Nvidia GeForce RTX 3070 FE im Test: 2080-Ti-Leistung mit 8 GB für 499 Euro UVP

Wolfgang Andermahr
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Nvidia GeForce RTX 3070 FE im Test: 2080-Ti-Leistung mit 8 GB für 499 Euro UVP

tl;dr: Nach der GeForce RTX 3080 mit 10 GB für 700 Euro und der GeForce RTX 3090 mit 24 GB für 1.500 Euro schickt Nvidia die 500 Euro teure GeForce RTX 3070 mit 8 GB ins Rennen. Im Test liefert sie sich einen harten Schlagabtausch mit der GeForce RTX 2080 Ti – mit Vor- und Nachteilen für beide. Die Founders Edition überzeugt.

Die GeForce RTX 3070 Founders Edition im Test

Die GeForce RTX 3080 und die GeForce RTX 3090 haben im Test eine sehr hohe Performance mit und ohne Raytracing gezeigt, wobei vor allem die GeForce RTX 3080 einen großen Leistungssprung gegenüber dem Vorgänger gemacht hat und zugleich mit einem attraktiven Preis von 699 Euro aufwarten konnte – wenn die Karte denn (zu diesem Preis) lieferbar wäre.

Wie steht es um die Verfügbarkeit?

Die Verfügbarkeit der beiden ersten Gaming-Ampere-Grafikkarten ist weltweit auch Wochen nach dem Start katastrophal schlecht und Nvidia selbst rechnet nicht damit, dass sich in diesem Jahr daran noch signifikant etwas ändern wird. Der Start der GeForce RTX 3070 wurde vor diesem Hintergrund noch einmal zwei Wochen nach hinten geschoben, um mehr Ware auf Lager zu haben. Am kommenden Donnerstag wird sich zeigen, wie das Verhältnis aus Angebot und Nachfrage in diesem Fall ausfällt.

Zur Vorstellung im September war das Interesse an der GeForce RTX 3070 enorm groß. Mit 499 Euro UVP dringt das Modell in eine nochmals attraktivere Preisregion vor und soll dabei so viel leisten wie zuvor zwei Jahre lang die deutlich über 1.000 Euro teure GeForce RTX 2080 Ti. Das würde für einen ordentlichen Leistungsschub gegenüber dem direkten Vorgänger, der GeForce RTX 2070 (Super), sprechen, die ebenfalls teurer war. Mit der erstmals eingesetzten, nächstkleineren GA104-GPU wird die Leistungsaufnahme deutlich gegenüber den größeren Modellen fallen. Auf der Gegenseite steht ein nur 8 GB großer Speicher, der damit seit zwei Generationen respektive der GeForce GTX 1070 aus dem Jahr 2016 unverändert geblieben ist.

Heute Founders Edition, Custom-Designs am Donnerstag

Ob das Gesamtpaket der GeForce RTX 3070 überzeugen kann, klärt ComputerBase anhand eines Founders-Edition-Modells, das auf den ersten Blick überraschend klein, optisch und haptisch aber immer noch so hochwertig wie bei RTX 3080 und RTX 3090 ausfällt. Ein Test mit drei ersten Custom-Modellen wird pünktlich zum Marktstart am 29. Oktober folgen.

(angenommener) Termin offiziell bestätigt
Tests GeForce RTX 3080 FE 16. September 2020
Tests GeForce RTX 3080 (Custom-Designs) (CD) 17. September 2020
Verkauf GeForce RTX 3080 FE & CD 17. September 2020
Tests GeForce RTX 3090 FE & CD 24. September 2020
Verkauf GeForce RTX 3090 FE & CD 24. September 2020
Tests GeForce RTX 3070 FE heute
Vorstellung AMD Radeon RX 6000 28.10. ja
Tests GeForce RTX 3070 CD 29.10., 15:00 Uhr nein
Verkauf GeForce RTX 3070 FE & CD 29.10., 15:00 Uhr ja

GA104: Premiere auf der RTX 3070

Die GeForce RTX 3080 und die GeForce RTX 3090 sind mit der großen GA102-GPU ausgestattet, die GeForce RTX 3070 basiert dagegen auf dem kleineren GA104, der mit 393 mm² und 17,4 Milliarden Transistoren deutlich weniger komplex als der größere Bruder ist.

46 Streaming-Multiprocessors und damit noch 5.888 FP32-ALUs sind auf der GeForce RTX 3070 übrig geblieben, die GeForce RTX 3090 basiert im Vergleich dazu auf 82 SMs und 10.496 ALUs. Wie das Consumer-Flaggschiff nutzt auch die GeForce RTX 3070 die GPU aber nicht voll aus, denn physikalisch sind 48 SMs (6.144 ALUs) vorhanden.

RTX 3090 RTX 3080 RTX 3070 RTX 2080 Ti
GPU GA102 GA104 TU102
Prozess Samsung 8 nm Custom 12 nm TSMC
Chipgröße 628 mm² 393 mm² 754 mm²
Transistoren 28,0 Mrd. 17,4 Mrd. 18,6 Mrd.
GPC 7 6 6 6
SM 82 68 46 68
FP32-ALUs pro SM („Cuda Cores“) 128 64
FP32-ALUs („Cuda Cores“) 10.496 8.704 5.888 4.352
INT32-ALUs pro SM 64
INT32-ALUs 5.248 4.352 2.944 4.352
RT-Kerne 82 2nd Gen 68 2nd Gen 46 2nd Gen 68 1st Gen
Tensor-Kerne 328 3rd Gen 272 3rd Gen 184 3rd Gen 544 2nd Gen

Mit der Leistung fällt die Leistungsaufnahme deutlich

Die deutlich reduzierten Ausführungseinheiten haben zur Folge, dass der Leistungsbedarf der GeForce RTX 3070 mit einer TDP von nur noch 220 Watt deutlich geringer ausfällt. Damit sind Custom-Designs mit zwei 8-Pin-Stromsteckern oder sogar nur einem möglich. Die Taktraten will Nvidia dennoch hoch gehalten haben, denn der Basis-Takt liegt mit 1.500 MHz und der durchschnittliche Turbo mit 1.730 MHz etwas höher als bei den zwei anderen Modellen.

Beim Speicher fällt die GeForce RTX 3070 ebenfalls deutlich hinter die beiden großen Varianten zurück. Es gibt nur noch acht 32 Bit breite Speichercontroller, die ein 256-Bit-Speicherinterface ergeben. Damit reduziert sich automatisch auch der Speicherausbau auf 8 GB – technisch wären alternativ 16 GB möglich, doch wurde ein entsprechendes Modell offenbar gestrichen. Darüber hinaus setzt die GeForce RTX 3070 nicht mehr auf extrem hoch taktenden GDDR6X-, sondern auf klassischen GDDR6-Speicher. Dessen Takt beträgt 7.000 MHz, es ergibt sich ein Datendurchsatz von 14 Gbps.

Damit steht der GeForce RTX 3070 41 Prozent weniger Speicherbandbreite als der GeForce RTX 3080 zur Verfügung, während die theoretische Rechenleistung nur um 32 Prozent kleiner ausfällt.

Details zur Ampere-Architektur gibt es im Technik-Artikel

Wer genauere Details zur Technik der GeForce RTX 3070 in Erfahrung bringen möchte, sollte einen Blick in den Technik-Artikel zur GeForce RTX 3000 werfen. Dieser behandelt neben der GeForce RTX 3070 auch die GeForce RTX 3080 und das Flaggschiff GeForce RTX 3090 in aller Ausführlichkeit.

Die technischen Spezifikationen der GeForce RTX 3080 im Überblick
RTX 3090 RTX 3080 RTX 3070 RTX 2080 Ti RTX 2070 Super
Architektur Ampere Turing
GPU GA102 GA104 TU102 TU104
Prozess Samsung 8 nm Custom-Prozess 12 nm TSMC
Chipgröße 628 mm² 393 mm² 754 mm² 545 mm²
Transistoren 28 Mrd. 17,4 Mrd. 18,6 Mrd. ca. 13,6 Mrd.
GPC 7 6 6 6 6
SM 82 68 46 68 40
FP32-ALUs pro SM 128 64
FP32-ALUs 10.496 8.704 5.888 4.352 2.560
RT-Kerne 82 2nd Gen 68 2nd Gen 46 2nd Gen 68 1st Gen 40 1st Gen
RT-Kerne + ALUs synchron Ja Nein
Tensor-Kerne 328 3rd Gen 272 3rd Gen 184 3rd Gen 544 2nd Gen 320 2nd Gen
Basis-Takt 1.400 MHz 1.450 MHz 1.500 MHz 1.350 MHz 1.605 MHz
Boost-Takt 1.700 MHz 1.710 MHz 1.725 MHz 1.545 MHz 1,770 MHz
FP32-Leistung 35,7 TFLOPS 29,8 TFLOPS 20,3 TFLOPS 13,4 TFLOPS 9,1 TFLOPS
FP16-Leistung 35,7 TFLOPS 29,8 TFLOPS 20,3 TFLOPS 26,9 TFLOPS 18,1 TFLOPS
FP16-Leistung über Tensor 143 TFLOPS
285 TFLOPS (Sparsity)
119 TFLOPS
238 TFLOPS (Sparsity)
81 TFLOPS
163 TFLOPS (Sparsity)
107,6 TFLOPS 72,5 TFLOPS
Textureinheiten 328 272 184 272 160
ROPs 112 96 96 88 64
Speicher 24 GB GDDR6X 10 GB GDDR6X 8 GB GDDR6 11 GB GDDR6 8 GB GDDR6
Speichergeschwindigkeit 19,5 Gbps 19,0 Gbps 14,0 Gbps 14,0 Gbps 14,0 Gbps
Speicherinterface 384 Bit 320 Bit 256 Bit 352 Bit 256 Bit
Speicherbandbreite 936 GB/s 760 GB/s 448 GB/s 616 GB/s 448 GB/s
L2-Cache 6 MB 5 MB 4 MB 6 MB 4 MB
TDP 350 Watt 320 Watt 220 Watt 250 Watt 215 Watt
Slot-Anbindung PCIe 4.0 PCIe 4.0 PCIe 4.0 PCIe 3.0 PCIe 3.0
UVP 1.499 Euro 699 Euro 499 Euro 1.259 Euro 529 Euro

Neue Angebote im GeForce-Ökosystem

Nvidia hat nicht nur die Technik von Ampere aufgerüstet, auch das Ökosystem wurde mit neuen Features ausgestattet. Dazu gehört Broadcast, das die Tensor-Kerne der Turing- und der Ampere-GPUs nutzt, um das (Spiele-)Streaming ins Internet zu erleichtern und zu verbessern. So bietet Broadcast eine KI-unterstützte Rauschunterdrückung, die bisher unter dem Namen RTX Voice gelaufen ist. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, den Hintergrund des Webcam-Feeds zu entfernen und diesen durch ein alternatives Bild oder auch nur einen Unschärfeeffekt zu ersetzen – quasi ein Greenscreen ohne Greenscreen per KI. Broadcast richtet sich zwar primär ans Spiele-Streaming, doch auch normales Videostreaming zum Beispiel bei Konferenzen soll durch das Feature profitieren. Ebenfalls neu im Ökosystem ist Nvidia Reflex (Test), das Latenzen in E-Sport-Titeln per SDK senken und mit dem Reflex Latency Analyzer auf neuen G-Sync-Displays mit 360 Hz erstmals messbar machen soll. Reflex ist mit allen GPUs ab Maxwell kompatibel.

Die Nvidia GeForce RTX 3070 Founders Edition im Detail

Nvidia schickt auch bei der GeForce RTX 3070 eine eigene Founders Editions ins Rennen, die ab 499 Euro (UVP) den Besitzer wechselt. Unklar ist es zur Zeit, wie es um die Verfügbarkeit bestellt sein wird. Nvidia wird die Founders Edition in Deutschland sowohl im eigenen Shop als auch über Partner-Shops verkaufen.

Nvidia GeForce RTX 3070 FE im Test
Nvidia GeForce RTX 3070 FE im Test

Die GeForce RTX 3070 FE lehnt sich in Optik und Haptik an die beiden größeren Modelle an und vermittelt damit einen abermals erstklassigen Eindruck, auch wenn das Gewicht deutlich geringer ausfällt. So ist die GeForce RTX 3070 FE mit einer Länge von nicht ganz 25 cm und einer Höhe von 11 cm ein gutes Stück kompakter. Einen eigenen, ganz klassischen Ansatz fährt die GeForce RTX 3070 FE beim Kühler.

Mit klassischem Kühlkonzept

Zwar setzt auch die GeForce RTX 3070 Founders Edition auf zwei Axiallüfter, die mit einem Durchmesser von 85 mm so groß wie bei der GeForce RTX 3080 FE ausfallen. Doch sind sie in diesem Fall beide klassisch auf der Vorderseite und nebeneinander platziert. Der linke Lüfter bläst dabei die kühle Luft gegen das PCB und versucht diese, so gut wie möglich, durch die Slotblende aus dem Gehäuse wieder hinauszubefördern. Der rechte nutzt derweil das gegenüber dem Kühler deutlich kürzere PCB aus und bläst Luft einmal durch die Kühlfinnen hindurch, ohne dass ein PCB für Verwirbelungen und Gegendruck sorgt. Mit von der Partie ist auch wieder der neue Lüfterstopp bei niedrigen Temperaturen. Auf dem Windows-Desktop arbeitet die GeForce RTX 3070 FE daher ebenfalls lautlos.

Gewicht der bisher getesteten GeForce-RTX-3070/3080/3090-Grafikkarten
Angabe in Gramm
Nvidia GeForce RTX 3070 Founders Edition 1.034 g
Asus GeForce RTX 3080 TUF OC 1.387 g
MSI GeForce RTX 3080 Gaming X 1.557 g
Nvidia GeForce RTX 3080 Founders Edition 1.348 g
Gigabyte GeForce RTX 3090 Gaming OC 1.372 g
MSI GeForce RTX 3090 Gaming X Trio 1.569 g

Mit neuem 12-Pin-Stromanschluss

Die GeForce RTX 3070 FE ist mit einem Powerlimit von 220 Watt konfiguriert, das sich manuell auf maximal 240 Watt erhöhen lässt. Als Stromanschluss dient erneut der neue 12-Pin-Stromstecker, wobei Nvidia einen Adapter auf einen einfachen 8-Pin-Stecker der Founders Edition beilegt. Das hat zur Folge, dass Nvidia am Limit der Spezifikationen arbeitet und auch teils etwas darüber hinaus. Weitere Details dazu im Abschnitt der Leistungsaufnahme.

Weil das PCB deutlich kürzer als der Kühler ist und Nvidia ohne Verlängerung arbeitet, ist der 12-Pin-Stromstecker fast zentral zwischen den zwei Lüftern und – anders als bei der GeForce RTX 3080 FE – parallel zum PCB angebracht. Bei Nutzung des Adapters steht dieser damit nicht nur zwangsweise gut sichtbar von der Karte ab, sondern stößt auch schnell direkt gegen die Gehäusetür. Schön ist etwas anderes.

Die Taktraten der GeForce RTX 3070 Founders Edition halten sich wie auch die TDP an Nvidias Referenzvorgaben. Damit liegt der Basis-Takt bei 1.500 MHz und der durchschnittliche Turbo bei 1.730 MHz. Der 8 GB große GDDR6-Speicher arbeitet mit 7.000 MHz. Monitore können an drei DisplayPort-1.4-Schnittstellen mit DSC oder an einen HDMI-2.1-Ausgang angeschlossen werden.

Merkmal Nvidia GeForce RTX 3070
Founders Edition
Karte PCB-Design Nvidia
Länge, Breite 24,5 cm, 11,0 cm
Stromversorgung 1 × 12-Pin
Adapter auf 1 × 8-Pin
Kühler Design Founders Edition, 2,0 Slots
Kühlkörper Alu-Kern/Radiator
Lüfter 2 × 85 mm (axial)
Lüfter abgeschaltet (2D) Ja
Anlaufdrehzahl 850 Umdrehungen
Takt
(Stromsparmodus)
GPU-Basis 1.500 (210) MHz
GPU-Durchschnitt 1.725 MHz
GPU-Maximum 2.040 MHz
Speicher 7.000 (405) MHz
Speichergröße 8 GB GDDR6
Leistungsaufnahme Standard TDP 220 Watt
Maximale TDP 240 Watt
Anschlüsse 3 x DisplayPort 1.4 DSC
1 x HDMI 2.1

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