M
Marvolo
Gast
Die vor kurzem veröffentlichten Handyaufnahmen einiger weniger feiernder Gäste auf Sylt sind von ihrem Inhalt her unbestreitbar unentschuldbar. Mittlerweile finden sich allerdings vermehrt Stimmen, die behaupten, das mediale Echo daraufhin sei überzogen, sicherlich auch durch die bevorstehenden Europawahlen bedingt, wo man mehr als sonst üblich direkt klare Kante zeigen will/muss/soll.
Fokus-Kolumnist Jan Fleischhauer unter anderem:
„Wer und wo sind diese Leute?“ tönte es einhellig letzte Woche im Netz. Und das Internet lieferte. Für die Verfolgung quasi freigegeben... Nicht lange, bis Namenslisten der sog. „Prosecco-Nazis“ veröffentlicht und freudig u.a. von Armin Laschet verkündet wurde, dass einer nach dem anderen seinen Job verlor. Ganz ungeniert und unverpixelt veröffentlichte man Gesichter und Adressen der Beteiligten.
Digitale Selbst- bzw. Lynchjustiz? Selbstverständlich. Es dient ja schließlich einem guten Zwecke, nämlich dem kollektiven Schulterschluss gegen Rechts, gegen Xenophobie und nicht zuletzt auch gegen den Antisemitismus. Da bleibt keine Zeit, lange zu fackeln, etwa erstmal in den Dialog zu treten, da muss schnell gehandelt werden und alles im Keim erstickt werden...
Während auf Sylt nun also dem Vollsuff entspringende, xenophobe Parolen wie etwa "Deutschland, den Deutschen, Ausländer raus" gegrölt wurden, die allerdings die wahre Gesinnung aller Beteiligten sehr wahrscheinlich nicht widerspiegeln dürften, und sich der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, sogleich und pflichtbewusst schockiert über die rassistischen Gesänge junger Partygäste auf Sylt zeigt, tönen unterdessen andernorts, nämlich an den Bildungsstätten dieses Landes, im Vergleich dazu allerdings ziemlich ernstgemeinte und die wahre Gesinnung der Grölenden widerspiegelnde, ganz ähnliche, wenn nicht sogar schon identische Parolen: "Palästina, den Arabern, Juden raus". Da ist ungeniert und ungehemmt vom Wunsch nach einem
"Ein Beispiel von hunderten. Der Aufschrei in der Gesellschaft? Ein leiser. Mehr Schein als Sein."
(Jüdische Allgemeine Zeitung, 23.05.24)
Während man also auf der einen Seite schnell dabei ist, kollektiv und geschlossen eine mediale bzw. digitale Hetzjagt zu eröffnen aufgrund xenophober Äußerungen, deren Ernsthaftigkeit bzw. Gesinnung man doch zumindest einmal stark anzweifeln darf, während schnell, millionenfach und bundesweit (zweifellos wichtige und richtige) Demonstrationen samt Lichterketten gegen Rechts ins Leben gerufen werden, treffen zeitgleich dieselben radikalen Parolen auf vergleichsweise taube Ohren... Offenbar reicht es schon aus, dass dieselben ekelhaften Äußerungen nicht aus einer bestimmten Gruppe glatzköpfiger, und Springer-bestiefelter Spinnern stammen, um direkt einmal innezuhalten und erstmal gründlich und differenziert zu evaluieren. Man will ja auch niemanden vorschnell verurteilen...
Keine bundesweite, in alle politischen Ebenen dringende Empörung, keine digitale Lynchjustiz, stattdessen versucht die Unipräsidentin der Humboldt-Universität Berlin alles in ihrer Macht stehende, um eine Räumung der Gröler zu verhindern - schließlich sei Meinungsfreiheit in Deutschland ja ein sehr hohes Gut und man solle doch lieber in den Dialog mit den "Juden-Raus"-Grölern treten... Während sich in Hamburg über 1000 sich offen zur Auslöschung Deutschlands bekennende Islamisten zur Errichtung eines Kalifats und gegen die angeblich vorherrschende "Wertediktatur" versammelten, kamen zur Gegendemonstration wenige Tage später weniger als bei der Islamisten-Demonstration selbst.
"Beim Islamismus oder Linksextremismus versucht man zu kontextualisieren, zu verharmlosen, zu legitimieren. An deutschen Universitäten sogar zu diskutieren.
Es ist ein Doppelstandard. Ein Doppelstandard, der einer Form des Extremismus entgegentritt und gleichzeitig andere Formen des Extremismus gewähren lässt. Ein Doppelstandard, der Feinde der Demokratie gewähren lässt. Ein Doppelstandard, der die existenzielle Gefahr für den Westen durch die zunehmende antiwestliche Radikalisierung von Studenten durch Linksextreme und Islamisten nicht sieht.
Eine wehrhafte Demokratie kapituliert nicht vor Extremisten. Eine wehrhafte Demokratie bekämpft sie. »Wer heute totalitäre Methoden unterstützt, fällt ihnen morgen zum Opfer«, sagte schon George Orwell. Das Schlimme: Gewähren lassen reicht schon. "
(Jüdische Allgemeine Zeitung, 23.05.24)
Ob bzw. wann die nach einem "Krebsheiler, der das Land vom Zionismus befreit" schreienden Individuen auch ihre Jobs verloren haben bzw. werden, bleibt wohl abzuwarten. Vielleicht muss es aber auch gar nicht erst soweit kommen. Vielleicht klärt sich das alles ja auch in einem Dialog auf...
Fokus-Kolumnist Jan Fleischhauer unter anderem:
Schlimme Bilder, ja - allerdings, dass sich nun der Bundeskanzler, und der Bundespräsident und die Bundesinnenministerin und der Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein und und und und dazu äußern, am Ende sogar Carsten Maschmeyer seiner Empörung Ausdruck verleiht, das ist dann vielleicht doch ein bisschen viel.
„Wer und wo sind diese Leute?“ tönte es einhellig letzte Woche im Netz. Und das Internet lieferte. Für die Verfolgung quasi freigegeben... Nicht lange, bis Namenslisten der sog. „Prosecco-Nazis“ veröffentlicht und freudig u.a. von Armin Laschet verkündet wurde, dass einer nach dem anderen seinen Job verlor. Ganz ungeniert und unverpixelt veröffentlichte man Gesichter und Adressen der Beteiligten.
Digitale Selbst- bzw. Lynchjustiz? Selbstverständlich. Es dient ja schließlich einem guten Zwecke, nämlich dem kollektiven Schulterschluss gegen Rechts, gegen Xenophobie und nicht zuletzt auch gegen den Antisemitismus. Da bleibt keine Zeit, lange zu fackeln, etwa erstmal in den Dialog zu treten, da muss schnell gehandelt werden und alles im Keim erstickt werden...
Als erster Impuls mag der Wunsch nach solchen raschen Konsequenzen nachvollziehbar sein. Im Endeffekt ist er aber fatal. In einem Rechtsstaat sind die Strafverfolgungsbehörden und gegebenenfalls die Gerichte dazu da, solche unsäglichen Entgleisungen zu prüfen und über mögliche Sanktionen zu entscheiden. Und nicht der öffentliche Pranger.
Das Strafrecht ist nämlich nicht dazu da, heute auf dieser und morgen auf der nächsten Welle zu reiten. Es gibt klare Regeln, nach denen unvoreingenommen geurteilt wird. Und eine Chance auf Resozialisierung. Daran sollte man auch festhalten, wenn es Leute trifft, die einem unsympathischer nicht sein könnten. Der nächste Sturm kommt nämlich bestimmt – und man weiß nie, nach welchen Kriterien er dann losschlägt.
(FAZ, 27.05.24)
Während auf Sylt nun also dem Vollsuff entspringende, xenophobe Parolen wie etwa "Deutschland, den Deutschen, Ausländer raus" gegrölt wurden, die allerdings die wahre Gesinnung aller Beteiligten sehr wahrscheinlich nicht widerspiegeln dürften, und sich der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, sogleich und pflichtbewusst schockiert über die rassistischen Gesänge junger Partygäste auf Sylt zeigt, tönen unterdessen andernorts, nämlich an den Bildungsstätten dieses Landes, im Vergleich dazu allerdings ziemlich ernstgemeinte und die wahre Gesinnung der Grölenden widerspiegelnde, ganz ähnliche, wenn nicht sogar schon identische Parolen: "Palästina, den Arabern, Juden raus". Da ist ungeniert und ungehemmt vom Wunsch nach einem
"Ein Beispiel von hunderten. Der Aufschrei in der Gesellschaft? Ein leiser. Mehr Schein als Sein."
(Jüdische Allgemeine Zeitung, 23.05.24)
Während man also auf der einen Seite schnell dabei ist, kollektiv und geschlossen eine mediale bzw. digitale Hetzjagt zu eröffnen aufgrund xenophober Äußerungen, deren Ernsthaftigkeit bzw. Gesinnung man doch zumindest einmal stark anzweifeln darf, während schnell, millionenfach und bundesweit (zweifellos wichtige und richtige) Demonstrationen samt Lichterketten gegen Rechts ins Leben gerufen werden, treffen zeitgleich dieselben radikalen Parolen auf vergleichsweise taube Ohren... Offenbar reicht es schon aus, dass dieselben ekelhaften Äußerungen nicht aus einer bestimmten Gruppe glatzköpfiger, und Springer-bestiefelter Spinnern stammen, um direkt einmal innezuhalten und erstmal gründlich und differenziert zu evaluieren. Man will ja auch niemanden vorschnell verurteilen...
Keine bundesweite, in alle politischen Ebenen dringende Empörung, keine digitale Lynchjustiz, stattdessen versucht die Unipräsidentin der Humboldt-Universität Berlin alles in ihrer Macht stehende, um eine Räumung der Gröler zu verhindern - schließlich sei Meinungsfreiheit in Deutschland ja ein sehr hohes Gut und man solle doch lieber in den Dialog mit den "Juden-Raus"-Grölern treten... Während sich in Hamburg über 1000 sich offen zur Auslöschung Deutschlands bekennende Islamisten zur Errichtung eines Kalifats und gegen die angeblich vorherrschende "Wertediktatur" versammelten, kamen zur Gegendemonstration wenige Tage später weniger als bei der Islamisten-Demonstration selbst.
"Beim Islamismus oder Linksextremismus versucht man zu kontextualisieren, zu verharmlosen, zu legitimieren. An deutschen Universitäten sogar zu diskutieren.
Es ist ein Doppelstandard. Ein Doppelstandard, der einer Form des Extremismus entgegentritt und gleichzeitig andere Formen des Extremismus gewähren lässt. Ein Doppelstandard, der Feinde der Demokratie gewähren lässt. Ein Doppelstandard, der die existenzielle Gefahr für den Westen durch die zunehmende antiwestliche Radikalisierung von Studenten durch Linksextreme und Islamisten nicht sieht.
Eine wehrhafte Demokratie kapituliert nicht vor Extremisten. Eine wehrhafte Demokratie bekämpft sie. »Wer heute totalitäre Methoden unterstützt, fällt ihnen morgen zum Opfer«, sagte schon George Orwell. Das Schlimme: Gewähren lassen reicht schon. "
(Jüdische Allgemeine Zeitung, 23.05.24)
Ob bzw. wann die nach einem "Krebsheiler, der das Land vom Zionismus befreit" schreienden Individuen auch ihre Jobs verloren haben bzw. werden, bleibt wohl abzuwarten. Vielleicht muss es aber auch gar nicht erst soweit kommen. Vielleicht klärt sich das alles ja auch in einem Dialog auf...
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