Ring: Mitarbeiter sollen jahrelang Nutzer beobachtet haben

Michael Schäfer 178 Kommentare
Ring: Mitarbeiter sollen jahrelang Nutzer beobachtet haben
Bild: Neurolink | CC0 1.0

Der Hersteller von smarten Überwachungskameras und Türklingeln sieht sich schweren Anschuldigungen ausgesetzt: So sollen Mitarbeiter des im Februar des letzten Jahres für eine Milliarde Dollar von Amazon übernommenen Unternehmens Jahrelang Nutzer beobachtet haben.

Dies berichtet das Online-Portal The Intercept unter Berufung auf mehrere ehemalige Mitarbeiter des Unternehmens. Der Zugriff soll sowohl für Entwickler wie auch für die Geschäftsleitung denkbar einfach gewesen sein: Um Echtzeiteinblick in die Wohnungen zu erhalten, benötigten besagte Personen lediglich die E-Mail-Adresse des Ring-Nutzers und Zugriff auf das Videoportal des Supports – dessen Zugriffsrechte demnach von den Verantwortlichen sehr weit gefasst wurden. Danach konnte rund um die Uhr auf angeschlossene Kameras ungefiltert zugegriffen werden, sowohl im Außen- wie auch im Innenbereich.

Zugriff auf große Anzahl von Videos

Darüber hinaus hatten Mitarbeiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung in der Ukraine bis 2016 direkten und beliebigen Zugriff auf bei einem S3-Cloudspeicher von Amazon gespeicherte Ring-Videos von Nutzern auf der ganzen Welt. Dieser sollte dazu dienen, die Objekterkennung der Software zu verbessern, um Unbefugte besser von Bewohnern der Wohnung oder des Hauses zu unterscheiden. Die Informanten berichten zudem darüber, dass Mitarbeiter sich die Videos auch außerhalb ihrer Tätigkeit gegenseitig gezeigt und kommentiert haben. Über eine Datenbank konnten zudem die Videos einzelnen Nutzern zugeordnet werden.

Nach der Übernahme durch Amazon wurden die Zugriffsrechte zwar wesentlich strenger ausgelegt, die Mitarbeiter hatten jedoch anscheinend keine großen Mühen diese zu umgehen.

Unternehmen dementiert

Ring weißt die Anschuldigungen in einer Erklärung zurück. Laut dem Unternehmen nutzen die Mitarbeiter zur Auswertung lediglich Videos, die öffentlich über die Neighbours-App geteilt wurden oder bei welchen Nutzer ausdrücklich ihre Zustimmung zur Weiterverarbeitung gegeben haben. Auch wurde betont, dass der Schutz und die Sicherheit der persönlichen Daten der Kunden sehr ernst genommen werde. Dafür gebe es zum Schutz vor Missbrauch strikte Regeln. Unklar ist jedoch, ob diese Regeln bereits vor der Amazon-Übernahme verankert waren.