Eine bisher nur kurze Recherche ergab in Sache Vergleich Indien - Afrika recht schnell ergebnisse ... die ich im Nachhinein eigentlich nicht sehr verwunderlich finde:
Ein paar Zitate:
1.)
Die Dekolonisation des 20. Jahrhunderts wurzelt bereits in der Zeit des Ersten Weltkrieges. Die Entwicklung begann in Asien, insbesondere in Indien. Dort hatte sich bereits früh eine Nationalbewegung gebildet, die sich zunehmend als progressiv-antikolonial verstand. Nach dem Ersten Weltkrieg setzte sich mit Mahatma Gandhi eine charismatische Leitfigur an deren Spitze. Als organisatorische Klammer gelangte der bereits 1885 gegründete Indische Nationalkongress in den 1920er Jahren zu mehr Einfluss. Dass diese hinduistische Nationalbewegung weder ein Konzept für den Umgang mit anderen Religionen noch mit der britischen Kolonialverwaltung hatte, führte zu Konflikten auch innerhalb der Bewegung, die sich ab Ende der 1920er Jahre verschärften. Nach anfänglichen Versuchen der Unterdrückung verlegte sich die britische Kolonialverwaltung auf das Unterstützen kooperationsbereiter Fraktionen. Die Nationalbewegung reagierte darauf, indem sie Strömungen in ihren Reihen unterdrückte, die nicht zu Kompromissen mit den Briten bereit waren. Außerdem verstärkten sich die Intoleranz des Nationalkongresses gegenüber Moslems sowie der Personenkult um Gandhi.
Quelle:
https://de.wikipedia.org/wiki/Dekolonisation
2.)
Generell gilt, dass die von den europäischen Kolonialmächten gezogenen Grenzen meistens auch die späteren Staatsgrenzen bildeten. Sie wurden aber bei der Eroberung willkürlich, ohne Rücksicht auf bereits bestehende Stammes- bzw. Völkergrenzen gezogen. Allerdings gab es in Afrika verbreitet auch keinen an ein Territorium gebundenen Volksbegriff. Teilweise bildeten sich Ethnien erst während der Formierung der Unabhängigkeitsbewegungen ab 1940. Als Ergebnis sind nahezu alle afrikanischen Staaten Vielvölkerstaaten mit den sich daraus ergebenden Problemen. Ein Keim für die heute verbreitete Instabilität vieler afrikanischer Länder wurde dadurch gelegt. Oft ist die einzige übergreifende Institution das Militär.
Auf Grund der kolonialen Verwaltung, die meist eine Selbstverwaltung der schwarzen Bevölkerungsmehrheit ausschloss, fehlte in vielen Ländern eine demokratische Tradition, was die Bildung von Diktaturen nach der Unabhängigkeit stark begünstigte.
Ein weiteres Problem bildet die wirtschaftliche Ausrichtung fast aller Kolonien als Rohstofflieferant, vor allem für Lebens- und Genussmittel sowie für Bergbauprodukte. Das verarbeitende Gewerbe wurde stets vernachlässigt. Daran hat sich auch nach der Unabhängigkeit nur wenig geändert. Viele afrikanische Volkswirtschaften sind daher auf Gedeih und Verderb den Weltmarktpreisen ausgeliefert, die sie nicht selbst bestimmen können.
Schließlich ist in vielen Teilen Afrikas nach wie vor der „Tribalismus“ ein ernsthaftes Problem: Loyal ist man dort nicht (oder weniger) gegenüber der „nationalen“ Gesamtgesellschaft, die auf dem Gebiet der neu entstandenen Staaten entstanden ist – oder noch im Begriff ist zu entstehen – sondern gegenüber der „ethnischen“ Gruppe, der man angehört bzw. zu der man sich als zugehörig betrachtet und/oder betrachtet wird.
Quelle:
https://de.wikipedia.org/wiki/Dekolonisation_Afrikas
Im Allgemeinen, kann man wohl annehmen, dass die britische Kolonialregierung in Indien seit 1885 im vergleich zu anderen Kolonialmächten recht intelligent mit Selbstverwaltungsbestrebungen umgegangen sind. Es gab einen Indischen Nationalkongress, der nach Anfänglicher Weigerung auch unterstützt wurde. Wie diese Unterstützung geschah, trägt wiederum fast die Züge einer "Erziehung hin zu Demokratie".
In Afrika war die Situation was genau dieses "lernen von Demokratie" angeht bis zum Ende der Kolonialzeit unmöglich, denn meist war die Bevölkerung dort komplett von politischer Teilhabe ausgeschlossen. Und einige Staaten (z.B. Belgien) sind von ihrer totalen Fremdherrschaft bis ganz zum Ende nicht abgerückt und haben die Staaten danach nicht nur einfach in die Unabhängigkeit entlassen, sondern sie regelrecht im Regen stehen lassen ... mit einer Wirschafts- und Verwaltungsstruktur, die von den ehemals konsequent ausgeschlossenen natürlich niemand händeln konnte. Da ist im Prinzip oft nichts anderes passiert, als die (nicht mal schleichende) Übergabe der Kolonialverwaltung an global agierende Konzerne, die auf diese Weise weiterhin Zugang zu den Ressuorcen hatten, ohne sich dabei (via in Europa erhobener Steuern) an den Verwaltungskosten beteiligen zu müssen ... sogar noch besser, die neuen unabhängigen Staaten waren auf Kredite angewiesen, weil man mit Sisal-Monokulturen eben kein Volk ernähren kann (gerantierte Rohstoffe bei gleichzeitigem Import-Zwang für Lebensmittel ... das System ist vom eurozentrischen Standpunkt eines Großaktionärs aus genial, aber moralisch betrachtet einfach unter aller Sau).
Hinzu kommt noch für Afrika eine fast komplette und bis heute nachwirkende Umstellung der Wirtschaft auf die Rolle eines Zulieferers für "Einen" Rohstoff (im Prinzip typische Kolonialwirtschaft, wo es dann eine Tabak-Kolonie gab, eine Kakao-Kolonie, eine Sisal-Kolonie usw).
Auch hier ist die Situation in Indien etwas anders, denn Indien war schon vor der Kolonisierung ein funktionierendes Staatengebilde, welches sich einfach schwerer hätte verwalten lassen, wenn man mit aller Macht auf Monokulturen umgestellt hätte oder die zwischen den Fürstentümern tradierten Grenzen umorganisiert hätte, wie das in den meisten Afrikanischen Gebieten der Fall war.
Letzterer Aspekt (die zuvor schon gegebene staatlichkeit in Indien, vs. der relativ losen Stammesstruktur im präkolonialen Afrika) machte in Indien auch die willkürliche Grenzziehung unnötig. Da gabs schon Grenzen und Indien wurde eben NICHT auf europäischen Konferenzen mit Lineal und Rechenschieber aufgeteilt, sondern lediglich in Verwaltungsbezirke unterteilt, die sich größtenteils mit den früheren Fürstentümern deckten (Indien ist allerdings auch etwas kleiner, und war relativ schnell fest in britischer Hand).
Im Prinzip hatten die Inder wohl einfach etwas weniger Pech als die Afrikaner, da das Land mit relativ wenig Aufwand in ein Land umgewandelt werden konnte, welches zwar Rohstoffe für den heimischen Markt oder den britischen Opium-Handel lieferte, dafür aber nicht sehr weit von seinen Traditionen abgebracht werden musste ... ganz anders in Afrika, denn dort fanden die Kolonialverwalter eine tradierte Wirtschaftsstruktur vor, die für ihre Zwecke absolut unbrauchbar war, mussten den Einheimischen demnach ein System aufzwingen, welches die Bedürfnisse des europäischen Marktes decken kann ... die Folge war großflächige Monokultur (obwohl Mischkultur im endeffekt bessere Erträge liefert), bei gleichzeitigem Ausschluss der einheimischen von Entscheidungsprozessen.
Das war in Indien einfach nicht in diesem Ausmaß nötig.
Es waren auch während der ganzen Kolonialzeit (Kriege ausgenommen) nur vergleichsweise wenige Briten in der Kolonialverwaltung Indiens beschäftigt, da man viel der Verwaltung letztlich auch den schon existierenden Regionalverwaltungen überlassen konnte, denen musste man dann nur noch den "british way" beibringen, dann haben die da auch nicht schlecht von gelebt.
Ein äußerst interessanter Vergleich, der mMn zeigt, dass ein guter Teil von Afrikas Problemen eben daher kommt, dass die Kolonialherren dort mit totaler Härte "durchregiert" haben, während man sich in Indien zumindest auf die Mithilfe der Einheimischen verlassen hat, und das aus kulturellen Gründen auch gut tun konnte.
Indien war schon vor der Kolonisierung vom eurozentrischen Standpunkt aus betrachtet etwas "zivilisierter" als Afrika, und deswegen ging es auch danach etwas zivilisierter ab.
Sicher ist zu dem Thema noch lang nicht alles gesagt (eigentlich nur meine Meinung, die ich hier jetzt nicht fundiert nennen möchte, denn dafür war die Recherche noch nicht tief genug).
@Mustis
Letzte Warnung ... du bist auf dem besten Weg, aus MÖGLICHEM technologischem Fortschritt und der Tatsache, dass man keine sicheren Prognosen liefern kann, eine Legitimationsigur dafür zu basteln, dass man ja auch einfach ganz genau so weitermachen kann, wie bisher.
Ich krieg bei sowas zwar nicht gleich nen anaphylaktischen Schock, aber ich reagiere auf solchen Mumpitz echt allergisch.
Die Frage ist nicht, ob man den Zukunftsprognosen trauen kann, sondern ob man es sich leisten WILL, ihnen NICHT zu trauen. Denn am Ende steht, immer das "was wäre wenn" z.B. Fusion tatsächlich nicht realisierbar ist (aktuelle Schätzungen gehen von ca. 100 Jahren Entwicklungsarbeit aus, bevor diese Technologie auf dem kommerziellen Energiemarkt konkurenzfähig ist), welches halbwegs wirtschaftlich arbeitende Unternehmen soll das Finanzieren ... die Staaten sind eh alle Pleite und stampfen regelmäßig staatliche Forschungsprogramme wieder ein. Der bisher erfolgreichste Fusionsreaktor ist nichts weiter als ein Gigantischer Wasserkocher, der mehr Energie verbraucht, als er liefert.
Und beim Umstieg auf eine neue Energiequelle, muss diese eben nicht einfach nur effizient arbeiten (was bisher kein Fusionsreaktor tut), sondern eben auch ein paar VORZÜGE gegenüber AKW's oder Brennstoffkraftwerken haben ... momentan sieht es eher so aus, als wäre Kernfusion für EON und Co erst dann eine rentable Alternative, wenn es sonst keine Alternatven mehr gibt.
Und wenn du bei Öl nur an Energie denkst, dann wünsche ich dir ein böses Erwachen ... Plastik gibts ohne Öl auch nicht, und die Dichtungen in Auto und Haushalt werden schon lang nicht mehr aus was anderem gemacht als aus Öl - und komm jetzt nicht mit Kautschuk, das wäre für die industrielle Nutzung viel zu teuer, vor allem bei für Bio-Diesel, und Discount-Bio-Food massenhaft gerodeten Regenwäldern.
Es entstehen schon wieder die aus dem Kolonialismus bekannten großflächigen Monokulturen ... diesmal nicht für Sisal sondern für Soya, und der Zwang dahinter sind diesmal die Preise für Biofood und Bio-Diesel auf UNSEREN Märkten ... wir müssen nichtmal mehr kolonisieren, die machen ihre Länder freiwillig kaputt, weil wir sie dafür besser bezahlen, als ihre eigenen Nachbarn ... in europäischen Bio_Diesel-Motoren wird letztlich NAHRUNG verbrannt, die im Soya Anbaugebiet dann fehlt ... die Menschen dort sind dann dafür auf den Import angewiesen obwohl sie in Landschaften aus Soya-Pflanzen leben.
Ich glaube man sollte sich schlicht nicht mehr drauf verlassen, dass zukünftige Generationen da schon eine Lösung finden ... das hat Jahrzehntelang für uns gut geklappt, ebr ich will mich eben nicht drauf verlassen, dass es auch weiterhin klappen wird ... da reden wir nämlich nur von einer Wahrscheinlichkeit ... und egal wie groß die deiner Meinung nach auch zu sein scheint, sie ist alles andere als sicher.
Angeblich zu erwartende Entwicklungen als "Fakt" zu verkaufen, ist echt ganz schön krude. Woher willst du wissen, dass sich die Entwicklung der letzten 50 Jahre auch nur 10 Jahre so fortsetzen wird? Mal ganz davon ab, dass einige der hier diskutierten Probleme gerade von DIESER Entwicklung mitbefeuert wurden.