Im Test vor 15 Jahren: Radeon X1800 XT und GeForce 7800 GTX im Duell

Robert McHardy 93 Kommentare
Im Test vor 15 Jahren: Radeon X1800 XT und GeForce 7800 GTX im Duell

tl;dr: Mit der R520-GPU und der Radeon X1800 XT (Test) wollte ATi zum Angriff gegen Nvidias G70-GPU in Form der GeForce 7800 GTX blasen. Bevor die Grafikkarten mit Monaten Verspätung erschienen, hatte ATi mit diversen Schwierigkeiten bei der Fertigung zu kämpfen.

Drei GPUs gegen Nvidia

An der Spitze des neuen ATi-Portfolios stand die Radeon X1800 XT, die wie die X1800 XL auf die R520-GPU setzte. Diese verfügte über 321 Millionen Transistoren und wurde als erste Desktop-GPU in TSMCs 90-nm-Verfahren gefertigt. Die beiden Topmodelle unterschieden sich im Wesentlichen lediglich bezüglich der Taktraten. Während die R520 in der X1800 XT mit 625 MHz arbeitete, lag ihre Frequenz in der X1800 XL bei 500 MHz. In puncto Grafikspeicher konnte das XT-Modell zum einen mit optional größerer Kapazität (512/256 MByte versus 256 MByte) punkten, zum anderen war der Speichertakt mit 750 zu 500 MHz um 50 Prozent höher.

Im Vergleich dazu waren die Modelle auf Basis der RV530- und RV515-GPUs deutlich abgespeckt. Mit 157 respektive 105 Millionen Transistoren waren die beiden GPUs bedeutend weniger komplex. Statt 16 Pixel-Pipelines verfügten sie über 12 (RV530) bzw. 4 (RV515). Gegenüber der R520 lag die Pixelfüllrate der RV530 und RV515 bei nur 25 Prozent (pro Takt), da beide über lediglich 4 statt 16 TMUs und ROPs verfügten. Alle Modelle von der Radeon X1300 bis zur Radeon X1600 XT waren mit wahlweise 128 oder 256 MByte Grafikspeicher erhältlich.

Radeon
X1800 XT
Radeon
X1800 XL
Radeon
X1600 XT
Radeon
X1600 Pro
Radeon
X1300 Pro
Radeon
X1300
Chip R520 RV530 RV515
Transistoren 321 Mio. 157 Mio. 105 Mio.
Fertigung 90 nm
Chiptakt 625 MHz 500 MHz 590 MHz 500 MHz 600 MHz 450 MHz
Pixel-Pipelines 16 12 4
ROPs 16 4
Pixelfüllrate 10.000 MPix/s 8.000 MPix/s 2.360 MPix/s 2.000 MPix/s 2.400 MPix/s 1.800 MPix/s
TMUs je Pixel-Pipeline 1 4 (insgesamt) 1
Texelfüllrate 10.000 MTex/s 8.000 MTex/s 2.360 MTex/s 2.000 MTex/s 2.400 MTex/s 1.800 MTex/s
Vertex-Pipelines 8 5 2
Dreiecksdurchsatz 1.250 MV/s 1.000 MV/s 738 MV/s 625 MV/s 300 MV/s 225 MV/s
Pixelshader PS 3.0
Vertexshader VS 3.0
Speichermenge (MByte) 512/256 GDDR3 256 GDDR3 256/128 GDDR3 256/128 GDDR3 256 GDDR3 256/128 GDDR3
Speichertakt 750 MHz 500 MHz 690 MHz 390 MHz 400 MHz 250 MHz
Speicherinterface 256 Bit 128 Bit
Speicherbandbreite 48.000 MByte/s 32.000 MByte/s 22.080 MByte/s 12.480 MByte/s 12.800 MByte/s 8.000 MByte/s
Präzision pro Kanal FP32
Interface PCIe
SLI-/CF-Unterstützung Ja

Die Radeon X1800 XT kam als Topmodell auf die gleichen Abmessungen wie eine GeForce 7800 GTX, verfügte allerdings über einen für damalige Verhältnisse wuchtigen Dual-Slot-Kühler. Die Radeon X1800 XL war zwar grundsätzlich gleich groß, allerdings in einem Single-Slot-Design ausgeführt. In puncto Lautstärke musste sich die XT der GeForce geschlagen geben, war aber generell relativ leise. Die X1800 XL fiel hingegen durch ein Auf- und Abdrehen der Lüfter störend auf.

Die GTX war ohne Anti-Aliasing schneller

Ohne die Zuschaltung von Anti-Aliasing und anisotroper Filterung lag die Radeon X1800 XT leicht hinter der GeForce 7800 GTX. In 1.280 × 1024 sowie in 1.680 × 1.200 Pixeln war sie 5 Prozent langsamer als die GTX und 2 respektive 3 Prozent schneller als die GT. Wenn Anti-Aliasing und anisotrope Filterung aktiviert wurden, drehte sich der Spieß um. In denselben Auflösungen lag sie damit um 1 bzw. 7 Prozent vor der GeForce 7800 GTX.

In den B-Noten konnte die X1800 XT nicht ganz an die GeForce 7800 GTX heranreichen. Der Stromverbrauch des Gesamtsystems lag im Leerlauf 28 Prozent höher. Die Radeon war im Leerlauf doppelt so laut wie die GeForce und unter Last immer noch um 50 Prozent lauter. Dabei war das Topmodell mit dem Dual-Slot-Kühler noch das leiseste der neuen Radeons. Die Radeon X1300 Pro war als kleinstes Modell im Leerlauf fast sieben Mal so laut wie die 7800 GTX.

Auch visuell konnten die neuen GPUs einen Fortschritt verzeichnen. Mit ATis adaptivem Anti-Aliasing ließen sich Alpha-Test-Texturen sehr gut glätten und das neue „Flächen-AF“ bot eine nahezu winkelunabhängige anisotrope Filterung. Preislich lag die Radeon X1800 XT mit 256 MByte Grafikspeicher bei 499 Euro. Wer den doppelten Grafikspeicher wollte, musste weitere 50 Euro zahlen. Für CrossFire-Nutzer gab es auch bei der neuen Generation weiterhin die CrossFire-Edition-Modelle, die mit 599 Euro bepreist waren.

In der Kategorie „Im Test vor 15 Jahren“ wirft die Redaktion seit Juli 2017 jeden Samstag einen Blick in das Test-Archiv. Die letzten 20 Artikel, die in dieser Reihe erschienen sind, führen wir nachfolgend auf:

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