Benchmarks: „Vorabtest“ von Ryzen 5 3600 veröffentlicht

Michael Günsch 839 Kommentare
Benchmarks: „Vorabtest“ von Ryzen 5 3600 veröffentlicht

Knapp zwei Wochen vor dem offiziellen Startschuss für die Ryzen-3000-CPUs mit Zen-2-Architektur ist ein erster „Vorabtest“ online gegangen. Die spanische Website El Chapuzas Informático hat den Ryzen 5 3600 auf einem X470-Mainboard getestet. Dessen BIOS zickte beim Einsatz von Ryzen 3000 allerdings noch.

Das verspricht AMD mit Zen 2 bei den Ryzen 3000

Der in 7 nm gefertigte Ryzen 5 3600 verfügt wie sein in 12 nm gefertigter Vorgänger Ryzen 5 2600 über sechs Kerne und 12 Threads. Die Taktfrequenz liegt mit 3,6 GHz Basistakt und 4,2 GHz maximalem Turbotakt rund 6 Prozent respektive 8 Prozent höher, auf dem Papier zieht der 3600er hier mit dem 2600Xer gleich. Hinzu kommen allerdings Verbesserungen durch die neue Zen-2-Architektur, die unter anderem einen doppelt so großen L3-Cache (32 MB statt 16 MB) und eine doppelt so breit aufgestellte Einheit für Fließkommaberechnungen (256 Bit statt 128 Bit) mit sich bringt.

Mit Zen 2 verspricht AMD eine Steigerung von bis zu 15 Prozent bei den Instruktionen pro Taktzyklus (IPC), sodass die Ryzen 3000 schon bei gleichem Takt und gleicher Kernanzahl deutlich schneller als die Ryzen 2000 arbeiten sollten. Hinzu kommen leichte Taktsteigerungen und die Unterstützung für schnelleren DDR4-Speicher (3200 MHz statt 2933 MHz) sowie die Aufstockung auf vorerst bis zu 12 Kerne (Ryzen 9 3900X) und ab September bis zu 16 Kerne (Ryzen 9 3950X).

Mehr Details zur neuen Technik liefert der ComputerBase-Bericht Zen 2 Architektur: Ryzen 3000 sind AMDs stärkste Desktop-Prozessoren.

Vorabtest des Ryzen 5 3600 auf X470-Mainboard

Vor diesem Hintergrund sind die Erwartungen an die neue Ryzen-Generation entsprechend groß. Der Test von El Chapuzas Informático gibt zumindest einen groben Ausblick und deutet große Leistungssteigerungen in diversen Disziplinen an. Die Ergebnisse sind allerdings noch nicht als „endgültig“ zu betrachten, denn an mancher Stelle offenbarten sich noch Probleme mit der Plattform, die im Zweifel nicht nur bestimmte Benchmarks, sondern auch die praktischen Spieletests betreffen. Statt eines neuen X570-Mainboards wurde ein X470-Mainboard von Gigabyte verwendet. Dieses soll dank neuem BIOS (F40) zwar angeblich die neuen Ryzen 3000 der Familie Matisse vollständig unterstützen, doch weiß die Redaktion aus eigener Erfahrung, dass die Software bestenfalls Beta-Status besitzt und in den letzten Wochen vor dem Marktstart noch kräftig am BIOS-Support gefeilt wird.

AMD Ryzen 5 3600 in CPU-Z
AMD Ryzen 5 3600 in CPU-Z (Bild: El Chapuzas Informático)

Die Tests seien mit aktuellem Windows 10 samt den neuen Patches gegen diverse Sicherheitslücken bei Intel und zum Teil AMD durchgeführt worden. Zur Kühlung des Ryzen 5 3600 wurde der mitgelieferte Standardkühler verwendet. Als Grafikkarte diente eine GeForce RTX 2080 Ti und der Arbeitsspeicher soll mit DDR4-3200 gearbeitet haben.

Ryzen 5 3600 in Benchmarks und Spielen

Die publizierten Resultate beginnen mit Benchmark-Klassikern. In Cinebench 15 kann der Ryzen 5 3600 im Multi-Thread-Test manchen Achtkerner wie den Ryzen 7 1700X mit 16 Threads hinter sich lassen; der Core i7-9700K ist mit nur 8 Threads hier eine leichte Beute. Bei Single-Thread kann der Ryzen 5 3600 auch den Ryzen 7 2700X hinter sich lassen, überbietet diesen um 11 Prozent und ist mit mutmaßlich 4,2 GHz nur vier Prozent langsamer als Intels Core i9-9900K mit brachialem 5-GHz-Turbo. 5 Prozent weniger Leistung bei 16 Prozent weniger Takt bedeutet: Zen 2 liegt bei der IPC vor Coffee Lake (a.k.a. Skylake). Im Cinebench 20 liegt der Neuling bei Multi-Thread ebenfalls hinter den genannten Kontrahenten zurück, kann bei Single-Thread aber erneut Intels Mainstream-Flaggschiff fast einholen.

In wPrime, einem Benchmark, der seit Jahren praktisch von Intel-CPUs dominiert wird, gelingt dem Ryzen 5 3600 der Sprung in das Spitzenfeld sowohl mit einem als mit mehreren Threads. Beim x264-Benchmark muss sich die Matisse-CPU nur den jüngeren Achtkernern von AMD und Intel geschlagen geben.

Schwächen bei Speicherdurchsatz und -Latenz

Bei den Tests (Aida64) zu Speicherlatenz und Speicherdurchsatz zeigen sich dann die ersten Makel im bisher starken Auftritt bei synthetischen Benchmarks. In beiden Fällen liegt der Ryzen 5 3600 deutlich hinter seinem Vorgänger und erreicht nur in etwa das Niveau der Budget-APU Athlon 200GE. Hier ist zwar möglich, dass der Speicher mit angezogener Handbremse und nicht der vollen Geschwindigkeit arbeitete. Doch hatte AMD bereits Latenzen im Bereich von relativ hohen 69 ns für DDR4-3200 (C14) angekündigt (siehe Bild unten). Letztlich bedeutet das neue Chiplet-Design, dass der Speichercontroller nicht mehr im gleichen Die wie die CPU-Kerne liegen und Signale einen Umweg nehmen müssen. Die niedrigen Werte könnten demnach sogar stimmig sein. Für die CPU-Leistung ist aber das Gesamtpaket entscheidend und der verdoppelte L3-Cache sollte beim internen Datentransfer große Hilfe leisten.

Speicherlatenz (Aida64?)
Speicherlatenz (Aida64?) (Bild: El Chapuzas Informático)
Speicherdurchsatz Aida64
Speicherdurchsatz Aida64 (Bild: El Chapuzas Informático)
RAM-Modi und Latenzen für Zen 2 laut AMD
RAM-Modi und Latenzen für Zen 2 laut AMD (Bild: AMD)

Es folgen verschiedene Tests der 3DMark-Familie sowie weitere Grafikbenchmarks, wo der Ryzen 5 3600 fast immer den Ryzen 7 2700X hinter sich lässt, sich aber oft dem Core i9-9900K geschlagen geben muss. Einige Tests rangieren augenscheinlich am GPU-Limit und haben damit wenig Aussagekraft für die CPU-Leistung.

Bei den Spieletests mit Assassin's Creed Odyssey, Far Cry 5, Final Fantasy XV und Total War Warhammer 2 ist der Ryzen 5 3600 fast immer schneller als der Ryzen 7 2700X, erreicht den Core i9-9900K aber nicht. Intels Topmodell für den Sockel LGA 1151 ist aber auch nicht sein Gegenspieler.

Allenfalls oberflächlich sind die Messungen der Leistungsaufnahme, die dem gesamten System mit Ryzen 5 3600 unter CPU-Last rund 125 Watt und mit zusätzlicher GPU-Last rund 360 Watt bescheinigen. Der Ryzen 5 3600 soll sich dabei etwas mehr Strom als der Ryzen 5 2600 genehmigt haben, was der Autor direkt mit „keiner Steigerung der Energieeffizienz“ schlussfolgert – eine Aussage, die es ebenso noch genauer zu prüfen gilt. Mit dem Standardkühler soll die CPU maximal 75 °C erreicht haben.

Letztlich scheint dieser Vorabtest im Großen und Ganzen die durch AMD geschürten hohen Erwartungen zu bestätigen, mit Sicherheit sagen lässt sich das auf der genutzten Basis aber nicht.

Kein Wettlauf um die ersten Benchmarks im Netz

ComputerBase wird zu gegebenem Zeitpunkt hingegen absolut belastbare Ergebnisse veröffentlichen. Zu diesem Zweck testet die Redaktion bereits seit Wochen auch ältere CPUs mit Zen, Zen+, Haswell, Skylake, Coffee Lake und Skylake-X auf aktuellem Windows mit allen verfügbaren Sicherheitspatches nach.

Auf einen vergleichbaren Vorabtest des Ryzen 5 3600 mit X470, der der Redaktion bereits vor drei Wochen und damit noch vor der Bekanntgabe auf der Computex möglich gewesen wäre, hat ComputerBase hingegen verzichtet und wird auch mit allen weiteren eigenen Veröffentlichungen oder Verlautbarungen abwarten, bis AMD den offiziellen Startschuss gibt. Dann bietet die Plattform das, was der Hersteller zum Marktstart auch zu verantworten hat.

Außerdem gilt es einen Wettlauf der Tech-Magazine um die ersten „inoffiziellen“ Benchmarks im Netz zu vermeiden. Er würde zwangsläufig in immer knapperen und fragwürdigeren Inhalten münden und dem Leser am Ende am wenigsten nutzen.

Vor dem offiziellen Startschuss sind alle Resultate (in diesem Fall konkrekt aufgrund der beschriebenen Probleme unter anderem beim Speichersupport) noch mit Vorsicht zu genießen. Erst wenn diese mit einem wirklich „finalen“ BIOS behoben worden sind, lohnt sich ein genauerer Blick, der sich natürlich auch auf die neue X570-Plattform richten wird. Die Spannung darf also weiterhin hoch gehalten werden.

Update 25.06.2019 22:16 Uhr

El Chapuzas Informático hat Ergebnisse mit einem X570-Mainboard nachgereicht. Im Gros fällt die Leistung identisch aus. Auch mit dem neuen Mainboard, dessen Hersteller nicht verraten wird, zeigen sich Schwächen bei Speicherdurchsatz und Latenz, für die aber erneut keine Erklärung geliefert wird.