850-Watt-Netzteile im Test: Asus ROG und Gigabyte Aorus gegen Corsairs Topmodell

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Nico Schleippmann 108 Kommentare

Testergebnisse

Für die Netzteile kamen während der Tests folgende selbstkalkulierten Lasten zum Einsatz. Die prozentualen Auslastungen stellen dabei die Lastverteilung nach, wie sie die 80Plus-Organisation verwendet. Die festen Lasten sollen typische Lastverteilungen aktueller Hardware-Konfigurationen simulieren.

Die im Test verwendeten Lasten im Detail

Die einzelnen Ergebnisse jeder Kategorie können anhand der Schaltflächen über den Diagrammen durchgeschaltet werden.

Effizienz

Mit einer Eingangsspannung von 115 V kann das Corsair AX850 die sehr hohe Anforderung an die Effizienz von 94 % nach den Testbedingungen von 80Plus deutlich erfüllen. Bisherige 80Plus-Titanium-Netzteile dieser Leistungsklasse hatten stets Probleme, diese Vorgabe zu erfüllen. Dementsprechend positioniert sich das Netzteil auch beim restlichen Auslastungsintervall klar oberhalb der Konkurrenz. Demgegenüber hat das Asus ROG Thor 850P Schwierigkeiten, dem Wirkungsgrad nach 80Plus Platinum gerecht zu werden. Mit Einbezug von Messtoleranzen kann dem Netzteil eine Konformität zu dieser Wirkungsgrad­zertifizierung aber noch nachgewiesen werden. Nur minimal darunter ordnet sich das Gigabyte Aorus P850W ein, obwohl es mit 80Plus Gold nach der nächst niedrigeren Zertifizierungsstufe ausgezeichnet ist. Für die Eingangsspannung mit 230 V und einer Lastverteilung nach 80Plus bleiben die Verhältnisse nahezu bestehen.

Bei „festen“ Lasten, die einer Lastverteilung moderner PC-Systeme nachempfunden ist, können die Netzteile den höchsten Wirkungsgrad nachweisen. Hier erreicht das AX850 einen Spitzenwirkungsgrad von 95,6 %, während bei bisherigen Testprobanden bei maximal 94,7 % Schluss war. Das ROG Thor 850P erreicht im optimalen Auslastungsbereich ein durchschnittliches Niveau von knapp über 93 %. Das Aorus P850W arbeitet mindestens genauso effizient und ordnet sich damit im Mittelfeld der 80Plus-Platinum-Netzteile ein.

Leistungsfaktorkorrektur (PFC)

Die Leistungsfaktorkorrektur lässt keine Auffälligkeiten erkennen. Das ROG Thor 850P nimmt schon bei Niedriglast den Strom sehr sauber auf und verzerrt somit die Netzspannung für andere Endgeräte im Niederspannungsnetz am wenigsten.

Spannungsregulation

Die Lastregelung der Ausgangsspannungen funktioniert beim ROG Thor 850P und AX850 am genausten. Alle Hauptschienen weisen quasi konstante Spannungen über den kompletten Auslastungsbereich auf. Das Aorus P850W gerät dagegen etwas ins Hintertreffen, für ein Oberklasse-Netzteil können dem Modell dennoch gute Ergebnisse bescheinigt werden.

Restwelligkeit

Die Filterung der Restwelligkeit bereitet keinem der Probanden Schwierigkeiten. Die Wechselspannung beläuft sich auf Spitze-Spitze-Werte im unteren zweistelligen Millivolt-Bereich. Auf den Minor-Rails (3,3 und 5 V) des ROG Thor 850P und des AX850 sind es sogar unter 10 mV. Alle drei Netzteile können daher in diesem Test exzellente Ergebnisse abliefern.

Schutzschaltungen

Die Überstromsicherungen (OCP) auf den Ausgangsschienen funktionieren bei allen drei Probanden einwandfrei. Nur für die 12-Volt-Schiene des ROG Thor 850P und des Aorus P850W wird die weitverbreitete Sparmaßnahme angewandt, die OCP mit der Überlastsicherung (OPP) zu ersetzen. Die Schwellwerte zur Auslösung des Überhitzungsschutzes (OTP) wurden von Corsair und Gigabyte sinnvoll gesetzt, sodass keine schwerwiegenden Defekte bei Überhitzung zu erwarten sind. Die 140 °C am Kühlkörper des ROG Thor 850P versprechen dagegen eher eine Scheinsicherheit, weil Temperaturen in diesem Ausmaß selbst mit natürlicher Konvektion in der Realität kaum zu erreichen sind.

Asus ROG Thor 850P
Sicherung Nennstrom / Nennleistung Auslösepunkt der Schutzschaltung
3,3 V OCP 20 A 27 A
5 V OCP 20 A 26 A
12 V OCP 71 A 102 A
5 VSB OCP 3 A 6,3 A
OPP 850 W 1.200 W (Abschaltung bedingt durch OPP)
OTP 140 °C (Kühlkörper der Synchrongleichrichter-MOSFETs)
Corsair AX850
Sicherung Nennstrom / Nennleistung Auslösepunkt der Schutzschaltung
3,3 V OCP 20 A 36 A
5 V OCP 20 A 43 A
12 V OCP 70 A 100 A
5 VSB OCP 3 A 3,9 A
OPP 850 W 1.200 W
OTP 100 °C (Kühlkörper der Synchrongleichrichter-MOSFETs)
Gigabyte Aorus P850W
Sicherung Nennstrom / Nennleistung Auslösepunkt der Schutzschaltung
3,3 V OCP 20 A 35 A
5 V OCP 20 A 32 A
12 V OCP 70,5 A 93 A (Abschaltung bedingt durch OPP)
5 VSB OCP 3 A 4,0 A
OPP 850 W 1.110 W
OTP 100 °C (Synchrongleichrichter-MOSFETs)

Die Kurzschlusssicherung (SCP) wird anhand zweier Messmethoden überprüft. Ein niederohmiger Kurzschluss wird auf den zusammengelegten Leitungen einer Spannungsschiene und einem SATA-Stecker verursacht. Alle drei Netzteile erkennen diese Fehlerfälle korrekt.

Wärmekammer

Gegenüber den Messungen bei Raumtemperatur werden die Netzteile in der Wärmekammer einer höheren Belastung ausgesetzt. Mit dem Betrieb bei der maximalen Temperaturspezifikation von 50 °C muss auf jeden Fall von einer Verringerung der Lebensdauer ausgegangen werden, da die angegebene MTBF nur für mittlere Umgebungstemperaturen gilt. Die folgenden Messungen wurden mit anderem Mess-Equipment und abweichender Lastverteilung bei einer Umgebungstemperatur von 50 °C und Volllast durchgeführt.

Alle vier Probanden verrichten ihren Dienst bei einem solchen Extremszenario korrekt, auch wenn höhere Welligkeiten auf den Ausgangsschienen messbar sind. Auf die Spannungsregelung haben die höheren Temperaturen wiederum keine negativen Auswirkungen.

Ausgangsspannungen ROG Thor 850P AX850 Aorus P850W
12 V 12,05 V 12,25 V 12,16 V
5 V 5,00 V 5,02 V 5,06 V
3,3 V 3,30 V 3,33 V 3,34 V
5 VSB 4,95 V 5,00 V 5,02 V
‑12 V ‑12,53 V ‑11,86 V -12,03 V

Die höhere Umgebungstemperatur bedeutet für das Kühlsystem deutlich mehr Arbeit, weshalb die Lüfter des ROG Thor 850P, des AX850 und des Aorus P850W mit 1.565, 1.500 und 1.770 Umdrehungen pro Minute sehr hoch drehen müssen.

Stützzeit & ErP

Gerade für günstige Netzteile wird gerne am Stützkondensator gespart, weil ein ordnungsgemäßer Betrieb in einem stabilen Niederspannungsnetz wie dem deutschen auch für geringere Stützzeiten sichergestellt wird. Nur Gigabyte verfehlt die Vorgabe von 16 ms knapp. Diese Größe ist im Allgemeinen aber nur bei Verwendung einer Offline-USV und dem Betrieb bei dauerhafter Volllast von Bedeutung.

10 Einträge
Stützzeit
Angaben in Millisekunden
  • AC_loss bis PWR_OK-Ende:
    • Gigabyte Aorus P850W
      15,3
    • Minimum
      16,0
    • Enermax MaxTytan 800W
      17,1
    • Aerocool P7-650W
      19,7
    • Sea Sonic Prime Gold 650W
      20,1
    • Corsair HX850
      20,6
    • Asus ROG Thor 850P
      21,0
    • Sea Sonic Prime Platinum 850W
      22,5
    • Corsair AX850
      22,6
  • PWR_OK-Ende bis DC_loss:
    • Minimum
      1,0
    • Gigabyte Aorus P850W
      1,7
    • Corsair AX850
      1,9
    • Aerocool P7-650W
      2,1
    • Enermax MaxTytan 800W
      3,9
    • Sea Sonic Prime Platinum 850W
      4,6
    • Sea Sonic Prime Gold 650W
      4,6
    • Asus ROG Thor 850P
      5,6
    • Corsair HX850
      11,2

Aber nicht nur die Stützzeit selbst ist ein relevantes Messergebnis, sondern auch der Zeitpunkt, wenn das Netzteil das PWR_OK-Signal fallen lässt, bevor die Spezifikationen der Spannungsschienen verlassen werden (DC_loss). Diese Zeit soll mindestens 1,0 ms betragen, wobei eine möglichst kurze Zeitspanne bevorzugt wird, weil dadurch die Stützzeit verlängert wird. Alle drei Netzteile übertreffen diesen Wert. Asus verschenkt aber etwas Stützzeit, weil das Power-OK-Signal schon früh auf den Low-Pegel-Zustand springt.

ErP Lot 6 2013 ROG Thor 850W AX850 Aorus P850W
Keine Last 0,17 0,19 0,12
45 mA auf 5 VSB 0,48 0,49 0,42
Maximum 0,50
Aufgenommene Leistung in Watt

Die EU-Energiesparrichtlinien für den Standby-Modus erfüllen alle drei Netzteile klar.

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