Fitbit Sense und Versa 3 im Test: Tolle Smartwatches mit Sen­sor­en und Daten im Überfluss

Frank Hüber
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Fitbit Sense und Versa 3 im Test: Tolle Smartwatches mit Sen­sor­en und Daten im Überfluss

tl;dr: Die Fitbit Sense bietet mit EKG-App, Hauttemperatur- und EDA-Sensor zur Messung des Stresslevels echte Neuheiten im Smartwatch-Bereich – verbunden mit einem sehr guten Display, GPS, genauen Messwerten und Daten im Überfluss. Die Versa 3 bügelt mit GPS, Lautsprecher und neuem Lademechanismus Schwächen der Versa 2 aus.

Mit der Sense und der Versa 3 hat Fitbit neue Smartwatches vorgestellt, die die Funktionalität im Vergleich zur Versa 2 deutlich erweitern. Vor allem die Fitbit Sense wird mit einem Sensor für elektrodermale Aktivität (EDA) zur Messung des Stresslevels und einem Hauttemperatursensor zur umfassenden Gesundheits-Smartwatch, während die Fitbit Versa 3 mit GPS und Lautsprecher erweitert wird.

Die Fitbit Sense ist seit Anfang Oktober für eine unverbindliche Preisempfehlung von 329,95 Euro in den Farbvarianten „Carbon/Edelstahl Graphit“ und „Mondweiß/Edelstahl Softgold“ erhältlich. Die Fitbit Versa 3 ist hingegen in den Varianten „Schwarz/schwarzes Aluminium“, „Altrosa/softgoldenes Aluminium“ und „Nachtblau/softgoldenes Aluminium“ für 229,95 Euro (UVP) verfügbar. Im Test kommen die Varianten „Carbon/Edelstahl Graphit“ bei der Sense und „Schwarz/schwarzes Aluminium“ bei der Versa 3 zum Zuge.

Das Display der Fitbit Sense

AMOLED-Display und Edelstahlrahmen

Die Fitbit Sense setzt auf ein schlichtes Design, bei dem ein gebogenes Gorilla Glass 3 das 1,58 Zoll große AMOLED-Display schützt. Dieses wird wiederum von einem funktionalen Edelstahlrahmen umgeben und in ein Aluminium-Gehäuse eingebettet – ein erster Unterschied zur Versa 3, die nicht auf Edelstahl setzt. Auch an der Rückseite kommt bei der Sense Edelstahl um die zahlreichen Sensoren und die Kontakte zum Laden des integrierten Akkus herum zum Einsatz. Fitbit setzt hier weiterhin auf Kontakte und kein Wireless Charging, was zur Folge hat, dass die glänzende Rückseite schon nach wenigen Ladevorgängen deutliche Kratzer von den Kontakten der Ladeschale aufweist – nicht schön anzusehen, auch wenn diese im Alltag nicht zu sehen sind und die Nutzung in keiner Weise beeinflussen. Das Lademodul selbst ist hingegen deutlich kleiner als bei den Vorgängern.

Im Vergleich zur Versa 2, die ein 1,40 Zoll großes AMOLED-Display mit 300 × 300 Pixeln nutzt, kommen bei der Fitbit Sense 336 × 336 Pixel zum Einsatz. Die Apple Watch 6 setzt auf 368 × 448 Pixel beim 44-mm-Modell und 324 × 394 Pixel beim 40-mm-Modell. Die Helligkeit des Displays liegt laut Fitbit bei bis zu 1.000 cd/m², womit es mit der Apple Watch 6 gleichzieht. Bei der Nutzung überzeugt die Helligkeit in jeder Umgebung.

Das sehr gute Display könnte kleinere Ränder aufweisen, allerdings versteht es Fitbit sehr gut, diese Ränder zu kaschieren, indem der Übergang des meist mit schwarzem Hintergrund hinterlegten Bildschirms und der Ränder meistens kaum sichtbar ist. Statt einer Krone und Lünette setzt Fitbit auf eine einige Touchtaste an der linken Seite der Uhr. Über diese kann die Uhr aktiviert, der Sprachassistent des Smartphones oder Alexa aufgerufen und die Uhr neu gestartet werden, indem die entsprechende Taste 10 Sekunden gedrückt gehalten wird. Im Test führte letztgenannte Version zu insgesamt drei ungewollten Neustarts im Testzeitraum von zwei Wochen, da die Touchfläche unbewusst 10 Sekunden aktiviert wurde. Eine Rückfrage, ob der Neustart wirklich durchgeführt werden soll, gibt es in diesem Fall nämlich nicht.

Sehr gutes Always-on-Display

Der Bildschirm kann im Alltag wahlweise vollständig deaktiviert und erst durch das Anheben aktiviert oder aber als Always-on-Display genutzt werden, so dass die Uhrzeit zu jeder Zeit aus jedem Winkel abgelesen werden kann, ohne die Uhr aktivieren zu müssen. Letzteres reduziert die Akkulaufzeit, was im Alltag bei der Fitbit Sense aber keine große Rolle spielt, wie der Test zeigen wird.

Das AMOLED-Display verfügt zudem über einen integrierten Umgebungslichtsensor zum automatischen Dimmen des Bildschirms in Abhängigkeit der Umgebungshelligkeit.

Da das Display weder rund noch eckig ist, sondern auf abgerundete Ecken setzt, zeigen sich noch kleinere Anpassungsmängel bei der Oberfläche. Bei den Übungen (Coach) sind beispielsweise Zeit und Schrift im untersten Eintrag abgeschnitten. Auch bei Drittanbieter-Apps, die nicht auf dieses Display-Format angepasst sind, kann es vorkommen, dass die letzte Zeile etwa in Texten nicht mehr vollständig gelesen werden kann. Ein Umstand, der sich mit weiteren Anpassungen aber aus der Welt schaffen lässt – zumindest Fitbit selbst hätte dies jedoch im Vorfeld anpassen sollen.

Dünnes, funktionales Armband

Die Sense wird mit einem dünnen Kunststoffarmband geliefert, das „Infinity Band“ heißt. Es wird in den Längen S und L mitgeliefert. Das weiche Armband ist vor allem funktional, erweckt aber aufgrund seiner dünnen Materialstärke zunächst Zweifel an der Wertigkeit, die sich im Test als unbegründet herausstellten. Das Sport-Armband einer Apple Watch hinterlässt jedoch ein wertigeres Gefühl. Auch bei der Fitbit Sense stehen aber zahlreiche Alternativen zur Verfügung und das mitgelieferte Armband kann gegen ein Sport-, ein Leder- oder ein geflochtenes Stoff-Armband getauscht werden. Der Wechsel selbst ist innerhalb weniger Sekunden vollzogen.

Armbänder der Versa 2 oder anderer Modelle lassen sich an der Sense und Versa 3 nicht befestigen, die Armbänder der Versa 3 und Sense sind jedoch jeweils kompatibel zueinander.

Unzählige Sensoren zeichnen Gesundheitsdaten auf

Doch obwohl das Display überzeugt, liegt eine der Stärken der Fitbit Sense in ihren Sensoren – und das nicht nur in der schieren Anzahl, sondern auch in der Genauigkeit, wie der Test offenbart. Die Sense setzt als erste Smartwatch überhaupt auf einen Stresssensor, eine EKG-App, einen SpO2- und einen Hauttemperatursensor und bietet, anders als die Versa 2, ein integriertes GPS.

Der EDA-Sensor misst den Stress

Für die Erkennung des Stresslevels des Trägers setzt die Fitbit Sense auf einen Sensor für elektrodermale Aktivität (EDA). Wenn der Nutzer seine Handfläche auf die Vorderseite der Uhr legt, werden kleine elektrische Veränderungen auf der Haut erkannt. Bei einem schnellen Scan muss er die Hand zwei Minuten auf der Uhr liegen lassen. Neben diesem schnellen EDA-Scan können in der Fitbit-App auch geführte Achtsamkeitsübungen durchgeführt werden, die zeigen, wie der Körper auf Entspannung reagiert. Am Ende jeder Übung werden auf dem Gerät und in der mobilen App die EDA-Reaktionen angezeigt, die sich so fortlaufend verfolgen lassen. Zudem kann bei jeder Messung optional die eigene Stimmung festgehalten werden.

In der Praxis funktioniert dieser Test überraschend gut – im Urlaub lagen die Werte deutlich unter denen, die während der Arbeit bei einem schnellen Scan festgestellt wurden. Der Verlauf der EDA-Reaktionen wird unter „Achtsamkeit“ in der App festgehalten.

Fitbit Sense

In der Praxis führt der EDA-Scan vor allem dazu, dass man sich zwei Minuten Auszeit nimmt, weshalb am Ende des Scans auch die Herzfrequenz zu Beginn und Ende der Messung angezeigt wird. Fitbit möchte den Träger so auf Stress aufmerksam machen, was in der Praxis funktioniert. Der Nutzer muss sich aber immer noch selbst die Zeit für den EDA-Scan nehmen, denn die Uhr kann die Messung nicht kontinuierlich im Hintergrund vornehmen, um den Anwender auf einen erhöhten Stress aufmerksam zu machen. Dies wäre eine sinnvolle Ergänzung, ist in der aktuellen Form des Sensors aber nicht möglich.

Stressmanagement-Index wertet Daten aus

Neben der Aufmerksamkeits-Anzeige in der Fitbit-App hat Fitbit zudem einen Stressmanagement-Index eingeführt, der den täglichen körperlichen Stresslevel anhand der Daten zu Herzgesundheit, Schlaf und Aktivität berechnet. Er ist exklusiv mit der Fitbit Sense erhältlich. Die Werte reichen von 1 bis 100, wobei ein höherer Wert bedeutet, dass der Körper weniger physische Anzeichen von Stress aufweist. Der Score ist mit Empfehlungen für eine bessere Stressbewältigung verbunden, beispielsweise Atemübungen und andere Achtsamkeitsinstrumente. Fitbit-Premium-Mitglieder erhalten eine detaillierte Aufschlüsselung zur Berechnung des Scores, die über zehn biometrische Daten aufführt, einschließlich Belastungsbilanz (Auswirkungen von Aktivität), Reaktionsfähigkeit (Herzfrequenz, Herzfrequenzvariabilität und elektrodermale Aktivität von der EDA-Scan-App) und Schlafmuster (Schlafqualität), wobei diese wiederum in anderen Untermenüs der App eingesehen werden können.

Sensor zur Messung der Hauttemperatur

Über einen zusätzlichen Sensor misst die Sense die Hauttemperatur am Handgelenk des Trägers. So soll frühzeitig eine etwaige Erkrankung erkannt, aber beispielsweise auch die Phasen des Menstruationszyklus nachvollzogen werden können. Einschränkend muss bei diesem Sensor jedoch gesagt werden, dass er keine absolute Temperatur anzeigt, sondern lediglich die nächtliche Abweichung protokolliert. Voraussetzung für Messdaten ist deshalb auch, dass die Uhr zunächst drei Nächte lang getragen wird, damit daraufhin Abweichungen von diesem Durchschnitt angezeigt werden können. Ein wirklicher Nutzen ließ sich im Test durch leichte Schwankungen aus diesen Messdaten nicht ziehen. Ob es bei einer bevorstehenden Krankheit anders ist, kann derzeit nicht bewertet werden. Auch die Kerntemperatur lässt sich in der Fitbit-App nachverfolgen, muss aber selbst gemessen und eingegeben werden.

Sensor zur Sauerstoffsättigung arbeitet nachts

Auch der SpO2-Sensor zur Messung der Sauerstoffsättigung misst nachts und nicht am Tag. Werte zur Sauerstoffsättigung sind deshalb über die Uhr oder die App nur dann einsehbar, wenn man die Fitbit Sense auch nachts trägt. Bei der Apple Watch 6 gibt es diese Einschränkung nicht. Dafür hat sie damit zu kämpfen, dass völlig veraltete Werte der Sauerstoffsättigung angezeigt werden, obwohl in der Health-App ein stündlicher Verlauf festgehalten ist. Vergleichbar sind die Werte nicht vollständig, da die Sauerstoffsättigung nachts aufgrund der niedrigeren Atemfrequenz geringer ist als tagsüber.

Schnelle Übersicht der Aktivität in der App
Schnelle Übersicht der Aktivität in der App
Stressmanagement
Stressmanagement
Bewertung des Schlafes und Unterteilung in Schlafphasen
Bewertung des Schlafes und Unterteilung in Schlafphasen

Verbesserte EKG-Funktion

Zudem verfügt die Smartwatch über Sensoren zur Herzfrequenzmessung und eine neue EKG-App, die auch schon in Deutschland verfügbar ist. Die EKG-Funktionalität zur Erkennung von Herzrhythmusstörungen und Vorhofflimmern wird über die Uhr aktiviert und genutzt, indem zwei Finger 30 Sekunden lang an zwei Ecken auf dem Edelstahlring der Uhr gelegt werden. Nach der Messung wird dem Nutzer angezeigt, ob ein normaler Sinusrhythmus vorliegt, keine Analyse möglich ist oder Unregelmäßigkeiten vorliegen. Die Messwerte lassen sich dann auch herunterladen und beispielsweise einem Arzt übergeben.

Neu ist mit der nun PurePulse 2.0 genannten Herzfrequenzmessung zudem die Warnung beim Überschreiten gewisser Schwellenwerte, wie sie beispielsweise auch die Apple Watch bietet, wenn die Herzfrequenz ohne gleichzeitige Aktivität plötzlich ansteigt.

Im Test erwies sich die Messung über die EKG-App als unproblematisch und zeigte in allen Fällen als Ergebnis einen normalen Sinusrhythmus. Auch bei der EKG-Funktionalität gilt aber wie beim EDA-Sensor, dass der Nutzer selbst aktiv werden und die Messung initiieren muss. Sie wird nicht kontinuierlich im Hintergrund durchgeführt – dies gilt allerdings für alle Smartwatches und ist nicht auf die Fitbit Sense beschränkt.

Integriertes GPS, Trainingsprogramme, Mikrofon und Lautsprecher

Abseits dieser Funktionen bietet die Fitbit Sense ein integriertes GPS mit GLONASS, mehr als 20 Trainingsprogramme, die automatisch erkennen, welche Sportart vom Träger ausgeführt wird, einen eingebauten Lautsprecher, ein Mikrofon zum Telefonieren und Beantworten von Nachrichten (nur unter Android), die Sprachassistenten Amazon Alexa und Google Assistant sowie Fitbit Pay zum kontaktlosen Bezahlen über NFC.

Sowohl die Nutzung des Lautsprechers als auch die Unterstützung des Google Assistant folgen aber erst über ein Software-Update. Im Test blieben die Benachrichtigungen deshalb abseits der Vibration, deren Stärke eingestellt werden kann, stumm. Der Lautsprecher soll einen Schallpegel von 75 dB in einem Abstand von 10 cm aufweisen. Auch Alexa ist wie bei der Versa 2 derzeit ohne Sprachausgabe und gibt Antworten lediglich in Schriftform auf dem Display aus. Die Steuerung von Smart-Home-Geräten über Sprachbefehle über die Uhr funktioniert zuverlässig. Erneut umständlich ist jedoch, dass zunächst die seitliche Taste zwei Sekunden lang gedrückt werden muss, um Alexa zu aktivieren, und keine Sprachaktivierung über „Alexa“ möglich ist.

Höhenmesser, Gyroskop und Beschleunigungsmesser

Als weitere Sensoren stehen ein Gyroskop, ein dreiachsiger Beschleunigungsmesser und ein Höhenmesser zur Verfügung. Anders als bei der Apple Watch 6 werden die Werte des Höhenmessers aber nicht auf den Fitibit-eigenen Ziffernblättern prominent ausgegeben.

Integriertes WLAN und Bluetooth für Kopfhörer

Beim WLAN setzt die Fitbit Sense auf den Standard 802.11 b/g/n mit 2,4 GHz. Hinsichtlich Bluetooth, über das beispielsweise Kopfhörer direkt mit der Fitbit Sense verbunden werden können, wird nun Version 5.0 geboten.

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