Wolfenstein: Youngblood im Test: Vulkan liefert hohe FPS und extrem glatte Frametimes

Wolfgang Andermahr et al. 224 Kommentare
Wolfenstein: Youngblood im Test: Vulkan liefert hohe FPS und extrem glatte Frametimes

tl;dr: Mit der API Vulkan und der Engine id Tech 6 liefert auch Wolfenstein: Youngblood wieder feurige Action mit hohen FPS und traumhaften Frametimes. Pascal hat gegenüber Turing allerdings abermals das Nachsehen.

Update 01.08.2019 15:23 Uhr

AMD hat die Abstürze mit einer Navi-Grafikkarte mittlerweile behoben. Der Adrenalin 19.7.5 zeigt sich in Wolfenstein: Youngblood auf einer Radeon RX 5700 XT und einer Radeon RX 5700 absturzsicher. Neu erstellte Benchmarks auf einer Radeon RX 5700 XT zeigen, dass die Performance in niedrigen Auflösungen nicht mehr ganz so gut ausfällt wie mit den „Absturz-Treibern“, im absoluten GPU-Limit aber immer noch dasselbe Leistungsplus erzielt wird.

Mit Wolfenstein: Youngblood ist die beliebte Ego-Shooter-Serie auf PC und Konsolen erstmals auch im Team spielbar. Als B.J. Blazkowicz' Zwillingstöchter Jessica und Sophia macht man sich wahlweise mit der KI oder einem menschlichen Mitspieler auf den Weg nach Paris, um den verschwundenen Vater zu suchen. In der deutschen Version stellen sich den Damen natürlich Unmengen an Regime-Soldaten, Panzerhunden und weiteren Gegnern in den Weg. Wolfenstein: Youngblood bietet deshalb genauso viel brachiale Action wie Wolfenstein 2: The New Colossus (Test) vor knapp zwei Jahren.

Der Entwickler MachineGames setzt dafür erneut auf die id-Tech-6-Engine, während das ebenso noch in diesem Jahr erscheinende Doom Eternal erstmals auf den Nachfolger id Tech 7 setzen wird. Wolfenstein: Youngblood sieht deswegen zwar gut aus, denn vor allem in hohen Auflösungen wissen die zahlreichen Partikeleffekte zu gefallen und es gibt ein ordentliches Feuerwerk auf dem Monitor. Mit optischen Schwergewichten wie Battlefield V oder The Division 2 kann Wolfenstein: Youngblood aber nicht mehr mithalten.

Ohne Raytracing, aber immerhin mit Adaptive Shading

Wolfenstein: Youngblood setzt auf dem PC ausschließlich auf die API Vulkan. MachineGames hat bei der Entwicklung eng mit Nvidia zusammen gearbeitet. Das Spiel wird unter anderem Raytracing auf GeForce-RTX-Grafikkarten bieten, allerdings ist das Feature noch nicht fertig, wie die Entwickler nur Tage vor der Veröffentlichung bekanntgaben. Und wie zuletzt schon mehrfach beobachtet, soll es jetzt auch noch einige Zeit dauern, bis RTX im Titel Einzug hält.

Anders sieht es dagegen bei Adaptive Shading beziehungsweise Variable Rate Shading (VRS) aus. Die Technik, die gezielt Grafikqualität gegen mehr Leistung eintauscht, gibt es vom ersten Tag an.

Ein sehr umfangreiches, aber einfaches Grafik-Menü

Wolfenstein Youngblood bietet auf dem PC ein schier riesiges Grafik-Menü mit zahlreichen Optionen. Dazu gehören mehrere Einstellungen für Farbenblinde, ein FPS-Limiter (24 bis 1.000 FPS), Async Compute, Upsampling (maximal eine halbierte Auflösung; Downsampling fehlt aber), ein Performance-Overlay mit zahlreichen Informationen zur Leistung und vieles mehr. Optisch gut umgesetzt ist diese Fülle an Möglichkeiten aber nicht. Das Optionsmenü ist einfach eine lange Liste, Beispiel-Screenshots oder vernünftige Erklärungen gibt es keine.

Die Grafik-Presets haben kaum Auswirkungen

Wolfenstein Youngblood bietet gleich sechs verschiedene Grafik-Presets an, um die Optik schnell und einfach an die Leistungsfähigkeit des eigenen PCs anzupassen. „Niedrig“, „Mittel“, „Hoch“, „Ultra“, „Extrem“ und „Mein Leben“ stehen zur Auswahl, wobei „Mein Leben“ fast die maximalen Grafikdetails bedeutet. Einzig das Textur-Streaming lässt sich noch eine Stufe höher stellen, wobei dies im Test aber nur mehr Grafikkarten-Speicher verbrauchte, optisch oder in Sachen Leistung aber keine Unterschiede festzustellen waren.

Sechs Presets deuten auf eine hohe Bandbreite bei der Leistung und der Grafikqualität hin, doch weit gefehlt. Zwischen der höchsten Stufe Mein Leben und Extrem erkennt man immerhin Unterschiede bei den Schatten: Sie sind mit Mein Leben detaillierter gestaltet und greifen auch auf Objekte, die vorher nicht erfasst worden. Während Mein Leben damit optisch durchaus sinnvoll ist, gibt es zwischen Extrem, Ultra und Hoch quasi keine relevanten Unterschiede.

Ultra zeichnet die Schatten nur noch sehr weich, Hoch sieht derweil absolut identisch aus. Und das gilt nicht nur in der gezeigten, sondern auch in anderen Szenen. Erst mit dem Mittel-Preset verschlechtert sich die Grafik wieder sichtbar. Dann werden erneut weniger Objekte von den Schatten erfasst. Mit Niedrig geht es dann erneut primär den Schatten an den Kragen. Auch wenn es zig andere Optionen gibt, die Presets haben interessanter Weise fast ausschließlich einen optischen Effekt auf die Schatten. Der Rest bleibt fast identisch. Und das wirkt sich auch auf die Performance aus, das Tuning-Potenzial von Wolfenstein: Youngblood über die Presets ist gering.

Grafik-Presets in Wolfenstein: Youngblood
  • AMD Radeon RX 5700 XT:
    • Niedrig-Preset
      87,2
    • Mittel-Preset
      73,6
    • Hoch-Preset
      72,1
    • Ultra-Preset
      71,3
    • Extrem-Preset
      70,9
    • Mein-Leben-Preset
      70,5
  • Nvidia GeForce RTX 2070:
    • Niedrig-Preset
      83,1
    • Mittel-Preset
      74,1
    • Hoch-Preset
      67,5
    • Ultra-Preset
      66,9
    • Extrem-Preset
      66,8
    • Mein-Leben-Preset
      66,4

Das gegenüber Mein Leben optisch schlechtere Extrem-Preset bringt auf der GeForce RTX 2070 und der Radeon RX 5700 XT gerade einmal ein Leistungsplus von einem Prozent. Ultra und Hoch laufen quasi gleich schnell, erst mit der mittleren Einstellung gibt es ein Plus von zehn Prozent – und das auch nur auf der Nvidia-Grafikkarte, bei AMD sind es zwei Prozent. Die niedrige Einstellung sorgt für ein weiteres Plus von zwölf Prozent bei Nvidia und 18 Prozent bei AMD. Auf der Radeon RX 5700 XT lässt sich die Performance in dem Spiel daher nur um 24 Prozent erhöhen, auf der GeForce RTX 2070 sind es 25 Prozent. Andere Spiele bieten durchaus Unterschiede von weit über 100 Prozent.

Die Kantenglättung TSSAA (8TX) ist sehr gut

Gleich sechs verschiedene Kantenglättungsoptionen stehen im Spiel zur Verfügung. Doch anstatt diese umfangreich auszuprobieren, sollte einfach sofort die höchste Stufe TSSAA (8TX) ausgewählt werden. Denn diese bietet nicht nur eine gute Geometrie-Glättung, sondern auch eine gute temporale Komponente, die das Flackern von Oberflächen effektiv verhindert. Das funktioniert auch schon in niedrigen Auflösungen wie Full HD gut, wobei das Spiel von höheren Auflösungen optisch noch einmal stark profitiert. Höhere Auflösungen haben auch den Vorteil, dass das Anti-Aliasing keine sichtbare Unschärfe über das Bild legt, was in Full HD noch der Fall ist. TSSAA (8TX) kostet unabhängig von der Grafikkarte etwa acht Prozent FPS.

Async Compute, GPU Culling und Deferred Rendering

Das Optionsmenü von Wolfenstein Youngblood bietet drei interessante Optionen: Async Compute, GPU Culling und Deferred Rendering. Ersteres kann bei einer Low-Level-API die Auslastung der Grafikkarte und damit die Performance verbessern. Das ist in Wolfenstein: Youngblood aber kaum der Fall. Die GeForce GTX 1080 arbeitet – wie von Pascal gewohnt – mit dem Feature gar drei Prozent langsamer, GeForce RTX 2070 und Radeon RX Vega 64 immerhin im Bereich der Messungenauigkeit schneller. Bei Navi sind es zwei Prozent Vorteil.

Async Compute – 3.840 × 2.160
  • FPS, Durchschnitt:
    • RX 5700 XT mit Async Compute
      70,5
    • RX 5700 XT ohne Async Compute
      69,4
    • RTX 2070 mit Async Compute
      66,4
    • RTX 2070 ohne Async Compute
      66,3
    • RX Vega 64 mit Async Compute
      58,8
    • RX Vega 64 ohne Async Compute
      58,7
    • GTX 1080 ohne Async Compute
      55,6
    • GTX 1080 mit Async Compute
      54,1

GPU-Culling ist auf einer Radeon eine wichtige Einstellung

Ist die Options GPU Culling aktiv, verwirft nicht die GPU im Rendering-Prozess die nicht sichtbare Geometrie, sondern das Spiel selbst. Das kann von Vorteil sein, wenn die Hardware diesbezüglich Probleme hat. MachineGames spricht im Optionsmenü die Empfehlung aus, die Option auf AMD-Grafikkarten zu aktivieren, auf Nvidia-Pendants dagegen abzuschalten. Und so werden die Optionen auch beim ersten Starten des Spiels gesetzt.

GPU Culling – 3.840 × 2.160
  • FPS, Durchschnitt:
    • RX 5700 XT ohne GPU Culling
      70,5
    • RTX 2070 ohne GPU Culling
      66,4
    • RTX 2070 mit GPU Culling
      64,9
    • RX 5700 XT mit GPU Culling
      62,1
    • RX Vega 64 ohne GPU Culling
      58,8
    • RX Vega 64 mit GPU Culling
      55,8
    • GTX 1080 ohne GPU Culling
      54,1
    • GTX 1080 mit GPU Culling
      53,5

Die Benchmarks zeigen aber, dass es unabhängig von der Grafikkarte zumindest derzeit von Vorteil ist, die Option GPU Culling abzuschalten. So wird die Radeon RX Vega 64 zum Beispiel fünf Prozent langsamer, wenn man das Spiel die Geometrie verwerfen lässt. Die Radeon RX 5700 XT verliert gar zwölf Prozent an FPS.

Angenommen, das Spiel macht bei der Option keine Fehler, würde das bedeuten, dass AMDs Hardware deutlich besser irrelevante Dreiecke verwerfen kann als Nvidia, allen voran die neue RDNA-Architektur. Das widerspricht allerdings allen bisher gesammelten Erfahrungen und sogar den Aussagen der Entwickler bei MachineGames, weshalb es wahrscheinlicher ist, dass die Culling-Option im Spiel nicht ordnungsgemäß arbeitet.

Deferred Rendering

Was genau die Option Deferred Rendering in Youngblood macht, ist nicht bekannt. Deferred Rendering beschreibt normalerweise, wie beziehungsweise in welcher Reihenfolge das Spiel Objekte rendert. Ein Deferred Renderer hat gewöhnlich zum Beispiel Vorteile bei der Darstellung vieler Schatten und wird heutzutage in den meisten Spielen verwendet. Worauf sich die Option in Wolfenstein jetzt auswirkt?

Ist Deferred Rendering aktiv, werden die Schatten in Wolfenstein Youngblood durchweg härter gezeichnet. Der Effekt ist gering, aber problemlos zu sehen. Was besser aussieht, ist Geschmacksache. Da die Option standardmäßig aus ist, bleibt diese auch in den Tests abgeschaltet. Einen gravierenden Einfluss auf die Leistung gibt es nicht. So werden GeForce-Beschleuniger bei angeschalteter Option ein bis drei Prozent schneller, AMD-Produkte dagegen um zwei bis fünf Prozent langsamer.

Deferred Rendering – 3.840 × 2.160
  • FPS, Durchschnitt:
    • RX 5700 XT ohne Deferred Rendering
      70,5
    • RX 5700 XT mit Deferred Rendering
      67,3
    • RTX 2070 mit Deferred Rendering
      67,1
    • RTX 2070 ohne Deferred Rendering
      66,4
    • RX Vega 64 ohne Deferred Rendering
      58,8
    • RX Vega 64 mit Deferred Rendering
      57,4
    • GTX 1080 mit Deferred Rendering
      55,5
    • GTX 1080 ohne Deferred Rendering
      54,1

Die Texturen sind meistens gut, ab und zu aber auch mal schlecht

Wolfenstein: Youngblood bietet zumeist schöne Texturen, an die man in hohen Auflösungen auch problemlos sehr nahe heran gehen kann. Ab und zu findet man aber Oberflächen, die niedrig aufgelöst bis hin zu ziemlich hässlich sind.

Wessen Grafikkarte über einen 6 GB großen Speicher verfügt, der kann in Wolfenstein: Youngblood auch in hohen Auflösungen problemlos das Mein-Leben-Preset und die darin genutzte Bild-Streaming-Stufe nutzen. Wessen Grafikkarte über 4 GB oder weniger verfügt, sollte die Einstellung um eine Stufe oder mehr zurück drehen. Dadurch kann es passieren, dass manche Texturen erst später in den Grafikkartenspeicher geladen werden. Dafür läuft das Spiel aber weiterhin flüssig.

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