Fauxpas: Micron enthüllt SSD-Serie 5300 vor dem Start

Michael Günsch 28 Kommentare
Fauxpas: Micron enthüllt SSD-Serie 5300 vor dem Start

Etwas voreilig waren wohl Micron-Mitarbeiter bei der Überarbeitung der Produktseiten für die Enterprise-SSDs des Herstellers. Zwischenzeitlich waren dort ausführliche Informationen zur Micron 5300 als bisher nicht vorgestellte SSD-Serie zu lesen. Gegenüber der Micron 5200 steht ein Speicherupgrade auf die 96-Layer-Generation an.

Die besagte Produktseite zur Micron 5300 liefert inzwischen nur noch eine Fehlermeldung im Browser aus. Doch sind die Informationen dank Webcache-Diensten nicht verloren und auch das detaillierte Datenblatt liegt der Redaktion vor. Ein weiteres Indiz für den kurz bevorstehenden Marktstart sind die zahlreichen Listungen im Handel.

Eine Micron-Website hatte die 5300-SSD-Serie enthüllt
Eine Micron-Website hatte die 5300-SSD-Serie enthüllt

Microns SATA-SSDs für Unternehmen erhalten 96-Layer-NAND

Die 5xxx-Familie steht bei Micron seit Jahren für Enterprise-SSDs mit klassischem SATA-Anschluss. Im Januar 2018 erfolgte der Wechsel auf seinerzeit neuen 3D-NAND der 64-Layer-Generation mit der Serie Micron 5200. Jetzt steht der nächste Speicherwechsel an: Die Micron 5300 verwenden den neuen 96-Layer-3D-NAND in einer TLC-Variante mit drei Bit pro Speicherzelle. Diesen Wechsel hatte Micron zuvor im Bereich der Client-SSDs mit der Micron 1300 vollzogen. Der neue Speicher verspricht mit höherer Datendichte Kostenvorteile.

Auszug aus dem Datenblatt zur Micron 5300 SSD
Auszug aus dem Datenblatt zur Micron 5300 SSD

Das Datenblatt verrät zwar nicht den SSD-Controller, doch weisen Formulierungen in der Beschreibung darauf hin, dass sich bis auf den Speicher kaum etwas ändert:

Built with Micron’s innovative 96-layer 3D TLC NAND, the Micron 5300 series combines the latest in NAND technology and a proven architecture to provide performance upgrades now and a path forward for moving to an all-flash future.

Zu der „bewährten Architektur“ zählte bisher der Marvell 88SS1074, ein Vier-Kanal-SSD-Controller mit DRAM-Cache, der auch schon bei Micron 5100 und Micron 5200 zum Einsatz kam.

5300 Pro, 5300 Max und 5300 Boot

Mit Speicherkapazitäten von 240 GB bis 7,68 TB sowie sequenziellen Transferraten von 540 MB/s lesend und bis zu 520 MB/s schreibend, ändert sich auch in diesen Punkten wenig gegenüber den Vorgängern. Allerdings gibt es neben 5300 Pro und 5300 Max eine weitere Unterserie, die nur aus einem Modell besteht: Die 5300 Boot besitzt lediglich 240 GB Speicherplatz und mit 220 MB/s beim Schreiben und 50.000/12.000 IOPS eine deutlich geringere Leistung als ihre Geschwister.

Die Unterserien differenzieren sich auch über die nominelle Haltbarkeit: Beim Einstiegsmodell 5300 Boot wird lediglich eine vollständige Befüllung mit Daten pro Tag (Drive Write Per Day, kurz DWPD) im Garantiezeitraum von bis zu 5 Jahren versprochen. Bei der 5300 Pro sind es 1 bis 2 DWPD, während die 5300 Max mit vermutlich deutlich größerem Reservespeicher mit 3 bis 5 DWPD spezifiziert ist. Dementsprechend sieht Micron 5300 Boot und 5300 Pro für Anwendungsgebiete vor, bei denen das Lesen von Daten überwiegt, während sich die 5300 Max auch für gemischte Lese-/Schreibszenarien eigne.

Auszug aus dem Datenblatt zur Micron 5300 SSD
Auszug aus dem Datenblatt zur Micron 5300 SSD

Alle Modelle nutzen SATA 6 Gb/s als Schnittstelle. Als Formfaktoren stehen 2,5-Zoll-Gehäuse (5300 Pro/Max) mit 7 mm Bauhöhe oder aber das Steckkartenformat M.2-2280 (5300 Boot/Pro) zur Auswahl. Im kompakten M.2-Format sind maximal 1,92 TB Speicherkapazität verfügbar.

Micron wirbt mit 3 Millionen Stunden MTTF

Micron wirbt bei der neuen 5300-Serie mit einer hohen Mean Time To Failure (MTTF) von drei Millionen Stunden statt der sonst üblichen zwei Millionen Stunden. Die Rate der nicht korrigierbaren Lesefehler wird mit „<1 sector per 1017 bits read“ angegeben. Zur Enterprise-Ausstattung gehören Sicherheitsfunktionen wie eine AES-Verschlüsselung mit 256 Bit, die die Enterprise-Spezifikationen der TCG Security Subsystem Class (SSC) erfülle. Der Stromausfallschutz (Power-Loss Protection) sei sowohl für Daten im Flash-Speicher (data at-rest) als auch für Daten im Zwischenspeicher (in-flight) gegeben. Dies deutet auf eine vollwertige Sicherung mit Stützkondensatoren hin.

Micron 9300 als High-End-Alternative

Für Anwendungen mit höherem Leistungsbedarf bietet Micron seit April die 9300-Serie an. Dank PCIe 3.0 x4 über den U.2-Anschluss soll diese bis zu 3.500 MB/s und 850.000 IOPS erreichen. Im 15 mm hohen 2,5-Zoll-Gehäuse werden bis zu 15,36 TB Speicher geboten, der allerdings noch der 64-Layer-Generation angehört.

Update 24.10.2019 20:46 Uhr

Micron hat die versehentlich zu früh enthüllte SSD-Serie 5300 nun offiziell vorgestellt. Parallel kündigt der Hersteller mit der Micron 7300 eine weitere Enterprise-Serie an, die aber zur schnelleren Sorte mit PCIe/NVMe zählt. Sofern Zeit ist, wird ComputerBase zur 7300-Serie einen separaten Artikel verfassen.