Im Test vor 15 Jahren: Im zweiten Anlauf war ATi CrossFire besser

Robert McHardy
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Im Test vor 15 Jahren: Im zweiten Anlauf war ATi CrossFire besser

Nachdem Nvidia mit der GeForce-6000-Serie SLI einführte, musste ATi nachziehen und lieferte mit der CrossFire-Edition der Radeon X800 XT ein mäßiges Produkt ab. Der zweite Anlauf in Form der Radeon X1800 XT CrossFire-Edition (Test) gelang besser, konnte in puncto Leistung aber nicht an zwei GeForce 7800 GTX 512 heranreichen.

CrossFire funktionierte nur mit teurer Spezialkarte

Wie bereits bei der ersten CrossFire-Generation war die Inbetriebnahme eines Multi-GPU-Gespanns komplizierter, als lediglich zwei Grafikkarten zu verbauen. So gab es weiterhin normale Radeon-Modelle und spezielle CrossFire-Editions. Für den Multi-GPU-Betrieb musste eine der CrossFire-Editions mit einer normalen Radeon – im Idealfall mit gleicher GPU – kombiniert werden. Die CrossFire-Edition fungierte dann als Master-Karte, die die Koordination und das Zusammenfügen der Bilder in einen Ausgabestrom übernahm. Die Master-Karte besaß dafür einen speziellen externen CrossFire-Anschluss, an den die zweite Karte über einen DVI-Ausgang und ein proprietäres Kabel angeschlossen wurde. Neben diesem ungewöhnlichen Aufbau hatte CrossFire einen weiteren Nachteil: Die Radeon X1800 XT CrossFire-Edition kostete mit 580 Euro deutlich mehr als ein herkömmliches Modell mit 490 Euro.

Ein entscheidender Nachteil der ersten Generation CrossFire war, dass die maximale Ausgabeauflösung aufgrund des verbauten Single-Link-DVIs auf 1.600 × 1.200 Bildpunkte beschränkt war. Insbesondere da zwei High-End-Grafikkarten möglichst hohe Auflösungen benötigten, um tatsächlich Mehrleistung zu liefern. Die Radeon X1800 XT (CrossFire-Edition) waren mit einem Dual-Link-DVI ausgestattet, der Auflösungen von bis zu 2.048 × 1.536 Pixeln zuließ.

Zwei GeForce 7800 GTX 512 waren schneller

Wie üblich für Multi-GPU-Systeme konnte sich das CrossFire-Gespann in niedrigeren Auflösungen und ohne Anti-Aliasing und anisotrope Filterung kaum von den schnellsten Single-GPU-Grafikkarten absetzen. So war die GeForce 7800 GTX 512 in 1.280 × 1.024 Bildpunkten im Mittel 1 Prozent schneller als zwei Radeon X1800 XT. In einer höheren Auflösung von 1.600 × 1.200 Pixeln herrschte ein Gleichstand zwischen diesen beiden Konfigurationen. Erst bei der Zuschaltung von Kantenglättung und anisotroper Filterung konnte sich das CrossFire-System absetzen. In 1.280 × 1.024 Bildpunkten und aktiviertem Anti-Aliasing betrug der Vorsprung zu einer einzelnen GeForce 7800 GTX 512 12 Prozent. Gegenüber einer einzelnen Radeon X1800 XT arbeitete das CrossFire-Gespann sogar um 26 Prozent schneller, lag aber 7 Prozent hinter zwei GeForce 7800 GTX 512. In 1.600 × 1.200 Pixeln mit Anti-Aliasing und anisotroper Filterung wuchs der Vorsprung gegenüber den einzelnen Grafikkarten auf 20 respektive 35 Prozent an. Gleichzeitig zog der SLI-Verbund aus zwei GeForce 7800 GTX 512 weiter davon und kam so auf durchschnittlich 11 Prozent mehr Bilder pro Sekunde.

In den B-Noten zeigte sich ein gemischtes Bild. Die Energieaufnahme des Gesamtsystems stieg um 44 Prozent an, während die GPU-Temperaturen weitestgehend gleich blieben. Die Lautstärke unter Last stieg im CrossFire-Betrieb zwar kaum an, dafür war aber bereits eine einzelne Radeon X1800 XT so laut wie ein SLI-Verbund aus zwei GeForce 7800 GTX 512.

In Summe war CrossFire in der zweiten Generation ausgereifter und konnte aufgrund der Unterstützung für höhere Auflösungen einen echten Mehrwert liefern. Wem es nicht schnell genug sein konnte, der war bei Nvidia aber besser aufgehoben. Ein weiteres Ärgernis war, dass die CrossFire-Edition den Anschaffungspreis zweier Grafikkarten unnötig hochtrieb und das ohnehin schlechte Preis-Leistungs-Verhältnis von Multi-GPU-Systemen weiter drückte.

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