Ryzen 3000: Unterbindet AMD PCIe 4.0 für X470- und B450-Boards?

Sven Bauduin 343 Kommentare
Ryzen 3000: Unterbindet AMD PCIe 4.0 für X470- und B450-Boards?

Erst vor wenigen Tagen schaltete Asus PCIe 4.0 für X470- und B450-Boards frei und das, obwohl AMD dem Thema kurz zuvor auf der Computex offiziell eine Absage erteilt hatte. Nun hat AMD genug gesehen und erwägt PCIe 4.0 auf Prä-X570-Mainboards per Patch zu unterbinden. Zudem mahnt AMD zur Transparenz in Sachen Leistungsaufnahme.

BIOSe für PCIe 4.0 nie von AMD freigegeben

Über den integrierten I/O-Chip der Ryzen-3000-CPUs (Test) können auch ältere X470- und B450-Mainboards rein theoretisch PCIe 4.0 nutzen, ein entsprechendes BIOS vorausgesetzt. In Asien hat Asus nun einen ersten Vorstoß gewagt und eine entsprechende Liste veröffentlicht. Dies geschah ganz offensichtlich ohne vorherige Absprache mit AMD. Laut einem Bericht von Tomshardware Deutschland wurde Asus dafür nun von AMD abgemahnt.

Alle BIOS, die PCIe 4.0 auf Prä-X570-Mainboards ermöglichen, basieren auf einem sogenannten Evaluation-Code, den AMD den Herstellern zu einer Zeit zur Verfügung gestellt hat, als PCIe 4.0 noch als offizielle Option für X470- und B450-Boards in Betracht kam. Auch Gigabyte hat damals sein X470-Flaggschiff Aorus Gaming 7 für die Nutzung von PCIe 4.0 freigeschaltet und gegenüber PCIe 3.0 die Bandbreite verdoppelt. Den finalen Code für die Implementierung von PCIe 4.0 hat AMD hingegen nie offiziell freigegeben, weshalb andere Hersteller bisher von einer Freischaltung von PCIe Gen4 Abstand genommen haben.

PCIe-4.0-Support bei Asus-Mainboards mit X470 und B450
PCIe-4.0-Support bei Asus-Mainboards mit X470 und B450 (Bild: Mydrivers)

Ob das „Upgrade“ auf PCIe 4.0 wie bisher angenommen per BIOS-Update ausgerollt wird, ist nun aber eher fraglich. Gut möglich, dass sich Asus dem Gebot von AMD fügt und seine BIOS zurückzieht oder gar nicht erst veröffentlicht. Wie ComputerBase bereits berichtete, dienen die BIOS laut Asus vorerst nur internen Tests und stellen den aktuellen „Status Quo“ dar. Ob es die Funktionen hingegen in ein offizielles BIOS schaffen, hängt vor allem von der durch AMD bereitgestellte Programmbibliothek (AGESA) ab. Am Ende wird die offizielle Aussage von AMD Bestand haben.

This is an error we are correcting. Pre-X570 boards will not support PCIe Gen 4. There's no guarantee that older motherboards can reliably run the more stringent signaling requirements of Gen4, and we simply cannot have a mix of "yes, no, maybe" in the market for all the older motherboards. The potential for confusion is too high.

When final BIOSes are released for 3rd Gen Ryzen (AGESA 1000+), Gen4 will not be an option anymore. We wish we could've enabled this backwards, but the risk is too great.

Sollten sich die Mainboardhersteller nicht dem Dekret von AMD beugen, kommt laut Tomshardware auch ein Patch ins Spiel, der allen BIOS-Versionen mit PCIe 4.0 auch hardwareseitig den Wind aus den Segeln nehmen würde. Ob AMD diesen Weg tatsächlich in Erwägung zieht, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht offiziell bestätigt worden.

AMD mahnt zu mehr Transparenz hinsichtlich der Leistungsaufnahmewerte

Die Mainboardhersteller platzieren die Leistungsaufnahmewerte in der Regel gut versteckt in den CPU- und Supportlisten auf ihren Webseiten – ein Umstand, der AMD offensichtlich ein Dorn im Auge ist. AMD würde hier eine deutlichere Eingrenzung und klarere Angaben in den Produktbeschreibungen der Mainboards begrüßen. Nur die wenigsten Kunden studieren vorher die Kompatibilitätslisten, was bereits zu Zeiten von AM3+ und Phenom-II-CPUs der 125-Watt-Klasse dazu geführt hat, dass Anwender die Spannungsversorgung ihrer Boards überfordert oder gar beschädigt haben.