Canon EOS RP: Kompakterer DSLM-Einstieg für 1.500 Euro

Jan Lehmann 126 Kommentare
Canon EOS RP: Kompakterer DSLM-Einstieg für 1.500 Euro
Bild: Canon

Nachdem Sony mit der Alpha-Serie mehrfach vorlegte, stieg Canon mit der EOS R ebenfalls in den Markt für spiegellose Vollformatkameras ein. Die nun vorgestellte EOS RP kommt von der Technik her abgespeckter daher, ist aber nochmals kleiner und leichter und eröffnet zu Preisen ab 1.500 Euro den Einstieg in das Segment.

Einstieg auf Niveau der EOS 6D Mark II

Gegenüber der EOS R über 200 Gramm leichter, kompaktere Abmaße und 1.000 Euro günstiger – Die EOS RP ist Canons zweite Vollformat-DSLM und zugleich im Hinblick auf die Konkurrenz um Sony und Nikon das erste Einstiegsmodell. Technisch platziert sich die EOS RP auf dem Niveau der EOS 6D Mark II, übernimmt hierbei jedoch auch einige Features der EOS R. Beiden gemein ist etwa der neue Digic-8-Bildprozessor.

Von der EOS 6D Mark II übernimmt die EOS RP den 26,2-Megapixel-Sensor und identischer ISO-Lichtempfindlichkeit. Diese beträgt wie auch bei der EOS R 100 bis 40.000 und ist auf 50 bis 102.400 erweiterbar.

Ebenfalls Bildstabilisator

Schon zur Präsentation der EOS R sorgte der fehlende Bildstabilisator für Aufruhr, da die Konkurrenz eben jenen bietet. Auch die EOS RP kommt ohne beweglich gelagerten Bildsensor daher. Zwar bewirbt Canon bei der EOS RP einen fünfachsigen „Movie Digital IS“, jedoch ist jener nur software-seitig vorhanden und unterstützt, wie der Name bereits vermuten lässt, nur beim Filmen und gleicht digital Schwankungen aus.

Technischer Einstieg

Beim Autofokus unterstützt das Dual-Pixel-System eine Augenerkennung und greift auf insgesamt 4.779 wählbare Fokuspunkte zurück. Die Serienbildgeschwindigkeit wird mit maximal 5 Bildern pro Sekunde angegeben, wobei davon auszugehen ist, dass es sich hierbei um Aufnahmen im Fokusmodus AF-S handelt. Videos nimmt die EOS RP in maximal UHD-Auflösung bei 8 Bit und 25 Bildern die Sekunde auf. Der Verschluss ermöglicht gegenüber den Nebenbuhlern eine schnellste Belichtungszeit von maximal 1/4.000 Sekunde, ein Aspekt, der das angestrebte Einstiegssegment weiter unterstreicht.

Der Rotstift wird zudem vor allem beim Sucher, der Bedienung und beim Display angesetzt. Der Sucher ist mit 0,39 Zoll der Kleinste in der Riege der Vollformat-DSLM-Kameras. Gleiche Klassifizierung trifft auch auf das Display zu. Mittels Scharnier ist es zwar dreh- und schwenkbar, doch misst es nur drei Zoll und löst mit nur einer Million Pixel auf.

Aufgrund der geschrumpften Abmessungen fallen zudem viele Bedienelemente weg. Der von der EOS R bekannte Touch-Slider findet keine Verwendung. Auch ein Schulter-Display wird nicht geboten. Zur Speicherung steht zudem nur ein Speicherkartenschacht (SDXC) zur Verfügung. Dies wurde bereits zur Einführung der EOS R als auch bei den Nikon-Pendanten aufgrund fehlender Sicherungsmöglichkeiten stark bemängelten.

Für das R-Segment typisch, nutzt auch die EOS RP den neuen 54-Millimeter-Objektivflansch. Im Vergleich misst Nikons neuer Z-Mount, der jüngst mit den Modellen Z6 und Z7 eingeführt wurde, 55 Millimeter. Die Einbautiefe des Sensors liegt bei 20 mm (bei Nikon nur 16 mm). Zur Übertragung von Objektivdaten sind 12 Pinkontakte verbaut. Ebenfalls setzt die EOS RP auf das 14-Bit-RAW-Format.

Ab Ende Februar zum Kampfpreis

Preislich orientiert sich die neue EOS RP an dem Spiegelpartner EOS 6D Mark II. Das Gehäuse schlägt mitsamt Objektivadapter für den R-Mount mit rund 1.500 Euro zu Buche. Zur Einführung rief Canon für die EOS 6D Mark II 2.100 Euro auf – der Straßenpreis liegt derweil indes bei 1.600 Euro. Im Bundle mit dem Canon RF 24-105 Objektiv und dem Mount-Adapter EF-EOS R werden rund 2.500 Euro ausgerufen.

Roadmap zum EOS-R-System

Weiter zeigt Canon zur Präsentation seine geplanten Objektivneuerungen für den R-Mount. Hier zieht Canon mit sechs geplanten Linsen mit Nikon gleich. Hat Nikon mit dem geplantem 58 mm Noct f/0.95 ein Highlight auf dem Zettel, kontert Canon mit gleich zweien. Neben üblichen Festbrennweiten und Zoom-Objektiven will Canon 2019 noch ein RF 85 mm F1.2L USM DS auf den Markt bringen. Das Kürzel „DS“ steht dabei für Defocus Smoothing und erlaubt einen speziellen Fokuseingriff, der gerade für Portraitfotos nützlich ist. Auch Nikon hat eine solche Technik, die beiden entsprechenden Objektive (105 mm f/2.0 und 135 mm f/2.0) sind jedoch noch teil-analog, werden jedoch noch bis heute vertrieben.

Canon EOS R Roadmap
Canon EOS R Roadmap (Bild: Canon)

Als weiteres Highlight dürfte sich der Filter-Adapter entpuppen. Neben der Adaption von Canon EF zu Canon R können hier kleine Drop-in-Filter eingesetzt werden. So kann künftig ein Filtersystem für alle Objektive genutzt werden, unabhängig von deren Filterdurchmesser. Zudem gibt es Objektive, auf denen aufgrund ihrer leicht gewölbten Frontlinse kein Filter geschraubt werden kann – hier musste bis zuletzt auf externe Filterhalter und Filterkarten zurückgegriffen werden. Preise und Termine zu den neuen Objektiven nennt Canon noch nicht.

Update 15.02.2019 12:21 Uhr

Der von Canon beworbene „Digital IS“ zur Stabilisierung von Filmaufnahmen ist kein interner Bildstabilisator im eigentlichen Sinne. Die Ursprungsmeldung wurde dahingehend angepasst. Die Redaktion bedankt sich für den Hinweis.

Technische Daten im Überblick

Modell Canon EOS R Canon EOS RP Nikon Z7 Nikon Z6 Sony Alpha 7R III Alpha 7 III
Sensor Sensor CMOS, Vollformat
Auflösung in MP 30,3 26,2 45,7 24,5 42,4 24,2
Tiefpassfilter ja ? nein ja
Infrarot-Sperrfilter Standard
Empfindlichkeit (ISO) 100 – 40.000
(50 – 102.400)
64 – 25.600
(32 – 102.400)
100 – 51.200
(50 – 204.800)
100 – 32.000
(50 – 102.400)
100 – 51.200
(50 – 204.800)
Bildprozessor Digic 8 Expeed 6 BIONZ X
Farbtiefe 14 Bit
Bildstabilisierung nein ja, 5 Achsen
5 EV
Autofokus Typ Phasen ? hybrid
Phasen, Kontrast
hybrid
Phasen, Kontrast
AF-Felder 5.655 4.779 493 (Phasen)
? (Kontrast)
273 (Phasen)
? (Kontrast)
399 (Phasen)
425 (Kontrast)
693 (Phasen)
425 (Kontrast)
Serienbilder Bilder / Sek. 8 fps (AF-S),
5 fps (AF-C)
5 fps 9 fps (AF-C) 12 fps (AF-C) 10 fps (AF-C)
Puffer RAW ? 50 ? 76 177
Puffer JPEG ? un. ? 76 89
Verschlusszeit 1/8.000 bis 30 Sekunden / BULB 1/4.000 bis 30 Sekunden / BULB 1/8.000 bis 30 Sekunden / BULB
Display Größe 3,15 Zoll 3,0 Zoll 3,0 Zoll 3 Zoll
Auflösung 2,1 Mio. Pixel 1,04 Mio. Pixel 2,1 Mio. Pixel 1,4 Mio. Pixel. 921.600 Sub-Pixel
Schwenkbar ja nein
Neigbar ja
Touch ja
Sucher elektrisch, OLED 0,5 Zoll
3,7 Mio. Pixel
Faktor 0,71
elektrisch, OLED 0,39 Zoll
2,36 Mio. Pixel
Faktor 0,70
elektrisch, OLED 0,5 Zoll
3,7 Mio. Pixel
Faktor 0,80
elektrisch, OLED 0,5 Zoll
3,7 Mio. Pixel
Faktor 0,78
elektrisch, OLED 0,5 Zoll
2,4 Mio. Pixel
Faktor 0,78
Video H.264/MPEG 4
UHD, 30p, 10 bit
H.264/MPEG 4
UHD, 25p, 8 bit
H.264/MPEG 4
UHD, 30p, 10 bit
XAVC S
UHD, 30p, 100 Mbit/s
Speicher 1 × SDXC (UHS II) 1 × XQD 1 × SDXC / Memory Stick Duo (UHS I, II)
1 × SDXC (UHS I)
Gehäuse Abmessung ca. mm 135,8 × 98,3 × 84,4 132,5 × 85,0 × 70,0 134 × 100,5 × 67,5 126,9 × 95,6 × 73,7
Material Magnesium
Gewicht ca.* 660 g 485 g 675 g 657 g 650 g
Konnektivität 2,4 GHz WLAN, Bluetooth 4.1 2,4 u. 5 GHz WLAN, Bluetooth Bluetooth, 2,4 GHz WLAN, NFC
Vorstellung Sept. 2018 Feb. 2019 Aug. 2018 Okt. 2017 Feb. 2018
UVP zur Einführung 2.499 € 1.499 €** 3.850 €** 2.450 €** 3.500 € 2.300 €
* Gewicht bei eingelegtem Akku und Speicherkarte
** Preis inklusive Objektivadapter