Im Test vor 15 Jahren: ATis Radeon X800 nahm die GeForce 6600 GT ins Visier

Robert McHardy 64 Kommentare
Im Test vor 15 Jahren: ATis Radeon X800 nahm die GeForce 6600 GT ins Visier

tl;dr: Mit der ATi Radeon X800 und der X800 XL mit PCI Express (Test) blies ATi zum Angriff auf Nvidias GeForce 6600 GT. Die Grafikkarten waren, durchaus nicht selbstverständlich im Jahr 2005, direkt verfügbar und schneller als die Konkurrenz, allerdings auch teurer.

ATis neues PCIe-Portfolio

Zur Vorstellung der Radeon X800 und der Radeon X800 XL bot ATi bereits einige Grafikkarten der X800-Serie an, die allerdings auf den R420- und R423-Grafikchip setzten. Während der R420 ausschließlich AGP unterstützte und die Modelle daher bestehen blieben, wurden Radeon X800 Pro und XT (PE) mit R423-GPU und PCI Express eingestellt. Mit Vorstellung der neuen Grafikkarten sah das PCIe-Portfolio dann vorerst wie folgt aus:

ATis X800/X850-Portfolio für PCI Express
Chip Chiptakt
[MHz]
RAM-Takt
[MHz]
Typ Interface Pipelines Shader Kühlung
Neu:
Radeon X850 XT PE R480 540 590 GDDR3 256 Bit 16 6 Dual-Slot
Radeon X850 XT R480 520 540 GDDR3 256 Bit 16 6 Dual-Slot
Radeon X850 Pro R480 520 540 GDDR3 256 Bit 12 6 Single-Slot
Radeon X800 XL R430 400 500 GDDR3 256 Bit 16 6 Single-Slot
Radeon X800 R430 390 350 GDDR3 256 Bit 12 6 Single-Slot
Alt:
Radeon X800 XT PE R423 520 560 GDDR3 256 Bit 16 6 Single-Slot
Radeon X800 XT R423 500 500 GDDR3 256 Bit 16 6 Single-Slot
Radeon X800 Pro R423 475 450 GDDR3 256 Bit 12 6 Single-Slot

Der R430 der beiden neuen Modelle unterstützte wie der alte R423 PCI Express, wurde aber im moderneren 110-nm-Verfahren gefertigt. Dadurch schrumpfte die Chipfläche von 281/289 mm² (R420/423) auf 240 mm², was die Ausbeute verbesserte und dadurch die Kosten senken sollte sowie die Energieaufnahme verringerte. Der Single-Slot-Kühler der beiden Grafikkarten entstammte der Radeon X700 XT, die niemals produziert werden sollte – auf diese Weise konnte ATi wenigstens noch die Kühler verwerten.

Radeon X800 und X800 XL positionierten sich am unteren Ende von ATis PCI-Express-Portfolio. Im Vergleich zu den Modellen mit großem R480-Chip fielen die GPU-Taktraten mit 390/400 MHz deutlich geringer aus. Bei der normalen Radeon X800 setzte ATi zusätzlich auf langsameren Grafikspeicher, der mit 350 MHz getaktet wurde, und wie bei der Radeon X850 Pro auf lediglich zwölf Render-Pipelines. Der auf dem Testmodell der Radeon X800 tatsächlich verbaute Speicher war mit einer minimalen Zugriffszeit von 2,0 ns spezifiziert – vom Hersteller also für Taktraten von bis zu 500 MHz vorgesehen. Dementsprechend konnten Kunden dieses Manko der X800 selbst ohne Probleme durch Übertaktung ausräumen.

Radeon X800 Radeon X800 XL Radeon X700 XT GeForce 6800 GeForce 6600 GT
Chip R430 RV410 NV40/41 NV43
Transistoren 160 Mio. 120 Mio. 222 Mio. 146 Mio.
Fertigung 110 nm 110/130 nm 110 nm
Taktung (MHz) 390 400 475 325 500
Renderpipes 12 16 8 12 8
Pixelfüllrate 4.680 MPix/s 6.400 MPix/s 3.800 MPix/s 3.900 MPix/s 4.000 MPix/s
TMUs je Pipe 1
Texelfüllrate 4.680 MTex/s 6.400 MTex/s 3.800 MTex/s 3.900 MTex/s 4.000 MTex/s
Vertex-Einheit DX9 VS 2.0+ DX9 VS 3.0
Vertex-Pipes 6 5 3
Interface PCIe x16 PCIe x16/AGP
SLI-Modus nein ja
Texturen pro Pass 12 (24) 16 (32) 8 (16) 12 (24) 8 (16)
Pixel-Shader PS 2.0+ PS 3.0
Speicher (MByte) 256 GDDR3 128 GDDR3 128 DDR 128 GDDR3
Anbindung 256 Bit 128 Bit 256 Bit 128 Bit
Speichertakt (MHz) 350 490 525 350 500/450
Bandbreite (MByte/s) 22.400 31.360 16.800 22.400 16.000
RAMDAC 2 × 400 MHz
Präz. pro Kanal 24 Bit (FP24) 32 Bit (FP32)
US-Preis (ohne MwSt.) $ 199 $ 249 $ 199 $ 249 $ 199

Überzeugende Leistung

In puncto Leistung mussten sich die Radeon X800 und vor allem die X800 XL nicht vor der GeForce-Konkurrenz verstecken. Je nach Auflösung lag die X800 XL gleichauf mit der GeForce 6800 oder leicht hinter ihr. Die GeForce 6600 GT wurde von beiden Modellen abgehängt. Die Radeon X800 erreichte in niedrigen Auflösungen im Mittel rund 4 Prozent Vorsprung, der bei steigender Last zusammenschrumpfte. Bei dem XL-Modell waren es bis zu 60 Prozent Vorsprung im Durchschnitt, sofern Antialiasing und anisotrope Filterung genutzt wurden.

Ein Problem hatte die Radeon X800 jedoch: den Preis. Während die Nvidia GeForce 6600 GT bereits für unter 200 Euro erhältlich war, kostete die Radeon X800 zum Erscheinungszeitpunkt in Deutschland mindestens 240 Euro. Die geringe Mehrleistung der ATi-Grafikkarte rechtfertigte den prozentual hohen Aufpreis nicht. Anders sah es bei der Radeon X800 XL aus. Für lediglich 270 Euro erhielten Kunden eine sparsame und vor allem äußerst schnelle Grafikkarte, die mit der GeForce 6800 von Nvidia mithalten konnte. In Anbetracht der Leistung der X800 XL wirkte das Preis-Leistungs-Verhältnis der Radeon X800 umso bescheidener. Wer ein System mit PCI Express besaß und eine günstige Grafikkarte aus der Oberklasse wollte, für den war die ATi Radeon X800 XL im Februar 2005 eine gute Wahl.

Ende des Jahres erschienen mit Radeon X800 GT und X800 GTO (Test) dann die wahren Preis-Leistungs-Könige dieser Generation.

In der Kategorie „Im Test vor 15 Jahren“ wirft die Redaktion seit Juli 2017 jeden Samstag einen Blick in das Test-Archiv. Die letzten 20 Artikel, die in dieser Reihe erschienen sind, führen wir nachfolgend auf:

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