5G und Gesundheit: Deutsche Telekom will aufklären, tut es aber nicht

Sven Bauduin 207 Kommentare
5G und Gesundheit: Deutsche Telekom will aufklären, tut es aber nicht
Bild: Deutsche Telekom

Der 5G-Ausbau inklusive Small Cells für die Innenstädte hat das Thema Mobilfunk und Gesundheit erneut in den Fokus gerückt. Nach der selbst angestoßenen Debatte um den Breitbandausbau will die Deutsche Telekom besorgte Bürger auch bei diesem Thema abholen, die versprochene Aufklärung liefert sie in diesem Fall aber nicht.

Mehr Strahlung: LTE, 5G und Smart Cells

Das Mobilfunknetz der Deutschen Telekom soll bis zum Ende des Jahres 2019 um mehr als 2.000 Mobilfunkstandorte erweitert werden. Die Verdichtung des LTE-Netzes bildet die Basis für den neuen Mobilfunkstandard 5G, für den das Unternehmen aus Bonn in diesem Herbst die ersten Kunden freischalten möchte.

Eine Verdichtung der Netze erfolgt sowohl in urbanen als auch in ländlichen Regionen. Etwa die Hälfte aller neuen Mobilfunkmasten will die Deutsche Telekom in ländlichen Regionen errichten. In Ballungsgebieten und urbanen Regionen wie zum Beispiel Innenstädten plant der Konzern hingegen mit sogenannten „Small Cells“, die den Netzausbau vorantreiben sollen, wo Kunden ihn benötigen.

Sende- und Empfangseinrichtungen nehmen damit nicht nur in Summe zu, sie kommen Nutzern auch deutlich näher. Das regt seit Jahren Misstrauen, beispielhaft zusammen getragen von Quarks.

Neun Fragen, keine klaren Antworten

Neun Fragen zum Thema Mobilfunk und Gesundheit will die Telekom deshalb in einem aktuellen Blog-Beitrag beantworten. Doch schon bei der dritten bleibt sie eine wesentliche Antwort schuldig. Denn auf die Frage „Sind die Grenzwerte in Deutschland nicht viel zu hoch?“ lautet die Antwort: „Die Grenzwerte werden auf Grundlage von Empfehlungen nationaler und internationaler Fachgremien festgelegt. Unsere Aufgabe ist es, sie einzuhalten“.

Die Grenzwerte werden auf Grundlage von Empfehlungen nationaler und internationaler Fachgremien festgelegt. Unsere Aufgabe ist es, sie einzuhalten. Und, wie gesagt, dieser Aufgabe werden wir an jedem Standort der Deutschen Telekom gerecht.

Deutsche Telekom

Die Antwort „Unsere Standorte halten alle gesetzlichen Bestimmungen ein“ auf die Frage „Was sagt die Telekom zu Menschen, die sich vor Strahlung fürchten?“ ist damit folgewirksam keine, die weiter hilft.

Unsere Standorte halten alle gesetzlichen Bestimmungen ein. Und deshalb können wir sagen, dass Mobilfunk, so wie wir ihn betreiben, eine sichere Technik ist.

Deutsche Telekom

Auch im weiteren Verlauf bleibt die Telekom konkrete Antworten schuldig. Der immer wieder geäußerten Befürchtung, die neuen 5G-Antennen mit ihrer bedarfsgerechten Ansteuerung von Endgeräten („Beamforming“) könnten einer Strahlenkanone gleichkommen, entgegnet der Konzern mit der in der Frage bereits vorweggenommenen und korrekten Feststellung, dass gegenüber LTE viel zielgerichteter gestrahlt werde.

Beamforming mit anpassbarer Sendeleistung
Beamforming mit anpassbarer Sendeleistung (Bild: Deutsche Telekom)

Und selbst der ganz persönlichen Abschlussfrage, ob der Pressesprecher der Deutschen Telekom, der Verfasser des Blog-Beitrags ist, „in der Nähe eines Mobilfunkmastes wohnen wollen“ würde, wird wider der versprochenen Aufklärung ausgewichen: „Wir betreiben ein deutschlandweites Netz. Bis auf ganz wenige Ausnahmen wohnt eigentlich jeder irgendwo in der Nähe eines Mobilfunkstandortes. „Mein“ Standort zum Beispiel liegt gar nicht weit von meinem Haus entfernt. Und deshalb habe ich bei mir zuhause auch einen „supergeilen“ Download - mit gut 110 Megabit pro Sekunde.

So wagt sich die Deutsche Telekom zwar als erster der großen Netzbetreiber beim Thema Mobilfunk, 5G und Gesundheit aus der Deckung, sachliche Aufklärung liefert sie aber nicht.