Matrix Instant Messenger: Bundeswehr setzt auf Open Source im Dienst

Sven Bauduin
123 Kommentare
Matrix Instant Messenger: Bundeswehr setzt auf Open Source im Dienst
Bild: BWI GmbH

Die Bundeswehr erprobt seit Dezember 2019 gemeinsam mit der BWI GmbH das Instant Messaging via Matrix Messenger, der jetzt zum Dienststandard wird. In einer weiteren Ausbaustufe sollen ab Herbst dieses Jahres auch private Endgeräte für die offene Kommunikation über das Kommunikationsprotokoll Matrix genutzt werden.

Die Bundeswehr möchte damit der aktuellen Situation, ausgelöst durch die Folgen des Coronavirus, begegnen und zukünftig noch stärker auf digitale Lösungen setzen, wie die BWI GmbH auf ihrer Website bekanntgibt.

Damit Kommunikation und Kollaboration für die Angehörigen der Bundeswehr auch in Zeiten von Corona und vermehrten mobilen Arbeitens funktionieren, setzen die deutschen Streitkräfte zunehmend auf digitale Lösungen.

Ein Beispiel ist Instant Messaging. Aktuell betreibt die BWI für die Bundeswehr zwei Chat-Lösungen für dienstliche und private Mobilgeräte: Matrix und stashcat.

BWI GmbH

Matrix Messenger auch für Verschlusssachen

Ermöglichte es der Open-Source-Messenger Matrix der Bundeswehr bisher auf dienstlichen Smartphones und Tablets als offen eingestufte Informationen zu übertragen und teilen, soll dieser künftig auch für Informationen und Dokumente der Schutzklasse „Verschlusssache – Nur für den Dienstgebrauch“ nach VS-NfD zum Einsatz kommen.

Das Matrix-Kommunikationsprotokoll bietet eine Reihe von HTTP-APIs und Open-Source-Referenzimplementierungen für das sichere Senden und Speichern von Nachrichten im JSON-Format in einem offenen Verbund von Servern.

Matrix baut auf dem offenen Standard WebRTC auf und unterstützt zudem die Echtzeitkommunikation von Browser-zu-Browser-Anwendungen.

Ab Herbst 2020 auch auf privaten Endgeräten

Aufgrund der aktuellen Einschränkungen durch die COVID-19-Pandemie hat die Bundeswehr zurzeit rund 50.000 Dienstgeräte mit dem proprietären Instant Messenger Stashcat ausgerüstet, um seinen Mitarbeitern und Streitkräften über diesen auch die private Kommunikation zu ermöglichen. Verschlusssachen können und dürfen selbstverständlich nicht über private Endgeräte geteilt werden.

Matrix wird zum einheitlichen Bundeswehrstandard

Bereits im April haben die BWI GmbH und der Cyber Innovation Hub der Bundeswehr damit begonnen, rund 30.000 Dienstgeräte auf das Matrix-Protokoll zu migrieren. Im Zuge des weiteren Ausbaus soll der Matrix Messenger Stashcat als neue und einheitliche Instant-Messaging-Plattform der Bundeswehr ablösen.

Update 13.05.2020 18:01 Uhr

Ministerium will Änderungen frei verfügbar machen

Wie aus einer schriftlichen Anfrage (PDF) der Bundestagsabgeordneten Anke Domscheit-Berg (Die Linke) an die Bundesregierung aus dem Februar hervorgeht, beabsichtigt das Bundesministerium der Verteidigung zukünftige Änderungen und Weiterentwicklungen am Matrix-Messenger Riot frei verfügbar zu machen.

Dies teilte der parlamentarische Staatssekretärs des zuständigen Bundesministerium Dr. Peter Tauber (CDU) mit.

Das Bundesministerium der Verteidigung beabsichtigt, bei Nutzung der Produkte Riot und Synapse im Rahmen des Bundeswehr-Messengers, etwaige Änderungen bzw. Weiterentwicklungen an diesen Produkten frei verfügbar zu machen.

Dr. Peter Tauber (CDU)

Die Redaktion dankt Community-Mitglied „new Account()“ für den Hinweis zu diesem Update.