Radeon RX 5700 Red Devil im Test: WQHD-Benchmarks, Lautstärke, sonstige Messungen und Fazit

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Wolfgang Andermahr 183 Kommentare

Benchmarks in 2.560 × 1.440

Die PowerColor Radeon RX 5700 Red Devil arbeitet im Durchschnitt 3 Prozent schneller als AMDs Referenzdesign. Damit gibt es einen Gleichstand mit der GeForce RTX 2060 Super FE, während die Custom-Modelle von Nvidias neu aufgelegtem Turing-Modell weitere 3 bis 5 Prozent mehr FPS liefern. Der Rückstand zur Referenzkarte der Radeon RX 5700XT liegt bei 8 Prozent. Die PowerColor-Grafikkarte geht 2 Prozent schneller zu Werke als die Sapphire Radeon RX 5700 Pulse.

Wer das Silent-BIOS aktiviert, muss sich mit einer rund 1 Prozent geringeren Framerate zufriedengeben. Der Unterschied ist mess-, aber nicht spürbar. In der Konfiguration liegt die Mehrleistung gegenüber dem Referenzdesign noch bei 2 Prozent, während die GeForce RTX 2060 Super 1 Prozent flotter ist. In Spielen schwankt der Leistungsunterschied zwischen den beiden BIOS-Versionen zwischen 0 und 2 Prozent.

Lautstärke & Kühlung

Die PowerColor Radeon RX 5700 Red Devil arbeitet durchweg sehr leise. Das Abschalten der Lüfter auf dem Windows-Desktop gehört mittlerweile zum guten Ton und ist eigentlich ein Muss auf einem hochwertigen Custom-Design. Doch auch beim Spielen wird es nicht viel lauter, dem riesigen XT-Kühlsystem sei dank.

Der Kühler ist identisch zur Red Devil XT
Der Kühler ist identisch zur Red Devil XT

Mit dem werkseitig aktiven OC-BIOS lässt die Grafikkarte die drei Lüfter mit etwa 1.300 Umdrehungen arbeiten, sodass das Kühlsystem ziemlich genau gleich laut wie die Radeon RX 5700 XT Red Devil mit dem Silent-BIOS ist. Die Lüfter sind dann beim Spielen zwar durchaus zu hören, fallen jedoch selbst in leisen Passagen kaum auf. Auch die konkurrierende Palit GeForce RTX 2060 Super JS erzielt ein gutes Ergebnis, das mit 35,5 Dezibel aber nicht ganz an die PowerColor-Karte heranreicht.

Mit dem Silent-BIOS wird es flüsterleise

Mit dem Silent-BIOS wird es dann flüsterleise, da die Lüfter nur noch mit 990 Umdrehungen in der Minute arbeiten. Ein Messwert von nur 30 Dezibel lässt es schon erahnen: Die Radeon RX 5700 Red Devil ist beim Spielen aus einem geschlossenen Gehäuse nicht mehr zu hören. Ein Musterprodukt für einen Silent-PC.

Das Einzige, was ein wenig stört, sind leichte elektronische Geräusche, die die Hardware unter Last von sich gibt. Aus einem geschlossenen Gehäuse sind diese nicht zu hören, aus einem offenen (oder wenn die Grafikkarte auf einen Benchtable gebaut ist) aber schon. Es kommt aber drauf an, ob die Lüfter rotieren oder nicht.

Messungen zur Temperatur

Unabhängig von den gewählten Einstellungen bleibt die GPU der PowerColor Radeon RX 5700 Red Devil kühler als 80 °C. Mit dem OC-BIOS wird der Rechenkern beim Spielen 76 °C warm, mit dem Silent-BIOS sind es 78 °C. Während die Hitzeentwicklung mit letzterem daher fast identisch wie bei der Radeon RX 5700 XT Red Devil ist, bleibt die XT-Version mit dem OC-BIOS ein gutes Stück kühler, was mit der höheren Lüfterdrehzahl erklärt werden kann.

Die Junction-Temperatur der Grafikkarte beträgt mit beiden BIOS-Versionen 91 °C. Das ist mehr als bei AMDs Referenzdesign und der Sapphire Radeon RX 5700 Pulse, allerdings ist die GPU für einen Junction-Betrieb von 110 °C ausgelegt, sodass dies kein Problem darstellt.

Die Junction-Temperatur der Navi-Grafikkarten
Radeon RX 5700 XT GPU-Junction
AMD Radeon RX 5700 XT Referenzkarte 103 °C
Asus Radeon RX 5700 XT Strix OC (Performance-BIOS) 100 °C
Asus Radeon RX 5700 XT Strix OC (Quiet-BIOS) 105 °C
PowerColor Radeon RX 5700 XT Red Devil (OC-BIOS) 96 °C
PowerColor Radeon RX 5700 XT Red Devil (Silent-BIOS) 94 °C
Sapphire Radeon RX 5700 XT Pulse (Standard-BIOS) 92 °C
Sapphire Radeon RX 5700 XT Pulse (Alternativ-BIOS) 89 °C
XFX Radeon RX 5700 XT THICC2 88 °C
Radeon RX 5700
AMD Radeon RX 5700 Referenzkarte 89 °C
PowerColor Radeon RX 5700 Red Devil (OC-BIOS) 91 °C
PowerColor Radeon RX 5700 Red Devil (Silent-BIOS) 91 °C
Sapphire Radeon RX 5700 Pulse (Standard-BIOS) 81 °C
Sapphire Radeon RX 5700 Pulse (Alternativ-BIOS) 81 °C

Messung der Leistungsaufnahme

Mit 187 Watt benötigt die PowerColor Radeon RX 5700 Red Devil knapp 11 Watt mehr als AMDs Referenzdesign. Damit ist die Leistungsaufnahme noch 14 Watt niedriger als bei einer nicht übertakteten Radeon RX 5700 XT oder bei einem leicht schnelleren Custom-Design der GeForce RTX 2060 Super.

Mit aktiviertem Silent-BIOS spart die Radeon RX 5700 Red Devil in Spielen durchschnittlich 9 Watt ein, was in 178 Watt resultiert. Damit reduziert sich die Differenz zu einer Referenzkarte auf 2 Watt. Eine GeForce RTX 2060 Super Founders Edition ist nur 4 Watt sparsamer.

Die Radeon RX 5700 Red Devil genehmigt sich derweil etwas mehr Energie als die Sapphire Radeon RX 5700 Pulse. Mit dem werkseitigem OC-BIOS liegt der Mehrverbrauch bei 12 Watt, mit dem Silent-BIOS sind es noch 3 Watt. Auf dem Windows-Desktop benötigt der Proband mit 16 Watt ähnlich viel wie der größere Bruder. Das verwundert nicht, da dieselben Komponenten verbaut werden.

Übertaktungspotenzial gibt es nicht

Die GPU auf der PowerColor Radeon RX 5700 Red Devil kann man aktuell nicht übertakten, denn eine höhere Frequenz lässt sich durch eine Treiberlimitierung schlicht und ergreifend nicht einstellen, auch wenn der Rechenkern durchaus mehr Takt vertragen würde. Dadurch will AMD mit hoher Wahrscheinlichkeit verhindern, dass die Radeon RX 5700 zu nahe an eine Radeon RX 5700 XT herankommt. Ob die Beschränkung zu einem späteren Zeitpunkt aufgehoben wird, ist ungewiss.

Es gibt nur zwei Möglichkeiten, um die Performance minimal zu steigern: Das Powerlimit kann um 20 Prozent angehoben werden, was aber nur wenig bringt, da die Grafikkarte von diesem ohnehin gar nicht oder nur minimal eingebremst wird. Darüber hinaus lässt sich der GDDR6-Speicher um 440 MHz auf 7.440 MHz übertakten, mehr lässt erneut der Treiber nicht zu. Und das war es dann auch. Das Geschwindigkeitsplus fällt mit 1 bis 2 Prozent entsprechend gering aus.

Fazit

Die Sapphire Radeon RX 5700 Pulse (Test) ist eine gutes, wenn auch einfach gehaltenes Custom Design der Radeon RX 5700. Dass es noch deutlich besser geht, zeigt aber PowerColors Premium-Modell Radeon RX 5700 Red Devil. Die Grafikkarte steht dem großen XT-Bruder in nichts nach und setzt damit ebenfalls auf ein massives Kühlsystem. Das macht die Red Devil deutlich länger und auch bereiter als die Pulse, aber auch viel leiser im Betrieb.

PowerColor Red Devil im Vergleich zu Sapphire Pulse
PowerColor Red Devil im Vergleich zu Sapphire Pulse

Bereits mit dem werkseitig aktivem OC-BIOS ist die Grafikkarte beim Spielen nur leicht zu hören. Spätestens beim Einsatz des Silent-BIOS sind die Lüfter dann aber flüsterleise und fallen aus einem geschlossenen Gehäuse überhaupt nicht mehr auf. Und das bedeutet nicht, dass zugleich die Temperaturen stark ansteigen.

Während bei der Radeon RX 5700 XT Red Devil (Test) unbedingt das Silent-BIOS genutzt werden sollte, ist es auf der Radeon RX 5700 Red Devil eher Geschmackssache, denn beide BIOS-Varianten sind gut. Wer es flüsterleise haben möchte, sollte zum Silent-BIOS greifen. Alle anderen, und damit die Mehrheit, fahren auch mit dem OC-BIOS sehr gut.

Die Geschwindigkeit wird durch Restriktionen eingebremst

Die Performance der Radeon RX 5700 Red Devil ist dagegen weniger spektakulär. Das liegt aber nicht an PowerColor oder der Hardware, sondern an den von AMD gesetzten, strikten Restriktionen, die verhindern sollen, dass die Radeon RX 5700 der Radeon RX 5700 XT gefährlich werden kann.

Die RX 5700 Red Devil wird nur schwer zu schlagen sein

Die PowerColor Radeon RX 5700 Red Devil ist ein sehr gutes Custom-Model, das nur schwer zu schlagen sein wird. Die Sapphire Radeon RX 5700 Pulse hat der Proband problemlos im Griff und soll laut Hersteller kaum mehr kosten. Damit wird die Luft für ein Nitro+-Modell dünn.

389 US-Dollar beträgt der UVP laut PowerColor, was knapp über 400 Euro vermuten lässt. Damit läge das Modell im Einstiegsbereich für eine GeForce RTX 2060 Super, die zwar potenziell leicht schneller, aber auch lauter ist. Händler müssen die vergleichsweise niedrigen Preise für die Red Devil allerdings auch weitergeben. Mindfactory hat die XT-Version zum Start zwar mit nur 10 Euro Aufschlag zur UVP verkauft, andere Händler nehmen aktuell aber bis zu 100 Euro mehr. In Anbetracht der schlechten Verfügbarkeit und den Preisen für andere Modelle passt das zwar ins Bild, vermasselt Teufel und Teufelchen mit ihrer technisch sehr überzeugenden Umsetzung aber noch den Gesamtauftritt.

Weitere Custom-Tests zur Radeon RX 5700 (XT) sind geplant

Nach dem Test fünf verschiedener Partnerkarten ist das Thema Navi-Custom noch nicht abgeschlossen. Weitere Artikel sind geplant, die Muster befinden sich aber entweder noch im Zulauf, oder wurden noch nicht zugesagt.

ComputerBase hat die Radeon RX 5700 Red Devil von PowerColor zum Testen erhalten. Die Grafikkarte wurde unter NDA zur Verfügung gestellt. Die einzige Vorgabe war der frühestmögliche Veröffentlichungszeitpunkt. Weil das Muster zwei Tage im Zoll hing, erfolgte die Veröffentlichung aber erst einen Tag später. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht.

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