Onyx Boox Mira im Test: E-Ink-Monitor für Schreibwütige

Michael Schäfer
79 Kommentare
Onyx Boox Mira im Test: E-Ink-Monitor für Schreibwütige

Der Boox Mira von Onyx vereint dank E-Ink-Panel Mobilität mit augenschonendem Arbeiten. Dieser Zuwachs an Komfort schlägt sich jedoch in einem hohen Preis von 800 Euro nieder, was den mobilen Monitor zu einem vielversprechenden, aber teuren Nischenprodukt macht. Vielschreiber sollten dennoch einen Blick riskieren.

Auch Schreiben geht augenschonend

Wer sich dieser Tage auf die Suche nach einem neuen Monitor begibt, kann aus einem gefühlt unbegrenzten Reservoir schöpfen, das dem Suchenden eine große Auswahl an Modellen bietet. Egal ob klein oder groß, hochauflösend oder doch nur 1080p: Es gibt quasi alles (wenn auch für viele ComputerBase-Leser nicht genau

das perfekt passende

Modell). Auch mobile Monitore, die das vielleicht zu kleine Display des Notebooks erweitern oder gar ersetzen sollen, werden beliebter und erscheinen in immer mehr Modellen. Dabei greifen die Hersteller meist auf die bewährte IPS-Technologie zurück, auch OLED-Panels finden immer mehr Abnehmer. Onyx geht andere Wege.

Mit dem Boox Mira von Onyx lässt sich schnell ein Arbeitsplatz einrichten
Mit dem Boox Mira von Onyx lässt sich schnell ein Arbeitsplatz einrichten

Um Nutzern ein besonders augenschonendes Arbeiten vor allem bei längerem Schreibeinsatz zu bieten, geht Onyx mit dem Boox Mira einen anderen Weg und stattet seinen Monitor mit einem Panel des Spezialisten für elektronische Tinte aus: E Ink.

Design, Verarbeitung und Preis

Das Produkt fällt mit einem UVP von 800 Euro alles andere als günstig aus und ist aktuell nur über den Onlineshop des Herstellers zu erhalten. Das bedeutet eventuell einen Import aus einem Land außerhalb der EU, womit zum Verkaufspreis neben der Einfuhrumsatzsteuer aufgrund des Warenwertes von über 150 Euro zudem Zollgebühren zu entrichten sind. Das Testgerät erreichte die Redaktion aus Norwegen.

Das Mira empfängt den Nutzer nach Öffnen der Verpackung zunächst mit einem Schnelleinstieg in Form eines DIN-A4-Blattes, auf dem der Anschluss und die grundsätzliche Nutzung erklärt werden. Die auf der Internetpräsenz des Herstellers herunterladbare Anleitung gibt aber nicht viel mehr Preis. Unter dem Blatt findet sich dann der gut in seiner Hülle geschützte, ungewöhnliche Monitor. Aufgeklappt wirkt er aufgrund seiner Größe von 308 × 231 mm, einer Dicke von 8 mm und einem Gewicht von 590 g wie ein mit zu dicken Rändern versehener, überdimensionaler E-Book-Reader, den manch ein Nutzer rein aus Gewohnheit sofort einschalten und einrichten möchte. Da das Gerät im Gegensatz zu Readern oder Tablets keinen eigenen Stromspeicher besitzt, bleibt es ein sinnloses Unterfangen.

Mit der als Ständer fungierenden Schutzhülle wirkt der Boox Mira eher wie ein Tablet
Mit der als Ständer fungierenden Schutzhülle wirkt der Boox Mira eher wie ein Tablet

Äußerlich macht der schlicht gestaltete Monitor mit seinen milchig weiß anmutenden Rändern einen edlen und hochwertigen Eindruck. Der Aluminium-Body sorgt darüber hinaus für eine gute Stabilität, auch wenn die Verwindungssteifigkeit etwas höher hätte ausfallen können.

Im Gegensatz zu einem Tablet verfügt der Mira nur über wenige Bedienelemente (ganze drei an der Zahl), die sich über das Gerät verteilen. So findet sich am linken Rand der Funktionsschalter, mit dem das Menü mit weiteren Einstellungen aufgerufen wird. Auf der Vorderseite und damit gut erreichbar haben die Entwickler den Refresh-Button angebracht: Da es sich bei der verwendeten Display-Technologie um ein E-Ink-Panel handelt, kann es von Zeit zu Zeit nach einer manuellen Aktualisierung der Pixel verlangen – dazu aber an entsprechender Stelle mehr. Auf der rechten Seite befindet sich über den Anschlüssen zum Quellgerät das „Scroll Wheel“, ein kleiner Kippschalter, mit dem unter anderem durch die Menüs gegangen werden kann.

Die seitlichen Anschlüsse sowie der Funktionsschalter, mit dem schnell zwischen den verschiedenen Modi gewechselt werden kann
Die seitlichen Anschlüsse sowie der Funktionsschalter, mit dem schnell zwischen den verschiedenen Modi gewechselt werden kann

Hülle mit geringem Winkel

Die zur Ausstattung gehörende und mit Stoff überzogene Hülle wird per Magnet angelegt und lässt sich somit auch leicht wieder trennen. Die Seiten des Monitors bleiben bei dieser jedoch offen und somit bei einem Transport ungeschützt. Die Hülle fungiert gleichzeitig als Ständer für die mobile Nutzung, die beiden unter dem Bildschirm angebrachten Gummifüße sollen dabei ein Verrutschen verhindern. Das gelingt aber nicht immer, denn die möglichen Aufstellwinkel fallen geringer aus, als es die meisten Nutzer von einem Notebook gewohnt sein dürften. Ist er einmal zu flach gewählt, kann die hinten stützende Lasche schnell rutschen und den Monitor in die Horizontale befördern. Somit muss der Mira für ein bequemes Arbeiten in den meisten Fällen mit einem größeren Abstand zum Nutzer stehen. Alles in allem ist die Hülle jedoch eine wackelige Angelegenheit. Im Test dauerte es eine Zeit, bis der noch mögliche stabile Winkel gefunden wurde.

Der Ständer lässt nur einen einen begrenzten Aufstellwinkel zu
Der Ständer lässt nur einen einen begrenzten Aufstellwinkel zu

Wer den Monitor jedoch eher stationär nutzen will, kann ihn über vier beiliegende Schrauben an eine VESA-Halterung befestigen, mit der sich die Möglichkeiten zur Aufstellung und damit auch die der Ergonomie deutlich verbessern.

Neben der mobil nutzbaren Version mit einer Größe von 13,3 Zoll bietet Boox auch eine Pro-Variante des Mira an, die bei einer Diagonale von 25,3 Zoll mit 1.800 Euro nach einem deutlich tieferen Griff in die eigene Geldbörse verlangt.

Konnektivität

An der rechten Seite befinden sich die Anschlussmöglichkeiten, um den Monitor mit dem jeweiligen Quellgerät zu verbinden. Dafür steht neben Mini-HDMI ebenso USB-C zur Verfügung, wobei auch Thunderbolt 3 unterstützt wird. In beiden Fällen dient der USB-Anschluss obendrein als Stromquelle, da das Display, wie bereits vermerkt, über keinen Stromspeicher verfügt. Somit müssen bei HDMI-Betrieb immer zwei Kabel verwendet werden. Der zweite USB-C-Eingang besitzt zudem den Vorteil, dass dadurch der Mira auch an Geräten, die nicht genügend Ausgangsleistung zur Verfügung stellen (etwa Smartphones oder Tablets), zusammen mit einer separaten Stromquelle wie einer Powerbank oder einem Netzteil betrieben werden kann. Der Monitor besitzt jedoch einen großen Nachteil, der den im Betrieb mit der LED-Beleuchtung und der Arbeitsweise des Panels einhergehenden geringen Stromverbrauch im Grunde wieder neutralisiert: Er lässt sich nicht ausschalten. Sobald der Mira an einer Stromquelle angeschlossen ist und ein Video-Signal erhält, schaltet er sich ein und leuchtet. Das mag im mobilen Gebrauch noch zu verschmerzen sein, stationär ist dies aber weniger vorteilhaft.

Sollen Eingaben des Mira-Touchscreens an den Rechner weitergeleitet werden, muss der Monitor zwingend per USB-C mit dem PC verbunden werden.

Das EM-2024-Tippspiel ⚽ auf ComputerBase – heute schon getippt?