IceGiant ProSiphon Elite: Thermosiphonkühlung meistert Threadripper & Co

Max Doll
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IceGiant ProSiphon Elite: Thermosiphonkühlung meistert Threadripper & Co
Bild: IceGiant

Bislang führen Kühler im Endkundenbereich Wärme entweder mit Heatpipes oder mit Wasser und Radiatoren ab. Mit dem IceGiant ProSiphon Elite kommt nun eine dritte Variante hinzu, deren Funktionsprinzip zwischen beiden bekannten Lösungen liegt. Das Konzept ist interessant, der Preis aber hoch und der Nutzen auf HEDT-CPUs begrenzt.

Die Idee

Hinter dem ProSiphon Elite steckt eine Thermosiphonkühlung. Diese nutzt keine klassischen Heatpipes, in denen Flüssigkeit durch Wechseln des Aggregatszustandes zirkuliert, aber auch keine per Pumpe bewegte Kühlflüssigkeit, die bei Wasserkühlungen die Wärme transportiert.

Stattdessen wird Kühlmittel zwar erhitzt und verdampft, aber anders als bei Heatpipes nicht am selben Ort. Es zirkuliert stattdessen unter anderem durch Schwerkraft selbstständig zwischen einem Lamellenkörper und Kondensierern, also im gesamten Kreislauf. Gegenüber Heatpipes hat das System den Vorteil, dass es auch bei extremer Last gut funktioniert. Während bei Wärmeröhren unter zu großer Last kein Wechsel des Aggregatszustandes der Kühlflüssigkeit mehr erfolgt und die Rückführung wieder flüssigen Kühlmittels und damit die Wämeabgabe unterbrochen wird, tritt das Problem bei diesem Typ Kühler nicht auf.

Dass der ProSiphon Elite folglich besonders stromhungrige Prozessoren kühlen soll, verraten auch andere Indizien: Die Abmessungen von 51 × 164 × 129,4 mm (B × H × T), das hohe Gewicht von zwei Kilogramm oder die Ausstattung mit gleich vier Lüftern, die mit maximal 2.300 U/Min drehen. Zum Lieferumfang gehört außerdem Thermal Grizzly Kryonaut-Wärmeleitpaste, die Montage ist über RAM-Modulen mit maximal 48 Millimeter Höhe auf aktuellen Mittel- und Oberklasse-Sockeln von Intel und AMD möglich. Montiert werden kann der Kühler nur in zwei Positionen. Da der ProSiphon Elite bei normalen Gehäusen Luft nach oben entlässt, empfiehlt der Hersteller die Verwendung zusätzlicher Lüfter über dem Kühler zur Unterstützung des Luftstroms.

Die Leistung

Was das Konzept zu leisten vermag, deutet ein Bericht von Linus Tech Tips (YouTube) an. Auf einer Threadripper-CPU vom Typ 3970X mit 4 GHz Taktfrequenz auf allen Kernen konnte der Kühler einen Noctua NH-U14S TR4 – wenngleich bei höherer Lautstärke – um mehr als 12 Grad distanzieren und erreichte bis auf zwei Grad die Kühlleistung einer Custom-Loop-Wasserkühlung mit 240-mm-Radiator. Die Kühlfläche kann bei einer Wasserkühlung allerdings leicht vergrößert werden; die Radiatorgröße erscheint zudem nicht die für einen Threadripper-Rechner typische.

Auf einem ebenfalls stark übertakteten Intel Core i7-10850K mit 230 Watt Verlustleistung schnitt der Kühler indes fünf Grad schlechter als ein Noctua NH-D15 (Test) ab. Die Unterschiede erklären sich laut dem Kanal durch das Die-Design der Prozessoren: Der Pro Siphon Elite sei auf Threadripper-artige CPUs mit mehreren Dies ausgelegt, nicht auf Single-Die-Prozessoren wie Intels i7 auf dem Mainstream-Sockel.

High-End-Kühler für High-End-Plattformen

Gebaut ist der Kühler also nur für extreme Szenarien, was vor allem den Einsatz übertakteter HEDT-Prozessoren meint, deren Verbrauch weit über 300 Watt liegt. Der Nutzen wird dadurch auf eine kleine Zielgruppe begrenzt. Das reflektiert auch der Preis: Im Handel wird der IceGiant ProSiphon Elite derzeit für rund 185 Euro verkauft.