Nur Intel: Für (mobile) CPUs von AMD war die IFA eine Nullnummer

Jan-Frederik Timm 230 Kommentare
Nur Intel: Für (mobile) CPUs von AMD war die IFA eine Nullnummer

OEMs wie Acer, Asus, Dell und Lenovo haben zur IFA 2018 zahlreiche neue mobile und stationäre PC-Systeme vorgestellt – Modelle mit CPUs von AMD waren jedoch nicht darunter. ComputerBase hat die Hersteller nach den Hintergründen gefragt, handfeste Beweggründe waren allerdings nicht unter den Antworten.

Kein Kommentar von AMD

AMD selbst wollte auf Nachfrage gegenüber ComputerBase keine Stellung zur geringen Frequenz an Neuvorstellungen mit Prozessoren des Unternehmens beziehen. Auch der Verweis auf die überraschende direkte Kritik am Konkurrenten Nvidia, im Zuge der Diskussion um das GeForce Partner Programm im Frühjahr, ließ den Hersteller nicht zu einer öffentlichen Stellungnahme verleiten. Stattdessen verweist AMD auf die OEMs.

Mit Ausnahme von Acer waren die Erstausrüster in der Tat zur Stellungnahmen bereit. Lenovo, Anbieter von sechs Notebook-Serien mit AMD-CPUs, weist nicht unbegründet darauf hin, dass Neuvorstellungen der OEMs von Neuvorstellungen der Chiphersteller AMD und Intel getrieben werden und zur IFA 2018 standen mit Whiskey Lake und Amber Lake neue mobile Plattformen von Intel, aber nicht von AMD an. Der einzige Hintergrund kann das aber nicht sein.

Denn Lenovo unterstreicht das Vorgehen mit der Vorstellung des Yoga 530 zum MWC Ende Februar, das es auch mit AMD Ryzen Mobile („Raven Ridge“) gibt. Die Pressemitteilung zur Messe enthielt darauf allerdings nicht einmal einen Hinweis und angekündigt waren die mobilen Ryzen-Prozessoren auch schon seit Ende 2017.

Dell, derzeit mit Latitude 14 und Inspiron 15 mit Ryzen am Markt vertreten, verweist auf „das breite Angebot an Intel- und AMD-Geräten“ und anstehende Neuvorstellungen mit AMD in den kommenden Monaten. Vergleichbar oberflächlich bleibt auch Asus: „Wir haben seit vielen Jahren starke Partnerschaften und sind immer darauf bedacht die aktuellsten Neuheiten anzubieten." Aktuell besteht die starke Partnerschaft mit AMD bei Notebooks aus dem Asus ROG Strix GL702ZC: Notebook mit Ryzen und RX 580 ab 1.399 Euro bestellbar mit Desktop-CPU und dem VivoBook 15 mit Raven Ridge.

Der Verzicht auf CPUs von AMD war zur IFA nicht auf Notebooks beschränkt. So nutzen auch neue All-in-One-PCs von Acer und Asus ausschließlich Komponenten von Intel und Nvidia, während AMD Raven Ridge, als die APU mit Zen und Vega, in diesem Segment ebenfalls zum Einsatz kommen könnte. Ein direkter zeitlicher Zusammenhang zu Neuvorstellungen von Intel war in diesem Fall überhaupt nicht gegeben. Denn die genutzte Plattform von Intel wurde bereits zur CES Anfang Januar präsentiert. AMD Raven Ridge für Desktop-PCs wäre indes sogar neuer gewesen.

Klare Antworten? Fehlanzeige.

Noch erstaunlicher als die ausbleibenden Neuvorstellungen mit (mobilen) Ryzen-CPUs von AMD sind damit am Ende die von den OEMs abgegebenen Antworten, die anstelle handfester Gründe wie einem höheren technische Aufwand, etwaiger technischer Plattformnachteile (Leistung, Stromverbrauch, Dimensionen) oder einer zu geringen Nachfrage der globalen Kundschaft auf die Nutzung der Produkte beider Hersteller verweisen.