Mobile 15-Watt-CPUs im Test: Testergebnisse

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Jan-Frederik Timm 134 Kommentare

Alle nachfolgenden Tests wurden mit einem vollständig aktualisierten Windows 10 Version 1903 vorgenommen. Die Leistungseinstellung von Windows war auf „bessere Leistung“ eingestellt. Für die Spiele-Tests kamen die zum Testzeitpunkt aktuellen Treiber zum Einsatz.

Taktraten unter Last

Neben der IPC bestimmt der Takt unter Last, wie schnell die CPUs im Testparcours sein werden. Auf dem Papier liegt Comet Lake bis zu 1,0 GHz vor Ice Lake, während sich Picasso nur knapp vor Ice Lake platziert. Wie es sich im Praxisalltag in den getesteten Notebooks verhält, hat ComputerBase im sehr lange laufenden Blender Benchmark (Multi-Core) und Cinebench R15 (Single-Core) jeweils in der Einstellung „Leistung“ getestet.

CPU Blender (Multi-Core) CB R15 (Single-Core)
Core i7-1065G7 2.686 MHz 3.683 MHz
Core i7-10510U 2.853 MHz 4.205 MHz
Ryzen 7 3700U 3.093 MHz 3.773 MHz

Das Ergebnis in Blender kommt durchaus einer Überraschung gleich, denn am Ende ist es Picasso, der im günstigsten der drei Notebooks den im Durchschnitt höchsten Takt auf allen vier Kernen erzielt: knapp 3,1 GHz. Dahinter folgen Comet Lake mit knapp 2,9 GHz und Ice Lake mit rund 2,7 GHz. Comet Lake kann nur ganz zu Anfang mit bis zu 4,3 GHz einen deutlichen Taktvorsprung erzielen (Ice Lake 3,5 GHz, Picasso 3,3 GHz). Der Sprung beim Takt im Verlauf ist auf den Wechsel der Renderszene zurückzuführen.

Werden die Taktraten des jeweils schnellsten Kerns im Single-Core-Durchlauf des Cinebench R15 protokolliert, sehen die Ergebnisse anders aus. Hier kann sich Comet Lake mit im Durchschnitt 4,2 GHz (spezifiziert mit bis zu 4,9 GHz) dauerhaft deutlich absetzen, während Ice Lake mit 3,7 GHz (spezifiziert mit bis zu 3,9 GHz) klar zurückfällt. Picasso liegt in der Regel und damit im Durchschnitt bei 3,8 GHz (spezifiziert mit bis zu 4,0 GHz), weist im Lenovo IdeaPad S540 aber reproduzierbar immer wieder deutlich fallende Taktraten auf – keiner der Kerne scheint in diesem Moment eine hohe Turbostufe zu nutzen. Auf der anderen Seite ist die im Mittel erzielte Abweichung zum vom Hersteller angegebenen maximalen 1-Kern-Turbotakt bei Picasso am kleinsten.

Leistung in Anwendungen

Mit knapper Führung schließt das Notebook mit mobiler Picasso-APU dann auch den Blender Benchmark am schnellsten ab, dicht gefolgt von Ice Lake – die gestiegene IPC macht gegenüber Comet Lake den knapp 200 MHz großen Nachteil beim Takt wett, kann gegen Zen+ aber nicht die Oberhand erringen.

Im Modus „Leise“ ist Ice Lake nicht wiederzuerkennen

Das nachfolgende Diagramm enthält nicht nur die Ergebnisse im Modus „Leistung“, sondern auch die des Profils „Leise“ mit gedrosselter TDP (Ice Lake: 9 Watt, Comet Lake: 15 Watt, Picasso: unbekannt). Die Unterschiede sind analog der TDP-Spreizung eklatant: Das Ice-Lake-Notebook benötigt fast doppelt so lange, während Comet Lake durch den Sprung von 20 auf 15 Watt TDP „nur“ 20 Prozent verliert. Das Picasso-Notebook lässt um knapp 50 Prozent nach. Im Ergebnis ist das C640 mit Comet Lake im Modus „Leise“ klar das schnellste Notebook im Vergleich.

5 Einträge
Blender Benchmark
Einheit: Minuten, Sekunden
    • Aero 17 HDR – CPU „3/6“
      22:47
    • Lenovo Legion Y740 – Ausgeglichen
      29:41
    • XMG Fusion 15 – Blanced
      33:15
    • Asus Zephyrus S GX701 „Leistung“
      33:52
    • Razer Blade Pro „Mittel“
      40:40
    • IdeaPad S540 (R7 3700U) – Leistung
      50:26
    • Yoga C940 (i7-1065G7) – Leistung
      50:55
    • Yoga C640 (i7-10510U) – Leistung
      52:16
    • Yoga C640 (i7-10510U) – Leise
      61:23
    • Blade Stealth (i7-1065G7) – Gaming
      67:21
    • IdeaPad S540 (R7 3700U) – Leise
      74:22
    • Blade Stealth (i7-1065G7) – Ausgeglichen
      81:57
    • Yoga C940 (i7-1065G7) – Leise
      97:33
    • XPS 13 (i5-7200U) – Default
      104:42
    • Blade Stealth (i7-1065G7) – Stromsparmodus
      114:04

Der auf 9 Watt TDP gedrosselte und in 10 nm gefertigte Quad-Core-Prozessor Core i7-1065G7 ist in diesem Benchmark so am Ende nur noch 7 Prozent schneller als ein Core i7-7200U mit zwei Kernen bei 15 Watt aus der Kaby-Lake-Generation. Und dies entspricht der Werkseinstellung des C940.

Der in einer Schleife von zehn Durchläufen absolvierte Cinebench R15 bestätigt die Ergebnisse im Modus „Leistung“ aus Blender: Comet Lake und Ice Lake haben zum Start einen TDP-Spielraum-Vorteil, am Ende liegt Picasso vorne.

Im Single-Core-Durchlauf des Cinebench R15 hat Picasso dann wiederum, so wie es die Taktraten vermuten ließen, keine Chance gegen die Konkurrenz von Intel, die knapp 30 Prozent in Front liegt.

Cinebench R15 Single-Core
Einheit: Punkte
    • Lenovo Yoga C940 (Core i7-1065G7)
      182
    • Lenovo Yoga C640 (Core i7-10510U)
      180
    • Lenovo Yoga S540 (Ryzen 7 3700U)
      141
    • Dell XPS 13 (9360) (Core i5-7200U)
      125

Kurze und Single-Core-Lasten liegen Intel

Nachfolgend finden sich alle drei Notebooks auch noch einmal im von ComputerBase in der Regel genutzten Testparcours für Ultrabook-CPUs wieder. Er enthält sowohl Single- als auch Multi-Core-Anwendungen, die in der Regel allerdings von sehr kurzer Dauer sind. Ice Lake und Comet Lake können in diesem Vergleich also von den zu Anfang einer Belastung sehr hohen TDP-Limits profitieren. Alle Notebooks werden in diesem Parcours immer mit dem schnellsten Profil getestet.

Im Durchschnitt über die Benchmarks in diesem Parcours kann sich Ice Lake im Yoga C940 zwar nur knapp von Comet Lake im Yoga C640 absetzen, 17 Prozent Vorsprung auf Picasso im IdeaPad S540 sind hingegen deutlich.

In diesem Parcours findet sich auch ein Notebook mit Core i7-1065G7 wieder – das Dell XPS 13 2-in-1 (7390). Die CPU in diesem Gerät ist im Schnitt noch einmal 7 Prozent schneller als im C940. Der Grund: Sie darf zum Start einer Last bis zu 45 Watt verbrauchen und im hier abgebildeten Modus „Ultra“ dauerhaft immer noch 38 Watt. Das liegt 13 Watt über der von Intel offiziell spezifizierten höheren TDP von 25 Watt.

In diesem Notebook erweist sich der Core i7-1065G7 dann auch als der bisher schnellste Ultrabook-Prozessor, der den Parcours zu absolvieren hatte. Die CPUs im Yoga C940 und C640 liegen hingegen nur gleichauf mit dem Core i7-8565U im Vaio SX14 – und der Ice-Lake-Prozessor verbraucht im direkten Vergleich mehr Strom.

Leistung in Spielen

Zur Beurteilung der iGPU-Leistung in Spielen hat die Redaktion die zuletzt auch bei Gaming-Notebooks genutzten Spiele F1 2019 und Shadow of the Tomb Raider herangezogen. Die Auflösung wurde nicht reduziert, es lag weiterhin Full HD an. Allerdings mussten die Details in beiden Titeln auf das absolute Minimum reduziert werden. Beide Games liefen mit DirectX 12, TAA war in Shadow of the Tomb Raider, „TAA Schachbrett“ in F1 2019 aktiviert. Die anisotrope Filterung war deaktiviert.

Ice Lake und Picasso nehmen sich in der Einstellung „Leistung“ in beiden Tests wenig bis gar nichts, die alte Skylake-iGPU von Comet Lake hat im direkten Vergleich keine Chance – sie erzielt nur die Hälfte der FPS. Dass doppelt so schnell immer noch vergleichsweise langsam ist, zeigt der Vergleich mit der Radeon RX 5500M im MSI Alpha 15, die vier bis sechs Mal so viele FPS abliefert, obwohl sie selbst zu den langsamsten aktuellen mobilen Grafikkarten gehört.

Wird die TDP der CPUs im Modus „Leise“ gedrosselt, erreichen Ice Lake und Picasso noch knapp die Leistung der alten Intel-Architektur im Modus „Leistung“.

Leistungsaufnahme

Weil sich die drei verwendeten Notebooks trotz Ultrabook-Chassis bei dem 14-Zoll-Display, den weiteren Komponenten und selbst ihren Netzteilen deutlich voneinander unterscheiden, hat die Redaktion auf den direkten Vergleich der Leistungsaufnahme verzichtet. Die Messungen an der Steckdose decken sich aber zumindest bei Intel mit den per HWiNFO ausgelesenen Verbräuchen der CPUs: Das C940 liegt unter Last im Modus „Leistung“ bei 5 bis 10 Watt.

Auch die gemessene Lautstärke passt zu diesen Erkenntnissen: Das Yoga C940 ist mit Ice Lake im Modus „Leistung“ mit deutlichem Abstand am lautesten, beide günstigeren Notebooks sind leiser, wobei das C640 noch ruhiger als das S540 agiert.

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