Gigabyte Aero 17 HDR im Test: Extrem hell und schnell in Anwendungen

Jan-Frederik Timm 62 Kommentare
Gigabyte Aero 17 HDR im Test: Extrem hell und schnell in Anwendungen

tl;dr: Das Gigabyte Aero 17 HDR hat nicht nur optisch und haptisch viel zu bieten. Anwender bekommen auch Leistung satt. Der Core i9-9980HK lässt sich auf Wunsch sogar so einstellen, dass er einen Ryzen 5 3600 aus dem Desktop-PC überholt. Und außergewöhnlich laut wird das Notebook deshalb noch lange nicht.

Das Gigabyte Aero 17 HDR im Überblick

Gigabytes Notebook-Serie Aero gibt es seit diesem Jahr nicht nur mit 14 und 15, sondern auch mit 17 Zoll. Das neue Aero 17 (HDR) ergänzt die bisher aus Aero 14 und Aero 15 (X) bestehende Serie. Aero-Notebooks zeichnen sich durch schnelle Hardware in einem schlanken, hochwertig verarbeiteten Design aus und bieten traditionell vergleichsweise gute Displays sowie sehr große Akkus. Sie werden von Gigabyte im Kontrast zur Aorus-Reihe vorrangig nicht als Spiele-, sondern als professionelle Notebooks positioniert. „Nahimic 3 3D Audio for Gamers“ gibt es trotzdem. Und in der Tat geht ja auch beides mit der Hardware.

Der einzige Punkt, an dem sich die stärkere Ausrichtung auf professionelle Anwender auch technisch bemerkbar macht, ist das Display, das nicht auf möglichst viel Hertz und eine geringe Latenz, sondern auf Blickwinkelstabilität, Farbtreue und Helligkeit setzt.

Zwei Varianten: Aero 17 und Aero 17 HDR

Dabei gilt es beim 17-Zoll-Modell zwei Varianten zu unterscheiden: Aero 17 HDR und Aero 17. Nachfolgend soll es vorerst um das getestete Aero 17 HDR gehen, die Unterschiede zum Modell ohne Zusatz „HDR“ werden anschließend aufgeführt.

Mit seinem schlichten Auftritt sowie dem komplett in Schwarz gehaltenen und vergleichsweise kantigen Design kommt das Notebook gediegen daher. Das vollständig aus Aluminum gefertigte Gehäuse ist äußerst verwindungssteif, auch wenn es einhändig an einer Seite angehoben wird – und das trotz eines Gewichts von 2,5 kg. Auch beim Druck auf die Handballenauflage oder die Tastatur halten sich Bewegungen im Chassis in Grenzen. Das Notebook lässt sich problemlos einhändig öffnen. Das Razer Blade Pro in diesen Punkten überholen kann Gigabyte aber nicht.

Mit 2,5 kg ist das Aero 17 HDR etwas leichter als die zuletzt von der Redaktion getesteten 17,3-Zoll-Notebooks, mit 21,4 mm Bauhöhe aber etwas dicker. Das Razer Blade Pro bleibt mit lediglich 260 mm Tiefe im direkten Vergleich das kompakteste der getesteten Modelle.

Breite  Tiefe   Dicke Gewicht
Gigabyte Aero 17 HDR 396 mm 270 mm 21,4 mm 2,5 kg
Asus Zephyrus GX701 399 mm 272 mm 18,7 mm 2,7 kg
Razer Blade Pro 395 mm 260 mm  19,9 mm 2,7 kg

Bei den Anschlüssen gehen Razer Blade Pro und Aero 17 HDR fast Hand in Hand, Gigabyte bietet allerdings zwei separate Buchen für Audio-In und -Out sowie einen USB-Typ-C-Anschluss mit „Alternate Mode DisplayPort“. Dafür beherrschen die USB-Typ-A-Buchsen nur USB 3.2 Gen 1 aka USB 3.1 Gen 1 aka USB 3.0 mit 5 Gbit/s.

Direkt über dem zentral vor dem Display platzierten An-aus-Schalter findet sich die herkömmliche Webcam ohne IR-Funktionalität, die über einen mechanischen Verschluss auch verdeckt werden kann. Im für die Größe des Gerätes vergleichsweise schmalen Touchpad ist ein Fingerabdruckscanner für Windows Hello verbaut. Die Tastatur bietet eine auf Wunsch sehr helle und farbenfrohe RGB-LED-Hintergrundbeleuchtung, kommt als klassische Rubberdome-Tastatur aber mit schwammigem Anschlag daher. Dafür wartet sie mit einem Standard-Layout inklusive Nummernblock auf.

Verschiedene Konfigurationen verfügbar

Kunden haben beim Aero 17 HDR die Wahl zwischen zwei CPUs und drei GPUs. Bei den Prozessoren stehen Core i7-9750H (6/12) und Core i9-9980HK (8/16) zur Verfügung, bei den GPUs GeForce GTX 1660 Ti, GeForce RTX 2070 Max-Q und GeForce RTX 2080 Max-Q. Auch beim RAM gibt mit Optionen zwischen 8 und 64 GB sowie beim Massenspeicher mit zwei M.2-Slots viel Auswahl.

Die Konfigurationen und Testmuster im Vergleich
Gigabyte Aero 17 HDR Razer Blade Pro 17 Asus Zephyrus S GX701
Display 17,3“, UHD, 60 Hz,
100 % Adobe RGB, DisplayHDR 400
17,3", FHD, 144 Hz,
100 % sRGB
17,3", FHD, 144 Hz,
100 % sRGB, G-Sync
CPU Intel Core i7-9750H (6K/12T, 45 Watt)
Intel Core i9-9980HK (8K/16T, 45 Watt)
Intel Core i7-9750H (6K/12T, 45 Watt) Intel Core i7-8750H (6K/12T, 45 Watt)
RAM 8/16/32/64 GB DDR4-2667 16 GB DDR4-2667 8/16/32 GB DDR4-2667
GPU Nvidia GeForce RTX 2060
Nvidia GeForce RTX 2070 Max‑Q
Nvidia GeForce RTX 2080 Max‑Q
Nvidia GeForce RTX 2060
Nvidia GeForce RTX 2070 Max‑Q
Nvidia GeForce RTX 2080 Max‑Q
Nvidia GeForce RTX 2060
Nvidia GeForce RTX 2070
Nvidia GeForce RTX 2080 Max‑Q
SSD 512 GB NVMe PCIe x4 512 GB NVMe PCIe x4 512 GB/1 TB NVMe PCIe x4
Anschlüsse 3 × USB 3.2 Gen 1 Typ A,
1 × USB 3.2 Gen 2 Typ C (DisplayPort),
1 × Thunderbolt 3,
1 × HDMI 2.0b,
1 × 1-Gbit/s-Ethernet,
1 × SD-Cardreader,
2 x 3,5-mm-Klinke
3 × USB 3.2 Gen 2 Typ A,
1 × USB 3.2 Gen 2 Typ C,
1 × Thunderbolt 3,
1 × HDMI 2.0b,
1 × 2,5-Gbit/s-Ethernet,
1 × SD-Cardreader,
3,5-mm-Klinke
1 × USB 3.2 Gen 2 Typ A,
1 × USB 3.2 Gen 2 Typ C (DisplayPort),
1 × USB 3.2 Gen 1 Typ C,
2 × USB 3.2 Gen 1 Typ A,
1 × HDMI 2.0b,
3,5-mm-Klinke
Konnektivität Intel Wireless-AX1650 (Wi-Fi 6)
Bluetooth 5.0 LE
Intel Wireless-AX200
Bluetooth 5.0
Killer Wireless-AC 1550i
Bluetooth 5.0
OS Windows 10 Home/Pro 64 Bit Windows 10 Home 64 Bit Windows 10 Pro 64 Bit
Akku 94,2 Wh 70,5 Wh 76,0 Wh
Netzteil 230 W
Größe (B × T × H) 396 × 270 × 21,4 mm 395 × 260 × 19,9 mm 399 × 272 × 18,7 mm
Gewicht 2,5 kg 2,7 kg 2,7 kg
Preis ab 2.199 Euro ab 2.699 Euro ab 2.099 Euro
fett = Testsystem

Ohne „HDR“ mit weniger Leistung

Das Aero 17 gibt es auch als Modell ohne Zusatz „HDR“. Nicht nur beim Display (Full HD, 144 Hz statt UHD, 60 Hz, kein DisplayHDR 400, kalibriert) unterscheidet es sich von der HDR-Variante. Auch CPU und GPU weichen ab: Beim Prozessor entfällt die Option auf den Core i9, bei der GPU gibt es „nur“ GeForce GTX 1660 Ti, GeForce RTX 2060 und GeForce RTX 2070 Max-Q. Die übrigen Eckdaten sind identisch.

Aufrüsten und Warten sind möglich

Auch das Gigabyte Aero 17 HDR lässt sich vom Kunden über die Bodenplatte öffnen. Solange beim Aufrüsten oder Austausch von RAM und SSD kein Defekt verursacht wird, erlischt dadurch nicht die Garantie. 14 Torx-Schrauben gilt es zu lösen. Wichtig ist: Kommt es aus anderen Gründen zum Garantiefall, ist immer die gekaufte Konfiguration einzusenden.

14 Torx-Schrauben später ist die Hardware erreicht
14 Torx-Schrauben später ist die Hardware erreicht

Ab Werk ist der M.2-Slot mit PCIe-Anbindung mit der 512 GB großen SSD belegt, ein M.2-Slot mit NVMe- und SATA-Funktionalität ist hingegen noch frei. Im Testmuster ebenfalls belegt sind die zwei SO-DIMM-Bänke, verlötet ist der RAM aber nicht – auch nicht in Teilen. Der Akku ist verschraubt, nicht verklebt. Geladen wird über ein 230 Watt starkes Netzteil, das per Hohlstecker angeschlossen wird.

Der Blick ins Innere offenbart auch die vielen Komponenten aus dem Hause Intel. „All Intel Inside“ nennt Gigabyte den Design-Ansatz, der überall dort, wo Intel Produkte zu bieten hat, auch solche einsetzt: CPU, SSD, WLAN-Chip und Thunderbolt-Controller.

Ein Studio-Laptop

Nvidia legt sehr großen Wert darauf, nicht unerwähnt zu lassen, dass das Gigabyte Aero 17 HDR ein Studio-Laptop mit GeForce RTX ist und damit prädestiniert für die Nutzung durch Kreative – Influencer, Selbstständige, Studios. „Studio-Laptops“ dürfen sich Notebooks nennen, die folgende Anforderungen erfüllen und von Nvidia zertifiziert wurden:

  • Bietet mindestens GeForce RTX 2060 oder Quadro RTX 3000
  • Bietet mindestens einen Core i7 der 45-Watt-Klasse (H- oder HK-Reihe)
  • Bietet mindestens 16 GB RAM
  • Bietet mindestens 512 GB SSD-Speicherplatz
  • Bietet mindestens ein Full-HD-Display
  • Nvidia-Studio-Treiber ab Werk installiert

Studio-Laptops sollen darüber hinaus vergleichsweise dünn und leicht sein und über eine lange Akkulaufzeit verfügen. Exakte Vorgaben gibt es in diesen Punkten allerdings ebenso wenig wie zur Qualität der Displays. Auch viele bereits verfügbare Notebooks mit Core i7, GeForce RTX, 16 RAM und 512 GB großer SSD sind damit quasi Studio-Laptops. Und einige Hersteller haben ihrem Notebook rückwirkend dieses Label aufgedruckt.

Nvidia Studio Laptops

Das Studio-Laptop-Programm ist damit vorrangig ein Instrument, um leistungsstarke Notebooks mit aktuellen Nvidia-GPUs, die sich – sei es durch Design, Display oder sonstige Produktstrategien – nicht an Spieler, sondern an Kreative richten, sichtbarer zu machen. Zum Aero 17 (HDR), das Gigabyte seit dem Start als System für Kreative bewirbt, passt das neue Logo damit sehr gut.

Weil sich der auf Stabilität und Kontinuität ausgelegte Nvidia-Studio-Treiber auch auf allen anderen (Gaming-)Notebooks mit GeForce RTX oder Quadro RTX installieren lässt, gibt es bei der Leistung hingegen keinen Vorteil gegenüber diesen Produkten. Die von Nvidia hervorgehobenen Fähigkeiten in professionellen Anwendungen (inklusive Nutzung der RT- und Tensor-Kerne) beherrscht auch die GPU im Gaming-Notebook Asus Zephyrus S GX701.

Ein „Studio Laptop“ „Made in Taiwan“
Ein „Studio Laptop“ „Made in Taiwan“

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