Red Dead Redemption 2 im Test: DX12 vs. Vulkan, Benchmarks in Full HD, WQHD und Ultra HD und Frametimes

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Wolfgang Andermahr et al. 516 Kommentare

Die nachfolgenden Grafikkarten-Benchmarks sind auf einem Intel Core i9-9900K durchgeführt worden, der mit den Standard-Einstellungen betrieben wird und auf insgesamt 32 Gigabyte Arbeitsspeicher mit einer Geschwindigkeit von DDR4-3200 (16-16-16-38) zugreifen kann. „Windows 10 April 2019 Update“ (1903) inklusive aller derzeit verfügbaren Patches ist installiert. Als Treiber wurden der Adrenalin 19.11.1 und der GeForce 441.12 genutzt. Beide Treiber sind offiziell für Red Dead Redemption 2 optimiert. Nach dem Testen ist der GeForce 441.20 erschienen, der aber dieselbe Performance in dem Spiel zeigt.

Zwei Testsequenzen und die Einstellungen

ComputerBase greift für die Benchmarks auf zwei verschiedene Testsequenzen zurück. Das liegt daran, dass das Spiel in den meisten Fällen sehr GPU-fordernd ist. Andere Sequenzen belasten dagegen deutlich mehr die CPU. Beides Zusammen gibt es nicht, weswegen die Benchmarks eigene Testszenarien erhalten.

Die Grafikkarten-Benchmarks finden auf der Insel Guarma in der Nähe der Zuckerplantage Aguasdulces statt. Die 25 Sekunden lange Sequenz zeigt einen Marsch durch den dichten Dschungel mit sehr viel Vegetation und Reflexionen im Wasser. Es handelt sich um eine anspruchsvolle Sequenz, meistens ist die Framerate in dem Spiel höher. Der Test findet bei Sonnenschein dank geringer Bewölkung um 9:00 Uhr statt. Die Wettersituation ist nicht hundertprozentig reproduzierbar, hat bei dem genutzten Savegame aber nur einen geringen Einfluss auf die Framerate.

Für die Prozessor-Tests kommt ein ebenso 25 Sekunden langer Marsch durch die Stadt Blackwater zum Einsatz. Die Sequenz zeichnet sich durch eine große Sichtweite, mehrere Gebäude sowie NPCs aus. Die Framerate ist (auf dem Core i9-9900K) deutlich höher als bei der Grafikkarten-Szene. Der Test findet ebenfalls bei gutem Wetter und geringer Bewölkung um 9:00 Uhr statt. Die Wettersituation ist erneut nicht hundertprozentig reproduzierbar, hat bei dem genutzten Savegame aber nur einen geringen Einfluss auf die Framerate.

Für die Grafikkarten- und Prozessor-Benchmarks werden pro Auflösung verschiedene Qualitätseinstellungen genutzt. In 1.920 × 1.080 kommt das maximale Bildqualität-Bevorzugen-Preset zum Einsatz, aber nicht die händisch maximierten Details. Für 2.560 × 1.440 bleibt es beim gleichen Preset, aber nicht mehr in der höchsten Stufe, sondern nur noch der zweiten Stufe. Für 3.840 × 2.160 wird wieder das Bildqualität-Bevorzugen-Preset auf Stufe 7 genutzt. Als API wird durchweg DirectX 12 genutzt.

Auflösung Grafikdetails
1.920 × 1.080 Bildqualität-Bevorzugen-Preset Stufe 7, TAA, DirectX 12
2.560 × 1.440 Bildqualität-Bevorzugen-Preset Stufe 2, TAA, DirectX 12
3.840 × 2.160 Bildqualität-Bevorzugen-Preset Stufe 7, TAA, DirectX 12

DirectX 12 arbeitet deutlich besser als Vulkan

DirectX 12 ist in Red Dead Redemption die beste API – unabhängig von der Grafikkarte, der Auflösung und der Qualitätseinstellung. Die Microsoft-API läuft durchweg schneller als Vulkan, teils mit einem großen Abstand. Umso unverständlicher ist es, dass das Spiel beim ersten Starten Vulkan auswählt. Allerdings lässt sich das ja schnell ändern.

Die Vorteile von DirectX 12 lassen sich nicht bei der Framerate erkennen, die kaum besser als die von Vulkan ist. In 1.920 × 1.080 liefert die GeForce RTX 2070 unter DirectX 12 2 Prozent mehr FPS als mit Vulkan, die Radeon RX 5700 XT arbeitet gleich schnell. Und das ändert sich auch in höheren Auflösungen nicht.

Ganz anders dagegen verhält es sich bei den Frametimes, die mit DirectX 12 deutlich besser sind. So arbeitet die GeForce RTX 2070 bei dieser Messreihe in 1.920 × 1.080 16 Prozent schneller mit DX12 als mit Vulkan, in 2.560 × 1.440 sind es gar satte 66 Prozent. Bei der Radeon RX 5700 XT liegen die Werte bei 17 Prozent in Full HD und 92 Prozent in WQHD. Die schlechten Frametimes lassen sich nicht nur messen, auch das Spielgefühl ist auf beiden Grafikkarten mit DirectX 12 deutlich besser als mit Vulkan.

Async Compute hilft Vulkan deutlich

Rockstar hat in Red Dead Redemption auch Async Compute integriert, lässt dies standardmäßig aber immer abgeschaltet. Async Compute lässt sich manuell in der „system.xml“ („Dokumente/Rockstar Games/Red Dead Redemption 2/Settings“) unter dem Eintrag „<asyncComputeEnabled>“ durch das austauschen des Attributs „false“ durch „true“ aktivieren.

Auf die Framerate hat dies kaum Auswirkungen, meistens ist die Variante ohne Async Compute gar schneller – was vermutlich der Grund ist, warum Async Compute in dem Spiel nicht aktiviert ist. Und mit DirectX 12 ändert sich auch bei den Frametimes nichts, mit Vulkan dagegen deutlich. Mit Async Compute fallen diese in 2.560 × 1.440 auf einer GeForce RTX 2070 um 31 Prozent besser aus, auf einer Radeon RX 5700 XT sind es deutlich geringere acht Prozent. In anderen Ergebnisse fallen die Messwerte unterschiedlich aus und werden auch nicht immer, aber meistens besser.

Auch gefühlt läuft Vulkan mit aktiviertem Async Compute deutlich runder als ohne und ist so überhaupt erst spielbar. Allerdings bleibt DirectX 12 immer noch teils deutlich besser, weswegen DirectX 12 auch mit dem Trick klar die API der Wahl bleibt. Allerdings gibt es Berichte von Spielern, die mit DirectX 12 Abstürze erleben, die mit Vulkan nicht auftreten. Für diejenigen ist es dann ratsam, Async Compute unter Vulkan manuell anzuschalten.

Benchmarks in Full HD, WQHD und Ultra HD

Die Benchmarks zu Red Dead Redemption zeigen in so einigen Bereichen nicht das gewohnte Bild, aber einen aktuellen Trend. Bereits bei den letzten Spieleerscheinungen zeigte sich, dass Entwickler offenbar immer intensiver für neue GPU-Architekturen optimieren. Sprich, AMDs RDNA und Nvidias Turing konnten sich teils deutlich mehr von den Vorgängern GCN und Pascal absetzen als die Monate davor. In RDR2 drehen die neuen Produkte jetzt zum Teil Kreise um die alten.

Ohne Turing oder RDNA geht nicht viel in RDR2

Denn in 2.560 × 1.440 ist die Radeon RX 5700 XT mal so eben 37 Prozent schneller als die Radeon RX Vega 64. In 1.920 × 1.080 sind es immer noch 21 Prozent, in anderen Spielen liegt der Abstand im Schnitt dagegen bei 14 Prozent. Das ist aber noch gar nichts. So muss sich die GeForce GTX 1080 Ti und damit das Pascal-Flaggschiff in WQHD mit einem zwölfprozentigen Rückstand gegenüber der GeForce RTX 2070 zufrieden geben. Gewöhnlich ist das alte Modell 18 Prozent schneller. Auch hier gilt, dass der Abstand in Full HD mit vier Prozent kleiner, aber immer noch vorhanden ist. Turing und RDNA sind in Red Dead Redemption also schonmal Trumpf.

Nimmt man dagegen das direkte Duell RDNA gegen Turing, schneidet AMDs neue Technologie vergleichsweise gut ab. So ist die Radeon RX 5700 XT in anderen Spielen rund acht Prozent schneller als die GeForce RTX 2070, in RDR2 sind es in 1.920 × 1.080 elf Prozent und in 2.560 × 1.440 15 Prozent. Die Radeon RX 5700 XT liegt meist knapp hinter der GeForce RTX 2070 Super, ist aber auch mal schneller.

In WQHD ist plötzlich so einiges anders

In 2.560 × 1.440 zeigen alle Turing-Modelle bei den gewählten Grafikoptionen dann ein eigenartiges Verhalten, in Full HD ist hingegen eigentlich alles wie immer. Gewöhnlich ist die GeForce RTX 2080 Super etwa 33 Prozent schneller als die GeForce RTX 2070. In RDR2 lässt sich der Wert in Full HD mit 29 Prozent zwar nicht ganz erreichen, allerdings ist das kein allzu großer Unterschied. Ganz anders dagegen in WQHD, denn dort schrumpft die Differenz auf nur noch 17 Prozent zusammen. Das hat zur Folge, dass 2.560 × 1.440 in der fordernden Testsequenz die Radeon RX 5700 XT plötzlich drei Prozent schneller als die GeForce RTX 2080 und quasi so schnell wie die GeForce RTX 2080 Super arbeitet. Das erschien so ungewöhnlich, dass sich ComputerBase auf eine größere (und über Stunden andauernde) Fehlersuche begeben hat. Aber die Messwerte konnten so oft reproduziert werden, dass das Fazit lautet: sie sind korrekt.

Und zum Schluss noch eine weitere Eigenheit. Wer die GeForce GTX 1080 vermisst: Red Dead Redemption 2 wollte mit der Grafikkarte schlicht nicht starten. Mit anderen Pascal-Beschleunigern gab es keine Schwierigkeiten, einzig die GeForce GTX 1080 wollte nicht, ganz gleich, mit welchen Tricks es versucht worden ist.

Für hohe Details muss es eine schnelle Grafikkarte sein

Abseits der Kuriositäten fällt sofort der enorme Grafikhunger von Red Dead Redemption 2 auf. Auch wenn die Testsequenz sehr fordernd und das Spiel meistens etwas schneller läuft, wird auch bei reduzierten Details eine sehr schnelle Grafikkarte benötigt, solange man nicht bereit ist, auf einen Großteil der Details zu verzichten. Auf einem Mittelklasse-Modell der alten Generation wie die GeForce GTX 1060 und die Radeon RX 580 bleibt einem allerdings kaum etwas anderes übrig.

Gute Frametimes mit AMD und Nvidia

Wer die DirectX-12-API in Red Dead Redemption 2 nutzt, hat sowohl mit einer Nvidia- als auch mit einer AMD-Grafikkarte gute Frametimes. Weder die GeForce RTX 2070, noch die Radeon RX 5700 XT zeigen größere Unregelmäßigkeiten in der Bildausgabe. Die Frametimes sind zwar nicht perfekt, so zeigt vor allem die Radeon RX 5700 XT gegen Ende der Sequenz einige Sprünge, doch sind die so klein, dass man sie nicht spürt. Bei ausreichend hoher Framerate fühlt sich RDR2 sehr rund an.

CPU-Benchmarks

Red Dead Redemption 2 stellt zwar keine so hohen Ansprüche an den Prozessor wie an die GPU. Jede halbwegs aktuelle CPU ist für das Spiel und das maximale Grafik-Preset aber damit noch lange nicht schnell genug. So stottert der Core i3-8100 in 1.920 × 1.080 auf einer GeForce RTX 2080 Ti FE ordentlich vor sich her, was trotz brauchbarer Framerate nicht mehr gut spielbar ist.

Alle anderen Testkandidaten liefern dagegen genug Performance für ein flüssiges Spielen. Schon der Ryzen 5 1600X liefert 38 Prozent bessere FPS und 43 Prozent bessere Frametimes als die kleinste Intel-CPU, was zwar nicht die maximal mögliche Leistung, aber ausreichend ist. Der Core i9-9900K liefert die beste Leistung ab und sorgt für ein weiteres Plus von 19 und 28 Prozent. Der Intel Core i7-7700K liegt genau in der Mitte. Der Rückstand zum großen Bruder beträgt nur sechs Prozent bei den FPS, die Frametimes sind aber um 13 Prozent schlechter.

CPU-Tests auf einer RTX 2080 Ti FE – 1.920 × 1.080
  • FPS, Durchschnitt:
    • Intel Core i9-9900K (8K/16T)
      87,5
    • Intel Core i7-7700K (4K/8T)
      82,6
    • AMD Ryzen 5 3600 (6K/12T)
      80,3
    • AMD Ryzen 9 3900X (12K/24T)
      79,6
    • AMD Ryzen 5 2600X (6K/12T)
      76,8
    • AMD Ryzen 5 1600X (6K/12T)
      73,8
    • Intel Core i3-8100 (4K/4T)
      53,4
  • 99,8th Percentile (Frametimes in FPS):
    • Intel Core i9-9900K (8K/16T)
      67,2
    • AMD Ryzen 9 3900X (12K/24T)
      62,0
    • AMD Ryzen 5 3600 (6K/12T)
      59,2
    • Intel Core i7-7700K (4K/8T)
      58,3
    • AMD Ryzen 5 2600X (6K/12T)
      56,2
    • AMD Ryzen 5 1600X (6K/12T)
      52,4
    • Intel Core i3-8100 (4K/4T)
      36,7

Die AMD-Prozessoren liegen allesamt relativ eng beisammen. Der Ryzen 5 2600X liefert vier Prozent mehr Bilder in der Sekunde als der Vorgänger und sieben Prozent bessere Frametimes. Der aktuelle Ryzen 5 3600 mit derselben Kern-Anzahl legt noch einmal jeweils fünf Prozent oben drauf. Die Zen-2-Architektur macht in Red Dead Redemption 2 damit nur einen kleinen Sprung, in anderen Spielen ist dieser oft größer.

Und mehr als sechs Kerne bringen in dem Spiel kein großes Plus mehr. Der Ryzen 9 3900X muss sich gar um ein Prozent bei den FPS geschlagen geben, die Frametimes sind aber noch einmal fünf Prozent besser. AMDs aktuelles Consumer-Flaggschiff ist damit neun respektive acht Prozent langsamer als der Core i9-9900K.

Bei den durchgeführten CPU-Benchmarks geht es nicht darum zu zeigen, welcher Prozessor theoretisch eine bessere Performance in Red Dead Redemption 2 zeigt. Das Ziel der Tests ist es herauszufinden, ob der Prozessor in realitätsnahen Einstellungen Auswirkungen auf das Spielgeschehen hat. Deshalb gibt es keine Benchmarks in sehr niedrigen Auflösungen, die die Grafikkarte so wenig wie möglich belasten. Stattdessen ist Full HD bei vollen Grafikdetails das häufigste Szenario für die CPUs, das im Spielalltag genutzt wird.

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