GeForce RTX 2080 & 2080 Ti im Test: Heute mehr Leistung und viel Zukunft

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Wolfgang Andermahr 1.882 Kommentare

Turing-Übertakten – mit dem OC Scanner

Wer eine Turing-Grafikkarte übertakten möchte, kann dies genauso tun wie eine Pascal-Grafikkarte. Funktional gibt es keinerlei Unterschiede. Neu hinzu gekommen ist der so genannte „OC Scanner“. Dabei handelt es sich um eine automatische Übertaktungsfunktion, die mit einer mathematischen Formel die GPU auf Stabilität überprüft. Die Taktrate wird Schritt für Schritt erhöht und kontrolliert, ob der Takt stabil läuft. Das besondere daran: Mit dieser Methode stürzt die Grafikkarte nicht ab.

Darüber hinaus erhöht der OC Scanner nicht schlicht den Takt-Offset. Nvidia-GPUs haben diverse Power States mit verschiedenen Spannungen und Taktraten. Gewöhnlicherweise verschiebt man diese Kurve über alle Power States hinweg gleichmäßig nach oben – indem man zum Beispiel im Afterburner den Takt erhöht.

Profis können dagegen die Taktraten für alle Power States separat einstellen. Dadurch lässt sich theoretisch etwas mehr Performance herausholen. Allerdings kostet das sehr viel Zeit, Mühe und Nerven. Der OC Scanner macht genau das. Das Tool modifiziert die sogenannte „VF Curve“. Es wird für jeden Power State der maximale Takt gesucht.

Der OC Scanner kommt nicht mit einem Nvidia-Tool, sondern wird in externe Tools integriert, wie zum Beispiel den MSI Afterburner. EVGA Precision X1 wird das erste Tool dieser Art sein. Ein Durchlauf des Scanners benötigt etwa 15 bis 20 Minuten. Dieser variiert die GPU-Taktraten und erhöht zudem das Power Target. Der Speichertakt bleibt unverändert.

Der OC-Scanner passt Takt und Power Target an

Nun stellt sich die Frage, wie effektiv der OC Scanner arbeitet. Dazu werden die Benchmark-Ergebnisse bei manuellem Übertakten mit denen des OC Scanners verglichen. Um faire Ergebnisse zu erzielen, wurde das Power- und Temperature-Target beim OC-Scanner-Durchlauf manuell aufs Maximum gesetzt und der Speicher ebenso händisch auf den maximal stabilen Wert gesetzt. Damit lassen sich die manuelle GPU-Übertaktung mit Hilfe des Takt-Offsets und die automatische Anpassung der VF-Kurve des OC Scanners direkt miteinander vergleichen.

OC-Scanner vs. manuelles Übertakten
  • F1 2018:
    • RTX 2080 Ti @ manuelles OC
      95,9
    • 2080 Ti @ OC Scanner
      94,1
    • RTX 2080 Ti
      87,1
    • RTX 2080 @ manuelles OC
      73,5
    • 2080 @ OC Scanner
      73,3
    • RTX 2080
      68,5
  • Hellblade:
    • RTX 2080 Ti @ manuelles OC
      72,2
    • 2080 Ti @ OC Scanner
      70,3
    • RTX 2080 Ti
      65,7
    • RTX 2080 @ manuelles OC
      55,9
    • 2080 @ OC Scanner
      55,9
    • RTX 2080
      50,1
  • Shadow of the Tomb Raider:
    • RTX 2080 Ti @ manuelles OC
      57,6
    • 2080 Ti @ OC Scanner
      55,5
    • RTX 2080 Ti
      51,8
    • 2080 @ OC Scanner
      45,6
    • RTX 2080 @ manuelles OC
      45,4
    • RTX 2080
      41,3
  • Wolfenstein 2:
    • RTX 2080 Ti @ manuelles OC
      113,8
    • 2080 Ti @ OC Scanner
      110,1
    • RTX 2080 Ti
      100,8
    • RTX 2080 @ manuelles OC
      87,4
    • 2080 @ OC Scanner
      87,1
    • RTX 2080
      81,5

Vor allem auf der GeForce RTX 2080 hat der OC Scanner eine sehr gute Arbeit verrichtet. Bezüglich der Performance macht es keinen Unterschied, ob manuell übertaktet wird oder per automatischer Software. Sicherlich lässt sich per manuellem Fein-Tuning noch etwas mehr Leistung herausholen. Viel Potenzial gibt es aber kaum noch.

Auch auf der GeForce RTX 2080 Ti funktioniert das Tool gut, kommt aber nicht ganz an die Messwerte mit manuellem Overclocking heran. Mit dem Tool gehen je nach Spiel zwei bis vier Prozent Performance verloren. Gegenüber dem Auslieferungszustand ist der OC Scanner aber immer noch sieben bis neun Prozent schneller.

Preis-Performance-Verhältnis

Werden die reine Leistung im Standard-Testparcours ohne Einfluss der neuen RT- und Tensor-Kerne und die aktuell aufgerufenen Preise ins Verhältnis gesetzt, hat Turing gegen die Vorgänger keine Chance. Der große Leistungszugewinn ist bei Preisen von 849 Euro (GeForce RTX 2080) respektive 1.249 Euro (GeForce RTX 2080 Ti) zu gering, um GeForce GTX 1080 (ca. 500 Euro) und GeForce GTX 1080 Ti (ca. 700 Euro) in dieser Disziplin Konkurrenz zu machen. Die Ti trifft das aber deutlicher als das Basismodell.

Preisliste (Stand 19.09.2018)
Angaben in Euro
    • Nvidia GeForce RTX 2080 Ti FE
      1.259
      Hinweis: UVP der Founders Edition
    • Nvidia GeForce RTX 2080 FE
      849
      Hinweis: UVP der Founders Edition
    • Nvidia GeForce GTX 1080 Ti FE
      690
    • AMD Radeon RX Vega 64
      489
    • Nvidia GeForce GTX 1080 FE
      488

Diese Betrachtung beinhaltet nicht die neuen Funktionen bzw. die Leistung der GeForce-RTX-Grafikkarten bei deren Verwendung. Stellt zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels aber bezogen auf das, was der Käufer von der Grafikkarte im eigenen System erwarten kann, einen validen Vergleich dar.

Die Leistungs- und Preisentwicklung der vier letzten Generationen der größten Ti-Version und Basisversionen verdeutlicht, wie sehr die Schere zwischen Leistungsplus im Test-Parcours und Preisaufschlag beim Ti-Modell bei der aktuellen Generation auseinander geht. Bei der GeForce RTX 2080 ist das auf Basis der UVP nicht der Fall.

Modell UVP zur Vorstellung Leistungsgewinn* gegenüber Vorgänger
Die None-Ti im Zeitverlauf
GeForce GTX 780 641 Euro n.a.
GeForce GTX 980 540 Euro (-16 % ) +26 %
GeForce GTX 1080 789 Euro (+46 %) +64 %
GeForce RTX 2080 849 Euro (+8 %) +40 %
Die Ti im Zeitverlauf
GeForce GTX 780 Ti 650 Euro n.a.
GeForce GTX 980 Ti 739 Euro (+15 % ) +50 %
GeForce GTX 1080 Ti 819 Euro (+11 %) +75 %
GeForce RTX 2080 Ti 1.259 Euro (+54 %) +35 %
* GeForce GTX 780 Ti zu 980 Ti in 1.440p, sonst 2.160p

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