Amazfit GTR 2 im Test: OLED-Smartwatch mit Edel­stahl und Leder läuft 7 Tage

Frank Hüber
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Amazfit GTR 2 im Test: OLED-Smartwatch mit Edel­stahl und Leder läuft 7 Tage

Die Amazfit GTR 2 ist eine sehr gut verarbeitete Smartwatch mit OLED-Display, Edelstahlgehäuse und austauschbarem Lederarmband, die 7 Tage ohne zu laden durchhält. Für 160 Euro ist sie aber mehr schicke Uhr als Smartwatch, denn die Software bietet zu wenig Möglichkeiten und die Erfassung der Vitaldaten ist mitunter sehr ungenau.

Mit einem ansprechenden Design, einer langen Akkulaufzeit, vielen Funktionen, Unterstützung für Android und iOS und einem günstigen Preis mausert sich Huami mit der Marke Amazfit seit Jahren auf dem Markt der Smartwatches und Wearables. Mit der Amazfit GTR 2 hat das Unternehmen eine runde Smartwatch im Angebot, die im Handel schon für 160 Euro erhältlich ist. Auf Edelstahl, OLED und offiziell bis zu 14 Tage Akkulaufzeit muss dennoch nicht verzichtet werden.

Die Amazfit GTR 2 im Detail

Zwei Versionen mit Aluminium oder Edelstahl

Die Amazfit GTR2 ist als Sport Edition und Classic Edition verfügbar. Im Test kommt die Classic Edition zum Einsatz. Diese setzt auf ein silbernes Gehäuse aus Edelstahl und ein schwarzes Lederarmband, während das Sportmodell auf einen Rahmen aus Aluminium und ein Silikonarmband setzt. Das Lederarmband mit einer Breite von 22 mm kann vom Nutzer selbst gegen ein beliebiges anderes Exemplar getauscht werden.

Rundes OLED-Display in leichtem Gehäuse

Im runden Edelstahlgehäuse steckt ein 1,39 Zoll großes OLED-Display mit 454 × 454 Pixeln, was ein Pixeldichte von 326 ppi ergibt. Der Touchscreen wird von einem gewölbten Mineralglas bedeckt. Markierungen für die Stunden und Minuten sind auf dem Glasrand eingearbeitet und werden unabhängig vom gewählten Zifferblatt angezeigt. Mit einem Zifferblatt mit schwarzem Hintergrund wird das Ende des Displays so sehr gut kaschiert.

Amazfit GTR 2: Komplikationen lassen sich anpassen
Amazfit GTR 2: Komplikationen lassen sich anpassen
Amazfit GTR 2: Always-On-Display mit reduzierten Informationen
Amazfit GTR 2: Always-On-Display mit reduzierten Informationen
Amazfit GTR 2: Funktionen im Schnellzugriff
Amazfit GTR 2: Funktionen im Schnellzugriff

Über einen Lichtsensor wird die Helligkeit des Displays automatisch an die Umgebung angepasst. Auf Wunsch kann die Helligkeit auch direkt über die Einstellungen auf der Uhr manuell geregelt werden. Helligkeit und Darstellungsqualität des Bildschirms sind sehr gut und überzeugen auch im Alltag.

Die Abmessungen der Amazfit GTR 2 belaufen sich auf 46,4 × 46,4 × 10,7 mm, das Gewicht liegt bei angenehm leichten 39 g ohne und 51 g mit Armband.

Gewicht der Amazfit GTR 2, Fitbit Sense, Versa 3, Versa 2 und Apple Watch
Gewicht
Amazfit GTR 2 39 g (ohne Armband), 51 g mit Armband
Fitbit Sense 45,9 g
Fitbit Versa 3 41,0 g
Fitbit Versa 2 41,0 g
Apple Watch 6 (44 mm / Aluminium) 65,0 g

Bluetooth 5.0, WLAN und GPS

Die beiden Kronen auf der rechten Seite sind als Knöpfe ausgelegt, nicht als Drehregler wie bei der Apple Watch. Neben Bluetooth 5.0 unterstützt die Uhr als drahtlose Funkverbindung WLAN 802.11b/g/n mit 2,4 GHz. Wi-Fi 5 oder gar 6 wird somit zwar nicht unterstützt, ist auf der Smartwatch aber auch nicht erforderlich. Für die Navigation ist nicht nur ein Kompass integriert, sondern auch GPS und GLONASS.

3 Gigabyte für eigene Musik

Der interne Speicher, auf dem der Nutzer eigene Musik und Zifferblätter speichern kann, beträgt 3 Gigabyte. Zusätzliche Zifferblätter sind wahlweise über einen Onlineshop zugänglich, vorhandene Exemplare können aber ebenso über Widgets oder eigene Hintergrundbilder angepasst werden. Dies ist auch direkt auf der Uhr in den Einstellungen möglich und gut umgesetzt.

Viele Sensoren und Pulsmesser

Als Sensoren in der Smartwatch kommen ein Beschleunigungssensor, ein Gyroskop, der genannte Lichtsensor und ein Barometer zum Einsatz. An der Unterseite verfügt die GTR 2, wie bei Smartwatches inzwischen üblich, über einen optischen Pulsmesser und einen Sensor zur Sauerstoffsättigung des Blutes. Amazfit nennt diesen „BioTracker 2 PPG“. Ein Lautsprecher und ein Mikrofon erlauben etwa das Telefonieren über die Uhr. Für Benachrichtigungen ist ein Vibrationsmotor verbaut. Eine eigene Mobilfunkanbindung bietet die Amazfit GTR 2 nicht, sie ist somit auf ein verbundenes Smartphone angewiesen.

Amazfit GTR 2: BioTracker 2 PPG
Amazfit GTR 2: BioTracker 2 PPG

Die Amazfit GTR 2 ist wasserdicht (5 ATM), kann also beim Händewaschen oder Duschen getragen werden, denn 5 ATM bedeutet, dass sie einem Druck von einer gedachten Wassersäule von 50 m standhält. Es bedeutet aber insbesondere nicht, dass sie bis zu einer Tauchtiefe von 50 m genutzt werden kann. Obwohl Amazfit damit wirbt, dass die GTR 2 beim Schwimmen getragen werden kann, sollte davon nicht nur aufgrund des Lederarmbands Abstand genommen werden, sondern auch, weil dabei ein höherer Druck als 5 ATM entstehen kann.

Als Betriebssystem setzt Amazfit erneut auf eine Eigenentwicklung und nicht auf Google Wear OS. Die GTR 2 ist dennoch sowohl mit Android ab Version 5 als auch mit iOS ab Version 10 kompatibel.

Eine Woche, ohne zu laden

Der Akku der Smartwatch weist eine Kapazität von 471 mAh auf. Amazfit spricht bei normaler Nutzung von bis zu 14 Tagen Akkulaufzeit – wobei das Always-on-Display deaktiviert sein muss. In der Praxis erzielte die Amazfit GTR 2 im Test eine Akkulaufzeit von rund 7 Tagen mit aktiviertem Always-on-Display. Ein sehr guter Wert, gerade im Vergleich zur Apple Watch, die auch in sechster Generation nach rund 1,5 Tagen geladen werden muss.

Die GTR 2 wird über einen magnetischen Ladeanschluss via Unterseite geladen. Anders als bei der Apple Watch erfolgt die Ladung dabei nicht drahtlos, sondern es wird über zwei Kontakte eine leitende Verbindung zwischen Uhr und Ladegerät hergestellt. Das Aufladen der Uhr dauert rund 2,5 Stunden.

Einrichtung über die Zepp-App

Die App für die Einrichtung der Amazfit GTR 2 heißt Zepp und nicht mehr Amazfit Watch. Die Zepp-App kommt künftig für alle unterstützten Produkte unter den Marken Zepp und Amazfit zum Einsatz und bündelt die Funktionalität unter einem Dach. Der unangekündigte Namenswechsel überraschte viele Nutzer, die Funktionalität ist aber weitgehend identisch geblieben und auch optisch hat sich nur wenig geändert. Hinter Zepp verbirgt sich ein US-amerikanisches Unternehmen, das von Huami, der Organisation hinter Amazfit, übernommen wurde. Ob Amazfit künftig als Marke verschwinden und Huami nur noch auf Zepp setzen wird, ist noch nicht bekannt.

Um an die Zepp-App, die für Android und iOS verfügbar ist, zu gelangen, muss nur der QR-Code auf der Amazfit GTR 2 gescannt werden, der beim Einschalten der Smartwatch erscheint. Die weitere Einrichtung und die Synchronisierung werden dann über die App vorgenommen.

Die Synchronisierung mit der App erfolgt anschließend nur dann, wenn man die App auf dem Smartphone öffnet. Somit muss immer erst gewartet werden, bis dieser Vorgang nach rund 20 Sekunden abgeschlossen ist.

Die meisten Einstellungen zur Uhr verbergen sich im Benutzerprofil in der App unter dem Menüpunkt „Meine Geräte“, wenn dort die Amazfit GTR 2 ausgewählt wird. Intuitiv zu finden sind sie so hinter mehreren Menüebenen versteckt nicht. Dabei bietet die Uhr durchaus zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten, nicht nur in Bezug auf die Häufigkeit der Messung, denn auch die Empfindlichkeit der Aktivierung des Displays kann angepasst und auf einen Zeitraum am Tag eingeschränkt werden.

Gute Bedienung, aber wenig Extras

Im Alltag fällt bei der Nutzung auf, dass es Einschränkungen bei den Benachrichtigungen gibt. Benachrichtigungen von YouTube werden auf der Amazfit GTR 2 nur mit dem Hinweis „App“ ausgegeben – dass sie von YouTube stammt, ist nicht ersichtlich. Benachrichtigungen von WhatsApp bleiben auf der Uhr bestehen, auch wenn die Nachrichten in der App bereits gelesen wurden. Bilder in Nachrichten von WhatsApp werden nicht in einer Vorschau auf der Smartwatch angezeigt, sondern nur durch ein kleines viereckiges Piktogramm. Eine Interaktion, die es öffnet, ist nicht möglich. Auch die Erinnerungen an regelmäßige Bewegung, die sich aktivieren lassen, funktionieren nicht zuverlässig so, wie man es sich vorstellt. Denn obwohl man sich die ganze Zeit bewegt und herumläuft, erscheint plötzlich eine Erinnerung, man solle aufstehen.

Die Bedienung des proprietären Betriebssystems über den Touchscreen ist gut, aber nicht butterweich. Wie üblich kann ausgehend vom Zifferblatt in alle vier Richtungen gewischt werden, um andere Funktionen aufzurufen. Wird von oben nach unten gewischt, kann auf Funktionen wie beispielsweise Helligkeit, Stummschaltung und Energiesparmodus zugegriffen werden. Hier wird auch der Akkustand der Uhr angezeigt. Ein Wisch von unten nach oben ruft hingegen die letzten Benachrichtigungen auf. Wird vom Zifferblatt ausgehend nach rechts oder links gewischt, werden die Bildschirme zum PAI, zur Aktivität, zur Herzfrequenz, zum Wetter, zum Musikplayer und zu den Widgets durchgeschaltet.

Kein App-Store und Einschränkungen in Deutschland

Wer das App-Angebot der Apple Watch kennt, findet bei der Amazfit GTR 2 nichts Entsprechendes. Zwar bietet die Zepp-App einen Shop für Zifferblätter, Apps direkt auf der Uhr werden aber nicht unterstützt.

Amazfit bewirbt die GTR 2 zudem mit einem Offline-Sprachassistenten, über den Funktionen der Uhr auch ohne Nutzung des Touchscreens genutzt werden können. In Deutschland ist die in der App als Offline-Audio-Stimmbefehle bezeichnete Funktion aber nicht verfügbar. Auch andere Sprachassistenten lassen sich über die Smartwatch nicht aufrufen. Die in Aussicht gestellte Unterstützung von Amazon Alexa lässt nach wie vor auf sich warten. Eine Bezahlung über NFC und einen Dienst wie Google Pay ist ebenfalls nicht möglich. Die Amazfit GTR 2 ist somit auf die wenigen Funktionen beschränkt, die sie bei Auslieferung beherrscht.

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