Aufbauseminar freiwillig machen und später zu Nutze machen

Ist nichr nur OT, sondern wir hatten die Diskussion vor kurzem ja schonmal - mit zweifelhaftem Erfolg. Die Meinungen gehen einfach zu stark auseinander.

Aber eins vllt noch. M.W.n. ist es an Stellen, bei dem auf Grund der Verkehrsführung nicht schneller als X km/h gefahren werden kann, nicht notwendig die Geschwindigkeit entsprechend noch optisch per Schild zu begrenzen. Erst, wenn eine besondere Gefahrensituation, z.B. Unfallschwerpunkt dies erforderlich machen würde, werden an solchen Stellen dann Schilder aufgestellt. (Das nur als Erklärung warum an machen "gefährlichen" Stellen (Kurven) keine Schilder stehen.)
 
Also manchmal muss ich mich schon wundern, was ich hier lese.

Da gibt es Leute, die nicht verstehen wollen, dass Verkehrsschilder aus den verschiedensten Gründen übersehen werden können. Das ist menschlich und völlig nachvollziehbar. Trotzdem schreiben hier einige, der TO solle es mit dem Führerschein bewenden lassen.


Desweiteren nehmen einige jegliche Geschwindigkeitsbeschränkungen völlig unkritisch hin mit dem Argument, da stecke schon eine sinnvolle Absicht dahinter.

Dies soll bei Gott keine Rechtfertigung für das Übertreten von Geschwindigkeitsbeschränkungen aufgrund persönlicher Einschätzungen sein, doch ist es im Leben auch immer sinnvoll, Umstände auch immer kritisch zu hinterleuchten.
Ist es jemandem schon mal in den Sinn gekommen, dass es Kommunen finanziell sehr zu Gute kommen kann, Geschwindigkeitsbegrenzungen dort aufzuerlegen, wo es unangemessen erscheint? Wo also mit geringer Akzeptanz der Fahrer zu rechnen ist, und eben dort das Tempo zu messen?

Machen sie nicht? Ja, gewiss, und den Weihnachtsmann gibt es ebenfalls.
Immer bedenken: Not macht erfinderisch. Und viele Kommunen sind in schwerer Not. Und Korruption gibt es dort, wo es Menschen gibt.


Auch anderweitige Anliegen sind mitunter als fadenscheinig zu enttarnen:
So etwa häufig Lärmschutz-Argumente.
Ist schon einmal wem schon der Gedanke gekommen, dass Immobilien zunächst aufgrund einer Lärmsituation sehr preisgünstig erworben werden, und erst danach die Forderung nach Geschwindigkeitsbeschränkungen erhoben wird? Den im Kaufpreis oder Mietpreis einkalkulierten Bonus also abzusahnen, und dann tätig zu werden, um die eingekauften Einschränkungen auf Kosten anderer beseitigen zu lassen?


Wie gesagt, all dies soll niemals die eigenmächtige Übertretung der Vorschriften rechtfertigen. Mein Post soll eher dazu dienen, dass sich Bürger engagieren, um sich unrechtmäßig erhobenen Vorschriften politisch entgegenzustellen.


Zum eigentlichen Thema:
Natürlich ist es nicht möglich, sich quasi Bonuspunkte durch Teilnahme an entsprechenden Seminaren zu sichern. Das würde dem Gesetzeszweck absolut zuwiderlaufen.

Im Falle einer drohenden Führerscheinentziehung ist es aber - das weiß ich aus der Praxis (nein, nicht aus eigener Erfahrung aufgrund von Verstößen) - mehr als sinnvoll, den Dialog zu den Behörden zu suchen, freiwillige Maßnahmen anzubieten und ggf einen Anwalt zu konsultieren, der viel häufiger als erwartet erhebliche Verbesserungen für seinen Mandanten erreichen kann.

Ich selbst wurde übrigens, bevor mir hier anderweitiges unterstellt wird, in 15 Jahren genau dreimal geblitzt und besitze nicht einen Punkt in der Flensburger Verkehrssünderkartei.


MfG,
Dominion.
 
dominion1 schrieb:
Desweiteren nehmen einige jegliche Geschwindigkeitsbeschränkungen völlig unkritisch hin mit dem Argument, da stecke schon eine sinnvolle Absicht dahinter.

In meinen Augen geht es im Straßenverkehr nicht um ein kritisches Bewußtsein, sondern um ein gefahrloses, möglichst risikoarmes aber trotzdem "freies" Miteinander. Das Kritik an planerischer Gestaltung, der Aufstellung von Beschilderung oder der Auswahl von Örtlichkeiten für die Verkehrsüberwachung im Einzelfall angebracht sein kann, sollte niemand in Abrede stellen.
Etwaige Kritik und damit im Zusammenhang, ein fehlendes Unrechtbewußtsein oder vielmehr ein generiertes Gefühl des "Rechthabens", haben im Straßenverkehr allerdings nichts zu suchen. Sprich Aussagen wie, "ich setze mich prinzipiell über Geschwindigkeitsbegrenzungen hinweg" oder ähnliches zeugen nur von einem eklatanten Mangel an Toleranz und Selbstkontrolle - nicht von kritischem Bewußtsein.

Hinzu kommt - und da gebe ich dir bezüglich der gemeinen Existenz situativer Unachtsamkeit recht - dass auch bei Vorliegen einer solchen, der Fahrzeugführer für eine mögliche Ahndung eines Verstoßes selbst (!) verantwortlich ist; nicht der Polizist, Mitarbeiter des Ordnungsamtes oder der Staat als zu Unrecht regulierender Kollektivapperat. M.E. findet hier eine gedankliche Verkehrung der Kausalkette statt, welche imaginativ hoch wirksam ist. Das Bild des geschunden Bürgers wird bedient und der gemeine Staat als feindlicher Gegenspieler konstruiert. Aber was bringt mir diese Konfliktsituation im Straßenverkehr?
Sie führt zu Aggression, die dort gar nichts zu suchen hat.

Deswegen auch mein Appell - der nicht mit sillschweigender Akzeptanz zu verwechseln ist - die Verkehrsregeln zu beachten. Es führt zu einem weitgehend entspannten, risikoarmen und dazu noch kosteneffizienten Fahren. Das hierbei natürlich der utopische Straßenverkehr nachgezeichnet wird ist klar. Und angesichts der Tatsache, dass mit zunehmender Individualisierung der Gesellschaft auch ein gewisser Egozentrismus als Leitbild auflebt, ist es bezeichnend für unsere Gesellschaft, dass das individuelle Anliegen ("Ich muss meine Kinder schnell abholen." / "Ich habe einen dringenden Termin." / "Mir gehts heute nicht so gut.") als Ausrede - neben der bereits beschriebenen "Verantwortungsübertragung" (s.o.) auf andere - für ein etwaiges Fehlverhalten herhalten muss.

Nur weil Einzelfallentscheidungen ungerecht(fertigt) sein können, dahinter unlautere Absichten stecken können oder möglicherweise eine strafrechtlich relevante Beeinflussung vorliegt, rechtfertigt dies m.E. nicht ein Missachten gesellschaftlicher Konventionen (nichts anderes als ein Ausfluss aus diesen Konventionen sind ja Gesetze und Verordnungen, d.h. auch die StVO), welche das Miteinander regulieren sollen. Aber gerade die hier vielfach zu Tage tretenden Pauschalaussagen, in denen das o.g. Feindbild als Pauschalargument aus dem Hut gezaubert wird, um zu suggerieren, dass man sich verteidigen müsse, kann doch in der Realität kein Konzept sein.

Die Animositäten die so geschürrt werden, sind m.E. weitaus problematischer, als die differenzierte und disziplinierte Diskussion über ein Thema. Doch besonders bei allem was die staatliche Regulierung und die Durchsetzung von staatlichen Regularien betrifft, scheint das Gehirn vieler auszusetzen, was in Verbindung mit einem Tollwut ähnlichen Gemütszustand dazu führt, das pauschaler Hass entsteht, welcher sich dann hinter dem Lenkrad entlädt. Dazu noch eine Prise persönliche Probleme und voilà: das tägliche Geschehen auf deutschen Straßen ist verwirklicht!
 
Zuletzt bearbeitet:
@ diRAM:

An erster Stelle hier meine Anerkennung und meinen Respekt bezüglich Deiner Erwiderung auf einem Niveau, welches nicht alltäglich in den hiesigen Posts zu finden ist. Es war eine wahre Freude, ihn zu lesen.

Hinsichtlich Deiner Einlassung stimme ich Dir voll und ganz zu und verweise darauf, dass es Intention meines Posts war, für einen politisch ambitionierten Widerstand gegen offenkundig falsch gesetzte Vorschriften zu werben - und eben gerade nicht durch eigenmächtige Übertretung eben dieser.

Nichtsdestotrotz war es mein Anliegen, auch denjenigen, die jede Verkehrsregel als goldenes Maß akzeptieren, aufzuzeigen, dass ein kritischer Umgang aller Gegebenheiten als Grundlage unserer Demokratie anzusehen ist - ebenso die Erforderlichkeit, sich mit tolerierbaren Mitteln gegen alles aufzulehnen, was dem eigenen Gerechtigkeitsempfinden zuwiderläuft. Auf politischer Ebene versteht sich, nicht durch eigenmächtiges Brechen dieser Regeln. Nur so kommt Erreichbares auch in Reichweite.

Dies habe ich mit meinem Beitrag ausdrücken wollen. Wir brauchen mehr Engagement seitens der Bürger, und nicht mehr Resignation vor dem Bestehenden. Unumkehrbar ist nichts, veränderlich ist alles.

Ich danke Dir für Deinen Beitrag.

MfG,
Dominion.
 
wannabe schrieb:
PS: Seit dem Vorfall fahre ich sogar langsamer als erlaubt in mir unbekannten Gegenden
Na dann hat das Blitzen einen Sinn gehabt. Kannst Du beim Aufbauseminar gleich mal erzählen; hoffentlich hältst Du Dich auch in der Zukunft dran ;)

Partizan schrieb:
Letztens wurde ich auch von nem mobilen geblitzt, in der Stadt, bin ca 60 gefahren, nachts auf ner 4spurigen Straße (je zwei Spuren in einer Richtung) ... völlig unverständlich.

Lieber in 30er-Zonen blitzen, denn dort heizen die meisten rum, egal zu welcher Tages- und Nachtzeit. Aber naja.
Welche Geschwindigkeit wäre für dich passend? Mit 70, 80 nachts durch die Stadt :rolleyes:
Gerade nachts sieht man andere erst so spät wenn Fußgänger dunkel gekleidet sind o.ä.

Bremswege: 50km/h = 25m // 60km/h= 36m // 70km/h = 49m
Allein das sollte Dir die Augen öffnen, dazu war Deine Aktion wie beschrieben noch nachts.

Wer hat: Tempomat auf 50 und fertig.


Zu den Blitzern in 30er Zonen (und vor Schulen) gebe ich Dir uneingeschränkt recht.
(Bremsweg bei 30km/h übrigens nur 9m)
 
Ich meinte mit Stadt die meist 4spurigen Hauptstraßen, da laufen normal keine Leute drauf rum ;)
Heute hab ich nen 15€-Zettel bekommen, 7 km/h zuviel, ein mobiler hat mich erwischt. :D
 
Mir ist es beim Lesen des Eingangs-Posts eiskalt den Rücken runtergelaufen:
Die Vorstellung, durch einen vorher erlangten Bonus einen kommenden Malus abzuwenden, kenne ich nur aus Gruppenspielen an der Tischtennisplatte, wo man durch vorherige Siege in dem Spiel ("Kronen") ein vorzeitiges Ausscheiden verhindern kann. (Vielleicht kennt das die Smartphone -Jugend ja noch...

Die Verantwortlichen der entsprechenden Gesetze hatten sicher etwas anderes im Sinne, und zwar die nachträgliche Überprüfung, ob das Individuum vielleicht doch nicht die Eignung im Sinne einer Reife zum Führen eines Kraftfahrzeuges hat.

btw. Mit dem Hintergrund würde das die Lage des TE ja noch verschlimmern, denn er hätte ja trotz des Absolvierens eines entsprechenden Seminars einen Verstoß begangen und somit vielleicht nicht strafrechtlich, aber im logischen Sinne ja eigentlich mit Vorsatz gehandelt...

Just my Opinion, steinigt mich dafür
 
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