deepin: Chinas meistgenutzte Linux-Distribution gibt sich offen

Sven Bauduin 238 Kommentare
deepin: Chinas meistgenutzte Linux-Distribution gibt sich offen
Bild: deepin

Die auf Debian basierende chinesische Linux-Distribution deepin ist mittlerweile auch global stark nachgefragt und findet immer mehr neue Anhänger im Netz. Mit der eigens entwickelten Desktop-Umgebung, dem Deepin Desktop Environment (DDE), sowie seinen fast 30 alternativen eigenen Anwendungen möchte sich deepin abgrenzen.

Debian 9 und Kernel 4.15 als angestaubte Basis

Das Betriebssystem basiert in seiner aktuellen Version, deepin 15.11, auf dem stabilen Zweig von Debian und dem schon etwas betagteren Linux-Kernel 4.15. Der etwas ältere Kernel – Linux ist mittlerweile beim Kernel 5.4.2 angelangt – verwundert nicht, basiert die Distribution aus dem Land der Mitte doch noch auf dem gemeinhin als „oldstable“ bekannten Debian 9 („Strech“) und nicht auf dem aktuellen „Stable“ Debian 10 („Buster“).

Nach dem ersten Start begrüßt einen der eigens entwickelte Deepin Desktop Environment (DDE). Zudem finden sich bereits zahlreiche bekannte Anwendungen im deepin-Launcher.

Alle installierten Anwendungen finden sich im übersichtlichen deepin-Launcher
Alle installierten Anwendungen finden sich im übersichtlichen deepin-Launcher (Bild: deepin)

Anpassbare Desktop-Umgebung in Eigenentwicklung

Die chinesische Linux-Distribution setzt anders als sein Debian-Unterbau nicht auf Gnome als Desktop-Umgebung oder das moderne KDE Plasma 5, sondern auf eine vollständige Eigenentwicklung namens Deepin Desktop Environment (DDE) 3.0, welche ursprünglich auf WebKit und HTML5 basierte, bevor sie 2015 schlussendlich auf das GUI-Toolkit Qt 5 portiert wurde.

Die Desktop-Umgebung von deepin gibt sich sehr anpassbar. Mit nur einem Klick lässt sich zwischen einem praktischen „Efficient Mode“ und einem optisch an macOS erinnernden „Fashion Mode“ wechseln.

Die Desktop-Umgebung erlaubt einen einfachen Wechsel der Modi
Die Desktop-Umgebung erlaubt einen einfachen Wechsel der Modi (Bild: deepin)

Bekannte Anwendungen treffen auf eigene Apps

Neben bekannten Anwendungen wie dem Webbrowser Chromium in der Version 73.0 oder dem E-Mail-Client Mozilla Thunderbird 60.3 kommt deepin 15.11 von Haus aus mit rund 30 eigens entwickelten Programmen daher, darunter deepin Movie auf Basis von FFmpeg, der deepin System Monitor, das Deepin Terminal sowie der deepin Boot Maker und der deepin AppStore, eine grafische Benutzeroberfläche für das Paketverwaltungsprogramm APT.

Weitere eigene Apps sind der deepin Installer, der deepin File Manager, der deepin Font Installer, deepin Clone, deepin Picker sowie wie der deepin Screen Recorder, der deepin Voice Recorder und deepin Screenshot. Auch für die tägliche Arbeit mit Musik, Bilder, Videos und Präsentationen besitzt das Betriebssystem eigene Apps und verfügt darüber hinaus über einen eigenen Kalender und einen Remote Assistenten.

Alle deepin-Anwendungen wurden mit dem deepin Tool Kit (DTK) programmiert, welches seinerseits auf C++ und dem Qt-Toolkit basiert. Ähnlich dem einsteigerfreundlichen elementary OS 5.1 verzichtet deepin zum größten Teil auf namhafte und etablierte Crossplattform-Anwendungen und setzt aus Gründen der Konsistenz, Buildgröße und der Geschwindigkeit auf ein einheitliches Entwickler-Toolkit. Die bekannten Größen wie LibreOffice, das pixelbasierte Bildbearbeitungsprogramm Gimp oder auch Inkscape zur Erstellung zweidimensionaler Vektorgrafiken lassen sich aber problemlos über den deepin AppStore nachinstallieren.

Alle verfügbaren Anwendungen sind übersichtlich in Kategorien eingeteilt, sodass die Installation schnell von der Hand geht und selbst Spotify, Slack und diverse Messenger stehen zum Download bereit – die chinesische Distribution präsentiert sich hier sehr aufgeräumt und weltoffen.

Über den AppStore lassen sich bekannte Anwendungen schnell nachinstallieren
Über den AppStore lassen sich bekannte Anwendungen schnell nachinstallieren (Bild: deepin)

Durch sein modernes Design und den schonenden Umgang mit Ressourcen sowie die Vielzahl eigener Anwendungen und den vielerorts hochgelobten AppStore, konnte sich die chinesische Distribution auch global einen Namen machen und ist kräftig auf dem Vormarsch. In den letzten 12 Monaten verbesserte sich deepin im Ranking der Website Distrowatch – welches sich anhand der Seitenaufrufe bemisst – auf Rang 10 unter aktuell 277 registrierten Distributionen. Im letzten Monat konnte das Betriebssystem sogar die etablierte Distribution Fedora überholen und den 9. Platz belegen – Tendenz weiterhin steigend. Das 2,3 Gigabyte große Abbild deepin 15.11 amd64 (ISO) lässt sich direkt beim Entwickler herunterladen.

Der Nachfolger deepin 20 – auf Basis von Debian 10 („Buster“) – ist am 23. November 2019 in seine letzte Beta gestartet und soll am 20. Januar 2020 offiziell erscheinen.

Die Redaktion dankt Community-Mitglied „konkretor“, welcher einen näheren Blick auf die Distribution angeregt hatte.