Razer Kraken (2019) im Test: Headset-Allrounder mit gutem Klang und Mikrofon

Michael Schäfer 56 Kommentare
Razer Kraken (2019) im Test: Headset-Allrounder mit gutem Klang und Mikrofon

tl;dr: Mit dem Kraken 2019 hat Razer eine Neuauflage des bekannten Headsets veröffentlicht, das zu einem UVP von rund 80 Euro neben einer guten Verarbeitung auch mit dem Klang und dem Mikrofon punkten kann. Das Kraken ist damit ein universeller Begleiter. Das kurze, dünne und fest verbundene Kabel hält da nicht mit.

Design und Verarbeitung

Das neue Razer Kraken 2019 ist eine Neuauflage des bereits im Jahr 2014 unter gleichem Namen erschienenen Headsets und soll laut Razer die Nachfolge des Kraken Pro V2 antreten, dessen äußerliche Gestaltung übernommen wurde. Der UVP liegt bei 79,99 Euro, während das Original und Version Pro V2 für 65 bis 70 Euro den Besitzer wechseln.

Gute Materialien und solide Verarbeitung

Die aktualisierte Farbpalette reicht von dezent (Schwarz und Schwarz mit blauen Akzenten) über Rosa bis hin zu Neongrün – das Testmuster setzt auf diesen Farbton. Die Verarbeitungsqualität fällt sehr gut aus. Und auch wenn Razer beim Kraken einen recht niedrigen UVP ansetzt, ist dies bei den verwendeten Materialien nicht zu spüren. Hier geben sich Kunststoff und Bauxit-Aluminium in gleichen Anteilen die Hand. Der laut Hersteller mit dickerem Schaumstoff versehene Bügel wird unten von Stoff und oben von Kunstleder umgeben.

Razer Kraken
Razer Kraken

Die Ohrmuscheln passen sich in der Ausrichtung den Ohren nur vertikal und in einem geringen Maße an. Die horizontale Ausrichtung hat Razer gänzlich eingespart. Die eigentliche Anpassung an die Ohren findet somit hauptsächlich über die aus Formgedächtnispolymer gefertigten und leicht austauschbaren Ohrpolster statt.

Kühlende Ohrpolster

Mit einem Gewicht von 322 Gramm lässt sich der Razer Kraken angenehm tragen, Gleiches gilt für den Anpressdruck der Ohrmuscheln, der im Gegensatz zu anderen Herstellern nicht zu stark ausfällt. Somit kann das Headset auch über einen längeren Zeitraum ohne Probleme getragen werden. Ein in der neuen Version in den Ohrpolstern eingearbeitetes Kältegel soll zum Tragekomfort beitragen. Lediglich die Bezüge aus Kunstleder könnten bei dem einen oder anderen Nutzer für leichtes Schwitzen sorgen. Brillenträger sollen darüber hinaus von den eigens dafür vorgesehenen integrierten Kanälen in den Polstern profitieren.

Bei schnellen Bewegungen wirkt sich der angenehme Tragekomfort jedoch negativ aus, hier kann das Kraken sehr schnell verrutschen.

Die mit Kühlgel versehenen Ohrpolster lassen sich leicht wechseln
Die mit Kühlgel versehenen Ohrpolster lassen sich leicht wechseln

Sparmaßnahmen am Kabel

Auf RGB-Spielereien hat Razer beim neuen Headset gänzlich verzichtet, was nicht zuletzt auf den genutzten Anschluss per 3,5-mm-Klinke zurückzuführen ist. Hier zeigen sich dann auch erste negative Auswirkungen des niedrigen Preises: Das von einem Stoff umgebene und geschützte Kabel ist fest mit dem Headset verbunden und fällt dünner aus als bei der Konkurrenz. Gleiches gilt für den vierpoligen Anschlussstecker, dessen Übergang zum Kabel kurz ausfällt. Ach das Kabel ist mit 1,3 m kurz geraten, in Kombination mit einem unter dem Tisch gestellten Rechner wird der Bewegungsraum schnell stark eingeschränkt.

Für den Anschluss an Soundkarten, die den Kopfhörerausgang sowie Mikrofoneingang noch getrennt auslegen, legt Razer einen Adapter bei, der mit 2 m deutlich länger ausfällt als das Anschlusskabel des Headsets selbst. Hier wäre ein Anschlusskabel von 2 m bis 2,5 m mit dafür kleinerem Adapter die bessere Lösung gewesen. Über einen USB-Anschluss verfügt das Headset nicht.

Kabelbedienung als einziges Bedienelement beim Razer Kraken
Kabelbedienung als einziges Bedienelement beim Razer Kraken
Die Anschlussstecker des Razer Kraken könnten etwas dicker sein
Die Anschlussstecker des Razer Kraken könnten etwas dicker sein

Das Kraken bietet keine Bedienelemente am Headset selbst, die Regelung der Lautstärke kann aber über einen kleinen, im Kabel eingelassenen Regler vorgenommen werden. Gleiches gilt für das Stummschalten des, wie vom Hersteller bekannt, in der Ohrmuschel verstaubaren Mikrofons.

Aktuell ist das Kraken exklusiv nur über Razer zu einem Preis von 79,99 Euro erhältlich. Erst im zweiten Quartal 2019 soll das Headset über Drittanbieter verfügbar sein. Es ist davon auszugehen, dass der Preis dann noch etwas sinken wird.

Modell: Razer Kraken 2019 Sennheiser GSP 550 Sennheiser GSP 500 Logitech G635 Lioncast LX55 LX55 USB beyerdynamic Custom Game
Typ: Over-Ear halb offen Over-Ear offen Over-Ear geschlossen
Treiber: 50 mm Neodymium Pro-G 50 mm 53 mm High-Performance-Neodymium Unbekannt
Frequenzbereich: 12–28.000 Hz 10­–30.000 Hz 20–20.000 Hz 5–35.000 Hz
Anschluss: 3,5-mm-Klinke USB 3,5-mm-Klinke USB, 3,5-mm-Klinke 3,5-mm-Klinke USB, 3,5-mm-Klinke 3,5-mm-Klinke
Kabel abnehmbar: Nein Ja
Kabel-Fernbedienung: Ja Nein Ja
Bedienelemente am Headset: Nein Ja Nein
Integrierte Soundkarte: Nein Ja Nein Ja Nein Ja Nein
Raumklang: Nein Ja Nein Ja Nein Ja Nein
Frequenzbereich
Mikrofon:
100–10.000 Hz 10–18.000 Hz 100–10.000 Hz 30–18.000 Hz
Mikrofon abnehmbar: Nein Ja
Gewicht (ohne Kabel): 322 g 358 g 344 g 305 g 325 g 282 g
RGB-Beleuchtung: Nein Ja Nein Ja Nein
UVP: 79,99 Euro 249 Euro 229 Euro 149 Euro 59,95 Euro 79,95 Euro 229 Euro

Guter Klang – auch für unterwegs

Das Kraken macht Spaß, denn im Gegensatz zu vielen anderen Konkurrenten in dem Preissegment gibt sich das Headset mit einem guten Bassfundament und einer guten Höhenwiedergabe sehr spielfreudig. Dafür sollen laut Hersteller vor allem die verbesserten Neodym-Treiber (50 mm) sorgen. Diese ermöglichen laut Razer einen Frequenzgang von 12 bis 28.000 Hz und sorgen dadurch für einen deutlich besseren Klang als unter anderem beim in etwa gleich teuren LX55 USB von Lioncast (Test). Selbst die beiden deutlich teureren Sennheiser-Modelle GSP 500 und GSP 550 (Test) klingen im Vergleich zum Razer-Neuling deutlich greller und sind mit einem geringeren Bassfundament ausgestattet; dafür spielt der Tragekomfort in einer anderen Liga.

Geschlagen geben muss sich das Kraken beim Klang aber am Ende dem Testsieger des letzten Headset-Vergleichstests, dem beyerdynamic Custom Game (Test). Dieses klingt gerade bei der Musikwiedergabe noch einmal deutlich ausgewogener und luftiger, auch das Stereo-Bild erscheint breiter und die Wiedergabe somit räumlicher. Dafür ist das Headset jedoch mehr als doppelt so teuer.

Das Kraken bietet stabile Ohrmuscheln
Das Kraken bietet stabile Ohrmuscheln

In vielen Bereichen einsetzbar

Das Kraken macht dennoch klanglich in allen Bereichen eine gute Figur. Bei Spielen sorgt das Bassfundament für den nötigen Rumms. Die gute Höhenwiedergabe gewährleistet gleichzeitig eine gute Ortung selbst von leisen Tönen, was bei manchen Spielen nicht selten über Sieg oder Niederlage entscheidet. Auf Surround-Spielereien verzichtet Razer beim Kraken, eine erwünschte Virtualisierung muss somit über die Soundkarte vorgenommen werden.

Neben Spielen machen auch Musik und Filme mit dem Kraken Spaß, womit es sich auch für die mobile Nutzung unterwegs empfiehlt.

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