Alphacool Eisbaer Extreme im Test: Custom-Wasserkühlung im AiO-Gewand

Thomas Böhm 95 Kommentare
Alphacool Eisbaer Extreme im Test: Custom-Wasserkühlung im AiO-Gewand

tl;dr: Alphacool bietet mit der Eisbaer Extreme eine Custom-Wasserkühlung an, die vorbefüllt und fertig für den Einbau als Kompaktwasserkühlung beim Käufer ankommt. Kühlleistung und Erweiterungsmöglichkeiten überzeugen im Test, doch die Bauteile einer Custom-Wasserkühlung machen sich im Preis bemerkbar.

Custom-Wasserkühlung in ihrer einfachsten Art

Wer Lust auf einen wassergekühlten PC hat, muss sich zwischen zwei Kategorien entscheiden. Wahlweise kann die Kühlung per Kompaktwasserkühlung oder Custom-Wasserkühlung erfolgen. Erstere wird auch AiO („All in One“) genannt, weil sie als voll einsatzbereites Paket beim Kunden ankommt: Ein geschlossenes System, das aus Kühlkörper, Pumpe, Radiator und den Schlauchverbindungen zwischen den Komponenten besteht. Radiatorlüfter liegen einer AiO in der Regel ebenfalls bereits bei. Der Kreislauf ist schon vorbefüllt, sodass die Installation so einfach wie (oder sogar noch einfacher als) die eines Standard-Luftkühlers ist.

Im Gegensatz dazu ist der Aufwand, eine Custom-Wasserkühlung einzusetzen, deutlich höher: Von vorkonfektionierten Kits abgesehen muss eine solche Wasserkühlung vom Kunden selbst zusammengestellt und in Einzelteilen bestellt werden. Dabei muss darauf geachtet werden, dass alle Bauteile miteinander kompatibel sind und am Ende auch in das PC-Gehäuse der Wahl passen. Inklusive Befüllen, Dichtheitsprüfung und Entlüften sind folglich sowohl der Zeitaufwand als auch die Ansprüche an handwerkliches Geschick deutlich größer als bei einer AiO. Doch dafür wird der Nutzer von einer individuellen Kühlung belohnt, die neben der CPU beispielsweise auch Grafikkarte(n) und Mainboard-Spannungswandler abdeckt. Mehr Informationen zu diesem Thema enthält der Grundlagen-Artikel Luft- und Wasserkühlung.

Verbindung zweier Welten

Alphacool möchte mit den erweiterbaren Eisbaer-Kompaktwasserkühlungen den Spagat zwischen beiden Varianten schaffen. Nach der Alphacool Eisbaer (Test), die bereits mehr als nur eine geschlossene AiO zur CPU-Kühlung ist, neigt sich die Eisbaer Extreme noch deutlich mehr auf die Seite der Custom-Wasserkühlung. Insbesondere im Preis macht sich dies bemerkbar, denn mit über 200 Euro kostet die Eisbaer Extreme deutlich mehr als eine „normale“ Alphacool Eisbaer 280, die mit 130 Euro zu Buche schlägt. Im Test muss sich die Eisbaer Extreme gegen andere Kompaktwasserkühlungen behaupten und zeigen, wie gut sie sich als Ausgangsbasis einer Custom-Wasserkühlung eignet.

Alphacool Eisbaer Extreme 280
Radiator (L × B × H): 386 × 156 × 64 mm
Anschlüsse: 11/8
modulares System
Schlauchlänge: ?
Ausgleichsbehälter: 138 ml
Pumpe: 2.100 – 4.350 U/min
Lebensdauer (MTBF):
Anschluss: 4-Pin-PWM
Position: in Radiator integriert
Verbrauch: 14,0 Watt
Lüfter: 2 × 140 × 140 × 25 mm
Öldrucklager
1.300 U/min
110,1 m³/h
1,8 mm H²O
31,0 dBA
4-Pin-PWM
Entkopplung
Lüftersteuerung:
Kompatibilität: AMD: Sockel AM4/AM3(+)/AM2(+)/FM2/FM1/TR4
Intel: LGA 2011(-3)/2066/1366/115x/775
Preis: ab 216 €

Alphacool Eisbaer Extreme im Detail

Die Konzeption der Eisbaer Extreme als Kompaktwasserkühlung mit Möglichkeit zur Erweiterung macht sich in den Dimensionen bemerkbar. So gibt es die Kühlung nur mit 280-mm-Radiator. Kleinere Varianten werden erst gar nicht angeboten. Doch die Ausmaße des Radiators sind noch einmal größer, als das Radiatorformat vermuten lässt: Stolze 386 mm misst der Radiator der Eisbaer Extreme in der Länge; es werden also sogar mehr als drei 120-mm-Lüfterplätze benötigt. Ursache dafür sind Pumpe und Ausgleichsbehälter, die Alphacool in den Korpus des Radiators integriert. Dadurch steigt die Tiefe des eigentlich nur 30 mm schlanken NexXxoS-ST30-280-Radiators auf 6,4 cm an. Mit mehr als 15,6 cm Breite muss außerdem mehr Platz als für 140-mm-Lüfter eingeplant werden.

Für den Test wurde der Redaktion die Eisbaer Extreme in der Core-Edition zur Verfügung gestellt: Anstelle einer vorbefüllten Kompaktwasserkühlung gibt es hier nur den Radiator mit Pumpe; CPU-Kühler und Schläuche müssen vom Käufer selbst organisiert werden. Als CPU-Kühler nutzt die Eisbaer Extreme den Alphacool Eisblock XPX (Test), der die Liste der aktuell von ComputerBase getesteten Wasserkühler anführt. Für die Messungen der Kühlung wurde auf diesen Kühlblock zurückgegriffen, sodass die Messwerte denen einer kompletten Eisbaer Extreme entsprechen.

Radiator aus Kupfer und Silent Wings als Lüfter

Bei der Radiator-/Pumpeneinheit gibt sich Alphacool keine Blöße: Ein Vollkupfer-Radiator trifft auf Silent Wings von be quiet! im 140-mm-Format, die mit maximal 1.300 U/min arbeiten. Damit sind ein leiser Betrieb und vollständige Kompatibilität mit weiteren Bauteilen für Wasserkühlungen gewährleistet. Die meisten Kompaktwasserkühlungen nutzen aus Kostengründen Radiatoren aus Aluminium, das sich nur unter Zuhilfenahme von Korrosionsschutzmitteln mit dem edleren Kupfer verträgt, das in Custom-Wasserkühlungen zum Einsatz kommt. Eine Mischung der beiden Metalle sollte vermieden werden, weshalb ein Kupferradiator die beste Wahl für eine erweiterbare Kompaktwasserkühlung ist.

Für den Test wurde außerdem ein Blick unter die Haube gewagt: Die Eisbaer Extreme wird von einem schwarz beschichteten Metallkorpus umschlossen, der Radiator, Lüfter, Pumpe und Ausgleichsbehälter enthält. Endkunden verlieren die dreijährige Garantie auf die Kühlung , wenn sie geöffnet wird: Das Zerlegen der Eisbaer erfolgt auf eigenes Risiko. Zwar lässt sich die Eisbaer Extreme öffnen und auch wieder zusammensetzen (die Komponenten sind verschraubt), doch das Zerlegen und Zusammensetzen sind eindeutig nicht anwenderfreundlich genug gestaltet, um es Käufern zur Nachahmung zu empfehlen. Da die Lüfter mit unter der Haube stecken, können die Ventilatoren nur unter Verlust der Herstellergarantie getauscht werden.

Im Innern der Eisbaer Extreme versteckt sich ein Ausgleichsbehälter, in den eine Alphacool VPP755 (Test) eingelassen ist. Die Pumpe ist eine Eigenkreation von Alphacool, die an den Klassiker Laing D5 angelehnt ist. In der mittlerweile dritten Revision sind Kinderkrankheiten wie eine nicht stufenlose PWM-Steuerung der Pumpe behoben. Im Betrieb wird der Ausgleichsbehälter von blauen LEDs beleuchtet, deren Licht über das Sichtfenster ins Reservoir sichtbar wird. Die Beleuchtung kann nicht ausgeschaltet werden, ist aber dezent und geht in vielen Gehäusen sowieso unter, da je nach Montage-Ort des Radiators das Sichtfenster des Ausgleichsbehälters vom PC-Gehäuse verdeckt wird.

Anschlüsse und Lieferumfang

Zur elektrischen Verbindung der Eisbaer Extreme werden insgesamt drei Stecker aus dem Korpus geleitet. Die Pumpe, die gemäß ihrer Spezifikationen bis zu 14 Watt benötigt, wird via Molex-Stecker versorgt; eine gute Entscheidung, da Lüfteranschlüsse auf Mainboards mit dieser Belastung überfordert werden könnten. Zur Steuerung und Überwachung der Pumpe wird ein 4-Pin-Lüfterstecker genutzt, bei dem entsprechend nur der dritte und vierte Pin belegt sind, um das Drehzahlsignal auszulesen und eine Steuerung per PWM zu ermöglichen. Zur Stromversorgung und Steuerung der beiden Silent-Wings-Lüfter dient ein weiterer 4-Pin-Lüfterstecker.

Da ComputerBase die Core-Version der Eisbaer Extreme zum Test erhalten hat, fällt der weitere Lieferumfang spartanisch aus: Lediglich Schrauben zur Befestigung des Radiators sowie eine Anleitung, die die Montage der Nicht-Core-Version der Eisbaer Extreme erklärt, sind enthalten. Da die Core-Variante zum Zusammenstellen mit weiteren, vom Käufer separat erworbenen Bauteilen gedacht ist, ist der Lieferumfang minimalistisch, aber ausreichend. Allerdings wären kleine Zugaben wie ein Innensechskantschlüssel für die Schrauben, ein Netzteil-Überbrückungsstecker und Trichter oder eine Spritzflasche zum Befüllen der Kühlung sinnvolle Dreingaben gewesen.

Einbau und Inbetriebnahme

Wer mit der Alphacool Eisbaer Extreme liebäugelt, sollte sich der Abmessungen der Kühlung bewusst sein. Selbst das großzügig geschnittene Thermaltake Suppressor F51, in dem das Testsystem für Kühler untergebracht ist, stößt mit dem großen Radiator allmählich an seine Grenzen. Stellt ein Gehäuse beispielsweise „nur“ Platz für zwei 140-mm-Lüfter bereit, ohne Raum für die zusätzlichen gut 10 cm Länge der Eisbaer Extreme zu bieten, funktioniert der Einbau nicht. Außerdem ist die Kühlung breiter als ein 140-mm-Lüfter (15,6 cm) und mit einer Tiefe von 6,4 cm einen Zentimeter tiefer als übliche Kompaktwasserkühlungen mit installierten Lüftern.

Eine Problematik, die Käufer der Standardvariante der Eisbaer Extreme nicht betrifft, aber für alle relevant ist, die die Core-Edition erwerben möchten oder die Standard-Edition abseits der Schnellkupplungen erweitern möchten, ist das Befüllen der Wasserkühlung. Eine Custom-Wasserkühlung wird aus genau diesem Grund mit einem frei zugänglichen Ausgleichsbehälter konzipiert, sodass man nach der Installation aller Komponenten und deren Verschlauchung so bequem wie möglich an den Behälter kommt und ihn zum Befüllen des Kreislaufs nutzen kann. Bauartbedingt ist dies mit einer Kompaktwasserkühlung nicht möglich, da hier das Reservoir entweder an den CPU-Kühler oder an den Radiator angeflanscht wird. Bei der Eisbaer Extreme geht Alphacool den letztgenannten Weg.

Da bei der Installation im Testsystem die Optik zweitrangig war, wurde das Problem der Zugänglichkeit des Reservoirs weitestgehend dadurch umgangen, dass die Kühlung außerhalb des Testsystems mit dem CPU-Kühler verschlaucht und befüllt wurde. So lässt sich das Prozedere noch relativ einfach umsetzen; deshalb sind aber die Schläuche nicht in der perfekten Länge und sofern weitere Radiatoren oder Kühlkörper in den Kreislauf integriert werden sollen, funktioniert diese Umsetzung nicht mehr. Dadurch wird das Erstellen einer Custom-Wasserkühlung auf Basis einer modularen Kompaktwasserkühlung zur Geduldsprobe. Das ist ein Problem, das alle Vertreter dieses Zwitters zwischen Kompakt- und Custom-Wasserkühlung betrifft.

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