Greeccee2037 schrieb:
Gleitzeit: Es wurde besprochen, dass nicht kontrolliert wird, wer wann kommt und geht – Hauptsache, die Arbeit stimmt.
Das ist keine Gleitzeit, sondern eher eine "Vertauensarbeitszeit". Bei Gleitzeit werden die Arbeitszeiten genau aufgezeichnet und +/- Stunden in der einen oder anderen Form ausgeglichen.
Ob eine Vertrauensarbeitzeit "Arbeitnehmerausbeutung" ist, wie es gerade Gewerkschaften gerne darstellen, hängt sehr von Job und Unternehmenskultur aber auch dem Team und dem unmittelbaren Vorgesetzten (Teamleiter, Abteilungsleiter) und zuletzt von einem selbst ab.
Greeccee2037 schrieb:
Fortbildungen: Mir wurden Fortbildungen ausdrücklich zugesagt, weil das mein Hauptgrund für einen Wechsel ist – ich habe im jetzigen Job kein Entwicklungspotenzial. Umso überraschter war ich, im Vertragsentwurf zu lesen, dass aktuell keine Fortbildungen angeboten werden.
Das ist ein valider Problempunkt, da der die aber wichtig ist, hättest Du diesen Punkt einzeln, und am besten in einem Telefonat/ Videocall besprochen.
Du hast aber mit Deiner Forderungsliste einen Rundumschag gemacht, der obendrein auch noch sehr besserwisserisch klingt und Dich auf etlichen Nebenkriegsschauplätzen aufgehalten, wie z.B. Reisekostenregelungen.
Grundsätzlich ist es gerade ein kleineren, Inhabergeführten Unternehmen so, dass es eine "gelebte" Unternehmenskultur gibt, die sich drastisch von den schriftlich festgelegten Regeln, wie z.B. Arbeitsverträgen, unterscheiden kann. Es ist z.B. in solchen Unternehmen oft so, dass es keine offiziell definierten Fortbildungsprogramme gibt, da das Unternehmen keine Verpflichtungen eingehen will, wenn z.B. mal wirtschaftlich enge Zeiten herrschen. In Realität kann das aber ganz anders aussehen.
Dinge wie Arbeitszeit und Homeoffice werden meistens im Detail im Team geregelt, also in persönlicher Absprache.
Die richtige Vorgehensweise in Deinem Fall wäre gewesen, einfach mal anzufangen (Probezeit gilt ja für beide Seiten) und dann zu sehen, wie die Realität aussieht.
Greeccee2037 schrieb:
Bis dahin hatte ich ausschließlich mit der Frau des Chefs kommuniziert und alles schien in Ordnung. Nebenbei bemerkt: Die Frau des Chefs ist inoffiziell die eigentliche Chefin im Unternehmen und für HR zuständig. Umso seltsamer war es, dass die Antwort plötzlich von ihrem Mann kam. Warum hat mir das nicht gleich sie selbst geschrieben?
Die Dynamik der Führung in solchen Unternehmen ist komplex. Vermutlich führen die beiden das Unternehmen zusammen, habe aber ihre Aufgaben aufgeteilt. Gff. ist der Chef eher für die fachliche Führung zuständig, seine Frau für Finanzen und HR.
Du hast sie mit Deiner Forderungsliste vermutlich überrascht und enttäuscht, sie hat das als Vertrauensbruch wargenommen. Bis zu diesem Zeitpunkt fand sie Dich wahrscheinlich wirklich gut und wollte Dich einstellen. Es ist zwar nicht besonders professionell von ihr, aber sie wollte ab diesem Zeitpunkt nicht mehr mit Dir kommunizieren.
Greeccee2037 schrieb:
Von Unflexibilität kann also keine Rede sein.
Darum geht es nicht. Du hast glaube diese Regel gebrochen:
Greeccee2037 schrieb:
Es wurde auch klar kommuniziert, dass man über alles reden kann und soll.
"Reden" ist was anderes als Schreiben.
Ich kann natürlich nicht sagen, ob es gut oder schlecht für Dich war, dass das Unternehmen die Reißleine gezogen hat.
Da Du ja doch etwas enttäuscht erscheinst, war Dein "Bauchgefühl" nach dem Probearbeitstagen positiv, der dann vorgelegte Arbeitsvertrag hat dann aber zusammen mit Deinem negativen Erfahrungen dieses Bild gestört und Du hast es mit den Mitteln aus Deiner Erfahrungswelt versucht zu "reparieren".
Das ist gründlich daneben gegangen. Da, wie gesagt, man immer während der Probezeit gehen kann, hast Du meines Erachtens eine Chance vertan (Du wirst auch nie erfahren ob das Unternehmen eher dem Dir im Gespräch gegebenen Bild entspricht oder Du einer schrecklichen Ausbeutungsstelle entgangen bist, wie manche hier vermuten).
Aber vielleicht brauchst Du auch die Sicherheit eines Unternehmens mit Tarifvertrag, Gleitzeitkonto, usw. Aber auch dort wirst Du keinen individuellen Vertrag aushandeln können. Und wenn wegen einer Sparmassnahme alle Schulungen gestrichen werden, wirst Du auch dort ohne Fortbildung dasitzen.
Dabei noch ein abschliessender Tipp: Die eigene Position im Unternehmen (die auch bestimmt, wieviele "Freiheiten" man sich rausnehmen kann) entwickelt man primär mit Hilfe seiner Sozialkompetenz. Was im Arbeitsvertrag steht ist mehr oder wenige komplett irrelevant. Da sollte die Basics wie vereinbarte Arbeitszeit, eine (grobe) Tätigkeitsbeschreibung, Anzahl der Urlaubstage und die grundlegende Regeln zum Gehalt (also wie viele Monatsgehälter, wann gezahlt, und natürlich das Startgehalt) drinstehen. Je kürzer desto besser.