik Timm et al. 66 Kommentare

Leistung in Spielen

Als Kaby Lake-G noch ein Gerücht und keine bestätigte Neuankündigung war, wurde der schnelleren Ausbaustufe mit 100 Watt TDP in Spielen die Leistung einer mobilen GeForce GTX 1060 attestiert. In der Realität ist das nicht der Fall, denn der Core i7-8809G mit der Radeon RX Vega M GH landet bei den FPS im Schnitt auf dem Niveau einer GeForce GTX 1050 Ti. In Anbetracht der Eckdaten, die die GPU auf einer Ebene mit einer Radeon R9 380 sehen, ist das keine Überraschung.

Bekanntes Treiber-Layout im neuen Design ohne Hinweis auf AMD
Bekanntes Treiber-Layout im neuen Design ohne Hinweis auf AMD

Im Durchschnitt über die fünf getesteten AAA-Titel macht dabei Wolfenstein II eine noch bessere Platzierung zunichte. Das Problem ist der im Test verwendete aktuelle Intel-Treiber für die Radeon RX Vega M, der noch auf einem Crimson ReLive von Ende 2017 aufsetzt.

Ein Problem über mehrere Spiele zeigen die Frametimes. Hier liegt Kaby Lake-G in vier von fünf Titeln sowohl im Vergleich zur Konkurrenz von Nvidia als auch mit der Radeon R9 380 deutlich schlechter als bei den FPS. Der auf 4 GB limitierte Grafikspeicher und der Treiber dürften Einflussgrößen sein. Zwar ist auch die CPU im Testsystem für die dedizierten Grafikkarten stärker, die Redaktion geht im GPU-Limit aber nur von einem kleinen Einfluss durch diese Variable aus.

In den fünf getesteten Multiplayer-Titeln steht Kaby Lake-G bei den FPS etwas besser da, die Leistungsklasse bleibt aber dieselbe. Deutlich weniger Probleme offenbaren wiederum die Frametimes.

Stromverbrauch und Lautstärke

Im Leerlauf mit zwei installierten SSDs benötigt das System unter Windows 10 knapp 20 Watt. Die Lüfter sind nicht wahrnehmbar, auch kurze Lasten wie bei dem Entpacken oder der Installation von Anwendungen ändern daran nichts. Das ist sehr angenehm.

Lautstärke unter Last (Anno 2205)
Angaben in dB(A)
  • Lautstärke (Last):
    • MSI Apache (GTX 1050 Ti)
      32
    • Intel Core i7-8809G (NUC)
      36
    • Schenker XMG U507 (GTX 1070)
      38
    • MSI GS63VR (GTX 1060)
      38
    • Asus GL753 (GTX 1050)
      39
    • Acer Predator 15 (GTX 1070)
      40

In Cinebench R15 (Multi-Core) oder Handbrake zieht das System dann 100 Watt aus der Steckdose. Hält die Last länger an (Zeit von Anwendung abhängig), drehen die Lüfter auf. Bei anfänglich um die 2.000 U/min auf beiden Ventilatoren werden aus einer Entfernung von 40 Zentimeter vor und 50 Zentimeter über der NUC rund 32 Dezibel erreicht. Maximal konnte die Redaktion 36 Dezibel bei 2.100 U/min messen.

In Spielen steigt der Stromverbrauch auf 150 bis 170 Watt und schnell werden die 36 Dezibel erreicht. Höher fällt die Lautstärke aber auch unter lang anhaltender Last nicht aus. Damit ist das System lauter als ein sehr leises, aber leiser als ein weniger effizient kühlendes Gaming-Notebook mit GeForce GTX 1050 (Ti) – obwohl der Stromverbrauch (ohne Display) um 60 bis 70 Prozent höher ausfällt.

Leistungsaufnahme
Angaben in Watt (W)
  • Leistungsaufnahme (Idle):
    • Asus GL753 (GTX 1050)
      14
    • Intel Core i7-8809G (NUC)
      20
    • MSI GS63VR (GTX 1060)
      22
    • MSI Apache (GTX 1050 Ti)
      26
    • Acer Predator 15 (GTX 1070)
      31
    • Schenker XMG U507 (GTX 1070)
      35
  • Leistungsaufnahme (Last: Anno 2205):
    • MSI Apache (GTX 1050 Ti)
      86
    • Asus GL753 (GTX 1050)
      98
    • MSI GS63VR (GTX 1060)
      127
    • Intel Core i7-8809G (NUC)
      160
    • Acer Predator 15 (GTX 1070)
      170
    • Schenker XMG U507 (GTX 1070)
      202

Fazit

Intel Kaby Lake-G ist zweifelsohne (produkt)politisch interessant: Ein Multi-Chip-Design mit CPU von Intel und GPU von AMD lässt aufhorchen – erst recht, wenn der dafür maßgeblich mitverantwortliche Raja Koduri mittlerweile bei Intel die Entwicklung noch schnellerer (i)GPUs vorantreibt.

Aber auch die Leistung, die das Package in der 100-Watt-Variante an den Tag legt, kann sich sehen lassen – wenn auch nicht ohne Einschränkung. Die CPU mit vier Kernen und acht Threads wird nur von den aktuellen mobilen 45-Watt-CPUs mit sechs Kernen vom Typ Coffee Lake-H geschlagen, vergleichbare Vier-Kern-Varianten werden über den konstant hohen Takt hingegen übertrumpft. Die GPU zeigt in den beiden Spiele-Benchmark-Parcours bei den FPS im Durchschnitt eine Leistung auf Niveau der (mobilen) GeForce GTX 1050 (Ti). Für die Frametimes gilt das hingegen nicht – hier gibt es deutliche Abstriche hinzunehmen.

Dass der Treiber darauf einen nicht unerheblichen Einfluss hat, davon ist auszugehen. Der im Test genutzte setzte noch auf einen Crimson ReLive von Ende 2017 auf, eine im Mai veröffentlichte neue Variante ändert daran nichts. Die mit Adrenalin auch bei der Leistung bereits gemachten Fortschritte kommen der Radeon RX Vega M also noch nicht zugute. Wann das der Fall sein wird? Eine offizielle Aussage gibt es dazu nicht. Die Bezeichnung der Treiber deutet allerdings auf eine wesentliche Aktualisierung je Quartal hin.

Kompakt viel Leistung zum sehr hohen Preis

An Hades Canyon gefallen in erster Linie die leise Kühlung trotz der im Vergleich zu Notebooks mit GeForce GTX 1050 (Ti) deutlich höheren Leistungsaufnahme, die Masse an Anschlüssen und das Angebot an RAM- und M.2-Speicherbänken, die nach dem Lösen von sieben Schrauben und zwei Abdeckungen relativ einfach zugänglich sind. Mit 1,2 Litern Volumen ist das System für seine Leistung in der Tat rekordverdächtig klein, eine Zbox von Zotac mit GeForce GTX 1050 ist doppelt so groß. Das Problem: Ab Werk sind alle Steckplätze im NUC leer.

Mit einem Preis von fast 900 Euro für das Barebone ohne RAM und Massenspeicher sind die Anschaffungskosten damit sehr hoch. Einen ebenfalls noch „Wohnheim-kompatiblen“ Zotac MEK1 mit Core i7-7400 und GeForce GTX 1060 gibt es inklusive RAM, SSD, HDD und Windows 10 bereits für etwas über 200 Euro mehr. Gaming-Notebooks mit GeForce GTX 1050 Ti und 15,6-Zoll-Display sind bereits ab 750 Euro zu bekommen. So kompakt wie Hades Canyon sind sie alle nicht. Nur wer auf diesen Vorteil aus ist, sollte mit der NUC liebäugeln.

Wo bleiben die ultrakompakten Notebooks?

Mehr Leistung auf so kleinem Raum bietet derzeit also niemand am Markt. Ultrakompakte Notebooks sollten damit das Haupteinsatzgebiet des Multi-Chip-Packages sein. Angekündigt haben solche Systeme aber bisher nur Dell mit dem XPS 15 2-in-1 und HP mit dem Spectre 15 x360. Dell kann in Deutschland mittlerweile auch liefern und die Eckdaten versprechen einen deutlichen Leistungszugewinn gegenüber dem Schwestermodell mit GeForce MX 150. Wie schnell und leise die darin zum Einsatz kommende 65-Watt-Variante wirklich noch zu kühlen ist, müssen allerdings weitere Tests zeigen.

Fest steht: In Zukunft dürften sowohl Intel als auch AMD den Multi-Chip-Ansatz weiter verfolgen, das Konzept bietet enormes Potential. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werden beide Hersteller die nächste Generation allerdings jeweils in Eigenregie entwickeln. AMD hat mit Raven Ridge zwar bereits eine noch tiefere Integration von Zen und Vega in einem Chip im Angebot, die bisher verfügbaren Modelle sind bei 65 Watt TDP mit einer Leistung auf GeForce-GT-1030-Niveau aber noch deutlich langsamer als Kaby Lake-G.

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