Arbeitsvertrag nach Probearbeit überraschend gescheitert – was habe ich falsch gemacht?

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Siebenschläfer schrieb:
Das stand dann auch so im Arbeitsvertrag?
Hier ein Auszug aus zu dem Thema Arbeitszeit:

"Die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit beträgt 40 Stunden ausschließlich der Pausen.
Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit sowie die Pausenregelung richten sich nach den
betrieblichen Regelungen und Erfordernissen.
Nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit ist
eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 11 Stunden einzuhalten, § 5 ArbZG; im Übrigen gelten die Regelungen des Arbeitszeitgesetzes"


Ich füge noch hinzu, dass wir – wie bereits oben erwähnt – genau das (also Gleitzeit) so im Bewerbungsgespräch besprochen hatten. Auch während meiner Probearbeitstagen hat mir der verantwortliche Mitarbeiter bestätigt, dass die Arbeitszeiten nicht kontrolliert werden und dass im Unternehmen Gleitzeit gilt. Wichtig sei lediglich, dass man seine Arbeit gewissenhaft erledigt. Perfektion wird nicht verlangt, aber Einsatzbereitschaft und Zuverlässigkeit.


Siebenschläfer schrieb:
Das stand dann auch so im Arbeitsvertrag?


Der "Rechtsschutz" nennt sich "Gewerkschaft" und kostet 1 % vom Brutto.

Es gab keine Gewerkschaft, weil das Unternehmen hierfür zu klein war...
 
Ich verstehe das Problem. Du bist aus deinem beruflichen Kontext gewohnt das alles absolut exakt und verbindlich beschrieben wird. Meine Frau ist Buchhalterin. Die ist auch so. Die hätte vermutlich auch diese mündlichen Zusagen 1:1 in den Vertrag schreiben wollen. Denn nur was da festgehalten ist, ist später auch verpflichtend. Das im Alltag die Dinge oft fließend sind und sich beide Parteien mehr Rechte raus nehmen, als sie haben, oder es ein gegenseitiges ungeschriebenes Aggrement gibt, ist aber vertraglich nicht abbildbar.
 
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Micha- schrieb:
Ich verstehe das Problem. Du bist aus deinem beruflichen Kontext gewohnt das alles absolut exakt und verbindlich beschrieben wird. Meine Frau ist Buchhalterin. Die ist auch so. Die hätte vermutlich auch diese mündlichen Zusagen 1:1 in den Vertrag schreiben wollen. Denn nur was da festgehalten ist, ist später auch verpflichtend. Das im Alltag die Dinge oft fließend sind und sich beide Parteien mehr Rechte raus nehmen, als sie haben, oder es ein gegenseitiges ungeschriebenes Aggrement gibt, ist aber vertraglich nicht abbildbar.
Und das unterschreibe ich zu 100 %!! Wer täglich mit Mandanten oder Behörden (z. B. dem Finanzamt) arbeitet, sichert grundsätzlich alles schriftlich ab. Dieses ganze Wischiwaschi-Hin-und-Her bringt am Ende niemandem etwas, weil es zu viel Interpretationsspielraum lässt und eher zu Problemen als zu Lösungen führt – siehe meine Ausführungen zum Arbeitsgerichtsverfahren wegen der unrechtmäßigen Anrechnung meiner nicht ausgezahlten Urlaubstage.
 
Greeccee2037 schrieb:
Es gab keine Gewerkschaft, weil das Unternehmen hierfür zu klein war...
Ja, deswegen steht "KMU" ja auch für
Kleine Miese Unterdrücker.

In der Gewerkschaft bist übrigens DU, nicht dein Arbeitgeber (die sind in Arbeitgeberverbänden), und DU lässt dort beraten und legst bei Fragen deinen Vertragsentwurf dort vor. Dann lacht der Fachmann mal kurz und empfiehlt dir, sich bei einem Unternehmen mit Tarifvertrag und Betriebsrat zu bewerben.

Dein Wunscharbeitgeber hat schlicht einen anderen Doofen gefunden, der alles mit sich machen lässt. Deshalb bist du raus.

Auch während meiner Probearbeitstagen hat mir der verantwortliche Mitarbeiter bestätigt, dass die Arbeitszeiten nicht kontrolliert werden und dass im Unternehmen Gleitzeit gilt.
Nein, das ist leider nicht, was "Gleitzeit" ist, sondern das ist in vielen Fällen schlicht rechtswidrig.

Zeiterfassung ist inzwischen Pflicht: https://www.ihk.de/berlin/service-u...uern/arbeitsrecht/arbeitszeiterfasung-5666426 und Gleitzeit sind variable Arbeitszeiten, wobei du jeweils durch die sowieso erfolgende Zeiterfassung weißt, wann du deine vertragliche Arbeitszeit erreicht hast bzw. wie viele Plus- oder Minusstunden du noch hast.

Fazit: Du kennst du dich nicht genug aus, um deinen Arbeitsvertrag selbst zu verhandeln. Deshalb gibt es seit dem 19. Jahrhundert die Arbeiternehmervertretung. Nutze sie!

Denk auch daran, dass das hier
schnell Anschluss an die Belegschaft gefunden. Mir wurde bereits im Vorfeld mitgeteilt, dass man mich unbedingt einstellen möchte. Es schien alles perfekt.
nicht alles ist, weil du ja nicht in einen privaten Sportverein eintrittst. Beim Geldverdienen geht es in erster Linie um "professionell", nicht um "nett" und "sympathisch".
 
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Greeccee2037 schrieb:
Um das vielleicht einmal klarzustellen – weil das Thema nun schon öfter aufkam: Die genannten Punkte, aber auch grundsätzlich alles, was ich erwähnt habe, wurde im Bewerbungsgespräch 1:1 so angesprochen. Hier einige Beispiele:

Das Bewerbungsgespräch war sehr offen und herzlich. Man hatte das Gefühl, dass viel Rücksicht genommen wird. Es wurde auch klar kommuniziert, dass man über alles reden kann und soll. So sei es im Unternehmen üblich.

Zu den einzelnen Punkten:
  • Gleitzeit: Es wurde besprochen, dass nicht kontrolliert wird, wer wann kommt und geht – Hauptsache, die Arbeit stimmt.
  • Homeoffice: Es wurde gesagt, dass man zwar nach Corona grundsätzlich wieder vor Ort arbeiten möchte, ein Tag Homeoffice pro Woche aber kein Problem sei.
  • Fortbildungen: Mir wurden Fortbildungen ausdrücklich zugesagt, weil das mein Hauptgrund für einen Wechsel ist – ich habe im jetzigen Job kein Entwicklungspotenzial. Umso überraschter war ich, im Vertragsentwurf zu lesen, dass aktuell keine Fortbildungen angeboten werden.
  • Gehalt / Entwicklung: Mir wurde früh zugesagt, dass ich mit einer Gehaltserhöhung nach der Probezeit rechnen kann und auch darüber hinaus, da ich die entsprechenden Qualifikationen mitbringe. Warum dann nicht ein jährliches Mitarbeitergespräch einführen, damit ich mich weiterentwickeln kann? Eine jährliche verpflichtende Gehaltsanpassung habe ich nie gefordert.
Alles richtig und wichtig, nur hast du etwas grundsätzliches vergessen:

Rein rechtlich ist es in Deutschland so: Wenn jemand einen Arbeitsvertrag anbietet und die andere Seite schickt einen "Änderungsvorschlag“ mit eigenen Formulierungen zu mehreren Paragraphen zurück, ist das streng genommen kein „Ja, aber“, sondern ein neues Gegenangebot. Das hat eine ganz andere Wirkung als "können wir hier und da nochmal miteinander reden?"

Meiner Meinung nach hat dein Arbeitgeber auch nicht auf die einzelnen Formulierungen reagiert, sondern auf das Gesamtbild: sehr viele, weitreichende Änderungen, die ausschließlich zu deinen Gunsten formuliert und in einem mehrseitigen Schreiben zusammengefasst sind. Viele Arbeitgeber sind eher gewohnt, dass Bewerber 1 bis 3 Punkte verhandeln (Gehalt, Stundenumfang, ggf. Homeoffice) und nicht ein halbes Vertragswerk neu strukturieren. Außerdem sind viele Verträge standardisiert: die rechtlichen Fallstricke im Arbeitsrecht sind ein Minenfeld, auf das regelmäßig noch ein Bombenteppich von den Gerichten aus weiteren Risiken prasselt und niemand weiß, wen es als Nächsten trifft.

Für die Zukunft würde ich Folgendes empfehlen:
  • Nur die 2-3 absolut wichtigsten Punkte schriftlich verhandeln
  • Den Rest zunächst mündlich ansprechen („Wie handhaben Sie Fortbildungen/Homeoffice/Freistellungen?“), statt alles direkt vertraglich fixieren zu wollen
  • Änderungen eher als „Diskussionsgrundlage“ formulieren („Ich würde mir wünschen … Ist da etwas möglich?“) und nicht gleich als fertige Vertragsklausel mit Paragrafen.
 
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Greeccee2037 schrieb:
Gleitzeit: Es wurde besprochen, dass nicht kontrolliert wird, wer wann kommt und geht – Hauptsache, die Arbeit stimm
Du missverstehst das. Was man dir gesagt hat ist das du gerne mehr arbeiten darfst ohne dafür bezahlt zu werden.

Greeccee2037 schrieb:
Homeoffice: Es wurde gesagt, dass man zwar nach Corona grundsätzlich wieder vor Ort arbeiten möchte, ein Tag Homeoffice pro Woche aber kein Problem sei.
Auch hier. Ist kein Problem, so lange es einem in den Kram passt. Wenn er aber das Bedürfnis hat dein Gesicht zu sehen weil halt weil das halt so ist. Dann hast du gefälligst jeden Tag da zu sein.

Greeccee2037 schrieb:
Fortbildungen: Mir wurden Fortbildungen ausdrücklich zugesagt, weil das mein Hauptgrund für einen Wechsel ist – ich habe im jetzigen Job kein Entwicklungspotenzial. Umso überraschter war ich, im Vertragsentwurf zu lesen, dass aktuell keine Fortbildungen angeboten werden.
Klar sagen Sie sir sie du. WENN Sie der Meinung sind das sich das rechnet. Aber nen Anspruch darauf wollen Sie dir nicht geben. Wo kommen wir denn da hin?

Greeccee2037 schrieb:
Zum Thema Pflege: Ich hatte bei einem früheren Arbeitgeber das Problem, dass mündlich vereinbart wurde, ich könne für die Pflege meiner Mutter freigestellt werden und die Stunden über mein Überstundenkonto ausgleichen. Am Ende wurde mir das bei meiner Kündigung böswillig als Urlaub angerechnet. Ohne Rechtsschutz musste ich meinen Anwalt selbst bezahlen, und der Fall (und weitere Probleme) landeten vor dem Arbeitsgericht. Unterm Strich war es ein Nullsummenspiel, weil ich die Kosten trotz gewonnenem Verfahren selbst tragen musste. Genau deshalb möchte ich solche Dinge künftig schriftlich festhalten.

ahhh da kommen wir der Sache doch schon näher. Du hast doch schon Erfahrung gesammelt wie der Hase so läuft. Das ist hier nichts anderes 😉

Das erste Aösrmsignal hätten die vollmundigen Versprechungen sein sollen. Das zweite das Sie so viele Abgänge haben und das dritte das von dem besprochenen nichts im Vertrag steht.

Was man dann aber nicht macht ist sich hinsetzen und das versuchen alles aufzunehmen, weil ja weil die das halt aus schusseligkeit vergessen haben und ich denen jetzt helfe sondern weil die das bewusst gemacht haben.

Wenn man denen sagt öhm da fehlen aber Dinge über die wir gesprochen haben wie - und jetzt kommen 2-3 der wichtigsten Punkte die man hat - können wir das bitte in den Vertrag mit aufnehmen?

und dann wartet man was kommt. Entweder es steht drin was man will oder man sagt vielen Dank aber so kommen wir nicht zusammen. Das spart dir Aufwand und bietet dir dem AG die Möglichkeit so weit zu gehen wie er will. Entweder das reicht dir dann oder das war es. So wie du das gemacht hast für das aber in 99.9999999999% der Fälle zu einer Absage des AG.

Greeccee2037 schrieb:
Ich verstehe alle Meinungen und bin wirklich sehr dankbar dafür. Aber man sollte sich auch nicht alles gefallen lassen. Wenn der Arbeitgeber bestimmte Anforderungen stellt – Wochenend-, Sonn- und Feiertagsarbeit, keine Fortbildungen, wechselnde Einsatzorte über den regionalen Kreis hinaus – dann darf man zumindest Verbesserungsvorschläge einbringen, ohne dass sie verbindlich sein müssen. Auch wenn ich kein Arbeitgeber bin, zeigt es doch, dass ich ein selbständig denkender Arbeitnehmer bin, der bei seinen Vorschlägen eben auch Rücksicht auf den Arbeitgeber nimmt. Von Unflexibilität kann also keine Rede sein

Ja schön für dich, der AG will aber ganz offensichtlich nen Lohnsklaven....

Greeccee2037 schrieb:
Auch während meiner Probearbeitstagen hat mir der verantwortliche Mitarbeiter bestätigt, dass die Arbeitszeiten nicht kontrolliert werden

womit er gegen geltendes Recht bezüglich Aufzeichnungspflichten verstößt und sich strafbar macht....

aber wo kein Kläger da kein Richter und du machst den Eindruck ein Kläger zu sein. Was sich ja dann sogar noch bestätigt.

Greeccee2037 schrieb:
Wichtig sei lediglich, dass man seine Arbeit gewissenhaft erledigt. Perfektion wird nicht verlangt, aber Einsatzbereitschaft und Zuverlässigkeit.
Genau. Bitte immer dann reinlöhnen wenn ich dich brauche und ansonsten bitte schön die Fresse halten und froh sein arbeiten zu dürfen.



Sorry, für die Direktheit aber ich denke es ist nötig da du es nicht siehst was wir meinen.

Und sei froh, dass du dort nicht arbeitest.
 
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Skysnake schrieb:
womit er gegen geltendes Recht bezüglich Aufzeichnungspflichten verstößt und sich strafbar macht....

Der AG muss nur seinen Mitarbeitern ein Tool zu Hand geben (z.B. Excel Formular) um die Arbeitstunden zu erfassen und kann somit diese Pflicht auf den Mitarbeiter deligieren. Der Chef kann/muss die Zeiten dann in gewissen Abständen kontrollieren.

Sonst würden ja sämtliche AT Verträge rechtswidrig sein^^
 
Arbeitsvertrag nach Probearbeit überraschend gescheitert – was habe ich falsch gemacht?

Ich arbeite in der IT, bin aber organisatorisch direkt unserem Geschäftsführer unterstellt, und habe ein sehr gutes und vertrauensvolles Verhältnis zu ihm.
Da ich schon länger "dabei" bin (und knapp 20 Jahre älter als er) schätzt er meine Meinung.
In letzter Zeit haben wir uns oft über Personalentscheidungen unterhalten.

Ich weiß ganz genau, dass er bei Vorlage dieser "Änderungsvorschläge" auch sofort die Reißleine gezogen hätte.
Das ist einfach too much.

Da sind auch "Vorschläge" drinnen die ich völlig daneben finde.

Wenn im Arbeitsvertrag geregelt ist, dass man auch mal woanders arbeiten muss, dann ist so etwas einfach nicht möglich:

"„Einsätze außerhalb des regionalen Umfelds erfolgen nur nach vorheriger Rücksprache und
Zustimmung des Arbeitnehmers.


Damit hebelt man ja das ganze Thema aus.

Oder:

"„Einmal jährlich findet ein strukturiertes Mitarbeitergespräch statt, in dem die persönliche
Entwicklung, Zielerreichung sowie eine mögliche Anpassung der Vergütung gemeinsam
erörtert werden.

Hallo? Schon direkt mit dem Scheunentor in Haus fallen?
Nicht sehr clever.

Ne, also ich kann absolut nachvollziehen, dass nach dem Schreiben ein Absage kam.
Meine Tochter hat vor kurzem eine neue (sehr gut dotierte) Stelle angetreten und dort im zweiten Gespräch noch einiges für sich rausgeholt.
Im Gespräch geht so etwas besser, da kann man flexibel reagieren.
Aber dem zukünftigen Arbeitgeber so ein Schreiben zu schicken kann nur schief gehen.
 
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GUN2504 schrieb:
Der Chef kann/muss die Zeiten dann in gewissen Abständen kontrollieren.
Und Maßnahmen ergreifen wenn er sieht, dass das nicht gemacht wird oder offensichtlich falsch ist. And damit wird ein Schuh draus.

ATler haben jetzt eher kein Problem damit unter den Mindestlohn zu fallen, aber die Ruhezeitrn und Höchstarbeitszeiten müssen auch Sie einhalten.
 
Greeccee2037 schrieb:
Gleitzeit: Es wurde besprochen, dass nicht kontrolliert wird, wer wann kommt und geht – Hauptsache, die Arbeit stimmt.
Das ist keine Gleitzeit, sondern eher eine "Vertauensarbeitszeit". Bei Gleitzeit werden die Arbeitszeiten genau aufgezeichnet und +/- Stunden in der einen oder anderen Form ausgeglichen.

Ob eine Vertrauensarbeitzeit "Arbeitnehmerausbeutung" ist, wie es gerade Gewerkschaften gerne darstellen, hängt sehr von Job und Unternehmenskultur aber auch dem Team und dem unmittelbaren Vorgesetzten (Teamleiter, Abteilungsleiter) und zuletzt von einem selbst ab.

Greeccee2037 schrieb:
Fortbildungen: Mir wurden Fortbildungen ausdrücklich zugesagt, weil das mein Hauptgrund für einen Wechsel ist – ich habe im jetzigen Job kein Entwicklungspotenzial. Umso überraschter war ich, im Vertragsentwurf zu lesen, dass aktuell keine Fortbildungen angeboten werden.
Das ist ein valider Problempunkt, da der die aber wichtig ist, hättest Du diesen Punkt einzeln, und am besten in einem Telefonat/ Videocall besprochen.
Du hast aber mit Deiner Forderungsliste einen Rundumschag gemacht, der obendrein auch noch sehr besserwisserisch klingt und Dich auf etlichen Nebenkriegsschauplätzen aufgehalten, wie z.B. Reisekostenregelungen.

Grundsätzlich ist es gerade ein kleineren, Inhabergeführten Unternehmen so, dass es eine "gelebte" Unternehmenskultur gibt, die sich drastisch von den schriftlich festgelegten Regeln, wie z.B. Arbeitsverträgen, unterscheiden kann. Es ist z.B. in solchen Unternehmen oft so, dass es keine offiziell definierten Fortbildungsprogramme gibt, da das Unternehmen keine Verpflichtungen eingehen will, wenn z.B. mal wirtschaftlich enge Zeiten herrschen. In Realität kann das aber ganz anders aussehen.

Dinge wie Arbeitszeit und Homeoffice werden meistens im Detail im Team geregelt, also in persönlicher Absprache.

Die richtige Vorgehensweise in Deinem Fall wäre gewesen, einfach mal anzufangen (Probezeit gilt ja für beide Seiten) und dann zu sehen, wie die Realität aussieht.

Greeccee2037 schrieb:
Bis dahin hatte ich ausschließlich mit der Frau des Chefs kommuniziert und alles schien in Ordnung. Nebenbei bemerkt: Die Frau des Chefs ist inoffiziell die eigentliche Chefin im Unternehmen und für HR zuständig. Umso seltsamer war es, dass die Antwort plötzlich von ihrem Mann kam. Warum hat mir das nicht gleich sie selbst geschrieben?
Die Dynamik der Führung in solchen Unternehmen ist komplex. Vermutlich führen die beiden das Unternehmen zusammen, habe aber ihre Aufgaben aufgeteilt. Gff. ist der Chef eher für die fachliche Führung zuständig, seine Frau für Finanzen und HR.
Du hast sie mit Deiner Forderungsliste vermutlich überrascht und enttäuscht, sie hat das als Vertrauensbruch wargenommen. Bis zu diesem Zeitpunkt fand sie Dich wahrscheinlich wirklich gut und wollte Dich einstellen. Es ist zwar nicht besonders professionell von ihr, aber sie wollte ab diesem Zeitpunkt nicht mehr mit Dir kommunizieren.

Greeccee2037 schrieb:
Von Unflexibilität kann also keine Rede sein.
Darum geht es nicht. Du hast glaube diese Regel gebrochen:
Greeccee2037 schrieb:
Es wurde auch klar kommuniziert, dass man über alles reden kann und soll.
"Reden" ist was anderes als Schreiben.

Ich kann natürlich nicht sagen, ob es gut oder schlecht für Dich war, dass das Unternehmen die Reißleine gezogen hat.

Da Du ja doch etwas enttäuscht erscheinst, war Dein "Bauchgefühl" nach dem Probearbeitstagen positiv, der dann vorgelegte Arbeitsvertrag hat dann aber zusammen mit Deinem negativen Erfahrungen dieses Bild gestört und Du hast es mit den Mitteln aus Deiner Erfahrungswelt versucht zu "reparieren".

Das ist gründlich daneben gegangen. Da, wie gesagt, man immer während der Probezeit gehen kann, hast Du meines Erachtens eine Chance vertan (Du wirst auch nie erfahren ob das Unternehmen eher dem Dir im Gespräch gegebenen Bild entspricht oder Du einer schrecklichen Ausbeutungsstelle entgangen bist, wie manche hier vermuten).

Aber vielleicht brauchst Du auch die Sicherheit eines Unternehmens mit Tarifvertrag, Gleitzeitkonto, usw. Aber auch dort wirst Du keinen individuellen Vertrag aushandeln können. Und wenn wegen einer Sparmassnahme alle Schulungen gestrichen werden, wirst Du auch dort ohne Fortbildung dasitzen.

Dabei noch ein abschliessender Tipp: Die eigene Position im Unternehmen (die auch bestimmt, wieviele "Freiheiten" man sich rausnehmen kann) entwickelt man primär mit Hilfe seiner Sozialkompetenz. Was im Arbeitsvertrag steht ist mehr oder wenige komplett irrelevant. Da sollte die Basics wie vereinbarte Arbeitszeit, eine (grobe) Tätigkeitsbeschreibung, Anzahl der Urlaubstage und die grundlegende Regeln zum Gehalt (also wie viele Monatsgehälter, wann gezahlt, und natürlich das Startgehalt) drinstehen. Je kürzer desto besser.
 
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Greeccee2037 schrieb:
siehe meine Ausführungen zum Arbeitsgerichtsverfahren wegen der unrechtmäßigen Anrechnung meiner nicht ausgezahlten Urlaubstage.
Hö?!

Greeccee2037 schrieb:
Da ich sowieso nicht mehr in der Kanzlei arbeite und keinem von denen mehr auf der Straße begegnen möchte, habe ich nach reiflicher Überlegung nichts unternommen. Wie gesagt, ich will keinen von denen mehr sehen und investiere meine Zeit lieber in die Suche nach einem besseren Job und einem Arbeitgeber, der mich als Person und meine Leistungen mehr schätzt.
Hat sich da doch noch was geändert?

Ansonsten, wenn man deine anderen Threads zum Thema anschaut, wundert mich das am Ende nicht.
 
Greeccee2037 schrieb:
Es gab keine Gewerkschaft, weil das Unternehmen hierfür zu klein war...

Gewerkschaft nicht mit Betriebsrat verwechseln. Jeder kann Mitglied einer Gewerkschaft seiner Branche werden egal wieviele AN der Betrieb hat, wenngleich das auch nicht automatisch heißt, das dort dann der Tarif angewendet wird.

Weiterhin ist (in der Theorie) schon ab 5 ständigen AN von denen mind. 3 wählbar sind ein Betriebsrat zu gründen.

Wobei weder BR noch Gewerkschaft bei der Ausgestaltung des Arbeitsvertrages groß mitreden können, wenn es da nicht gerade um einen TV oder eine BV geht.

Generell wäre mir ein Unternehmen was Probearbeiten anbietet schon suspekt. Bei uns ist das generell verboten weil das als Schwarzarbeit angesehen wird.
Klar sagt keiner was, wenn man mal 2h vorbeischaut, aber manche Unternehmen wollen ja gleich 2-3 Tage.
 
Löschknecht schrieb:
Generell wäre mir ein Unternehmen was Probearbeiten anbietet schon suspekt. Bei uns ist das generell verboten weil das als Schwarzarbeit angesehen wird.
Geht mir zwar genauso, aber in manchen Branchen und Bereichen scheint das mittlerweile sehr üblich zu sein, und wird vom Jobcenter auch gefördert. Meine Frau hat letztes Jahr eine neue Stelle im Bürobereich gesucht (und gefunden…), und fast alle Arbeitgeber, wo sie in die engere Auswahl gekommen ist, wollten das. Bei ihr allerdings 0,5-1 Tag.

Bei meinem Arbeitgeber ist es grundsätzlich auch möglich, und manche Abteilungen machen das auch. Ich halte in meinem Bereich (Softwareentwicklung) davon nichts, in so kurzer Zeit kann man sich kein Bild von einem Bewerber machen, deswegen haben wir es auch nicht angewendet.
 
TomH22 schrieb:
Geht mir zwar genauso, aber in manchen Branchen und Bereichen scheint das mittlerweile sehr üblich zu sein, und wird vom Jobcenter auch gefördert. Meine Frau hat letztes Jahr eine neue Stelle im Bürobereich gesucht (und gefunden…), und fast alle Arbeitgeber, wo sie in die engere Auswahl gekommen ist, wollten das. Bei ihr allerdings 0,5-1 Tag.

Bei meinem derzeitigen Job durfte ich ebenfalls zwei Probearbeitstage – unentgeltlich – absolvieren, bevor man mich schließlich eingestellt hat. Den rechtlichen Aspekt lasse ich hier bewusst außen vor.

Auch bei der Bewerbung, um die es hier geht, durfte ich zwei Probearbeitstage leisten. Diese wurden zwar bezahlt, allerdings bestand der Anspruch darauf, dass ich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen arbeite, da dies angeblich üblich sei. Obwohl bekannt war, dass ich weiterhin meinem eigentlichen Job nachgehe, wurde diese Forderung dennoch an mich gestellt, was ich bereits damals als etwas suspekt empfand. Ich erklärte daher, dass ich den zweiten Probearbeitstag gerne um einen Tag verschieben würde, da an dem betreffenden Tag ein wichtiger Termin anstand.

Jedenfalls möchte ich damit nur sagen, dass Probearbeiten in dieser Berufsbranche üblich ist. Leider nutzen manche Arbeitgeber dies auch aus, indem sie Bewerber faktisch regulär arbeiten lassen und dies lediglich als Probearbeiten deklarieren – teilweise sogar ohne angemessene oder überhaupt eine Bezahlung. Dennoch kann man grundsätzlich einen guten Eindruck vom Bewerber gewinnen, wenn man ihn in verschiedenen Bereichen des Steuerrechts mit echten Fällen konfrontiert und anschließend die Ergebnisse bewertet.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich kann diese Forderung verstehen. Die Leute bewerben sich mit umfassenden Kenntnissen in der Buchhaltung und Office und später stellt sich heraus die waren nur Datentypistin und können die Anforderungen im Berufsalltag selbst mit Nachschulung einfach intellektuell nicht bewältigen. Und dann werd so jemanden erst mal wieder los!
 
Mal meine bescheidene Meinung dazu.

Als Firma hast du keinerlei Interesse daran verschiedene Sonderegelungen mit MItarbeitern zu pflegen. Diese ergeben sich mit wachsender Betriebszugehörigkeit sowieso, sodass von Tag 1 an alle die selben Startvoraussetzungen bekommen.

Ganz generell versucht man im HR Arbeitsverträge mit pauschalen Aufgabenbeschreibungen zu verfassen. Das hat verschiedene Gründe, zahlen aber im Prinzip auf den Gestaltungsspielraum des Arbeitgebers ein.

Der AG sieht es so: MA möchte starten, dann soll er sich erstmal beweisen bevor er mit Forderungen um die Ecke kommt.

Ich würde deine Änderungsvorschläge ebenfalls ablehnen. Wieso sie gleich von einer Zusammenarbeit mit dir abgesehen haben, ist die Frage. Möglicherweise hattest du einfach Konkurrenz bzw. warst nicht alternativlos.
 
Hallo

Greeccee2037 schrieb:
Ich bin ehrlich gesagt von dieser Nachricht überrascht sowie enttäuscht und verletzt.
Ich bin nicht überrascht, wie kommst du auf die Idee das du eine Extrawurst bekommst ? Du bekommst den gleichen Arbeitsvertrag wie alle anderen.
Warum solltest du als neue/r einen anderen/besseren Arbeitsvertrag bekommen ? Was meinst du was passiert wenn die Kollegen/innen das erfahren ?

Greeccee2037 schrieb:
Ich habe eine kranke Mutter, die ich pflege.
Sorry, aber das interessiert Arbeitgeber wenig bis gar nicht, im Gegenteil, es schreckt Arbeitgeber ab weil Arbeitgeber deswegen Ausfälle befürchten.
Du bist für Arbeitgeber nur ein/e Angestellte/r und kein Freund, Arbeitgeber wollen nur deine Arbeitskraft, deine privaten Probleme sind denen egal.

Greeccee2037 schrieb:
Es ist einfach nur traurig, in welcher Art und Weise hier mit einem umgegangen wird, obwohl ich zu jederzeit offen für Kommunikation und Vorschläge bin.
Willkommen in der Realität des Berufslebens, das Berufsleben ist nun mal kein Glücksbärchiland.

Greeccee2037 schrieb:
Das Bewerbungsgespräch war sehr offen und herzlich. Man hatte das Gefühl, dass viel Rücksicht genommen wird. Es wurde auch klar kommuniziert, dass man über alles reden kann und soll. So sei es im Unternehmen üblich.
So laufen Bewerbungsgespräche ab, wir sind die beste Firma und bei uns läuft es TipTop, die Wahrheit sieht man erst wenn man in der Firma angefangen hat.
Im Bewerbungsgespräch sagt dir keiner die Wahrheit, da ist immer alles neutral bis freundlich, die wollen dir keinen Grund geben das du die verklagen kannst.

Grüße Tomi
 
Zuletzt bearbeitet:
Liegt doch auf der Hand - die wollen deine Änderungen nicht akzeptieren oder hatten kein Bock auf jemanden der vor beginn Änderungen will. Viele Dinge davon bespricht man doch schon im Bewerbungsgespräch?

Bei mir würde es gar nicht zum Probetag kommen wenn HO Regeln und Arbeitszeit nicht passen.
 
Naja es passt halt nicht von AG seite her, keiner lässt sich gerne festsetzen. Da hast du halt bei der Firma zu hoch gepokert. Auf zur nächsten ;)
 
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