C:\B_retro\Ausgabe_33\: Apples iMac G3 war vieles, aber nicht mausgrau

Sven Bauduin 119 Kommentare
C:\B_retro\Ausgabe_33\: Apples iMac G3 war vieles, aber nicht mausgrau
Bild: Sven Bauduin | CC BY-SA 3.0

tl;dr: Mit seinem halb durchscheinenden Gehäuse aus Polycarbonat, fünf auffälligen Farben und der freundlich verspielten Formsprache aus der Feder von Jonathan „Jony“ Ive brach der erste iMac mit dem mausgrauen PC-Standard! Der iMac G3 läutete ein neues Zeitalter ein, nicht nur für Apple.

Jeden Sonntag wirft diese Serie einen unterhaltsamen Blick zurück auf drei Jahrzehnte voller bewegter Geschichten und interessanten Entwicklungen der Computerszene. Mythen, Meilensteine und Meisterwerke: C:\B_retro\.

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Der Apple iMac G3 von 1998

Am 7. Mai 1998 vorgestellt und am 15. August 1998 ausgeliefert, sollte der erste iMac unter der Produktbezeichnung iMac G3 die Nutzung von Internet und Multimedia stärker in den Vordergrund stellen als je eine Plattform zuvor.

Zu einem Preis von 1.299 US-Dollar zuzüglich Steuern setzte der Heimcomputer mit seinem transluzenten Gehäuse einen Trend in der Computerindustrie und half Apple aus der tiefsten Krise der Konzerngeschichte heraus. Mit dem iMac G3 wurde Apple langsam zu dem Unternehmen, das es noch heute ist.

Viele Marken und Designer geben noch heute an, damals vom Design des ersten iMac inspiriert worden zu sein und entwarfen zu der Zeit plötzlich alle bunte und transparente Computer und Peripheriegeräte. Ja, bereits vor dem iMac gab es schon Computer, die farbiges, transluzentes Material für das Gehäuse verwendet haben, doch wie so oft machte Apple diesen Stil „schick“.

Auch der heutige Apple-CEO Tim Cook stellte die besondere Bedeutung des ersten iMacs für die Computerindustrie zu dessen 20. Jubiläum im Jahr 2018 noch einmal heraus und veröffentlichte ein Video von dessen Vorstellung durch Steve Jobs.

In Deutschland betrug der Preis des Apple iMac G3 bei der Vorstellung am 7. Mai 1998 exakt 2.999 DM. Dafür erhielt der Anwender einen bunten All-in-One-PC auf Basis der dritten Generation der PowerPC-Prozessorfamilie mit einer Grafikkarte vom Typ ATi Rage. Der Fokus lag klar auf Internet und Multimedia-Software.

Der YouTube-Kanal iTek präsentiert einen iMac der ersten Revision mit Slot-in-CD-ROM im Unboxing und liefert schöne Impressionen.

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Die Entwicklung

Der erste iMac sollte 1998 auch zu Steve Jobs erstem großen Produkt nach seiner Rückkehr zu Apple im Jahr zuvor werden. Zwischen 1985 und 1996 gingen Apple und Jobs, der das Unternehmen 1985 nach einem Streit mit dem damaligen Apple-CEO John Sculley verlassen hatte, getrennte Wege und der iMac sollte den vorläufigen Höhepunkt von Jobs zweiter Amtszeit als Apple-Chef repräsentieren.

Auch wenn Desktop-PCs und Workstations wie der Scenic Pro sowie die Server-Serien Primergy 300 und Primergy 500 von Siemens Nixdorf bereits zuvor halb transparente Flächen und „moderne“ Formen boten, sollte der Apple iMac G3 alle sich am Markt befindenden Systeme seiner Zeit vom Design her in den Schatten stellen.

Hardware und Software sowie das Betriebssystem Mac OS 8.1 waren kompromisslos auf die Internet- und Multimedianutzung hin ausgelegt und adressierten eine sehr breite Zielgruppe. Der erste iMac wurde für Apple zu einem Erfolg, der dem Unternehmen das Überleben sicherte und sich in mehreren Revisionen und insgesamt 13 Farben von August 1998 bis Ende März 2003 äußerst erfolgreich verkaufte.

Das „i“ in iMac stand laut Apple bei der ersten i-Produktlinie für „internet“, „individual“, „instruct“, „inform“ und „inspire“. Mit fünf kräftigen Farben sollte es losgehen. Slogans wie „Sorry, not beige.“ und „Chic. Not geek.“ prägten die riesige Werbekampagne von Apple.

Apple iMac G3 (1998)
Apple iMac G3 (1998) (Bild: Sven Bauduin)

Die Hardware

Auf Basis eines von Apple, IBM und Motorola entwickelten PowerPC 750 aus der dritten Generation der PowerPC-Prozessorfamilie entstand ein „bunter“, kugelartiger und durchsichtiger Computer, der die folgenden Spezifikationen besaß.

  • IBM PowerPC G3
  • IBM PowerPC 750
  • mit 233 bis 333 MHz
    mit 350 bis 400 MHz (Revision 1)
    mit 350 bis 500 MHz (Revision 2)
  • IBM PowerPC 750CX
  • mit 400 bis 600 MHz (Revision 3)
  • IBM PowerPC 750CXe
  • mit 500 bis 700 MHz (Revision 3)
  • 64 kB L1-Cache
  • 256 bis 512 kB L2-Cache
  • 66 bis 100 MHz Front Side Bus
  • 32 MB bis 1 GB SDRAM PC100
  • ATi Rage IIc
    mit 2 bis 6 MB SGRAM
  • ATi Rage Pro
    mit 6 MB SGRAM
  • ATi Rage 128 Pro
    mit 8 MB SDRAM
  • ATi Rage 128 Ultra
    mit 16 MB SDRAM
  • 4 bis 60 GB Festplattenspeicher
  • 15-Zoll-CRT-Monitor
    mit 1.024 × 768 Pixeln
  • 10/100 BASE-T Ethernet
  • 56k-Modem
  • 2× USB 1.1
  • 24× Speed CD-ROM
  • Optional: 4× DVD-ROM (ab Revision 1)
  • 401 × 386 × 447 mm (B×H×T)
  • 17,2 kg
IBM PowerPC 750 aus der Serie PowerPC G3
IBM PowerPC 750 aus der Serie PowerPC G3 (Bild: Wikipedia)

Die Software

Der erste iMac wurde mit dem Betriebssystem Mac OS 8.1 ausgeliefert und erhielt zeitnah ein Update auf Mac OS 8.5 respektive Mac OS 8.5.1, das bereits im November 1999 von Mac OS 9.0 mit dem Codenamen „Sonata“ abgelöst wurde.

Mac OS 8
Mac OS 8 (Bild: Wikipedia)
Mac OS 9
Mac OS 9 (Bild: Wikipedia)

Das ursprüngliche Betriebssystem wurde noch bis zum Dezember 2001 unterstützt und fand mit Mac OS 9.2.2 seinen Höhepunkt, bevor auch für den iMac G3 der Wechsel auf den Nachfolger Mac OS X bevorstand.

Die 4. Revision des iMac erschien am 18. Juli 2001 bereits wahlweise mit Mac OS 9.1 oder Mac OS X 10.0.4 und sollte bis zum 29. April 2005 mit Mac OS X Tiger 10.4.11 offiziell unterstützt werden. Unter Zuhilfenahme des Open-Source-Tools „XPostFacto“ können Anwender aber auch Mac OS X Leopard 10.5.8 auf dem iMac G3 nutzen.

Mac OS X Tiger 10.4
Mac OS X Tiger 10.4 (Bild: Wikipedia)

Auf Seiten der Anwendungssoftware kam mit AppleWorks der Vorgänger des heutigen iWork zum Einsatz. Die 1985 erstmals von Apple vorgestellte Office-Suite enthielt eine Textverarbeitung, eine Tabellenkalkulation, eine Datenbank, ein Zeichen-, Mal- und Präsentationsprogramm sowie ein Kommunikationsmodul.

Apple Works erschien bis Januar 2004 sowohl für Mac OS und Mac OS X als auch für Microsoft Windows und wurde im Januar 2005 von iWork abgelöst.

Mit Mac OS X 10.2 hielt auch der Browser Safari Einzug auf dem iMac G3.

Auf der Entwicklerkonferenz WWDC von 1999 stellte Apple in Person von Steve Jobs Mac OS 9 vor und präsentiert die Multimediafähigkeiten des Betriebssystems – im Mittelpunkt steht erneut der iMac G3.

Die Erben

Mit dem iMac G4 (Test) von 2002 und dem iMac G5 von 2005 schlug Apple langsam aber sicher die Richtung ein, die auch der aktuelle iMac mit Intel Core i9 und AMD Vega nach wie vor verfolgt. Das Design wurde weniger aufdringlich und erwachsener, die TFT-Technik ersetzte die CRT-Monitore und der iMac fand seinen Weg später auch in Büros und Arztpraxen.

Mittlerweile hat Apple mit dem iMac Pro einen weiteren Ableger seines All-in-One-PCs speziell für professionelle Anwender aufgelegt.

Die Entwicklung des All-in-One-PCs von Apple
Die Entwicklung des All-in-One-PCs von Apple (Bild: Wikipedia)

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