iPhone Duo im Hands-on: Die beste erste Generation faltbares Smartphone

Nicolas La Rocco
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iPhone Duo im Hands-on: Die beste erste Generation faltbares Smartphone

Apple bietet mit dem iPhone Duo sein erstes faltbares Smartphone an. Andere Unter­nehmen sind da schon weiter, etwa Samsung mit der bereits achten Generation. Doch gleich im ersten Anlauf macht Apple mit dem Duo sehr viel richtig und verdeutlicht im Hands-on, wie wichtig es ist, dass Hard- und Software im selben Haus entstehen.

Nach der Präsentation in Cupertino und ersten Hands-on-Berichten direkt im Nachgang der Keynote hatte in Berlin jetzt auch ComputerBase die Möglichkeit, das erste Mal auf (kurze) Tuchfühlung mit dem iPhone Duo zu gehen und einen Ersteindruck von Apples faltbarem Smartphone zu gewinnen. Bestellen kann man das Duo ab dem 16. Oktober zu Preisen ab 2.299 Euro, erhältlich sein wird es eine Woche später ab dem 23. Oktober.

Apples erste Generation kommt sieben Jahre später

Ein faltbares Smartphone von Samsung hatte die Redaktion das erste Mal im Herbst 2019 in der Hand. Sieben Jahre später hat sich jetzt auch Apple dazu entschlossen, diesen für das Unternehmen neuen Formfaktor anzubieten. Apple will dabei aber vieles anders machen, nicht einfach das Format der Mitbewerber übernehmen, sondern einen eigenen Weg beschreiten. Das Duo sollte nämlich nicht einfach aussehen wie zwei nebeneinander platzierte Smartphones, also geöffnet kein quadratisches Display aufweisen.

Displays im Seitenverhältnis 1:√2

Ergebnis bei Apple sind stattdessen 5,4 Zoll und 7,6 Zoll große Display, die annähernd dem DIN-Format von Papier (1:√2) entsprechen. Das Seitenverhältnis entspricht sowohl geschlossen als auch geöffnet 1,4:1. Das ist nicht das iPad-Format, das bei 4:3 oder umgerechnet 1,33:1 liegt. Zwischenzeitlich haben auch andere Unternehmen erkannt, dass das bisherige Format vielleicht nicht das richtige bzw. nicht für jeden Anwender das richtige ist. Samsung fährt mit dem Galaxy Z Fold 8 (Test) nun ebenfalls eine andere Strategie, auch das Xiaomi 18 Fold nutzt nicht mehr geöffnet das quadratische Format.

Das Scharnier sucht derzeit seinesgleichen

Was Apple direkt im ersten Anlauf sehr gut gelungen ist, ist vor allem das stufenlose Scharnier und wie sich der Faltvorgang über alle Winkel hinweg anfühlt. Nimmt man das Duo in die Hand und will es öffnen, lässt sich dieser Vorgang im ersten Schritt mit vergleichsweise geringem Widerstand initiieren. Noch mehr: Die Federn im Scharnier drücken das Duo sogar leicht auf und laden damit sozusagen zum weiteren Öffnen ein. Daraufhin baut sich aber schrittweise ein größerer Widerstand auf, bevor die beiden Hälften des Smartphones schließlich mit sattem Klick ihre finale Position einnehmen. In die entgegengesetzte Richtung schließt das Duo mit solidem „Plopp“, das von Magneten unterstützt wird.

Dazwischen haben Nutzer die freie Wahl, mit welchem Winkel die beiden Hälften ihre Position halten sollen. Es gibt beim iPhone Duo keine Schwelle, ab der sich das Smartphone selbst öffnet oder schließt, sodass es in Zeltform oder wie ein offenes Buch aufgestellt und im Standby zum Beispiel als Wecker genutzt werden kann. Auch andere Modi wie ein kleines Notebook mit Tastatur unten und Inhalt oben oder als Videoplayer mit Splitscreen-Ansicht werden unterstützt. Bei geringem Winkel teilt sich die Tastatur zudem auf den linken und rechten Bereich des Displays auf, davon abgesehen wird sie sowohl im Quer- als auch im Hochformat über die volle Breite dargestellt.

Was Apple vom iPhone Air gelernt hat

Das nach IP68 zertifizierte und somit gegen Staub und Wasser geschützte Gehäuse fertigt Apple analog zum iPhone Air aus (zu 85 Prozent recyceltem) Titan, um Gewicht zu sparen und dennoch die Stabilität zu gewährleisten. Es wird in den zwei Farben „Sternenweiß“ und „Nachthimmel“ von Apple angeboten.

Leicht ist das Duo mit 254 g nicht, es fühlte sich zum Hands-on-Termin jedoch ebenso wenig übermäßig schwer an. Zum Vergleich: Das iPhone 18 Pro Max wiegt mit 249 g ähnlich viel, dieses Modell ist aber auch 18 g schwerer als das iPhone 17 Pro Max (Test) geworden. Beim iPhone Air sind es nur 165 g.

Apple bezeichnet das Duo als das bislang dünnste iPhone. Gemeint ist damit der geöffnete Zustand mit 5,2 mm – das iPhone Air kommt auf 5,64 mm. Von diesem Modell konnte Apple den ein oder anderen Aspekt lernen, wie Tom Marieb, der neue Leiter des Hardware Engineerings bei Apple, zum Gespräch in Berlin erklärte. Marieb kam Anfang 2019 zu Apple und hält jetzt die Position, die zuvor der neue CEO John Ternus besetzt hatte. Zuvor war Marieb knapp ein Vierteljahrhundert bei Intel angestellt.

Ein Beispiel für vom iPhone Air übertragene Erkenntnisse sei laut Marieb die im 3D-Druck­verfahren produzierte, besonders schmale USB-C-Buchse, die praktisch so groß wie das Gerät tief ist. Auch in Bereichen wie dem Scharnier gebe es konzerninterne Symbiosen. Das Duo mag Apples erstes faltbares Smartphone mit Scharnier sein, mit Scharnieren, deren optimalem Widerstand und wie sich diese beim Öffnen und Schließen anzufühlen haben, hat Apple über Jahrzehnte beim MacBook Erfahrung sammeln können.

Apple versteckt den Falz sehr erfolgreich

Im Kontrast dazu ist ein faltbares OLED-Display wieder ein ganz anderes Thema, dieses ist mit dem Duo ein „First“ für Apple. Eine Nanotextur-Oberschicht soll zu einer 40 Prozent höherer Steifigkeit als bei anderen branchen­üblichen Materialien sorgen, erklärt Apple. Über und unter dem faltbaren Display befin­det sich Glas, das „hochfest“ sei, und durch spezielle Klebstoffe könnten die Schichten aneinander vorbei gleiten, wodurch sich die Biegespannung verringere. Dieses Gesamt­konstrukt wird von einer Titanplatte getragen, die für eine hohe Robustheit sorge.

Nanotextur-Oberschicht sorgt für seidenmatte Oberfläche
Nanotextur-Oberschicht sorgt für seidenmatte Oberfläche

Herausgekommen ist dabei stark vereinfacht ausgedrückt ein mattes Display, das den Falz äußerst gut versteckt. Je nach Inhalt und Blickwinkel ist er überhaupt nicht sichtbar, bei ungünstiger Kombination aus beidem kann ihn aber auch Apple nicht vollständig verschwinden lassen. Die Nanotextur-Oberschicht sorgt dafür, dass Fingerabdrücke, Fettflecken und Schlieren erfolgreich unterbunden werden. Das innere Display des Duo behält damit langfristig seine hochwertige Optik, das gelingt der Hochglanz-Konkurrenz von Samsung und Co. deutlich schlechter. Auch Reflexionen aus dem Umfeld des Anwenders sind bei Apple ein deutlich geringeres Problem als bei anderen Foldables.

Hard- und Software aus demselben Haus

Bei Apple baute sich ein Produkt aber noch nie allein über die Hardware auf. Genau das ist ja das in vielen Bereichen exklusive Alleinstellungsmerkmal des Konzerns, der Hard- und Software im selben Haus versammelt. Daran kommen vereinzelt am ehesten noch Google (Pixel) und Microsoft (Surface) heran.

Das Ergebnis ist ein hybrides Betriebssystem, das zwar iOS heißt, aber manches Merkmal auch von iPadOS integriert. Das Duo ist Apples erstes Smartphone, das zwei Apps nebeneinander respektive über- und untereinander unterstützt. Wird wie bei normalen iPhones zur Übersicht geöffneter Apps gewechselt, lässt sich die aktuelle App links oder rechts anpinnen. Auf der freien Hälfte kann dann eine zweite App gestartet werden. Dieses App-Paar lässt sich über einmaliges Antippen der Trennlinie verknüpfen und wird in der App-Übersicht als Einheit gespeichert. Die Größe des App-Fensters lässt sich bei Apple hingegen nicht anpassen, hier gibt es bei Samsung mehr Freiheiten.

Offensichtlicher Unterschied zu anderen iPhone-Modellen ist das Dock, das auf dem äußeren Display sowie im geöffneten Breitbildformat nun rechtsseitig zu finden ist. Erst im aufgeklappten Hochkantformat sitzt es wieder an gewohnter Stelle unten. Im Unterschied zum iPad bleibt iOS auf dem Duo allerdings bei maximal vier im Dock angepinnten Apps. Damit will Apple für ein einheitliches Design auf beiden Bildschirmen sorgen. Auch das ist ein Bereich, wo es andere Hersteller lockerer sehen. Das Korsett sorgt aber eben auch dafür, dass immer alles an gewohnter Position sitzt.

Touch ID ist zurück im iPhone

Apple hat beim Duo auch Entscheidungen getroffen, die andere schon wieder fallen gelassen haben, etwa die unter dem inneren Display platzierte FaceTime-Kamera, für die Apple nicht einmal die Auflösung angibt. Es müssen aber mindestens 2,1 MP sein, denn 1080p wird unterstützt, aber nicht 4K, das 8,3 MP voraussetzt. Wer bessere Selfies schießen will, sollte zur 12-MP-Kamera im äußeren Display oder mit „Duo Preview“ gleich zur Hauptkamera wechseln.

Bei Apple hatte auf der Innenseite eindeutig ein unter­brechungs­freies Display Vorrang vor einer besonders guten Selfie-Kamera, zumal es ja zwei Alternativen gibt. Dafür verzichtet Apple auch auf Face ID und setzt erstmals seit dem iPhone SE (3) wieder auf Touch ID (im Power-Button rechts).

Hervorragend sind Apple kleinere Details wie der nahtlose Wechsel zwischen beiden Displays gelungen, ohne dass selbst nur für Bruchteile von Sekunden ein schwarzer Bildschirm auf dem einen oder anderen Panel sichtbar ist. Ladezeiten gibt es nicht, stattdessen spielt Apple jedes Mal eine elegante Animation ab, als könne man durch das Duo hindurchblicken. Diese untermauert noch einmal den fließenden Übergang.

Animation beim Öffnen und Schließen

A20 Pro wie im iPhone 18 Pro

Abseits der spezifischen Eigenschaften des Duo ist das faltbare iPhone vom Antrieb her ein iPhone 18 Pro, demnach ebenfalls mit A20 Pro und Apples C2-Modem ausgestattet. Auch die Storage-Optionen lesen sich mit 256 GB bis 2 TB gleich – und treiben den Preis rasant nach oben. Nach dem „RAMageddon“ ist man nun auch mit dem „NANDageddon“ konfrontiert. Das teuerste iPhone-Duo-Modell mit 2 TB kostet deswegen 3.799 Euro. Gemessen am 256-GB-Modell ist das Duo aber „nur“ 300 Euro teurer als das Galaxy Z Fold 8 von Samsung. Zugegeben: Der freie Handel unterbietet den UVP deutlich.

Fazit

Der Ersteindruck zum iPhone Duo fällt durchweg positiv aus. Das lässt sich nur selten über die erste Generation einer (für Apple) vollständig neuen Produktkategorie sagen. Apple profitiert allerdings auch davon, dass andere über Jahre vorgelegt und sich in dieser Zeit viele Komponenten in Bereichen wie Display, Batterien oder Kameras deutlich weiterentwickelt haben. Der „Werkzeugkasten“, auf den Apple 2026 Zugriff hat, ist ein deutlich anderer als er noch 2019 zur Verfügung stand. Das soll aber nicht klein reden, was Apple mit dem Duo bei Hard- und Software abliefert. Es ist zu Recht zu erwarten, dass Apple die Kategorie der faltbaren Smartphones mit dem Duo für viele erstmals attraktiv machen wird.

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