Libra: EU-Kommission will Facebooks Digitalwährung prüfen

Andreas Frischholz 25 Kommentare
Libra: EU-Kommission will Facebooks Digitalwährung prüfen
Bild: Libra

Nicht nur die US-amerikanische Administration beobachtet Facebooks Libra-Projekt mit Skepsis. Auch die EU-Kommission will die Kryptowährung prüfen, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf interne Dokumente. Befürchtet wird ein beschränkter Wettbewerb.

Konkret richtet sich die Kritik zunächst gegen die Libra Associationen, die Facebook als unabhängige Organisation etablieren will, die hinter der Kryptowährung steht. Gründungsmitglieder sind neben Facebook sowohl Finanzdienstleister wie Visa, Mastercard und PayPal, aber auch Digitalkonzerne wie eBay, Uber und Vodafone. Jedes Unternehmen muss mindestens 10 Millionen US-Dollar als Startkapital einbringen.

Dass die EU-Kommission dieses Konstrukt beobachtet, geht aus einem internen Fragebogen hervor, der Bloomberg vorliegt. Die Brüsseler Behörde prüft derzeit, ob potentiell wettbewerbswidriges Verhalten vorliegt, in dem etwa Konkurrenten von Libra Associationen ausgeschlossen werden. Auch das Einbinden von Libra-Anwendungen in WhatsApp und den Facebook Messenger haben die Behörden im Visier.

Weder die EU-Kommission noch Facebook wollten den Bericht kommentieren. Erst vor kurzem hatte Facebook aber angekündigt, alle Bedenken von Regulierungsbehörden noch vor dem Libra-Start auszuräumen. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten. Der offizielle Start ist für 2020 vorgesehen.

Facebooks Kampf mit den Regulierungsbehörden

Nichtsdestotrotz: Facebook kämpft derzeit auf vielen Ebenen mit den Regulierungsbehörden. Erst vor wenigen Wochen hatte der Konzern in den USA für den Cambridge-Analytica-Skandal eine Rekordstrafe in Höhe von 5 Milliarden US-Dollar kassiert. Außerdem muss Facebook künftig verschärfte Datenschutz-Auflagen einhalten.

Gegen weitere Schritte, die etwa die Übernahme von den Messenger-Diensten WhatsApp und Instagram betreffen, scheint man sich aber zu wappnen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters diese Woche berichtet, ist die Umbenennung der beiden Messenger-Dienste sowie die engere Anbindung an die Facebook-Plattform ein Versuch, um potentiellen Kartellentscheidungen vorzubeugen. Sind diese Schritte vollzogen, wäre es etwa schwieriger, die Dienste wieder aus dem Facebook-Kosmos zu lösen.