IC Cooling Graphite Pad im Test: Graphitfolie und -pad gegen Wärmeleitpaste 2/2

Thomas Böhm 202 Kommentare

Messergebnisse

Die Wärmeleitmittel werden im Testsystem für CPU-Luftkühler mit der üblichen Methodik getestet. Als Prozessor dient ein AMD Ryzen 7 1700X (Test), der bei seinem Basistakt von 3,4 GHz mit einer fixierten Kernspannung von 1,15 V oder übertaktet bei 3,8 GHz mit 1,35 V betrieben wird. Zur Belastung werden 30-minütige Prime95-Runs durchgeführt. Um keinen Flaschenhals auf der Kühlerseite zu verursachen, wird ein großer Noctua NH-D15 (Test) eingesetzt.

Resultate bei Standard-Taktfrequenz

Zunächst müssen die verschiedenen Wärmeleitmittel beim Basistakt des Ryzen 7 1700X zeigen, wie gut sie die Abwärme vom Heatspreader an die Kupfer-Bodenplatte des Noctua NH-D15 übertragen können. Neben der Wärmeleitpaste Arctic MX-4, dem Graphitpad und der 25 µm dünnen Graphitfolie wird letztere zusätzlich mit Wärmeleitpaste auf beiden Seiten getestet. Als Vergleich zum schlimmstmöglichen Fall wird der Kühler zudem in einer Testreihe ohne jegliches Wärmeleitmittel auf der CPU befestigt: Auch wenn moderne CPUs über vielfältige Schutzoptionen vor thermischen Schäden verfügen, sollte dieser Fall nicht mit der eigenen Hardware nachgestellt werden.

Der deutlichste Unterschied in den Messdaten ist zwischen der Wärmeleitpaste und dem Verzicht auf Wärmeleitpaste zu sehen: Ganze 15 Kelvin macht der Einsatz einer Standard-Paste aus. Die dünne Graphitfolie sorgt für bessere Temperaturen als beim vollständigen Verzicht auf Wärmeleitpaste, ist jedoch deutlich schlechter als die Arctic MX-4. Das Graphite Pad von IC Cooling schneidet knapp schlechter als die Wärmeleitpaste ab und ist ungefähr auf Augenhöhe mit Graphitfolie zusammen mit Wärmeleitpaste.

Das Pad von IC Cooling hält also, was der Hersteller behauptet: Beim Einsatz des Graphitpads wird ein guter Wärmeübergang zwischen CPU und Kühler erreicht – deutlich besser als bei Verwendung einer dünnen Graphitfolie. Die Folie ist zwar besser als der Verzicht auf ein Wärmeleitmittel, aber nicht für den Einsatz auf einer leistungsstarken CPU geeignet. Das kann man der Folie nicht zur Last legen, denn für dieses Szenario ist sie schlicht nicht ausgelegt. Sie zeigt aber deutlich, dass IC Cooling mit dem Graphite Thermal Pad nicht nur Marketing betreibt, sondern tatsächlich auch das Versprochene liefert.

Auch mit zusätzlicher Wärmeleitpaste auf beiden Seiten der Graphitfolie schließt sie nicht zur Wärmeleitpaste auf. Dann wirkt die Folie im Vergleich zum reinen Einsatz von Wärmeleitpaste eher isolierend. Von diesem Experiment muss auch aus Gründen der Praktikabilität abgeraten werden: Durch die zähe, klebrige Wärmeleitpaste ist die Folie beim Ausbau nach diesem Test zerrissen. Auf einen weiteren Versuch mit Paste und Graphitpad wurde daher verzichtet.

Resultate bei Übertaktung

Im übertakteten Zustand ändert sich an der grundlegenden Reihenfolge der Wärmeleitmittel nichts. Allerdings können keine Messwerte mehr von der Graphitfolie und dem Verzicht auf Wärmeleitpaste angegeben werden, da in diesen beiden Szenarien die CPU unter Belastung zu heiß wird.

Bei der Übertaktung der CPU und damit bei einer höheren Abwärme nimmt der Abstand der verschiedenen Wärmeleitmittel zueinander zu: Während beim Basistakt zwischen Arctic MX-4 und dem Graphite Pad von IC Cooling weniger als 2 Kelvin lagen, steigt der Abstand leicht auf etwa 3 Kelvin an. Das ist nicht allzu viel, zeigt aber, dass das Pad mehr für Durchschnitts-Anwender denn für Übertakter gedacht ist – an die Leistung einer guten Wärmeleitpaste kommt das Graphite Pad nicht heran.

Der Leistungsvorteil des Pads gegenüber der dünnen Graphitfolie stammt vermutlich davon, dass sich die Folie nicht an die Unebenheiten von Heatspreader und Bodenplatte des Kühlers anpasst. So bleibt trotz der guten horizontalen Wärmeleitung im Vergleich zur Wärmeleitpaste ungenutzte Fläche für die Wärmeübertragung übrig. Das dickere und verformbare Graphitpad von IC Cooling schneidet ergo besser ab. Da es aber im Vergleich zur Wärmeleitpaste nicht an direkten Metall-Metall-Kontaktpunkten, den effektivsten Übertragungsbereichen, verdrängt wird, bleibt zur Arctic MX-4 ein kleiner Rückstand.

Fazit

IC Cooling verspricht mit dem Graphite Thermal Pad ein Wärmeleitmittel, das das Leistungsniveau von Wärmeleitpasten erreicht, dabei aber deutlich anwenderfreundlicher ist und viele Jahre lang ohne Beeinträchtigung der Wärmeleitung genutzt werden kann. Auch einer Wiederverwendung des Pads soll nichts im Weg stehen. Eine Aussage zur Langzeithaltbarkeit liefert der Test des Pads nicht, doch da es trocken ist, gibt es keinen Grund, die Aussage des Herstellers anzuzweifeln. Die anderen Angaben von IC Cooling können bestätigt werden.

Das Graphitpad ist einfacher einzusetzen als Wärmeleitpaste: Es kann nicht gekleckert werden und der Nutzer muss sich auch keine unnötigen Gedanken darüber machen, welche Technik zum Auftragen der Paste am besten funktioniert. Das Pad wird einfach auf die CPU gelegt und anschließend wird der Kühler verschraubt. Das Einzige, was schiefgehen kann, ist ein Verrutschen des Pads bei diesem Vorgang. Daher sollte das Mainboard bei der Montage horizontal liegen. Werden CPU und Kühler wieder voneinander getrennt, sieht man auf dem Pad nur leichte Abdrücke vom Rand des Heatspreaders. Eine erneute Verwendung ist also möglich.

Graphitfolie und -pad gegen Wärmeleitpaste
Graphitfolie und -pad gegen Wärmeleitpaste

Vom Einsatz einer Graphitfolie muss hingegen ebenso wie vom Verzicht auf Wärmeleitpaste dringend abgeraten werden. Fairerweise muss gesagt werden, dass die Folie nicht für diesen Einsatz konzipiert worden ist – und dass der Verzicht auf Wärmeleitpaste nicht ratsam ist, versteht sich ohnehin von selbst.

Der einzige Haken ist der Preis

Das Graphitpad liefert also eine überzeugende Vorstellung ab: Für Anfänger ist es praktischer einzusetzen als Wärmeleitpaste und auch die Leistung ist in Ordnung, wenn auch ein kleiner Rückstand zu einer Standard-Wärmeleitpaste verbleibt. Allerdings kostet das 40 × 40 mm² große Pad mit 15 Euro das Dreifache einer Tube Arctic MX-4, welche für einige Anwendungen oder auch für mehrere CPU-Kühler-Verbindungen gleichzeitig reicht. Somit stellt sich die Frage, für welchen Anwender das Pad eine sinnvolle Kaufoption darstellt.

Quasi alle CPU-Kühler werden mit einer entweder bereits im Voraus aufgetragenen oder im Lieferumfang enthaltenen Wärmeleitpaste verkauft. Das Pad muss also auf den Preis des Kühlers addiert werden, ohne dass von einer besseren Kühlleistung profitiert wird. In einem kleinen Office-PC wird keine große Kühlleistung benötigt und nach mehreren Jahren kranken solche Systeme vorwiegend an Staub in den Lamellen des Kühlers, gegen den auch die beste Wärmeleitpaste nicht hilft. Wenn dann nach fünf bis zehn Jahren ein neues System angeschafft wird, ist in der Regel durch den Sockelwechsel auch ein neuer Kühler fällig, der dann wieder Wärmeleitpaste mitbringt. Wird der Kühler aber regelmäßig zur Reinigung und zum Austausch der Wärmeleitpaste abgenommen, lohnt sich das Graphitpad nach mehreren Jahren.

Auch wenn CPU oder Kühler häufig gewechselt werden, ist das wiederverwendbare Pad praktisch, doch ein häufiger Wechsel wird nur von wenigen Anwendern benötigt. Meist sind das Enthusiasten, die entweder im Jahrestakt für mehr CPU-Leistung den Prozessor aufrüsten oder die Kühlung optimieren, um die CPU stärker übertakten zu können – weshalb sie mit einer guten Wärmeleitpaste besser bedient sind.

Saubere Finger als Kaufargument

Wer sich bei der Verwendung von Wärmeleitpaste unsicher ist, ob sie nun verstrichen oder als Klecks auf den Heatspreader aufgebracht werden soll, hat mit dem Graphite Pad ein praktisches Wärmeleitmittel zur Hand. Allerdings kann man beim Auftragen von Wärmeleitpaste weniger falsch machen, als unerfahrene Anwender denken, und mit einer 4-Gramm-Tube wie der Arctic MX-4 im Test sind problemlos mehrere Montageversuche möglich. Ein echter Vorteil des Graphitpads ist das effektive Verhindern von Klecksen grauer Wärmeleitpaste, die auf dem Mainboard, dem Fußboden oder den Fingern des Anwenders kleben bleiben könnten.

Am Ende bleibt das Fazit, dass das Graphite Pad von IC Cooling den Kühlermarkt nicht revolutioniert und auch nicht für jeden Anwender sinnvoll ist. Der relativ hohe Kaufpreis sowie die etwas schlechteren Resultate im Vergleich zu Standard-Wärmeleitpaste schränken die Zielgruppe auf eine kleine Nutzerschicht ein; viele Anwender fahren mit der bewährten Wärmeleitpaste nach wie vor am besten. Das Graphitpad ist aber eine interessante Alternative und findet bei einem entsprechenden Nutzerprofil seine Anhänger. Für eine Empfehlung an die breite Masse müssten aber die Anschaffungskosten auf das Niveau von Wärmeleitpaste sinken.

ComputerBase hat das IC Cooling Graphite Thermal Pad vom deutschen Distributor PC-Cooling zum Testen erhalten. Arctic MX-4 wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt. Die Panasonic-PGS-Graphitfolie wurde von der Redaktion gekauft. Eine Einflussnahme der Hersteller/Händler auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

Dieser Artikel war interessant, hilfreich oder beides? Die Redaktion freut sich über jede Unterstützung in Form deaktivierter Werbeblocker oder eines Abonnements von ComputerBase Pro. Mehr zum Thema Anzeigen auf ComputerBase.