Ich bin ein gutes Beispiel dafür, warum Glasfaser trotz vorhandener Infrastruktur nicht unbedingt attraktiv ist.
In meiner Gemeinde Brigachtal wurde ein kommunales Glasfasernetz aufgebaut. Ich gehöre zu den sogenannten „Homes Passed“ – die Glasfaser liegt also praktisch vor meiner Haustür. Trotzdem nutze ich sie nicht.
Der Grund ist ziemlich einfach: die Kosten.
Die Gemeinde berechnet für einen Hausanschluss laut ihrer Richtwerttabelle:
- 3 m Asphalt à 170 € = 510 €
- 3 m unbefestigter Boden à 60 € = 180 €
- 1,5 m Pflaster à 140 € = 210 €
- Hauseinführung inklusive Abdichtung = 700 €
- Netzanschlussdose = 350 €
Macht zusammen 1.950 € für gerade einmal 7,5 Meter Anschlussweg. Und das sind lediglich Richtwerte, die tatsächlichen Kosten können auch höher ausfallen.
Zum Dank dafür, dass ich knapp 2.000 € investiere, um das kommunale Glasfasernetz überhaupt nutzen zu können, lande ich anschließend in einem
faktischen Anbietermonopol bei Stiegeler – mit entsprechend wenig attraktiven Tarifen. Dass das Netz theoretisch auch anderen Anbietern offensteht, hilft mir als Kunden herzlich wenig, solange diese Wahlmöglichkeit in der Praxis nicht existiert.
Hinzu kommt, dass ich mit meinem aktuellen DSL-250-Anschluss mehr als zufrieden bin. Die Bandbreite reicht für meine Anforderungen vollkommen aus, und ich sehe aktuell schlicht keinen praktischen Mehrwert, der eine Investition von 2.000 € rechtfertigen würde.
Sollte ich irgendwann tatsächlich deutlich mehr Bandbreite benötigen, halte ich es inzwischen sogar für wahrscheinlicher, dass ich auf Starlink oder eine vergleichbare Alternative umsteige, als dass ich mir für einen vierstelligen Betrag Glasfaser ins Haus legen lasse. Das muss man sich eigentlich einmal vor Augen führen: Da liegt ein Glasfasernetz direkt vor der Haustür, und trotzdem erscheint mir perspektivisch ein Internetanschluss über Satellit wirtschaftlich attraktiver.
Ich bin weder technikskeptisch noch habe ich irgendwelche grundsätzlichen Vorbehalte gegen Glasfaser. Im Gegenteil, ich halte die Technologie für sinnvoll und zukunftsfähig. Aber warum sollte ich einen vierstelligen Betrag investieren, um anschließend auch noch mehr für meinen Internetanschluss zu bezahlen, ohne überhaupt eine vernünftige Anbieterwahl zu haben?
Solange Glasfaseranschlüsse mit solchen Einstiegshürden und mangelndem Wettbewerb verbunden sind, braucht sich niemand über die geringe Wechselbereitschaft zu wundern.
Nicht die Kunden müssen vom Mehrwert der Glasfaser überzeugt werden, sondern die Anbieter müssen endlich ein wirtschaftlich überzeugendes Angebot machen.