HDD-Roadmap: Toshiba nennt 18 TB, 20 TB und 10-Platter-Technik

Michael Günsch 68 Kommentare
HDD-Roadmap: Toshiba nennt 18 TB, 20 TB und 10-Platter-Technik

Auf einer Veranstaltung für Investoren hat Toshiba auch über die Pläne im HDD-Segment gesprochen. Der Fokus liegt klar auf dem Wachstumsbereich Nearline-Enterprise-HDDs mit hoher Speicherkapazität und Heliumfüllung. Bis die auf einer Roadmap aufgeführten 20-TB-HDDs von Toshiba erscheinen, werden aber noch Jahre vergehen.

Toshiba will mehr vom Geschäft mit Enterprise-HDDs

Zunächst hat Toshiba auf den aktuellen Trend im HDD-Geschäft hingewiesen: Der Bedarf nach Festplatten mit hohen Speicherkapazitäten für Server ist ungebrochen hoch und nimmt sogar zu. Das Gegenteil ist bei Client-Festplatten für den Privatsektor der Fall, denn immer mehr PCs sind mit einer SSD statt einer HDD bestückt. Vor diesem Hintergrund ist nur logisch, dass sich Toshiba wie auch Seagate und Western Digital auf den Wachstumsmarkt konzentriert. Toshiba will sogar die eigenen Fertigungskapazitäten für Festplatten weiter ausbauen und bei gleichbleibendem Marktanteil im Client-Segment von etwa 25 Prozent bei Enterprise-HDDs auf über 20 Prozent Marktanteil kommen.

Toshiba will sich mehr auf gefragte Enterprise-HDDs konzentrieren
Toshiba will sich mehr auf gefragte Enterprise-HDDs konzentrieren (Bild: Toshiba)
Prognosen für Wachstum bei Enterprise-HDDs
Prognosen für Wachstum bei Enterprise-HDDs (Bild: Toshiba)

In diesem Segment spielen die mit Helium statt Luft gefüllten Festplatten eine große Rolle, deren Anteil bei Toshiba drastisch steigen soll. Durch das Edelgas werden Scherkräfte im Inneren verringert, was den Einsatz von mehr Magnetscheiben und damit größere Speicherkapazitäten erlaubt. Zudem sind Helium-Festplatten in der Regel auch deutlich sparsamer, benötigen also weniger Strom. Ein Nachteil sind aber die höheren Kosten durch die aufwendige Versiegelung des Festplattengehäuses, damit das Gas nicht entweichen kann.

Roadmap mit 18 TB, 20 TB und 10-Platter-Technik

Aktuell bietet Toshiba bis zu 16 TB Speicherplatz mit neun Magnetscheiben (Platter) im mit Helium gefüllten 3,5-Zoll-Gehäuse. Bei künftigen HDDs sollen sogar zehn Platter eingesetzt werden, was aber den Einsatz von dünneren, aber teureren Glasplattern nötig machen könnte. Neben dem 10-Platter-Design listet Toshiba das Shingled Magnetic Recording (SMR) und das Energy Assisted Magnetic Recording als zukünftige Technologien auf.

Toshibas Roadmap für Nearline-HDDs mit Helium (Stand November 2019)
Toshibas Roadmap für Nearline-HDDs mit Helium (Stand November 2019) (Bild: Toshiba)

Die gezeigte Roadmap sieht für das späte erste Halbjahr des Fiskaljahres 2020 (April 2020 bis März 2021) also etwa im Spätsommer 2020 Nearline-HDDs mit 18 TB vor und lässt Modelle mit 20 TB frühestens für das Ende des Fiskaljahres 2021 (endet März 2022) oder sogar später erwarten. Angesichts dessen, dass die Konkurrenz schon im Kalenderjahr 2020 auf 20 TB erhöhen will, wirkt zumindest der zweite Termin ziemlich spät. Unklar bleibt außerdem welche der genannten Techniken jeweils eingesetzt wird. Denkbar ist auch eine Kombination einiger oder sogar aller Methoden.

Der Blick zur Konkurrenz

Seagate will im kommenden Jahr die immer wieder verschobene HAMR-Technik (Heat-Assisted Magnetic Recording) endlich auf den Markt bringen und peilt mindestens 20 TB Speichervolumen an. Allerdings steht auch eine 18-TB-Festplatte mit herkömmlicher Technik (CMR) für 2020 auf der Roadmap.

Western Digital will nächstes Jahr ebenfalls 18 TB (CMR) und 20 TB (SMR) anbieten. Anders als zuvor kommuniziert soll dabei noch kein Microwave-Assisted Magnetic Recording (MAMR) Verwendung finden. Stattdessen spricht Western Digital neuerdings lediglich von „Energy Assisted Magnetic Recording“, was bisher schlicht als Überbegriff für Techniken wie HAMR oder MAMR galt.

2020 könnte bei HDDs spannend werden

Toshiba hatte in früheren Roadmaps ebenfalls MAMR in Aussicht gestellt, spricht aber in der neueren Roadmap auch nur noch von Energy Assisted Magnetic Recording. Welche Techniken nun letztlich bei den drei verbliebenen HDD-Herstellern im nächsten Jahr den Massenmarkt erreichen werden, bleibt gespannt abzuwarten. In jedem Fall haben die Hersteller offenbar einen „Plan B“ in der Hinterhand, um die Speicherkapazitäten dieses Massenspeichers auch ohne MAMR oder HAMR noch etwas weiter zu erhöhen.