Als Millenial macht sich nicht nur bei mir schon etwas länger die Sehnsucht nach den "guten alten Zeiten" breit, auch in meinem Freundeskreis wird sich glücklich an die Jugend und speziell die LAN Partys der 2000er erinnert. Seit einigen Jahren veranstalten wir daher jeweils im Herbst/Winter mehrere eintägige LAN-Partys im kleinen Freundeskreis. Mein bester Kumpel, der im Alltag absolut nichts mit Gaming am Hut hat, war mit seinem Business Notebook aber immer der limitierende Faktor und hat uns bei der Spielauswahl doch ziemlich stark eingeschränkt.
In Vorbereitung auf die nächste LAN und nach einem Video von HardwareDealz haben wir ihn schließlich überzeugt, dass ich ihm einen günstigen Gaming PC aus gebrauchter Hardware zusammenstelle. Der PC ist nun fertig gebaut, die nächste LAN ist für Anfang November geplant. Der Kauf erfolgte über Kleinanzeigen.de; eBay wäre noch eine Alternative gewesen, auf Kleinanzeigen waren aber die besseren Deals zu finden.
Mein Vorgehen und meine bei der Suche nach gebrauchter Hardware gemachten Erfahrungen möchte ich gerne mit euch teilen - vielleicht ist es eine Inspiration für euch, ein Familienmitglied oder für euren Freundeskreis.
Wichtig: Beim Build stand das Preis-/Leistungs-Verhältnis unter Einhaltung eines fixen Budgets im Vordergrund. Meinem besten Kumpel sind Spitzfindigkeiten zu einzelnen Hardwarekomponenten genauso egal wie Optik, Lautstärke, Stromverbrauch oder besondere Langlebigkeit. Den PC möchte er ausschließlich für die LANs verwenden. Es gibt unzählige gute Gründe wieso ihr bei eurem Build andere Entscheidungen treffen könntet. Ich möchte hier nur mein Vorgehen und meine Erfahrungen teilen, nicht die vermeintlich "richtige" Antwort darauf geben wie ein Build aus gebrauchter Hardware auszusehen hat. Auch wäre es völlig legitim wenn ihr uns für verrückt erklärt weil mein bester Kumpel so viel Geld für ein paar Tage LAN pro Jahr ausgibt…
Kapitel / Inhaltsverzeichnis:
Am Anfang stand ein Video von HardwareDealz, in dem die Jungs für ~215 € einen gebrauchten Low-End Gaming PC mit AMD Ryzen 2600 und AMD RX Vega 56 zusammengestellt haben. Das erste Video dieser Art war das allerdings nicht, in früheren Videos hat HardwareDealz auch PCs für ~310 € und für ~495 € gebaut.
Das Interesse war geweckt und mindestens 350 € Budget wurden vom Kumpel schon mal sicher zugesagt - also habe ich mich dran gemacht die Claims von HardwareDealz zu verifizieren. Das Ergebnis? Die Preisangaben von HardwareDealz sind nicht haltbar… Ja, natürlich, ab und an findet man auf Kleinanzeigen das fliegende Einhorn das eine Nvidia RTX 2070 für 80 € verkauft und kein Scam-Angebot ist (dazu später mehr), "typisch" ist dieser Preis aber nicht und ich kann meinem Kumpel nicht versprechen, dass ich so ein fliegendes Einhorn finde.
Also habe ich mich hingesetzt und mir einen Überblick über den Gebrauchtmarkt verschafft: Auf Kleinanzeigen habe ich nach konkreten, potenziell geeigneten PC Komponenten gesucht, die Inserate nach Preis sortiert und versucht ein Gefühl dafür zu bekommen, was der "typische" Preis der jeweiligen Komponente ist. Das ist selten der günstigste Preis - meist gibt es nach einzelnen Angeboten für bspw. eine Nvidia RTX 2070 einen Block von mehreren Angeboten mit dem gleichen oder sehr ähnlichen Preisen. Dieser Preis dürfte also ziemlich sicher realisierbar sein, auch ohne besondere Schnäppchen. Dieser Preis war für mich maßgeblich, da ich meinem Kumpel so ein Budget zusagen konnte - durch Schnäppchen oder Bundles lassen sich dann potenziell noch ein paar Euro sparen, gleichzeitig schafft es etwas Puffer. Mit diesem Puffer kann man guten Gewissens auch mal zum Inserat mit etwas höherem Preis, aber dem besseren Gefühl greifen - oder bei einem Schnäppchen der etwas leistungsfähigeren Alternative zuzugreifen. Auch ermöglicht es die im Budget eigentlich nicht enthaltenen Versandkosten und ggf. Käuferschutz-Gebühren abzufedern.
Im Ergebnis hatte ich die zum damaligen Zeitpunkt "typischen" Preise für potenziell geeignete Mainboards, CPUs, RAM, GPUs, SSDs, Netzteile und Gehäuse. Während die übrigen Komponenten über Leistungsklassen hinweg ziemlich ähnlich sind, müssen bei Grafikkarte und Prozessor die "harten Entscheidungen" getroffen werden - daher habe ich diese noch etwas genauer untersucht. Im Ergebnis habe ich zwei Tabellen mit Preisen von potenziell geeigneten Grafikkarten und Prozessoren angelegt und in Relation zu Benchmark-Ergebnissen gesetzt, um einen Preis-Leistungs-Benchmark ableiten zu können. Die LibreOffice Calc Tabelle mit den CPUs und GPUs findet ihr im Anhang, lest aber bitte erst mal weiter. Diese Preisrecherche war die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen. Alle nachfolgend genannten Preise wurden am Wochenende vom 12./13. September 2026 ermittelt, können sich zwischenzeitlich also wieder etwas geändert haben.
Unsere Anforderungen sind dabei eher einfach gehalten: Die Spieleauswahl ist ein bunter Blumenstrauß mit vielleicht leichter Tendenz zu Strategiespielen, aber auch Action-Shooter bis E-Sport-Titel spielen wir, nur eben auf Casual-Niveau. Das Ziel sind stabile 60+ fps. Mein Kumpel legt eher Wert auf gute Grafik als auf hohe Frameraten, ist aber bereit auf Qualität zu verzichten wenn wir dadurch neuere Titel spielen können. In Ermangelung eines besseren Monitors zockt mein Kumpel erst mal nur in 1080p 60 Hz, für sein Home Office steht aber "bald" ein Upgrade auf einen 1440p 120+ Hz Monitor an - das Ziel verschiebt sich dann also entsprechend, aber mit besagtem Grafikqualität-Framerate-Trade-off.
Grafikkarte
Die wohl wichtigste Entscheidung beim Bau eines jeden Gaming PC, ob mit neuer oder gebrauchter Hardware, dürfte die Grafikkarte sein. Das ganz klar wichtigste Kriterium für uns war Preis/Leistung: Daher habe ich die zuvor gesammelten Preise ins Verhältnis zu synthetischen Benchmark-Ergebnissen gesetzt. Mir erschienen die Scores vom Time Spy, Steel Nomad und Speed Way als repräsentativ genug und ComputerBase hat eine großartige Datenbank, also habe ich einfach deren normalisierten Mittelwert genutzt. Weniger als 6 GiB VRAM wäre nur bei einem extremen Preis-/Leistungs-Vorteil akzeptabel gewesen, das praktische Minimum lag bei 8 GiB VRAM; mehr wäre wünschenswert gewesen, aber nicht zu jedem Preis. Ebenfalls ganz weit oben auf der Wunschliste stand modernes ML-basiertes Upscaling: Mit DLSS 4 und FSR 4 sind die Upscaler meiner Meinung nach endlich nutzbar geworden und schaffen es die Lebensdauer von Hardware merklich zu verlängern. Frame Generation wäre wünschenswert gewesen, aber keine Voraussetzung. Als ebenfalls wichtig bewerte ich den Treibersupport: Security-Updates wie bei Nvidia Maxwell/Pascal/Volta sind das absolute Minimum, vollständige Unterstützung ein großer Pluspunkt.
Meine GPU Vergleichstabelle (PDF) findet ihr hier. Im Ergebnis habe ich Nvidia RTX 3070, Nvidia RTX 2070 Super und Nvidia GTX 1080 als Modelle mit dem in meinen Augen aktuell besten Preis-/Leistungs-Verhältnis ausgewählt. Alle Modelle haben 8 GiB VRAM, RTX 3070 und RTX 2070 unterstützen außerdem modernes ML-basiertes Upscaling und Nvidia bietet bei diesen Modellen noch volle Treiberunterstützung. Die drei Nvidia-Modelle stechen bei Preis/Leistung regelrecht hervor: aufgrund der großen Beliebtheit dieser Modelle gibt es einfach sehr viele Angebote, was den Preis entsprechend etwas drückt. Bei den AMD RX 6000 und AMD RX 7000 Modellen gilt das analog, nur eben umgekehrt: Sie waren bei weitem nicht so beliebt, das Angebot ist dadurch kleiner und Verkäufer müssen die Preise weniger stark drücken wenn sie ihre Hardware zeitnah verkaufen wollen. Lustig wie sich die Märkte von Neu- und Gebrauchthardware da unterscheiden… Ein weiteres Problem von AMD: Die Treiber-Update-Situation ist… naja, sagen wir "kompliziert". Intel Arc findet im Gebrauchtmarkt kaum statt.
Plattform: Mainboard und Arbeitsspeicher
Deutlich einfacher war die Wahl der Plattform: Dass ich für den gebrauchten Gaming PC meines besten Kumpels auf AMD AM4 setzen werde war von Anfang an klar. Einerseits weil ich die Plattform kenne und sehr gute Erfahrungen gemacht habe, andererseits weil der Gebrauchtmarkt hier besonders groß ist. Letzteres drückt - analog zu den Grafikkarten oben - die Preise. Außerdem lässt sich mit AM4 eine große Leistungs- und damit auch Preisspanne abdecken aus der mein Kumpel wählen kann.
Beim Mainboard habe ich AMD B550 aufgrund der PCIe-4.0-Unterstützung zur ersten Wahl erklärt, bei den kleineren Bauvorschlägen wäre aber auch ein AMD B450 Board denkbar gewesen. Gebrauchte A520 Boards lohnen sich gegenüber B450 Boards meiner Meinung nach nur selten, die Nachteile (kein OC, häufig schlechtere VRMs, spartanische I/O, limitierte PCIe Lanes) sind häufig zu groß. X370/X470/X570 Boards sind auch gebraucht häufig zu teuer. A320/B350 Boards sind zu alt und lohnen sich auch im Hinblick auf Preis/Leistung nicht wirklich.
Mit der Wahl von AMD AM4 war auch ein 2x 8 GiB DDR4-3200 RAM Kit gesetzt. JEDEC-RAM (Non-OC-RAM) wäre wünschenswert gewesen, aber keine zwingende Voraussetzung. Alternativ wären auch 4x 8 GiB denkbar gewesen (auch unterschiedliche Kits wenn sich die Profile ähneln; für 2x 16 GiB muss ein merklicher Preisaufschlag hingenommen werden und die Mehrleistung ist marginal). Die Preise für 32 GiB sind allerdings auch auf dem Gebrauchtmarkt verrückt, daher halte ich 16 GiB für einen sinnvollen Kompromiss mit der Option später nochmal 2x 8 GiB dazu zu stecken.
Prozessor
Ebenfalls fest stand mit AMD AM4 die Auswahl der Prozessoren, als GOAT-Plattform ist die Liste von AM4-Prozessoren aber eben sehr lang und deckt eine rießige Leistungsspanne ab. Ziel war nicht die CPU mit dem absolut besten Preis-/Leistungs-Verhältnis zu finden, sondern den günstigsten Partner für die Grafikkarten-Alternativen oben. Daher ist das absolute Leistungsniveau der einzelnen CPU-Modelle gar nicht maßgeblich: Zur Nvidia RTX 2070 Super passt bspw. gut ein Ryzen 5600G - eine stärkere, aber teurere CPU würde wenig helfen, andererseits gibt es vielleicht auch günstigere Modelle mit annähernd gleicher Gaming Performance die dann genauso gut geeignet wären. Die CPUs mussten also in Leistungsgruppen eingeteilt werden um die dann günstigste CPU in dieser Gruppe zu identifizieren. Für diese Gruppeneinteilung braucht es aber doch wieder Benchmarks - was bei Prozessoren, im Unterschied zu Grafikkarten, etwas leichter gesagt als getan ist… Synthetische Gaming-Benchmarks gibt es nicht wirklich und der Cinebench ist für Gaming nur bedingt aussagekräftig. Ich habe daher meinen eigenen, etwas wilden, am Ende ziemlich willkürlichen Benchmark-Index, der keinen Anspruch auf Objektivität erhebt, aus verschiedenen Quellen zusammengestellt. Der Wert an sich ist ziemlicher Quark, er hat aber dabei geholfen in einer Zahl auszudrücken, dass der Ryzen 5600G im Gaming grob mit dem Ryzen 3800X(T), 3700X, 3600X(T) und 5500 vergleichbar ist - und als Partner für eine Nvidia RTX 2070 Super entsprechend das günstigste Angebot in dieser Gruppe gewählt werden sollte. Wie bereits bei den Grafikkarten sind Angebote für exotischere CPU Modelle seltener, weshalb die Wahl ziemlich schnell auf die früher beliebtesten CPUs fiel.
Meine CPU Vergleichstabelle (PDF) findet ihr hier. Als Partner für die Nvidia RTX 3070 fiel die Wahl auf den AMD Ryzen 5600X (oder vergleichbar), für die Nvidia RTX 2070 Super auf den AMD Ryzen 3700X (oder vergleichbar) und für die Nvidia GTX 1080 auf den AMD Ryzen 2600X (oder vergleichbar).
SSD und HDD
Beim Festspeicher habe ich lange gezweifelt, mich aus Budgetgründen aber für eine 500 GB 2,5" SATA SSD entschieden, die um eine 3 TB 3,5" SATA HDD, die ein anderer Kumpel beisteuert, ergänzt wird. NVMe SSDs mit brauchbaren SMART-Werten und größeren Kapazitäten wurden einfach zu schnell zu teuer… 500 GB Kapazität ist aktuell offenbar der "Sweet Spot" bei Preis/Leistung, bei höheren Kapazitäten steigt der Preis überproportional. Wir spielen weiterhin viele alte Spiele bei denen die Installation auf einer HDD keinen spürbaren Unterschied macht, außerdem habe ich gute Erfahrungen damit gemacht Spiele einfach vor dem Zocken kurz von der HDD auf die SSD zu schieben - daher war das ein für uns akzeptabler Kompromiss, das kann bei euch gut und gerne anders sein. 500 GB sind aber ein geeignetes Minimum, daher habe ich die SSD so im Bauvorschlag belassen. SMART-Werte sind im Inserat übrigens kein nettes Gimmick, sondern zwingende Voraussetzung (siehe Tipps unten).
Netzteil und Gehäuse
Mit einem Netzteil mit mind. 600 Watt sollte die Stromversorgung bei allen Grafikkarten- und Prozessor-Kombinationen oben gesichert sein. Nur welches? Ob man Netzteile gebraucht kauft oder nicht ist fast schon eine Glaubensfrage. Die Logik, wieso ein 5 Jahre altes gebraucht gekauftes Netzteil problematisch sein soll, mein 5 Jahre altes damals neu gekauftes Netzteil aber nicht, erschließt sich mir persönlich jedenfalls nicht. Da empfinde ich den Kauf eines neuen Bilig-Netzteils aus China als kritischer… Aber sei's drum, das soll jeder für sich selbst entscheiden. Modular wäre wünschenswert gewesen, aber keine zwingende Voraussetzung. Neben Leistung und Preis ist für mich dann nur noch ein B- Rating oder besser gemäß PSU Tier List ein zwingendes Kriterium.
Bleibt noch das Gehäuse - und wer keine besonderen Wünsche oder kein Budget für ein neues Gehäuse hat muss nehmen was verfügbar ist. Gebrauchte PC Gehäuse haben praktisch keinen Wiederverkaufswert, Inserate bleiben häufig lange Zeit aktiv und fallen sukzessive auf typisch 10-15 €. Das größte Problem sind die Nebenkosten: Häufig werden bis zu 10 € Versand fällig. Mein Rat: Legt einen realistischen Suchradius um euren Wohnort fest (bedenkt die aktuellen Spritpreise…) und kauft was auch immer in eurer Region zur Abholung verfügbar und nicht nur Metallschrott ist.
Aus der Recherche von geeigneten Komponenten, deren typischen Preisen und unseren Mindestanforderungen habe ich schließlich drei konkrete Bauvorschläge für meinen besten Kumpel abgeleitet:
Kurze Kommentare zu einzelnen Komponenten:
Alle Preise sind jeweils ohne Versand und etwaige Gebühren für Käuferschutz. Sie stammen vom Wochenende vom 12./13. September 2026 und können sich demzufolge inzwischen wieder geändert haben.
Der Bauvorschlag "Top" ordnet sich leistungstechnisch grob auch in die heutige "Budget"-Klasse ein, für die bei neuer Hardware um 1.100 € zu planen wären. Der Bauvorschlag "Top" hat eine etwa ca. 40-50% höhere Leistung als der Bauvorschlag "Medium", kostet aber "nur" ca. 28% mehr. Gegenüber dem Bauvorschlag "Low" hat der Bauvorschlag "Top" knapp die doppelte Leistung, kostet aber "nur" ca. 75% mehr. Der Bauvorschlag "Medium" hat gegenüber dem Bauvorschlag "Low" eine ebenfalls 40-50% höhere Leistung, kostet aber "nur" ca. 37,5% mehr.
Persönlich halte ich alle Bauvorschläge für geeignet - sonst hätte ich sie ja nicht vorgeschlagen… Je höher das Budget, desto besser die mögliche Hardware und desto weniger Kompromisse müssen eingegangen werden. Besonders das moderne ML-Upscaling und die weiter vorhandene volle Treiber-Unterstützung waren für mich aber starke Argumente für mindestens den Bauvorschlag "Medium".
Mit den drei konkreten Bauvorschlägen bin ich dann wieder auf meinen besten Kumpel zugegangen und habe ihm die Vor- und Nachteile dargelegt. Nach einer Nacht Schlaf fiel seine Wahl auf den Bauvorschlag "Medium". Ein paar Tage später hat er doch noch auf den Bauvorschlag "Top" umgeschwenkt - nachdem ich noch keine Komponenten gekauft hatte war das kein Problem.
Der Arbeitsaufwand ist schwer zu schätzen, war parallel zum Vollzeitjob aber gut in der Freizeit zu managen. Wenn ich eine Stundenzahl dran schreiben müsste würde ich 24 Arbeitsstunden sagen, das ist aber nur eine grobe nachträgliche Schätzung. Die Arbeit verteilte sich recht ungleichmäßig auf 2,5 Wochen: Am Wochenende vom 12./13. September 2026 erfolgte die initiale Preisrecherche und Planung. Das dürfte grob ein Viertel des Gesamtaufwands gewesen sein, erfolgte aber auch am Stück am Wochenende, primär am Sonntag Vormittag und Mittag. Die Suche nach konkreten Inseraten und die Kommunikation mit Verkäufern war der größte Block, etwa die Hälfte des Gesamtaufwands ist da reingeflossen. Diese Arbeit hat sich aber auf etwa 1,5 Wochen gestreckt, mal hier ein neues Inserat gecheckt, mal dort eine Nachricht geschrieben - das war neben dem Vollzeitjob auch unter der Woche zeitlich kein großes Problem. Bis zum Wochenende vom 26./27. September 2026 waren dann alle Komponenten bestellt. Das letzte Viertel der Arbeit bestand aus Gesprächen mit meinem Kumpel zum Thema und der eigentliche Zusammenbau, der dann einige Tage später stattfand. Es war also ein durchaus umfassendes, aber in der Freizeit parallel zum Vollzeitjob absolut machbares Vorhaben.
Begonnen habe ich mit der Grafikkarte, danach folgten die übrigen Komponenten, insbesondere das Mainboard-Bundle. Einige Komponenten konnte ich etwas günstiger als im Budget vorgesehen kaufen, andere lagen etwas über dem Budget. Bei Netzteil, CPU-Kühler und Gehäuse habe ich letztendlich zu Neuware gegriffen, der Gebrauchtkauf erschien mir im konkreten Fall als nicht sinnvoll. In Summe habe ich das Budget in etwa gehalten: 560 € zuzügl. Versand waren geplant, tatsächlich geworden sind es 577,91 € inkl. Versand.
Das System läuft stabil, hat alle typischen Systemtests, Benchmarks und einige Spieletests problemlos überstanden und ist spielbereit. Im praktischen Einsatz war der Build aber noch nicht: die nächste LAN steht erst Anfang November auf dem Plan.
Einige Anmerkungen zu einzelnen Komponenten:
Mainboard-Bundle
Mainboard, Prozessor und Arbeitsspeicher konnte ich im Bundle kaufen. Das MSI B550M Pro-VDH ist ein Brot-und-Butter-Board, für ein AMD Ryzen 7 5600X aber in meinen Augen ausreichend. Beim Gebrauchtkauf ist man bei der Modellauswahl stark beschränkt, bessere Boards waren nicht im Bundle oder nur zu höheren Preisen erhältlich. Hier muss man Kompromisse eingehen. Zum Arbeitsspeicher (2x 8 GB Crucial Ballistix DDR4-3200) gibt es wie ich finde nicht viel zu sagen: er hat die geforderten Kenndaten, zwar nicht im JEDEC-Profil sondern nur per XMP/EXPO, dass das Kit mit genau dieser Konfiguration stabil läuft hat der Verkäufer aber bestätigt, daher war das kein echter Negativpunkt.
Das einzige echte Problem des Bundles war, dass der zum AMD Ryzen 5600X gehörende Boxed-Kühler leider nicht mehr vorhanden war, weshalb ich einen CPU-Kühler separat kaufen musste. Nie benutzte Boxed-Kühler gibt es auf Kleinanzeigen für ~10 € inkl. Versand, bessere Custom-Luftkühler für ~15-20 € inkl. Versand, dann häufig aber mit unvollständigem Zubehör. Ganz ehrlich, der Gebrauchtkauf macht da wenig Sinn: Die ComputerBase Community Kaufberatung für Luftkühler macht mit dem Thermalright Assassin King 120 SE einen besseren Alternativvorschlag für rund 18 €, Boxed-ähnliche Kühler kosten weniger als beim Gebrauchtkauf. Wäre ein Boxed-Kühler dabei gewesen hätte ich den genutzt, so habe ich zum Thermalright Assassin King 120 SE ARGB gegriffen - die ARGB-Version war gerade zum gleichen Preis erhältlich.
Grafikkarte
Ich hatte Glück und weit oben in der Angebotsliste stand ein Inserat einer Nvidia RTX 3070 von einem gewerblichen Verkäufer, der somit auch 1 Jahr gesetzliche Gewährleistung anbieten konnte (bzw. musste). Bei den konkreten Modellen hat man nur eine eingeschränkte Auswahl, die Testberichte der ZOTAC GeForce RTX 3070 Twin Edge OC sahen aber ganz gut aus. Toll war, dass der Verkäufer auf Nachfrage die Grafikkarte nochmal auf sein Testbench gepackt und einen 3DMark Time Spy hat durchlaufen lassen - das ist absolut nicht selbstverständlich, daher liebe Grüße an Timo von M² Builds: tolle Kommunikation und 1a Kundenservice, vielen Dank!
SSD und HDD
Zur SSD gibt es nicht viel zu sagen: Ich hatte Glück und eine Samsung 860 EVO 500 GB SATA SSD 2,5" unter Budget gefunden, die SMART-Werte wurden auf Nachfrage mittels eines CrystalDiskInfo-Screenshots freundlicherweise nachgeliefert und waren mit knapp 15.000 Std und 20 TBW absolut in Ordnung. Die HDD (Seagate BarraCuda Compute 3 TB CMR SATA HDD 3,5" 512e) hat ein Kumpel kostenlos begesteuert, die lag bis dahin ungenutzt im Keller. Die SMART-Werte waren in Ordnung, die Laufzeit zwar schon ziemlich heftig, aber getreu dem "Einem geschenkten Gaul"-Motto in Ordnung.
Netzteil und Gehäuse
Das Netzteil-Budget habe ich mit 35 € nicht gerade üppig gewählt und mein Kumpel hatte eine deutliche Präferenz für ein neues Netzteil, also habe ich danach gesucht: auf Geizhals nach Leistung und Formfaktor gefiltert, nach Bestpreis inkl. Versand sortiert und nacheinander die Netzteile in der PSU Tier List überprüft. Das erste Netzteil, das meine Mindestanforderung von Tier B- erfüllt hat, war das ADATA XPG Netzteil Pylon II 650W ATX 3.1 Non-Modular, entsprechend ist es das geworden. Dass es nicht modular ist, ist sicher nicht optimal, dafür hat es einen 12V-2x6-Anschluss - auch wenn die ganze Diskussion um gebrauchte Netzteile unfreiwillig komisch wird wenn man diesen ständig in Flammen aufgehenden Stecker ernsthaft zu nutzen beabsichtigt…
An Gehäusen hatte unsere ländliche Region leider nicht viel zu bieten: Inseriert waren nur zwei einigermaßen akzeptable PC Gehäuse, die mit gut 30 km Entfernung aber Spritkosten nahe der Versandkosten verursacht hätten. Just diese beiden Verkäufer haben auf meine Anfrage aber schlicht nicht mehr reagiert… Also habe ich auf Geizhals nach Gehäusen gesucht und den GameMax Edge Midi Tower gefunden, allerdings in einer etwas anderen Version ohne Glas-Seitenwand. Persönlich finde ich das gut: Ich mag kein RGB, mein bester Kumpel meint er braucht das auch nicht unbedingt und Gehäuse mit viel Glas sehen häufig nur mit kompletter Gehäuselüfter-Bestückung gut aus, die im Budget einfach nicht vorgesehen waren. Das GameMax Edge ist ein µATX Gehäuse, das ist bei unserem µATX Mainboard und der kurzen Twin Fan GPU aber kein Nachteil. Letztendlich war ich vom Gehäuse positiv überrascht: Für lächerliche 25 € inkl. Versand ist das Gehäuse absolut in Ordnung. Nein, toll ist es nicht, es bietet null Komfort, die Seitenwände fallen einem bspw. entgegen sobald man die Schrauben löst und die Slotblenden muss man herausbrechen… Die Verarbeitung ist auch super Basic, kein Vergleich zu den Gehäusen meiner eigenen Builds (von be quiet! und Fractal Design). Aber: Der Preis muss berücksichtigt werden und ich finde keine direkten Mängel. Auch die Optik ist in meinen Augen überraschend gut - eine einfache schwarze Box ist eben zeitlos… Das gilt auch für den Airflow: Front und Top sind komplett perforiert, auch ohne Gehäuselüfter haben sich die Temperaturen nach 1 Std Stresstest (Prime95 + Furmark) auf hohem, aber völlig akzeptablen Niveau (CPU 80°C, GPU 85°C, Chipsatz 56°C, MOS 71.5°C) bei akzeptabler Geräuschkulisse eingependelt.
Bei Kleinanzeigen ist das Problem mit Scams, besonders im Technikbereich, ziemlich groß: Innerhalb nur einer Woche habe ich mindestens fünf Scam-Inserate beobachtet. Ein Scam-Inserat habe ich selbst gemeldet, weil ich die Fotos wiedererkannt habe. Kleinanzeigen reagiert auf Meldungen offenbar ziemlich schnell, proaktiv funktioniert das aber offenbar nicht ganz so gut. Das von mir gemeldete Scam-Inserat war jedenfalls binnen einer Stunde offline, die anderen Scam-Inserate aber mehrere Tage online. Die Zeit reicht definitiv um betrogen zu werden… Wichtigste Strategie um Scams zu vermeiden ist die initiale Preisrecherche: Wenn man sich durch Kenntnis der aktuell "typischen" Preise bei einem Inserat fragt ob das nicht irgendwie etwas zu gut ist um wahr zu sein, dann ist es das in der Regel auch nicht.
Allen Scam-Inseraten ist gemein, dass sie grundsätzlich keinen Käuferschutz anbieten. Käuferschutz ist über die "Direkt kaufen"-Funktion von Kleinanzeigen sowie PayPal Waren & Dienstleistungen gegeben, außerdem bei Inseraten auf eBay. Meist soll die Zahlung per Überweisung oder PayPal Familie & Freunde erfolgen - also ohne realistische Chance das Geld bei Nicht-Lieferung zurück zu erhalten. Abholung wird häufig nicht direkt abgelehnt, gewissermaßen als vertrauensbildende Maßnahme, ist aus diversen Gründen aber kurzfristig leider nicht möglich, weshalb Versand doch besser sei. Die "Direkt kaufen"-Funktion von Kleinanzeigen kostet Gebühren, aktuell 4,5% vom Kaufpreis + pauschal 0,50 €. Sie kann sich aber trotzdem finanziell lohnen: Kleinanzeigen kooperiert aktuell mit Hermes, der Versand ist über Hermes vergünstigt. Je nach Warenwert (bis etwa 90 €) und je nach notwendiger Paketgröße kann der Kauf über "Direkt kaufen" günstiger sein als separat die regulären Versandkosten zu zahlen. Auch PayPal Waren & Dienstleistungen kostet Gebühren, aktuell 2,49% vom Kaufpreis + pauschal 0,35 €.
Allerdings wollen auch viele aufrichtige Verkäufer ihre Artikel nicht mit Käuferschutz verkaufen - teilweise weil sie die Funktion nicht kennen, teilweise weil zumindest über PayPal der Scam auch in die andere Richtung funktioniert und Käufer behaupten, dass keine Ware angekommen sei. Dieses Problem scheint es bei "Direkt kaufen" weniger zu geben, der Support von Kleinanzeigen soll wohl weitestgehend fair sein, davon werdet ihr als Käufer aber den Verkäufer ziemlich sicher nicht überzeugen können. Dann hilft nur mit Fragen abzuklappern ob der Verkäufer die Ware überhaupt besitzt (häufig ist das nämlich nicht der Fall - aber nicht immer…), bspw. indem man sich Lücken im Inserat zunutze macht und um bessere Detailfotos, um Fotos von fehlenden Komponenten (siehe unten) oder um Benchmarks bittet. Einige Verkäufer werden euch dann ghosten - das sollte es euch aber Wert sein. Ein aufrichtiger Verkäufer wird angemessene Nachfragen beantworten und Fotos / Informationen nachliefern, ein Scammer wird (meist ziemlich plumpe…) Ausflüchte finden. Mit weiteren Fotos kann leicht überprüft werden ob das Gegenüber die Ware überhaupt besitzt - denn gerne werden Bilder aus früheren Inseraten übernommen. Auch durch etwas Konversation zum Artikel kann die Ehrlichkeit überprüft werden - Scammer haben kein Interesse viel Zeit durch viele Nachrichten zu verschwenden, dadurch steigt nur die Gefahr aufzufliegen. Auch erstellen Scammer eher selten gute Inserate mit vielen Detailfotos, umfangreichen Daten zum Produkt, genauen Informationen zum Zustand oder beantworten gar typische Fragen proaktiv.
Eine Garantie ist das aber auch nicht, nur der Käuferschutz schützt einigermaßen gut. Daher gilt: Je höher der Warenwert (Scams bei 10 € Warenwert sind seltener), je besser der Preis im Vergleich zum "typischen" Preis ("zu gut um wahr zu sein"), je mehr Ausflüchte der Verkäufer vorbringt, je schlechter (unvollständig/undetailliert) das Inserat, je schlechter das eigene Bauchgefühl, desto eher sollte man vom Inserat Abstand nehmen und eher einen höheren Preis zahlen. Die Chance 20 € zu sparen ist es nicht Wert sehenden Auges 200 € zu verlieren. Wählt ein Build mit einem Budget das ihr zu zahlen bereit seit - wenn ihr am Ende günstiger kommt ist das gut, auf Krampf einen eigentlich zu niedrigen Kaufpreis erzielen zu wollen ist aber eine schlechte Strategie.
Übrigens: Bei Kleinanzeigen werden ständig und extrem viele Konten gehackt, Scams erfolgen nahezu ausschließlich über solche Konten. Auf die Idee einer verpflichtenden 2-Faktor-Authentifizierung ist Kleinanzeigen offenbar noch nicht gekommen… Die von Kleinanzeigen neben dem Verkäufer angezeigten Flags ("Sehr zuverlässig" & Co.) sind daher bei Scams praktisch wertlos.
Mir sind durch das abklappern zahlreicher Inserate einige Dinge aufgefallen die bei Inseraten häufiger mal fehlen und potenziell zu Problemen führen können. Überprüft diese also oder nutzt sie zur Legitimitätsprüfung der Verkäufer. Eine Standardfrage, die ihr bei nahezu allen Komponenten stellen könnt, ist, ob sie in einem Nichtraucherhaushalt ohne Haustiere verwendet wurden. Kauft nicht von Raucherhaushalten, Hardware kann dort enorm leiden. Haushalte mit Haustieren sind durch Tierhaare gefährdet, aber häufig in Ordnung. Schaut euch die Bilder - insbesondere von Mainboards, CPU-Kühlern, Grafikkarten und Gehäusen - dann besonders genau an und fragt ggf. nach Detailfotos. Ein Netzteil würde ich nur von einem Nichtraucherhaushalt ohne Haustiere kaufen.
Mainboards
Bei Mainboards gehen häufiger mal I/O Shield, CPU Backplate oder die CPU Retention Brackets verloren. Wenn ihr diese nicht eindeutig auf den Fotos seht fragt nach. Fragt auch nach etwaigen Schäden oder Funktionseinschränkungen: An einem Stecker kann bspw. mal ein Pin abbrechen - das ist häufig kein Weltuntergang, ihr solltest es aber vorher wissen. Fragt bei LGA CPUs (AMD AM5 und quasi alle Intel CPUs) immer nach ob Pins im Mainboard-Sockel verbogen oder abgebrochen sind. Wenn der Kauf nicht mit einer CPU im Sockel erfolgt muss die Sockelabdeckung noch vorhanden und eingebaut sein - die Gefahr von Versandschäden ist andernfalls einfach zu groß. Sofern nicht in der Produktbeschreibung angegeben fragt immer nach der Originalverpackung: Der Versand eines Mainboards kann aufgrund der vielen herausstehenden Komponenten etwas heikel sein, die Originalverpackung oder ein anderer Mainboard-Karton kann da Abhilfe schaffen. Auch sollte der Versand immer in einem antistatischen Beutel erfolgen. Fragt auch nach dem Originalzubehör (z.B. M.2 Kühlkörper) des Mainboards.
Arbeitsspeicher
Der Arbeitsspeicher ist eigentlich keine sonderlich problematische Komponente, ein Schaden aufgrund der hohen Preise aber extrem ärgerlich. Wirklich schützen kann man sich davor kaum, Fotos eines memtest86+ Durchlaufs sind extrem selten und kann man kaum realistisch nachfordern, mit der beiläufigen Frage nach Abstürzen von Windows oder einzelnen Anwendungen kann man aber zumindest etwas Sicherheit gewinnen. Tipp: Wenn der Versand nicht in der Original-Blisterverpackung möglich ist, bittet den Verkäufer die Module einzeln in ein Blatt Papier einzuwickeln und in eine normale Plastiktüte zu stecken, die aber nicht luftdicht verschlossen werden sollte.
Prozessoren und CPU-Kühler
Prozessoren solltet ihr nur bei Versand in der Original-Blisterverpackung oder als Teil eines Mainboard-Bundles im CPU-Sockel kaufen. Bei BGA CPUs (AMD AM4) ist das besonders kritisch, aber auch bei LGA CPUs nicht völlig egal. Fragt bei BGA CPUs immer auch nach verbogenen oder abgebrochenen Pins; wenn ihr die CPU im Mainboard-Bundle kauft und seit letzter Nutzung nie ausgebaut wurde ist das auch in Ordnung. Fragt immer auch nach Overclocking. Große Pluspunkte gibt es wenn der Verkäufer Benchmark-Ergebnisse vorlegen kann, ein Muss ist das aber nicht.
Je nach Prozessor ist beim Kauf gerne direkt auch der Boxed Kühler mit dabei, nicht selten sogar im neuwertigen Zustand. Ob der Boxed Kühler euch reicht könnt nur ihr entscheiden, wenn er aber fehlt lohnt sich der Gebrauchtkauf von CPU Kühlern nur bei High-End- oder besonderen Modellen. Einfache CPU Kühler sind neu schlicht zu günstig (siehe ComputerBase Community Kaufberatung für Luftkühler). Ein weiteres Problem ist, dass beim Gebrauchtkauf häufig Zubehörteile fehlen. Fragt daher immer nach - mindestens nach den Teilen die ihr persönlich zum Einbau braucht.
Von einer gebrauchten Wasserkühlung würde ich persönlich eher die Finger lassen - muss aber dazu sagen, dass ich generell kein Fan von Wasserkühlung bin.
Grafikkarten
Bei Grafikkarten ist das finanzielle Schadenspotenzial bei Scams besonders groß, entsprechende Vorsicht ist hier geboten. Fragt immer nach Overclocking und Mining, auch wenn Mining-Hardware inzwischen kaum noch auf den Gebrauchtmarkt kommt. Sinnvoll ist außerdem die Frage ob die Grafikkarte in Vergangenheit geöffnet wurde und wenn ja, was gemacht wurde. Gerade ältere Modelle wurden häufig geöffnet um die Wärmeleitpaste zu tauschen - das ist per se nichts schlechtes. Eine zentrale Frage schließt sich direkt an: Fragt nach Screenshots von einem Benchmark aus dem das Taktverhalten und der Temperaturverlauf der GPU hervorgeht. Besonders gut geeignet ist der 3DMark Time Spy, weil er einerseits kostenlos und andererseits ausreichend lange läuft um einen Temperaturanstieg und etwaigen Taktabfall beobachten zu können. Eine Nachfrage kostet nichts. Wenn ein Verkäufer den Benchmark ablehnt ist das aber kein Ausschlussgrund, einige Verkäufer scheuen den Aufwand. Im Zweifel solltet ihr euch darauf einstellen selbst die Wärmeleitpaste zu erneuern. Fragt zuletzt aber immer nach Schäden an der RGB-Beleuchtung oder an den Lüftern, letzteres gerne auch etwas eleganter indem ihr nach Brumm-, Kratz- und Schleifgeräuschen oder Fiepen fragt. Der Versand sollte immer in einem antistatischen Beutel erfolgen, perfekt (aber nicht zwingend) sogar in der Originalverpackung.
SSDs und HDDs
Beim Kauf von SSDs und HDDs sind die SMART-Werte der Laufwerke kein nettes Gimmick im Inserat, sondern zwingende Voraussetzung für einen Kauf. Kauft keine Laufwerke von denen ihr nicht zuvor bspw. ein Screenshot von CrystalDiskInfo gesehen habt. Je geringer die Betriebsstunden (Power On Hours - bei HDDs und SSDs) und geschriebene Daten (TBW - nur bei SSDs) desto besser. Top sind bei SSDs <30 TB und <10.000 Std, akzeptabel ist alles bis <70 TB und <20.000 Std, darüber würde ich die SSD eher meiden, ein paar mehr Std sind bei geringeren TBW aber auch in Ordnung. Bittet bei HDDs um eine besonders stark gepolsterte Verpackung.
Netzteile
Zu Netzteilen habe ich oben eigentlich alles gesagt: Ob man gebrauchte Netzteile meidet oder nicht ist eine Glaubensfrage. Achtet darauf nur Netzteile zu kaufen die in der PSU Tier List mindestens in Tier C (besser: Tier B- oder besser) einsortiert wurden, egal ob neu oder gebraucht. Ansonsten fragt nach dem Zustand und etwaigen bekannten Problemen. Bedenkt außerdem, dass moderne Grafikkarten im Normalbetrieb sehr große Lastspitzen (Transient Spikes) haben können die bei älteren Netzteilen gerne mal Schutzschaltungen auslösen. Ich habe meine AMD RX 7800 XT bspw. kurzzeitig an einem be quiet! Pure Power L8 betrieben - trotz ordentlicher Leistungsreserve ist ständig eine Schutzschaltung im Netzteil geflogen (kaputt geht davon nichts, aber ein System Reset mitten im Spiel ist eben blöd). Wenn ihr euch Sorgen macht oder Zweifel hegt, kauft neu - das sollte es euch Wert sein.
Gehäuse
Bei Gehäusen gilt: Nehmt was ihr kriegen und abholen könnt, sofern es nicht direkt Metallschrott ist. Zum einen lohnt sich der Versand kaum, zum anderen ist der Zustand des Gehäuses anhand von Bildern selten gut einschätzbar. Wenn ihr ein spezielles Gehäuse haben wollt oder wenn vor Ort nichts verfügbar ist, solltet ihr den Kauf eines neuen Gehäuses in Erwägung ziehen. Neue Billig-Gehäuse sind zwar auch in ihrer Verarbeitung "billig", Metallschrott sind sie damit aber nicht unbedingt - ich war davon auch positiv überrascht…
PS: An diesem Erfahrungsbericht war an keiner Stelle KI beteiligt.
In Vorbereitung auf die nächste LAN und nach einem Video von HardwareDealz haben wir ihn schließlich überzeugt, dass ich ihm einen günstigen Gaming PC aus gebrauchter Hardware zusammenstelle. Der PC ist nun fertig gebaut, die nächste LAN ist für Anfang November geplant. Der Kauf erfolgte über Kleinanzeigen.de; eBay wäre noch eine Alternative gewesen, auf Kleinanzeigen waren aber die besseren Deals zu finden.
Mein Vorgehen und meine bei der Suche nach gebrauchter Hardware gemachten Erfahrungen möchte ich gerne mit euch teilen - vielleicht ist es eine Inspiration für euch, ein Familienmitglied oder für euren Freundeskreis.
Wichtig: Beim Build stand das Preis-/Leistungs-Verhältnis unter Einhaltung eines fixen Budgets im Vordergrund. Meinem besten Kumpel sind Spitzfindigkeiten zu einzelnen Hardwarekomponenten genauso egal wie Optik, Lautstärke, Stromverbrauch oder besondere Langlebigkeit. Den PC möchte er ausschließlich für die LANs verwenden. Es gibt unzählige gute Gründe wieso ihr bei eurem Build andere Entscheidungen treffen könntet. Ich möchte hier nur mein Vorgehen und meine Erfahrungen teilen, nicht die vermeintlich "richtige" Antwort darauf geben wie ein Build aus gebrauchter Hardware auszusehen hat. Auch wäre es völlig legitim wenn ihr uns für verrückt erklärt weil mein bester Kumpel so viel Geld für ein paar Tage LAN pro Jahr ausgibt…
Kapitel / Inhaltsverzeichnis:
- 1. Ausgangslage
- 2. Erwägungen zu den Komponenten
- 3. Meine Bauvorschläge
- 4. Der tatsächliche Build
- Exkurs: Scams, überall nur Scams…
- Exkurs: Worauf bei den Komponenten achten?
1. Ausgangslage
Am Anfang stand ein Video von HardwareDealz, in dem die Jungs für ~215 € einen gebrauchten Low-End Gaming PC mit AMD Ryzen 2600 und AMD RX Vega 56 zusammengestellt haben. Das erste Video dieser Art war das allerdings nicht, in früheren Videos hat HardwareDealz auch PCs für ~310 € und für ~495 € gebaut.
Das Interesse war geweckt und mindestens 350 € Budget wurden vom Kumpel schon mal sicher zugesagt - also habe ich mich dran gemacht die Claims von HardwareDealz zu verifizieren. Das Ergebnis? Die Preisangaben von HardwareDealz sind nicht haltbar… Ja, natürlich, ab und an findet man auf Kleinanzeigen das fliegende Einhorn das eine Nvidia RTX 2070 für 80 € verkauft und kein Scam-Angebot ist (dazu später mehr), "typisch" ist dieser Preis aber nicht und ich kann meinem Kumpel nicht versprechen, dass ich so ein fliegendes Einhorn finde.
Also habe ich mich hingesetzt und mir einen Überblick über den Gebrauchtmarkt verschafft: Auf Kleinanzeigen habe ich nach konkreten, potenziell geeigneten PC Komponenten gesucht, die Inserate nach Preis sortiert und versucht ein Gefühl dafür zu bekommen, was der "typische" Preis der jeweiligen Komponente ist. Das ist selten der günstigste Preis - meist gibt es nach einzelnen Angeboten für bspw. eine Nvidia RTX 2070 einen Block von mehreren Angeboten mit dem gleichen oder sehr ähnlichen Preisen. Dieser Preis dürfte also ziemlich sicher realisierbar sein, auch ohne besondere Schnäppchen. Dieser Preis war für mich maßgeblich, da ich meinem Kumpel so ein Budget zusagen konnte - durch Schnäppchen oder Bundles lassen sich dann potenziell noch ein paar Euro sparen, gleichzeitig schafft es etwas Puffer. Mit diesem Puffer kann man guten Gewissens auch mal zum Inserat mit etwas höherem Preis, aber dem besseren Gefühl greifen - oder bei einem Schnäppchen der etwas leistungsfähigeren Alternative zuzugreifen. Auch ermöglicht es die im Budget eigentlich nicht enthaltenen Versandkosten und ggf. Käuferschutz-Gebühren abzufedern.
Im Ergebnis hatte ich die zum damaligen Zeitpunkt "typischen" Preise für potenziell geeignete Mainboards, CPUs, RAM, GPUs, SSDs, Netzteile und Gehäuse. Während die übrigen Komponenten über Leistungsklassen hinweg ziemlich ähnlich sind, müssen bei Grafikkarte und Prozessor die "harten Entscheidungen" getroffen werden - daher habe ich diese noch etwas genauer untersucht. Im Ergebnis habe ich zwei Tabellen mit Preisen von potenziell geeigneten Grafikkarten und Prozessoren angelegt und in Relation zu Benchmark-Ergebnissen gesetzt, um einen Preis-Leistungs-Benchmark ableiten zu können. Die LibreOffice Calc Tabelle mit den CPUs und GPUs findet ihr im Anhang, lest aber bitte erst mal weiter. Diese Preisrecherche war die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen. Alle nachfolgend genannten Preise wurden am Wochenende vom 12./13. September 2026 ermittelt, können sich zwischenzeitlich also wieder etwas geändert haben.
Unsere Anforderungen sind dabei eher einfach gehalten: Die Spieleauswahl ist ein bunter Blumenstrauß mit vielleicht leichter Tendenz zu Strategiespielen, aber auch Action-Shooter bis E-Sport-Titel spielen wir, nur eben auf Casual-Niveau. Das Ziel sind stabile 60+ fps. Mein Kumpel legt eher Wert auf gute Grafik als auf hohe Frameraten, ist aber bereit auf Qualität zu verzichten wenn wir dadurch neuere Titel spielen können. In Ermangelung eines besseren Monitors zockt mein Kumpel erst mal nur in 1080p 60 Hz, für sein Home Office steht aber "bald" ein Upgrade auf einen 1440p 120+ Hz Monitor an - das Ziel verschiebt sich dann also entsprechend, aber mit besagtem Grafikqualität-Framerate-Trade-off.
2. Erwägungen zu den Komponenten
Grafikkarte
Die wohl wichtigste Entscheidung beim Bau eines jeden Gaming PC, ob mit neuer oder gebrauchter Hardware, dürfte die Grafikkarte sein. Das ganz klar wichtigste Kriterium für uns war Preis/Leistung: Daher habe ich die zuvor gesammelten Preise ins Verhältnis zu synthetischen Benchmark-Ergebnissen gesetzt. Mir erschienen die Scores vom Time Spy, Steel Nomad und Speed Way als repräsentativ genug und ComputerBase hat eine großartige Datenbank, also habe ich einfach deren normalisierten Mittelwert genutzt. Weniger als 6 GiB VRAM wäre nur bei einem extremen Preis-/Leistungs-Vorteil akzeptabel gewesen, das praktische Minimum lag bei 8 GiB VRAM; mehr wäre wünschenswert gewesen, aber nicht zu jedem Preis. Ebenfalls ganz weit oben auf der Wunschliste stand modernes ML-basiertes Upscaling: Mit DLSS 4 und FSR 4 sind die Upscaler meiner Meinung nach endlich nutzbar geworden und schaffen es die Lebensdauer von Hardware merklich zu verlängern. Frame Generation wäre wünschenswert gewesen, aber keine Voraussetzung. Als ebenfalls wichtig bewerte ich den Treibersupport: Security-Updates wie bei Nvidia Maxwell/Pascal/Volta sind das absolute Minimum, vollständige Unterstützung ein großer Pluspunkt.
Meine GPU Vergleichstabelle (PDF) findet ihr hier. Im Ergebnis habe ich Nvidia RTX 3070, Nvidia RTX 2070 Super und Nvidia GTX 1080 als Modelle mit dem in meinen Augen aktuell besten Preis-/Leistungs-Verhältnis ausgewählt. Alle Modelle haben 8 GiB VRAM, RTX 3070 und RTX 2070 unterstützen außerdem modernes ML-basiertes Upscaling und Nvidia bietet bei diesen Modellen noch volle Treiberunterstützung. Die drei Nvidia-Modelle stechen bei Preis/Leistung regelrecht hervor: aufgrund der großen Beliebtheit dieser Modelle gibt es einfach sehr viele Angebote, was den Preis entsprechend etwas drückt. Bei den AMD RX 6000 und AMD RX 7000 Modellen gilt das analog, nur eben umgekehrt: Sie waren bei weitem nicht so beliebt, das Angebot ist dadurch kleiner und Verkäufer müssen die Preise weniger stark drücken wenn sie ihre Hardware zeitnah verkaufen wollen. Lustig wie sich die Märkte von Neu- und Gebrauchthardware da unterscheiden… Ein weiteres Problem von AMD: Die Treiber-Update-Situation ist… naja, sagen wir "kompliziert". Intel Arc findet im Gebrauchtmarkt kaum statt.
Plattform: Mainboard und Arbeitsspeicher
Deutlich einfacher war die Wahl der Plattform: Dass ich für den gebrauchten Gaming PC meines besten Kumpels auf AMD AM4 setzen werde war von Anfang an klar. Einerseits weil ich die Plattform kenne und sehr gute Erfahrungen gemacht habe, andererseits weil der Gebrauchtmarkt hier besonders groß ist. Letzteres drückt - analog zu den Grafikkarten oben - die Preise. Außerdem lässt sich mit AM4 eine große Leistungs- und damit auch Preisspanne abdecken aus der mein Kumpel wählen kann.
Beim Mainboard habe ich AMD B550 aufgrund der PCIe-4.0-Unterstützung zur ersten Wahl erklärt, bei den kleineren Bauvorschlägen wäre aber auch ein AMD B450 Board denkbar gewesen. Gebrauchte A520 Boards lohnen sich gegenüber B450 Boards meiner Meinung nach nur selten, die Nachteile (kein OC, häufig schlechtere VRMs, spartanische I/O, limitierte PCIe Lanes) sind häufig zu groß. X370/X470/X570 Boards sind auch gebraucht häufig zu teuer. A320/B350 Boards sind zu alt und lohnen sich auch im Hinblick auf Preis/Leistung nicht wirklich.
Mit der Wahl von AMD AM4 war auch ein 2x 8 GiB DDR4-3200 RAM Kit gesetzt. JEDEC-RAM (Non-OC-RAM) wäre wünschenswert gewesen, aber keine zwingende Voraussetzung. Alternativ wären auch 4x 8 GiB denkbar gewesen (auch unterschiedliche Kits wenn sich die Profile ähneln; für 2x 16 GiB muss ein merklicher Preisaufschlag hingenommen werden und die Mehrleistung ist marginal). Die Preise für 32 GiB sind allerdings auch auf dem Gebrauchtmarkt verrückt, daher halte ich 16 GiB für einen sinnvollen Kompromiss mit der Option später nochmal 2x 8 GiB dazu zu stecken.
Prozessor
Ebenfalls fest stand mit AMD AM4 die Auswahl der Prozessoren, als GOAT-Plattform ist die Liste von AM4-Prozessoren aber eben sehr lang und deckt eine rießige Leistungsspanne ab. Ziel war nicht die CPU mit dem absolut besten Preis-/Leistungs-Verhältnis zu finden, sondern den günstigsten Partner für die Grafikkarten-Alternativen oben. Daher ist das absolute Leistungsniveau der einzelnen CPU-Modelle gar nicht maßgeblich: Zur Nvidia RTX 2070 Super passt bspw. gut ein Ryzen 5600G - eine stärkere, aber teurere CPU würde wenig helfen, andererseits gibt es vielleicht auch günstigere Modelle mit annähernd gleicher Gaming Performance die dann genauso gut geeignet wären. Die CPUs mussten also in Leistungsgruppen eingeteilt werden um die dann günstigste CPU in dieser Gruppe zu identifizieren. Für diese Gruppeneinteilung braucht es aber doch wieder Benchmarks - was bei Prozessoren, im Unterschied zu Grafikkarten, etwas leichter gesagt als getan ist… Synthetische Gaming-Benchmarks gibt es nicht wirklich und der Cinebench ist für Gaming nur bedingt aussagekräftig. Ich habe daher meinen eigenen, etwas wilden, am Ende ziemlich willkürlichen Benchmark-Index, der keinen Anspruch auf Objektivität erhebt, aus verschiedenen Quellen zusammengestellt. Der Wert an sich ist ziemlicher Quark, er hat aber dabei geholfen in einer Zahl auszudrücken, dass der Ryzen 5600G im Gaming grob mit dem Ryzen 3800X(T), 3700X, 3600X(T) und 5500 vergleichbar ist - und als Partner für eine Nvidia RTX 2070 Super entsprechend das günstigste Angebot in dieser Gruppe gewählt werden sollte. Wie bereits bei den Grafikkarten sind Angebote für exotischere CPU Modelle seltener, weshalb die Wahl ziemlich schnell auf die früher beliebtesten CPUs fiel.
Meine CPU Vergleichstabelle (PDF) findet ihr hier. Als Partner für die Nvidia RTX 3070 fiel die Wahl auf den AMD Ryzen 5600X (oder vergleichbar), für die Nvidia RTX 2070 Super auf den AMD Ryzen 3700X (oder vergleichbar) und für die Nvidia GTX 1080 auf den AMD Ryzen 2600X (oder vergleichbar).
SSD und HDD
Beim Festspeicher habe ich lange gezweifelt, mich aus Budgetgründen aber für eine 500 GB 2,5" SATA SSD entschieden, die um eine 3 TB 3,5" SATA HDD, die ein anderer Kumpel beisteuert, ergänzt wird. NVMe SSDs mit brauchbaren SMART-Werten und größeren Kapazitäten wurden einfach zu schnell zu teuer… 500 GB Kapazität ist aktuell offenbar der "Sweet Spot" bei Preis/Leistung, bei höheren Kapazitäten steigt der Preis überproportional. Wir spielen weiterhin viele alte Spiele bei denen die Installation auf einer HDD keinen spürbaren Unterschied macht, außerdem habe ich gute Erfahrungen damit gemacht Spiele einfach vor dem Zocken kurz von der HDD auf die SSD zu schieben - daher war das ein für uns akzeptabler Kompromiss, das kann bei euch gut und gerne anders sein. 500 GB sind aber ein geeignetes Minimum, daher habe ich die SSD so im Bauvorschlag belassen. SMART-Werte sind im Inserat übrigens kein nettes Gimmick, sondern zwingende Voraussetzung (siehe Tipps unten).
Netzteil und Gehäuse
Mit einem Netzteil mit mind. 600 Watt sollte die Stromversorgung bei allen Grafikkarten- und Prozessor-Kombinationen oben gesichert sein. Nur welches? Ob man Netzteile gebraucht kauft oder nicht ist fast schon eine Glaubensfrage. Die Logik, wieso ein 5 Jahre altes gebraucht gekauftes Netzteil problematisch sein soll, mein 5 Jahre altes damals neu gekauftes Netzteil aber nicht, erschließt sich mir persönlich jedenfalls nicht. Da empfinde ich den Kauf eines neuen Bilig-Netzteils aus China als kritischer… Aber sei's drum, das soll jeder für sich selbst entscheiden. Modular wäre wünschenswert gewesen, aber keine zwingende Voraussetzung. Neben Leistung und Preis ist für mich dann nur noch ein B- Rating oder besser gemäß PSU Tier List ein zwingendes Kriterium.
Bleibt noch das Gehäuse - und wer keine besonderen Wünsche oder kein Budget für ein neues Gehäuse hat muss nehmen was verfügbar ist. Gebrauchte PC Gehäuse haben praktisch keinen Wiederverkaufswert, Inserate bleiben häufig lange Zeit aktiv und fallen sukzessive auf typisch 10-15 €. Das größte Problem sind die Nebenkosten: Häufig werden bis zu 10 € Versand fällig. Mein Rat: Legt einen realistischen Suchradius um euren Wohnort fest (bedenkt die aktuellen Spritpreise…) und kauft was auch immer in eurer Region zur Abholung verfügbar und nicht nur Metallschrott ist.
3. Meine Bauvorschläge
Aus der Recherche von geeigneten Komponenten, deren typischen Preisen und unseren Mindestanforderungen habe ich schließlich drei konkrete Bauvorschläge für meinen besten Kumpel abgeleitet:
| Komponente | Bauvorschlag "Top" | Bauvorschlag "Medium" | Bauvorschlag "Low" |
|---|---|---|---|
| Board: | ~65 € AMD B550 | ~45 € AMD B450 | ~45 € AMD B450 |
| RAM: | ~65 € 2x 8 GiB DDR4-3200 | ~65 € 2x 8 GiB DDR4-3200 | ~65 € 2x 8 GiB DDR4-3200 |
| CPU: | ~110 € AMD Ryzen 5600X | ~80 € AMD Ryzen 3700X | ~30 € AMD Ryzen 2600X |
| GPU: | ~230 € Nvidia RTX 3070 | ~160 € Nvidia RTX 2070 Super | ~90 € Nvidia RTX 1080 |
| SSD: | ~45 € 500 GB 2,5" SATA | ~45 € 500 GB 2,5" SATA | ~45 € 500 GB 2,5" SATA |
| Netzteil: | ~35 € 600+ Watt (mind. Tier B-) | ~35 € 600+ Watt (mind. Tier B-) | ~35 € 600+ Watt (mind. Tier B-) |
| Gehäuse: | ~10 € | ~10 € | ~10 € |
| Gesamt: | ca. 560 € + Versand | ca. 440 € + Versand | ca. 320 € + Versand |
Kurze Kommentare zu einzelnen Komponenten:
- CPU: Gesucht wird nicht nur nach konkret diesem Modell, sondern allen Modellen mit vergleichbarer Leistung (siehe oben); das Budget ist inkl. Boxed Kühler gerechnet, separat ist dieser für ~10 € erhältlich, neu und leistungsfähige Kühler kosten ab ~20 €
- RAM: 4x 8 GiB kosten ~120 € (zwei unterschiedliche Kits sind okay wenn ihr auf kompatible Profile achtet), 2x 16 GiB sind überproportional teurer und lohnen sich kaum
- SSD: Für NVMe sind bei gleicher Kapazität ~10-15 € zusätzlich zu planen; 500 GB sind ein Sweet Spot, die Preise für höhere Kapazitäten steigen überproportional
- Netzteil: Neue günstige Netzteile kosten ~10-15 € zusätzlich, aber immer auf mindestens Tier B- laut PSU Tier List achten
Alle Preise sind jeweils ohne Versand und etwaige Gebühren für Käuferschutz. Sie stammen vom Wochenende vom 12./13. September 2026 und können sich demzufolge inzwischen wieder geändert haben.
Der Bauvorschlag "Top" ordnet sich leistungstechnisch grob auch in die heutige "Budget"-Klasse ein, für die bei neuer Hardware um 1.100 € zu planen wären. Der Bauvorschlag "Top" hat eine etwa ca. 40-50% höhere Leistung als der Bauvorschlag "Medium", kostet aber "nur" ca. 28% mehr. Gegenüber dem Bauvorschlag "Low" hat der Bauvorschlag "Top" knapp die doppelte Leistung, kostet aber "nur" ca. 75% mehr. Der Bauvorschlag "Medium" hat gegenüber dem Bauvorschlag "Low" eine ebenfalls 40-50% höhere Leistung, kostet aber "nur" ca. 37,5% mehr.
Persönlich halte ich alle Bauvorschläge für geeignet - sonst hätte ich sie ja nicht vorgeschlagen… Je höher das Budget, desto besser die mögliche Hardware und desto weniger Kompromisse müssen eingegangen werden. Besonders das moderne ML-Upscaling und die weiter vorhandene volle Treiber-Unterstützung waren für mich aber starke Argumente für mindestens den Bauvorschlag "Medium".
4. Der tatsächliche Build
Mit den drei konkreten Bauvorschlägen bin ich dann wieder auf meinen besten Kumpel zugegangen und habe ihm die Vor- und Nachteile dargelegt. Nach einer Nacht Schlaf fiel seine Wahl auf den Bauvorschlag "Medium". Ein paar Tage später hat er doch noch auf den Bauvorschlag "Top" umgeschwenkt - nachdem ich noch keine Komponenten gekauft hatte war das kein Problem.
Der Arbeitsaufwand ist schwer zu schätzen, war parallel zum Vollzeitjob aber gut in der Freizeit zu managen. Wenn ich eine Stundenzahl dran schreiben müsste würde ich 24 Arbeitsstunden sagen, das ist aber nur eine grobe nachträgliche Schätzung. Die Arbeit verteilte sich recht ungleichmäßig auf 2,5 Wochen: Am Wochenende vom 12./13. September 2026 erfolgte die initiale Preisrecherche und Planung. Das dürfte grob ein Viertel des Gesamtaufwands gewesen sein, erfolgte aber auch am Stück am Wochenende, primär am Sonntag Vormittag und Mittag. Die Suche nach konkreten Inseraten und die Kommunikation mit Verkäufern war der größte Block, etwa die Hälfte des Gesamtaufwands ist da reingeflossen. Diese Arbeit hat sich aber auf etwa 1,5 Wochen gestreckt, mal hier ein neues Inserat gecheckt, mal dort eine Nachricht geschrieben - das war neben dem Vollzeitjob auch unter der Woche zeitlich kein großes Problem. Bis zum Wochenende vom 26./27. September 2026 waren dann alle Komponenten bestellt. Das letzte Viertel der Arbeit bestand aus Gesprächen mit meinem Kumpel zum Thema und der eigentliche Zusammenbau, der dann einige Tage später stattfand. Es war also ein durchaus umfassendes, aber in der Freizeit parallel zum Vollzeitjob absolut machbares Vorhaben.
Begonnen habe ich mit der Grafikkarte, danach folgten die übrigen Komponenten, insbesondere das Mainboard-Bundle. Einige Komponenten konnte ich etwas günstiger als im Budget vorgesehen kaufen, andere lagen etwas über dem Budget. Bei Netzteil, CPU-Kühler und Gehäuse habe ich letztendlich zu Neuware gegriffen, der Gebrauchtkauf erschien mir im konkreten Fall als nicht sinnvoll. In Summe habe ich das Budget in etwa gehalten: 560 € zuzügl. Versand waren geplant, tatsächlich geworden sind es 577,91 € inkl. Versand.
| Komponente | Entscheidung | Preis |
|---|---|---|
| Mainboard: | MSI B550M Pro-VDH | 200,00 € (Bundle) + 10,00 € Versand |
| Arbeitsspeicher: | 2x 8 GB Crucial Ballistix DDR4-3200 | (Teil vom Mainboard-Bundle) |
| Prozessor: | AMD Ryzen 7 5600X | (Teil vom Mainboard-Bundle) |
| CPU-Kühler: | Thermalright Assassin King 120 SE ARGB | 17,90 € inkl. Versand (Neuware) |
| Grafikkarte: | ZOTAC Nvidia GeForce RTX 3070 Twin Edge OC | 235,00 € + 7,00 € Versand (Händler) |
| SSD: | Samsung 860 EVO 500 GB SATA SSD 2,5" | 30,00 € + 2,84 € Versand |
| HDD: | Seagate BarraCuda Compute 3 TB CMR SATA HDD 3,5" 512e | (kostenlos vom anderen Kumpel) |
| Netzteil: | ADATA XPG Netzteil Pylon II 650W ATX 3.1 Non-Modular | 43,74 € + 5,99 € Versand (Neuware) |
| Gehäuse: | GameMax Edge Midi Tower (µATX Gehäuse) | 25,44 € inkl. Versand (Neuware) |
| Gesamt: | 577,91 € (ca. 545 € + Versand) |
Das System läuft stabil, hat alle typischen Systemtests, Benchmarks und einige Spieletests problemlos überstanden und ist spielbereit. Im praktischen Einsatz war der Build aber noch nicht: die nächste LAN steht erst Anfang November auf dem Plan.
Einige Anmerkungen zu einzelnen Komponenten:
Mainboard-Bundle
Mainboard, Prozessor und Arbeitsspeicher konnte ich im Bundle kaufen. Das MSI B550M Pro-VDH ist ein Brot-und-Butter-Board, für ein AMD Ryzen 7 5600X aber in meinen Augen ausreichend. Beim Gebrauchtkauf ist man bei der Modellauswahl stark beschränkt, bessere Boards waren nicht im Bundle oder nur zu höheren Preisen erhältlich. Hier muss man Kompromisse eingehen. Zum Arbeitsspeicher (2x 8 GB Crucial Ballistix DDR4-3200) gibt es wie ich finde nicht viel zu sagen: er hat die geforderten Kenndaten, zwar nicht im JEDEC-Profil sondern nur per XMP/EXPO, dass das Kit mit genau dieser Konfiguration stabil läuft hat der Verkäufer aber bestätigt, daher war das kein echter Negativpunkt.
Das einzige echte Problem des Bundles war, dass der zum AMD Ryzen 5600X gehörende Boxed-Kühler leider nicht mehr vorhanden war, weshalb ich einen CPU-Kühler separat kaufen musste. Nie benutzte Boxed-Kühler gibt es auf Kleinanzeigen für ~10 € inkl. Versand, bessere Custom-Luftkühler für ~15-20 € inkl. Versand, dann häufig aber mit unvollständigem Zubehör. Ganz ehrlich, der Gebrauchtkauf macht da wenig Sinn: Die ComputerBase Community Kaufberatung für Luftkühler macht mit dem Thermalright Assassin King 120 SE einen besseren Alternativvorschlag für rund 18 €, Boxed-ähnliche Kühler kosten weniger als beim Gebrauchtkauf. Wäre ein Boxed-Kühler dabei gewesen hätte ich den genutzt, so habe ich zum Thermalright Assassin King 120 SE ARGB gegriffen - die ARGB-Version war gerade zum gleichen Preis erhältlich.
Grafikkarte
Ich hatte Glück und weit oben in der Angebotsliste stand ein Inserat einer Nvidia RTX 3070 von einem gewerblichen Verkäufer, der somit auch 1 Jahr gesetzliche Gewährleistung anbieten konnte (bzw. musste). Bei den konkreten Modellen hat man nur eine eingeschränkte Auswahl, die Testberichte der ZOTAC GeForce RTX 3070 Twin Edge OC sahen aber ganz gut aus. Toll war, dass der Verkäufer auf Nachfrage die Grafikkarte nochmal auf sein Testbench gepackt und einen 3DMark Time Spy hat durchlaufen lassen - das ist absolut nicht selbstverständlich, daher liebe Grüße an Timo von M² Builds: tolle Kommunikation und 1a Kundenservice, vielen Dank!
SSD und HDD
Zur SSD gibt es nicht viel zu sagen: Ich hatte Glück und eine Samsung 860 EVO 500 GB SATA SSD 2,5" unter Budget gefunden, die SMART-Werte wurden auf Nachfrage mittels eines CrystalDiskInfo-Screenshots freundlicherweise nachgeliefert und waren mit knapp 15.000 Std und 20 TBW absolut in Ordnung. Die HDD (Seagate BarraCuda Compute 3 TB CMR SATA HDD 3,5" 512e) hat ein Kumpel kostenlos begesteuert, die lag bis dahin ungenutzt im Keller. Die SMART-Werte waren in Ordnung, die Laufzeit zwar schon ziemlich heftig, aber getreu dem "Einem geschenkten Gaul"-Motto in Ordnung.
Netzteil und Gehäuse
Das Netzteil-Budget habe ich mit 35 € nicht gerade üppig gewählt und mein Kumpel hatte eine deutliche Präferenz für ein neues Netzteil, also habe ich danach gesucht: auf Geizhals nach Leistung und Formfaktor gefiltert, nach Bestpreis inkl. Versand sortiert und nacheinander die Netzteile in der PSU Tier List überprüft. Das erste Netzteil, das meine Mindestanforderung von Tier B- erfüllt hat, war das ADATA XPG Netzteil Pylon II 650W ATX 3.1 Non-Modular, entsprechend ist es das geworden. Dass es nicht modular ist, ist sicher nicht optimal, dafür hat es einen 12V-2x6-Anschluss - auch wenn die ganze Diskussion um gebrauchte Netzteile unfreiwillig komisch wird wenn man diesen ständig in Flammen aufgehenden Stecker ernsthaft zu nutzen beabsichtigt…
An Gehäusen hatte unsere ländliche Region leider nicht viel zu bieten: Inseriert waren nur zwei einigermaßen akzeptable PC Gehäuse, die mit gut 30 km Entfernung aber Spritkosten nahe der Versandkosten verursacht hätten. Just diese beiden Verkäufer haben auf meine Anfrage aber schlicht nicht mehr reagiert… Also habe ich auf Geizhals nach Gehäusen gesucht und den GameMax Edge Midi Tower gefunden, allerdings in einer etwas anderen Version ohne Glas-Seitenwand. Persönlich finde ich das gut: Ich mag kein RGB, mein bester Kumpel meint er braucht das auch nicht unbedingt und Gehäuse mit viel Glas sehen häufig nur mit kompletter Gehäuselüfter-Bestückung gut aus, die im Budget einfach nicht vorgesehen waren. Das GameMax Edge ist ein µATX Gehäuse, das ist bei unserem µATX Mainboard und der kurzen Twin Fan GPU aber kein Nachteil. Letztendlich war ich vom Gehäuse positiv überrascht: Für lächerliche 25 € inkl. Versand ist das Gehäuse absolut in Ordnung. Nein, toll ist es nicht, es bietet null Komfort, die Seitenwände fallen einem bspw. entgegen sobald man die Schrauben löst und die Slotblenden muss man herausbrechen… Die Verarbeitung ist auch super Basic, kein Vergleich zu den Gehäusen meiner eigenen Builds (von be quiet! und Fractal Design). Aber: Der Preis muss berücksichtigt werden und ich finde keine direkten Mängel. Auch die Optik ist in meinen Augen überraschend gut - eine einfache schwarze Box ist eben zeitlos… Das gilt auch für den Airflow: Front und Top sind komplett perforiert, auch ohne Gehäuselüfter haben sich die Temperaturen nach 1 Std Stresstest (Prime95 + Furmark) auf hohem, aber völlig akzeptablen Niveau (CPU 80°C, GPU 85°C, Chipsatz 56°C, MOS 71.5°C) bei akzeptabler Geräuschkulisse eingependelt.
Exkurs: Scams, überall nur Scams…
Bei Kleinanzeigen ist das Problem mit Scams, besonders im Technikbereich, ziemlich groß: Innerhalb nur einer Woche habe ich mindestens fünf Scam-Inserate beobachtet. Ein Scam-Inserat habe ich selbst gemeldet, weil ich die Fotos wiedererkannt habe. Kleinanzeigen reagiert auf Meldungen offenbar ziemlich schnell, proaktiv funktioniert das aber offenbar nicht ganz so gut. Das von mir gemeldete Scam-Inserat war jedenfalls binnen einer Stunde offline, die anderen Scam-Inserate aber mehrere Tage online. Die Zeit reicht definitiv um betrogen zu werden… Wichtigste Strategie um Scams zu vermeiden ist die initiale Preisrecherche: Wenn man sich durch Kenntnis der aktuell "typischen" Preise bei einem Inserat fragt ob das nicht irgendwie etwas zu gut ist um wahr zu sein, dann ist es das in der Regel auch nicht.
Allen Scam-Inseraten ist gemein, dass sie grundsätzlich keinen Käuferschutz anbieten. Käuferschutz ist über die "Direkt kaufen"-Funktion von Kleinanzeigen sowie PayPal Waren & Dienstleistungen gegeben, außerdem bei Inseraten auf eBay. Meist soll die Zahlung per Überweisung oder PayPal Familie & Freunde erfolgen - also ohne realistische Chance das Geld bei Nicht-Lieferung zurück zu erhalten. Abholung wird häufig nicht direkt abgelehnt, gewissermaßen als vertrauensbildende Maßnahme, ist aus diversen Gründen aber kurzfristig leider nicht möglich, weshalb Versand doch besser sei. Die "Direkt kaufen"-Funktion von Kleinanzeigen kostet Gebühren, aktuell 4,5% vom Kaufpreis + pauschal 0,50 €. Sie kann sich aber trotzdem finanziell lohnen: Kleinanzeigen kooperiert aktuell mit Hermes, der Versand ist über Hermes vergünstigt. Je nach Warenwert (bis etwa 90 €) und je nach notwendiger Paketgröße kann der Kauf über "Direkt kaufen" günstiger sein als separat die regulären Versandkosten zu zahlen. Auch PayPal Waren & Dienstleistungen kostet Gebühren, aktuell 2,49% vom Kaufpreis + pauschal 0,35 €.
Allerdings wollen auch viele aufrichtige Verkäufer ihre Artikel nicht mit Käuferschutz verkaufen - teilweise weil sie die Funktion nicht kennen, teilweise weil zumindest über PayPal der Scam auch in die andere Richtung funktioniert und Käufer behaupten, dass keine Ware angekommen sei. Dieses Problem scheint es bei "Direkt kaufen" weniger zu geben, der Support von Kleinanzeigen soll wohl weitestgehend fair sein, davon werdet ihr als Käufer aber den Verkäufer ziemlich sicher nicht überzeugen können. Dann hilft nur mit Fragen abzuklappern ob der Verkäufer die Ware überhaupt besitzt (häufig ist das nämlich nicht der Fall - aber nicht immer…), bspw. indem man sich Lücken im Inserat zunutze macht und um bessere Detailfotos, um Fotos von fehlenden Komponenten (siehe unten) oder um Benchmarks bittet. Einige Verkäufer werden euch dann ghosten - das sollte es euch aber Wert sein. Ein aufrichtiger Verkäufer wird angemessene Nachfragen beantworten und Fotos / Informationen nachliefern, ein Scammer wird (meist ziemlich plumpe…) Ausflüchte finden. Mit weiteren Fotos kann leicht überprüft werden ob das Gegenüber die Ware überhaupt besitzt - denn gerne werden Bilder aus früheren Inseraten übernommen. Auch durch etwas Konversation zum Artikel kann die Ehrlichkeit überprüft werden - Scammer haben kein Interesse viel Zeit durch viele Nachrichten zu verschwenden, dadurch steigt nur die Gefahr aufzufliegen. Auch erstellen Scammer eher selten gute Inserate mit vielen Detailfotos, umfangreichen Daten zum Produkt, genauen Informationen zum Zustand oder beantworten gar typische Fragen proaktiv.
Eine Garantie ist das aber auch nicht, nur der Käuferschutz schützt einigermaßen gut. Daher gilt: Je höher der Warenwert (Scams bei 10 € Warenwert sind seltener), je besser der Preis im Vergleich zum "typischen" Preis ("zu gut um wahr zu sein"), je mehr Ausflüchte der Verkäufer vorbringt, je schlechter (unvollständig/undetailliert) das Inserat, je schlechter das eigene Bauchgefühl, desto eher sollte man vom Inserat Abstand nehmen und eher einen höheren Preis zahlen. Die Chance 20 € zu sparen ist es nicht Wert sehenden Auges 200 € zu verlieren. Wählt ein Build mit einem Budget das ihr zu zahlen bereit seit - wenn ihr am Ende günstiger kommt ist das gut, auf Krampf einen eigentlich zu niedrigen Kaufpreis erzielen zu wollen ist aber eine schlechte Strategie.
Übrigens: Bei Kleinanzeigen werden ständig und extrem viele Konten gehackt, Scams erfolgen nahezu ausschließlich über solche Konten. Auf die Idee einer verpflichtenden 2-Faktor-Authentifizierung ist Kleinanzeigen offenbar noch nicht gekommen… Die von Kleinanzeigen neben dem Verkäufer angezeigten Flags ("Sehr zuverlässig" & Co.) sind daher bei Scams praktisch wertlos.
Exkurs: Worauf bei den Komponenten achten?
Mir sind durch das abklappern zahlreicher Inserate einige Dinge aufgefallen die bei Inseraten häufiger mal fehlen und potenziell zu Problemen führen können. Überprüft diese also oder nutzt sie zur Legitimitätsprüfung der Verkäufer. Eine Standardfrage, die ihr bei nahezu allen Komponenten stellen könnt, ist, ob sie in einem Nichtraucherhaushalt ohne Haustiere verwendet wurden. Kauft nicht von Raucherhaushalten, Hardware kann dort enorm leiden. Haushalte mit Haustieren sind durch Tierhaare gefährdet, aber häufig in Ordnung. Schaut euch die Bilder - insbesondere von Mainboards, CPU-Kühlern, Grafikkarten und Gehäusen - dann besonders genau an und fragt ggf. nach Detailfotos. Ein Netzteil würde ich nur von einem Nichtraucherhaushalt ohne Haustiere kaufen.
Mainboards
Bei Mainboards gehen häufiger mal I/O Shield, CPU Backplate oder die CPU Retention Brackets verloren. Wenn ihr diese nicht eindeutig auf den Fotos seht fragt nach. Fragt auch nach etwaigen Schäden oder Funktionseinschränkungen: An einem Stecker kann bspw. mal ein Pin abbrechen - das ist häufig kein Weltuntergang, ihr solltest es aber vorher wissen. Fragt bei LGA CPUs (AMD AM5 und quasi alle Intel CPUs) immer nach ob Pins im Mainboard-Sockel verbogen oder abgebrochen sind. Wenn der Kauf nicht mit einer CPU im Sockel erfolgt muss die Sockelabdeckung noch vorhanden und eingebaut sein - die Gefahr von Versandschäden ist andernfalls einfach zu groß. Sofern nicht in der Produktbeschreibung angegeben fragt immer nach der Originalverpackung: Der Versand eines Mainboards kann aufgrund der vielen herausstehenden Komponenten etwas heikel sein, die Originalverpackung oder ein anderer Mainboard-Karton kann da Abhilfe schaffen. Auch sollte der Versand immer in einem antistatischen Beutel erfolgen. Fragt auch nach dem Originalzubehör (z.B. M.2 Kühlkörper) des Mainboards.
Arbeitsspeicher
Der Arbeitsspeicher ist eigentlich keine sonderlich problematische Komponente, ein Schaden aufgrund der hohen Preise aber extrem ärgerlich. Wirklich schützen kann man sich davor kaum, Fotos eines memtest86+ Durchlaufs sind extrem selten und kann man kaum realistisch nachfordern, mit der beiläufigen Frage nach Abstürzen von Windows oder einzelnen Anwendungen kann man aber zumindest etwas Sicherheit gewinnen. Tipp: Wenn der Versand nicht in der Original-Blisterverpackung möglich ist, bittet den Verkäufer die Module einzeln in ein Blatt Papier einzuwickeln und in eine normale Plastiktüte zu stecken, die aber nicht luftdicht verschlossen werden sollte.
Prozessoren und CPU-Kühler
Prozessoren solltet ihr nur bei Versand in der Original-Blisterverpackung oder als Teil eines Mainboard-Bundles im CPU-Sockel kaufen. Bei BGA CPUs (AMD AM4) ist das besonders kritisch, aber auch bei LGA CPUs nicht völlig egal. Fragt bei BGA CPUs immer auch nach verbogenen oder abgebrochenen Pins; wenn ihr die CPU im Mainboard-Bundle kauft und seit letzter Nutzung nie ausgebaut wurde ist das auch in Ordnung. Fragt immer auch nach Overclocking. Große Pluspunkte gibt es wenn der Verkäufer Benchmark-Ergebnisse vorlegen kann, ein Muss ist das aber nicht.
Je nach Prozessor ist beim Kauf gerne direkt auch der Boxed Kühler mit dabei, nicht selten sogar im neuwertigen Zustand. Ob der Boxed Kühler euch reicht könnt nur ihr entscheiden, wenn er aber fehlt lohnt sich der Gebrauchtkauf von CPU Kühlern nur bei High-End- oder besonderen Modellen. Einfache CPU Kühler sind neu schlicht zu günstig (siehe ComputerBase Community Kaufberatung für Luftkühler). Ein weiteres Problem ist, dass beim Gebrauchtkauf häufig Zubehörteile fehlen. Fragt daher immer nach - mindestens nach den Teilen die ihr persönlich zum Einbau braucht.
Von einer gebrauchten Wasserkühlung würde ich persönlich eher die Finger lassen - muss aber dazu sagen, dass ich generell kein Fan von Wasserkühlung bin.
Grafikkarten
Bei Grafikkarten ist das finanzielle Schadenspotenzial bei Scams besonders groß, entsprechende Vorsicht ist hier geboten. Fragt immer nach Overclocking und Mining, auch wenn Mining-Hardware inzwischen kaum noch auf den Gebrauchtmarkt kommt. Sinnvoll ist außerdem die Frage ob die Grafikkarte in Vergangenheit geöffnet wurde und wenn ja, was gemacht wurde. Gerade ältere Modelle wurden häufig geöffnet um die Wärmeleitpaste zu tauschen - das ist per se nichts schlechtes. Eine zentrale Frage schließt sich direkt an: Fragt nach Screenshots von einem Benchmark aus dem das Taktverhalten und der Temperaturverlauf der GPU hervorgeht. Besonders gut geeignet ist der 3DMark Time Spy, weil er einerseits kostenlos und andererseits ausreichend lange läuft um einen Temperaturanstieg und etwaigen Taktabfall beobachten zu können. Eine Nachfrage kostet nichts. Wenn ein Verkäufer den Benchmark ablehnt ist das aber kein Ausschlussgrund, einige Verkäufer scheuen den Aufwand. Im Zweifel solltet ihr euch darauf einstellen selbst die Wärmeleitpaste zu erneuern. Fragt zuletzt aber immer nach Schäden an der RGB-Beleuchtung oder an den Lüftern, letzteres gerne auch etwas eleganter indem ihr nach Brumm-, Kratz- und Schleifgeräuschen oder Fiepen fragt. Der Versand sollte immer in einem antistatischen Beutel erfolgen, perfekt (aber nicht zwingend) sogar in der Originalverpackung.
SSDs und HDDs
Beim Kauf von SSDs und HDDs sind die SMART-Werte der Laufwerke kein nettes Gimmick im Inserat, sondern zwingende Voraussetzung für einen Kauf. Kauft keine Laufwerke von denen ihr nicht zuvor bspw. ein Screenshot von CrystalDiskInfo gesehen habt. Je geringer die Betriebsstunden (Power On Hours - bei HDDs und SSDs) und geschriebene Daten (TBW - nur bei SSDs) desto besser. Top sind bei SSDs <30 TB und <10.000 Std, akzeptabel ist alles bis <70 TB und <20.000 Std, darüber würde ich die SSD eher meiden, ein paar mehr Std sind bei geringeren TBW aber auch in Ordnung. Bittet bei HDDs um eine besonders stark gepolsterte Verpackung.
Netzteile
Zu Netzteilen habe ich oben eigentlich alles gesagt: Ob man gebrauchte Netzteile meidet oder nicht ist eine Glaubensfrage. Achtet darauf nur Netzteile zu kaufen die in der PSU Tier List mindestens in Tier C (besser: Tier B- oder besser) einsortiert wurden, egal ob neu oder gebraucht. Ansonsten fragt nach dem Zustand und etwaigen bekannten Problemen. Bedenkt außerdem, dass moderne Grafikkarten im Normalbetrieb sehr große Lastspitzen (Transient Spikes) haben können die bei älteren Netzteilen gerne mal Schutzschaltungen auslösen. Ich habe meine AMD RX 7800 XT bspw. kurzzeitig an einem be quiet! Pure Power L8 betrieben - trotz ordentlicher Leistungsreserve ist ständig eine Schutzschaltung im Netzteil geflogen (kaputt geht davon nichts, aber ein System Reset mitten im Spiel ist eben blöd). Wenn ihr euch Sorgen macht oder Zweifel hegt, kauft neu - das sollte es euch Wert sein.
Gehäuse
Bei Gehäusen gilt: Nehmt was ihr kriegen und abholen könnt, sofern es nicht direkt Metallschrott ist. Zum einen lohnt sich der Versand kaum, zum anderen ist der Zustand des Gehäuses anhand von Bildern selten gut einschätzbar. Wenn ihr ein spezielles Gehäuse haben wollt oder wenn vor Ort nichts verfügbar ist, solltet ihr den Kauf eines neuen Gehäuses in Erwägung ziehen. Neue Billig-Gehäuse sind zwar auch in ihrer Verarbeitung "billig", Metallschrott sind sie damit aber nicht unbedingt - ich war davon auch positiv überrascht…
Anhänge
- Preisvergleich Grafikkarten (PDF)
- Preisvergleich Prozessoren (PDF)
- Preisvergleich CPU+GPU (LibreOffice Calc); die bedingte Formatierung ist leider defekt, ist ein bekannter LibreOffice-Bug…
PS: An diesem Erfahrungsbericht war an keiner Stelle KI beteiligt.
Anhänge
Zuletzt bearbeitet: