OiOlli schrieb:
Du meinst wie bei Nikotin, Alkohol und Koffein? Ja Koffein macht nur psychisch abhängig, ich weiß.
Und schöner Link, du weißt schon, dass auch die Konsumform unterschiedliche Auswirkungen hat ...
Da gibt es nichts zu relativieren, Crystal Meth geht bei mir nicht als Ersatz für Espresso durch. Und wer im Bundestag sitzt, von dem erwarte ich erst recht, dass er sich an Recht und Gesetz hält.
OiOlli schrieb:
Ich selber nehme übrigens nur Alkohol zu mir. Und das am Wochenende. Und das auch nur, wenn ich unterwegs bin. Trotzdem halte ich von der Drogenprohibition gar nichts.
Es gab in der modernen Geschichte ...
Jaja, die Geschichte, Dunkelziffern und Schätzungen. Da schätzt der eine Wissenschaftler das und der nächste dann genau das Gegenteil. Fakt ist, Crystal Meth ist eine verbotene Substanz.
diRAM schrieb:
Auch, wenn es nur wissenschaftliche Hochrechnungen sind, bezieht man zusätzlich das Dunkelfeld mit ein, also die Zahl derjenigen, die gerade nicht sanktioniert wurden und berücksichtigt, dass einige erst kriminell werden, wenn sie älter sind, dann dürfte tatsächlich eine signifikante Mehrheit bereits straffällig geworden sein.
Da musstest Du aber arg in der Mottenkiste kramen, um einigermaßen passendes Material zu finden, das Schätzungen von Schätzungen mit Hochrechnungen belastbar macht und dann wiederum eine methodisch nicht nachvollziehbare Dunkelziffer dazu führt, dass aus maximal 8% Straftaten in Deutschland plötzlich eine "signifikante Mehrheit" wird. Da kann ich ja gleich bei Astro-TV anrufen.
DerOlf schrieb:
Alkoholismus: Solange der Alkoholosmus bei einem Lehrer nicht zu Ausfällen oder ausfälligem Verhalten führt, ist dieser scheinbar arbeitsfähig und als Vorbild für unsere kleinen brauchbar.
Das einmalige Auffallen von gelegentlichem Cannabis-Konsum hingegen macht ihn sofort für den Lehrerberuf unbrauchbar.
Solche BILD-Dir-Deine-eigene-Meinung-Geschichten führen leider dazu, dass die Befürworter "alternativer Drogen" auch diese legalisiert haben wollen. Ich will weder, dass mein Kind von einem besoffenen Lehrer unterrichtet wird, noch dass der Lehrer alternativ total entspannt im THC-Rausch vor ihnen steht.
DerOlf schrieb:
Demnach können Verbotsbefürworter eigentlich nicht die Eindämmung des Konsums im Sinn haben, denn das hat mit Verboten noch nie geklappt.
Da hast Du eigentlich recht. Menschenhandel? Da sperrst Du einen ein und zwei neue Verbrecher stehen schon bereit, um den Job zu übernehmen. Bandenkriege in Zentral-Afrika bekämpfen? Ach was, sobald Du eine Ecke sicherst, dreht ein Stamm in einer anderen durch, schwingt sich mit Macheten auf die Pferde und schlachtet den nächsten rivalisierenden Stamm ab. Geschwindigkeitsbegrenzungen? Hält sich doch ohnehin niemand dran.
Verbote abzuschaffen, weil die Durchsetzung schwierig ist, halte ich für Kapitulation. Am besten zeigen wir alle bei allen Dingen ab sofort nur noch abweichendes Verhalten, dann kann der Staat alle Gesetze abschaffen und wir leben in Saus und Braus. Bis wir uns darüber aufregen, dass unsere Kinder an den sich Heroin spritzenden Fixern vorbei in den Kindergarten gehen müssen, wo vielleicht ein Pädophiler auf sie wartet (gibt es ja kein Gesetz mehr dagegen). Und nachts kann man nicht mehr auf die Straße gehen, weil es keine Polizei mehr gibt. Man erwischt die Täter ja nachts ohnehin nicht vor einer Tat. Präventivmaßnahmen wurden abgeschafft. Und in der Wirtschaft sorgt Wildwest-Wirtschaftsliberalismus dafür, dass ich jeden Tag um meinen Job bangen muss. Gibt ja keine Arbeitnehmergesetze mehr, denn die waren ohnehin schwer durchzusetzen und behindern nur die Wirtschaft.
KlaasKersting schrieb:
Eine drogenabhängige Person sollte selbstverständlich nicht in einer politischen Position sitzen und Entscheidungen treffen, die sich auf das Leben anderer auswirken, das ist nicht vertretbar.
Na endlich mal ein Wort der Vernunft. Ich dachte schon, ich sei in der Twilight Zone.
KlaasKersting schrieb:
Aber ansonsten: Wer volljährig ist, sollte konsumieren dürfen, was er möchte. Allerdings ohne Aufkommen der Krankenkasse für eventuelle Schäden.
Das wird allerdings schwierig. Entweder, eine Sache ist legal oder sie ist es nicht. In jedem Fall muss aber die Gesellschaft für die Folgen aufkommen, denn wer soll es denn sonst tun? Der Typ, der letztes Jahr noch meinte, er könne jederzeit aufhören und das sei ja alles gar nicht so schlimm wie Alkohol? Der hat im Zweifel mittlerweile seinen Job verloren und seine Kohle den Dealern gegeben.
Aus der Nummer gibt es für den Staat auch kaum einen Ausweg. Ich stimme den Leuten hier zu, die da sagen, dass die Durchsetzung eines Verbots schwierig bis unmöglich ist. Jedenfalls zu 100%. Wenn die Gesellschaft sich aber dafür entscheidet, dass eine Substanz nicht vertretbar ist und das kodifziert wird, dann muss einerseits gegen den Handel vorgegangen werden und für den abgehalfterten Lehrer muss andererseits dann halt klar sein, dass er etwas verbotenes getan hat und dass er für seinen Job nicht mehr geeignet ist. Ebenso sehe ich das bei einem Mitglied der Institution, die demokratisch legitimierte Gesetze einheitlich zu akzeptieren hat, auch wenn man selbst einer anderen Meinung ist.
Im Kleinen ist viel besser nachzuvollziehen, was im Großen irgendwie mal wieder völlig individuell zu sein scheint. Wenn man sich in einer Gruppe mehrheitlich dafür entscheidet, dass keiner den Kuchen vor Mitternacht anrührt, dann kann nicht einer hergehen und sagen "sorry, mir war halt danach, kauft euch halt einen neuen Kuchen". Das kann man dann zwar machen, ändert aber an dem Grundproblem nichts, dass danach nie mehr sicher ist, dass sich auch nur einer an die gemeinsamen Abmachungen hält. Das nennt man verlorenes Vertrauen und so geht es mir bei einem Bundestagsmitglied, der demkratische Entscheidungen irgendwie nicht für eine verbindliche Sache hält.
OiOlli schrieb:
Wieso nicht? Je nachdem wie wir Abhängigkeit definieren, sind die meisten Menschen von irgendetwas Abhängig und werden sehr unleidlich ohne ihren "Schuss".
Jetzt kommt gleich diRAM mit einer Studie um die Ecke, dass eine "signifikante Mehrheit" der Bevölkerung von Gummibärchen abhängig ist. Jedenfalls laut einer Studie, die Hochrechnungen von Dunkelzifferannahmen gemacht hat. Wenn man dann noch den Mondkoeffizienten des Algebrapferdeapfels zieht, dann kommt wahrscheinlich noch heraus, dass Gummibärchen viel schlimmer als Crystal Meth sind.
Individualismus hurra! Ich mach mit und zahle ab sofort keine Steuern mehr. Ist doch ohnehin nicht so schlimm, wie Robbenbabys zu erschlagen. Kann man nicht vergleichen? Das ist jetzt aber erstaunlich spitzfindig.
