Linux vs. Windows 11 im Test: Fazit

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Wolfgang Andermahr (+1)
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Die Sprünge, die Linux in den letzten Jahren bezüglich der Kompatibilität zu Windows-Spielen hingelegt hat, sind beeindruckend. Projekten wie Wine, DXVK oder VKD3D und deren Bündelung in Proton für Steam durch Valve und CodeWeavers ist das zu verdanken. Tausende Spiele laufen inzwischen sehr gut (siehe ProtonDB).

Das Windows-Niveau wird aber noch nicht ganz erreicht: Spiele mit Anti-Cheat-Mechanismen laufen teilweise nicht, weil die Publisher keine Linux-Ausnahme machen, und es gibt auch das ein oder andere Spiel, das laufen sollte, es aber dennoch nicht tut. Abseits von Steam wird es zudem schnell aufwendiger, die Kompatibilitäts-Layer müssen dafür händisch angepasst werden. Aber es gibt sie: Mittel und Wege.

Radeon ohne Raytracing läuft sehr gut

In Sachen Gaming-Performance schwankt Linux deutlich mehr als Windows. Berichte, denen zufolge Linux auf einer Radeon-Grafikkarte meistens schneller als Windows läuft, kann ComputerBase mit dem genutzten Parcours nicht bestätigen.

  • Radeon liegt ohne Raytracing auf Windows-Niveau
  • Mit Raytracing bricht die Leistung ein
  • GeForce unter Linux generell schwächer
  • Raytracing-Verlust bei Nvidia konstant

Im Schnitt über 21 Spiele ist die Radeon RX 9070 XT unter Windows geringfügig schneller als unter Linux, ganz gleich ob der offene RADV-Treiber oder AMDs eigener AMDvlk zum Einsatz kommt. Zwar gibt es einige Spiele, wo Linux mehr FPS bietet als Windows, anders herum gilt dies aber genauso. Schlussendlich arbeiten beide Betriebssysteme vergleichbar schnell, denn der geringe Vorsprung von Windows ist zwar messbar, im Alltag aber nicht wahrnehmbar.

Performancerating 2.560 × 1.440
Performancerating 2.560 × 1.440 – Rasterizer, Perzentil-FPS
    • Radeon RX 9070 XT @ Windows
      97,5
    • Radeon RX 9070 XT @ Linux RADV
      95,5
    • GeForce RTX 5070 Ti @ Windows
      93,1
    • Radeon RX 9070 XT @ Linux AMDvlk
      88,3
    • GeForce RTX 5070 Ti @ Linux
      68,0
Einheit: Bilder pro Sekunde (FPS), Geometrisches Mittel

Das gilt jedoch nur, wenn Rasterizer-Grafik genutzt wird. Kommt Hardware-Raytracing in irgendeiner Art zum Einsatz, ist Windows weitaus schneller. In seltenen Fällen etwas, in den meisten Titeln auch gleich massiv viel schneller. Und „massiv“ kann auch schon einmal doppelt so schnell (und noch mehr) bedeuten. Der AMDvlk-Treiber ist dabei zügiger unterwegs als die RADV-Software, was auch für reine Rasterizer-Optik gilt. Allerdings hat AMDvlk in beiden Szenarien immer mal wieder mit Probleme beim Frame Pacing zu kämpfen, sodass RADV schlussendlich der bessere Treiber ist.

GeForce hinkt unter Linux klar hinterher

Deutlich konstantere Werte legt die GeForce RTX 5070 Ti hin, ob Rasterizer- oder Raytracing-Grafik macht auf der Nvidia-Grafikkarte nur einen kleinen Unterschied. Doch hier ist das Problem, dass die GeForce unter Linux durchweg ein gutes Stück langsamer als unter Windows arbeitet. Rund 25 Prozent beträgt die Differenz bei Raster-Grafik, bei Raytracing sind es geringere 17 Prozent – was schlussendlich in etwa eine Grafikkarten-Klasse darstellt. In einigen Fällen gelingt es der GeForce unter Linux die Windows-Performance zu erreichen, das ist aber nur selten der Fall.

Linux ist eine Alternative, aber noch kein Ersatz

Ist Linux eine alternative Spiele-Plattform zu Windows? Dies kann mittlerweile bedenkenlos mit „Ja“ beantwortet werden. Ist Linux auch eine gleichwertige oder gar bessere Spiele-Plattform als Windows? Dies muss dagegen weiterhin mit „Nein“ beantwortet werden. Denn schlussendlich ist die Radeon-Performance in Rasterizer-Spielen zwar beeindruckend und liegt auf einem vergleichbaren Niveau zu Windows. In allen anderen Disziplinen gibt es aber nach wie vor Probleme. Hardware-Raytracing ist auf einer AMD-Grafikkarte deutlich langsamer als unter Windows und teils auch unspielbar. Darüber hinaus arbeiten Nvidia-Grafikkarten ebenso noch ein gutes Stück langsamer unter Linux und dies in allen Lebenslagen. Der Leistungsunterschied beträgt in etwa eine Produkt-Generation, was schlussendlich ziemlich viel ist.

Eine Diskussion über die Erfahrungen und Ergebnisse haben Wolfgang und Jan auch in der aktuellen Episode des ComputerBase-Podcasts CB-Funk geführt:

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