Im Test vor 15 Jahren: MSI HD 6970 und GTX 580 Lightning schossen am Ziel vorbei
Die MSI Radeon HD 6970 und GeForce GTX 580 Lightning (Test) stellten MSIs Flaggschiff-Grafikkarten auf Basis der schnellsten GPUs von AMD und Nvidia im Jahr 2011 dar. In der Praxis verfehlte MSI das Ziel: Die Modelle kaum schneller als das Referenzdesign, waren sehr laut und nutzten Features wie das Dual-BIOS kaum aus.
Twin-Frozr-III und Dual- oder Triple-BIOS
Sowohl die Radeon HD 6970 als auch die GeForce GTX 580 Lightning setzten auf MSIs Twin-Frozr-III-Kühler mit zwei 90-mm-Lüftern und einer aktiven Lüftersteuerung. Die Kühler unterschieden sich im Detail unter der Haube. Während der Kühler auf der Radeon HD 6970 Lightning auf einen Kupferkern setzte, befand sich bei der GeForce GTX 580 Lightning auf der GPU eine Aluminiumplatte. In beiden Fällen waren die jeweiligen Kühlkontaktflächen mittels fünf Heatpipes mit einem Radiator aus Aluminium verbunden. Die Stromversorgung erfolgte ebenfalls bei beiden Modellen mittels zweier 8-Pin-PCIe-Stecker.
Eine Besonderheit der Lightning-Grafikkarten war, dass mehrere BIOS-Versionen aufgespielt waren, zwischen denen sich mittels eines Schalters wechseln ließ. Im Falle der Radeon HD 6970 Lightning gab es einen BIOS-Schalter mit drei möglichen Positionen. In der Theorie ein praktisches Feature, in der Praxis gab es für die drei Auswahlmöglichkeiten jedoch nur zwei BIOS-Bausteine. Die dritte Position sorgte für einen schwarzen Bildschirm. Die beiden tatsächlich vorhandenen BIOS unterschieden sich einzig in den maximal erlaubten Taktraten für die manuelle Übertaktung der Grafikkarte. Anders bei der GeForce GTX 580 Lightning, bei der ebenfalls ein Dual-BIOS – in diesem Fall mit passendem Schalter – vorhanden war, gab es hier praktische Unterschiede zwischen den BIOS-Versionen. Das zweite BIOS senkte die Taktraten gegenüber den Werkseinstellungen und wendete ein weniger aggressives Lüfterprofil an.
| Merkmal | MSI Radeon HD 6970 Lightning | MSI GeForce GTX 580 Lightning | |
|---|---|---|---|
| PCB | Design | Eigenes Design mit Optimierungen für OC | |
| Länge | 28,5 cm (Kartenlänge: 29,5 cm) | ||
| Stromversorgung | 2 × 8 Pin | ||
| Kühler | Design | eigene Entwicklung, 2 Slot | |
| Kühlkörper | Kupferkern, Alu-Radiator, fünf Heatpipes | Aluminiumkern, Alu-Radiator, fünf Heatpipes | |
| Lüfter | 2 × 90 mm (axial) | 2 × 90 mm (axial) | |
| Lüftersteuerung | Ja | ||
| Takt (Stromsparmodus) |
GPU | 940 MHz (250 MHz) | BIOS 1: 832 MHz (51 MHz) BIOS 2: 772 MHz (51 MHz) |
| Shader | – | BIOS 1: 1.664 MHz (101 MHz) BIOS 2: 1.544 MHz (101 MHz) |
|
| Speicher | 2.750 MHz (300 MHz) | BIOS 1: 2.100 MHz (135 MHz) BIOS 2: 2.004 MHz (135 MHz) |
|
| Speichergröße | 2.048 MByte GDDR5, Hynix | 1.536 MByte GDDR5, Samsung | |
| Anschlüsse | 2 × Dual-Link-DVI 1 × HDMI 2 × Mini-DisplayPort |
2 × Dual-Link-DVI 1 × HDMI 1 × DisplayPort |
|
| Lieferumfang | Hardware | 1 × DVI auf D-SUB 2 × Stromkabel 1 × CF-Bridge 1 × Mini DisplayPort auf DisplayPort 2 × Messkabel |
1 × DVI auf D-SUB 2 × Stromkabel 2 × SLI-Bridge 3 × Messkabel |
| Software | Treiber-CD | Treiber-CD inklusive dem MSI Afterburner | |
MSI stattete die Lightning-Modelle mit zahlreichen Funktionen für Übertakter aus. Beispielsweise war das PCB fürs Übertakten mit einer 12-Phasen-Stromversorgung für die GPU und einer Drei-Phasen-Stromversorgung für den Speicher optimiert. Daneben gab es Messanschlüsse auf der Platine, an denen die Spannung der GPU, des Speichers und der I/O-Stromversorgung per Multimeter gemessen werden konnte. Bei der GeForce waren zudem drei undokumentierte Schalter auf dem PCB untergebracht, die laut MSI für das Deaktivieren der von Nvidia integrierten Energieschutzmaßnahmen, einen „Start-Bug“ bei sehr niedrigen Temperaturen und eine „unbekannte Funktion für die GPU- und die Speicherspannung“ angedacht waren. Beim AMD-Modell gab es ebenfalls zwei undokumentierte Schalter mit unbekannten Funktionen.
Ein kleines bisschen mehr Leistung
Dank einer leichten Übertaktung ab Werk, konnten sich beide Lightning-Grafikkarten von den entsprechenden Referenzdesigns etwas absetzen. Große Sprünge waren hier aber nicht zu verzeichnen, die Leistungsgewinne in 2.560 × 1.600 Pixeln lagen im Mittel zwischen vier und sechs Prozent.
Trotz des großen Twin-Frozr-III-Kühlers konnten die beiden Lightnings in den B-Noten nicht glänzen. Die Lautstärke unter Last war deutlich zu hoch, vor allem im Falle der GeForce GTX 580. Auch das zweite deutlich leisere BIOS änderte daran fundamental nichts. Mit einer manuell angepassten Lüftersteuerung ließ sich die Lautstärke der beiden Grafikkarten deutlich reduzieren. Die Temperatur war kein limitierender Faktor, selbst mit der manuellen Lüftersteuerung waren die GPU-Temperaturen niedriger als beim Referenzdesign. Wer den Lightning-Modellen mehr Leistung entlocken wollte, der konnte mittels Übertaktung auf bis zu neun Prozent mehr Leistung hoffen, sofern die Spannungen angehoben wurden.
Fazit
MSI ließ sich die Lightning-Varianten gut bezahlen: Die Radeon HD 6970 Lightning kostete 320 Euro statt etwa 250 Euro für eine herkömmliche Radeon HD 6970, während die GeForce GTX 580 Lightning mit 430 Euro statt 380 Euro zu Buche schlug. Dafür erhielten Anwender zumindest von Haus aus nicht viel mehr. Die Leistung war zwar leicht höher, aber eher im Bereich „messbar, nicht spürbar“. Kritik gab es für die undokumentierten Funktionen, den BIOS-Schalter mit einer Auswahlposition zu viel sowie die viel zu hohe Lautstärke. Wirklich empfehlenswert waren die Grafikkarten demnach nicht, außer für die Anwender, denen hauptsächlich die vielen Übertaktungsfunktionen wichtig waren.
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