dominion1 schrieb:
Desweiteren nehmen einige jegliche Geschwindigkeitsbeschränkungen völlig unkritisch hin mit dem Argument, da stecke schon eine sinnvolle Absicht dahinter.
In meinen Augen geht es im Straßenverkehr nicht um ein kritisches Bewußtsein, sondern um ein gefahrloses, möglichst risikoarmes aber trotzdem "freies" Miteinander. Das Kritik an planerischer Gestaltung, der Aufstellung von Beschilderung oder der Auswahl von Örtlichkeiten für die Verkehrsüberwachung im Einzelfall angebracht sein kann, sollte niemand in Abrede stellen.
Etwaige Kritik und damit im Zusammenhang, ein fehlendes Unrechtbewußtsein oder vielmehr ein generiertes Gefühl des "Rechthabens", haben im Straßenverkehr allerdings nichts zu suchen. Sprich Aussagen wie, "ich setze mich prinzipiell über Geschwindigkeitsbegrenzungen hinweg" oder ähnliches zeugen nur von einem eklatanten Mangel an Toleranz und Selbstkontrolle - nicht von kritischem Bewußtsein.
Hinzu kommt - und da gebe ich dir bezüglich der gemeinen Existenz situativer Unachtsamkeit recht - dass auch bei Vorliegen einer solchen, der Fahrzeugführer für eine mögliche Ahndung eines Verstoßes selbst (!) verantwortlich ist; nicht der Polizist, Mitarbeiter des Ordnungsamtes oder der Staat als zu Unrecht regulierender Kollektivapperat. M.E. findet hier eine gedankliche Verkehrung der Kausalkette statt, welche imaginativ hoch wirksam ist. Das Bild des geschunden Bürgers wird bedient und der
gemeine Staat als feindlicher Gegenspieler konstruiert. Aber was bringt mir diese Konfliktsituation im Straßenverkehr?
Sie führt zu Aggression, die dort gar nichts zu suchen hat.
Deswegen auch mein Appell - der nicht mit sillschweigender Akzeptanz zu verwechseln ist - die Verkehrsregeln zu beachten. Es führt zu einem weitgehend entspannten, risikoarmen und dazu noch kosteneffizienten Fahren. Das hierbei natürlich der utopische Straßenverkehr nachgezeichnet wird ist klar. Und angesichts der Tatsache, dass mit zunehmender Individualisierung der Gesellschaft auch ein gewisser Egozentrismus als Leitbild auflebt, ist es bezeichnend für unsere Gesellschaft, dass das individuelle Anliegen ("Ich muss meine Kinder schnell abholen." / "Ich habe einen dringenden Termin." / "Mir gehts heute nicht so gut.") als Ausrede - neben der bereits beschriebenen "Verantwortungsübertragung" (s.o.) auf andere - für ein etwaiges Fehlverhalten herhalten muss.
Nur weil Einzelfallentscheidungen ungerecht(fertigt) sein können, dahinter unlautere Absichten stecken können oder möglicherweise eine strafrechtlich relevante Beeinflussung vorliegt, rechtfertigt dies m.E. nicht ein Missachten gesellschaftlicher Konventionen (nichts anderes als ein Ausfluss aus diesen Konventionen sind ja Gesetze und Verordnungen, d.h. auch die StVO), welche das Miteinander regulieren sollen. Aber gerade die hier vielfach zu Tage tretenden Pauschalaussagen, in denen das o.g. Feindbild als Pauschalargument aus dem Hut gezaubert wird, um zu suggerieren, dass man sich verteidigen
müsse, kann doch in der Realität kein Konzept sein.
Die Animositäten die so geschürrt werden, sind m.E. weitaus problematischer, als die differenzierte und disziplinierte Diskussion über ein Thema. Doch besonders bei allem was die staatliche Regulierung und die Durchsetzung von staatlichen Regularien betrifft, scheint das Gehirn vieler auszusetzen, was in Verbindung mit einem Tollwut ähnlichen Gemütszustand dazu führt, das pauschaler Hass entsteht, welcher sich dann hinter dem Lenkrad entlädt. Dazu noch eine Prise persönliche Probleme und voilà: das tägliche Geschehen auf deutschen Straßen ist verwirklicht!