Hallo,
Also um nochmal in eine neue Richtung zu gehen...
Ich bin zufällig im Sonderausschuss für Digitalisierung, der Landesschülervertretung Hessen involviert.
Wir haben letztens ein Konzept aufgestellt, für Standards, die wir diesbezüglich in jeder Schule fördern. Und es wird euch völlig banal vorkommen, aber mehr als das wagen wir garnicht zu fordern, da einfach keine Gelder da sind und es aus Erfahrung mit unserer Politik leider sonst nichts wird:
- ausreichend Steckdosen und mindestens 2 LAN Anschlüsse pro (Unterrichts-)Raum
- ein flächendeckendes WLAN Netz
- Glasfaseranschluss
- ausreichend bestückte EDV Räume, sowie die Ausbildung oder Anstellung weiterer Lehrer für den IT Bereich
- Smartboards oder ähnliche Systeme in jedem Raum
- etc.
Dies ist echt nur ein Minimum und zeigt wie veraltet unsere Schulen an sich schon sind. Es gibt natürlich noch deutlich höhere Ambitionen. Gutes Beispiel sind einige Privatsschulen mit iPads, angepasstem Lehrplan, Interessenförderung, etc. Leider können sich diese Schulen ja nicht alle Bürger leisten.
Wichtig, hier spricht meine eigene persönliche Meinung!
Der Staat sollte im eigenen Interesse dringend etwas am Schulsystem ändern, da dies bereits eingetreten ist:
Tourgott schrieb:
Meh. Dieses "Kinder sollen sich entfalten" und am besten sowieso nur noch das machen was ihnen Spaß macht, hat bereits heute negative Auswirkungen. Diese verweichlichte, verwöhnte Versagergeneration wird Deutschland schlussendlich das Genick brechen. Mir wird jetzt schon himmelangst, wenn ich an meine Rente denke.
Und zudem unsere Politiker einfach nichtmehr zeitgemäß sind, so schafft Deutschland sich von beiden Seiten selbst ab.
M@rsupil@mi schrieb:
Nette "Wünsch dir was"-Vorstellungen, aber in Zeiten, wo nicht einmal Geld für ausreichend Lehrer und Schulgebäude vorhanden ist, da ist es doch illusorisch zu erwarten irgendwelche individuellen Förderungen zu ermöglichen.
Das ist leider die Realität. Auch wenn es gottseidank in den letzten Jahren schon einige kleinere Änderungen (z.b. unterrichtsbegleitendes Personal) gab und auch jede schule momentan ihre eigenen Konzepte des individuellen Lernens erarbeitet (z.B. freie Lernzeit, in welcher Schüler sich aus einem Materialpool frei Arbeitsblätter zu verschiedenen Themen aus den Hauptfächern auswählen können).
florian. schrieb:
Und völlig egal was man später machen will, grundlegende Kenntnisse wie die Welt funktioniert (Biologie/Chemie/Geschichte/Geographie...) sollte jeder haben.
Ich find unser Bildungssystem grundlegend gut, so wie es ist.
Ja dem stimme ich absolut zu und ich finde auch den Schulzwang hier durchaus berechtigt und notwendig, allerdings sollte dieser auf keinen Fall ausgeweitet werden. In der Politik wurde/wird z.b. darüber diskutiert die Schulzeit schon für niedrigere Jahrgänge auf den gesamten Nachmittag auszuweiten (teils bis 17:00). Dieser Eingriff in die Freizeit, in welcher ja auch individuelle Interessen über Eltern und Freundeskreis gefördert werden sollen, sehe ich mit großem Grauen kommen.
DerOlf schrieb:
Einzene Dinge braucht man heute schlicht nicht mehr ... bzw., als Schüler braucht man sie eben doch ... für die Schule.
Und das führt dann den allseits extrem (un)beliebten Spruch "nicht für die Schule lernen wir, sondern fürs Leben" völlig ad absurdum.
Jemand der dann nie wieder mehr rechnen muss, als Grundrechenarten, fragt sich doch wirklich, was das mit der Kurvendiskussion ab der 7.- Klasse eigentlich sollte.
Abbildungen von abstrakten Mengen in abstrakte Mengen ... am besten gleich Scharweise.
Ist doch egal, ich will doch nur an Autos schrauben.
Bis zu einem gewissen grad sind die Inhalte in der Schule doch eigentlich relativ egal ... es geht um die Fähigkeiten (zum Beispiel zum abstrakten Denken). Das kann man dann am Ende nicht nur im Matheunterricht gebrauchen, sondern eigentlich wann immer man es mit etwas komplexeren Problemen zu tun bekommt.
Die Inhalte sollten auf das Leben in der heutgen Zeit angepasst werden.
Vieles, was in der Schule vermittelt werden soll (an Kompetenzen) sollte auch weiterhin vermittelt werden (man sollte es zumindest weiter versuchen) ... nur der Stoff, an dem das bearbeitet wird, der darf mMn gerne jünger sein, als 1980-90.
Auch die Gerätschaften ... wie soll einem denn Medienkompetenz zufliegen, wenns in einem Raum nur ein einziges Tablet gibt, an das die Schüler nicht dran dürfen, weil es für den Lehrer gedacht ist.
Welche Bewandnis hat heute noch die Fähigkeit, einen Overhead-Projector bedienen zu können.
Selbst in den Seminar und Tagungsräumen, in denen es sowas noch gibt, wird eher ein Beamer genutzt ... notfalls brigt man als Dozent halt einen mit.
Die Zeit, die man in der Schule mit derartiger Steinzeittechnik verbrät, sollte man eher investieren, dass die PP-Präsentationen in Schule, Uni und natürlich auch im Beruf etwas besser werden, weil die Kids eben schon in der 5 Klasse (oder so) damit umgehen lernen.
Ich bin zwar ein Freund von Tafelbild und Handout, aber das liegt mehr daran, dass ich keine vorgelesenen PP-Präsentationen mag ... wenn das gut gemacht ist, kann mich das richtig begeistern.
Du triffst es recht gut...
Was für mich ein absolut veralteter Punkt im Lehrplan ist, ist der Religionsunterricht. Dieser findet ab der 1. Klasse (glaube ich... Kann auch 3. sein) durchgehen mit zwei Stunden die Woche statt, und das die ganze Schullaufbahn hindurch. Dahingegen wird Physik erst ab der 7 Klasse und nur halbjährlich epochal unterrichtet und muss sich mit Politik und Wirtschaft, sowie Biologie und Erdkunde abwechseln. Auch Chemie wird erst relativ spät unterrichtet.
Ob gläubig oder nicht, aber wir sind uns wohl einig daß die Naturwissenschaften definitv wichtiger sein sollten als das Fach Religion. Wer glaubt, kann ja dennoch in die Kirche gehen, aber an ein Chemielabor etwa kommt man nicht so einfach in der Freizeit ran.
Genauso ein veralteter Fall wie Reli ist Latein. Latein oder Französisch ist auf dem Gymnasium Pflicht. Wer Arzt oder Theologe werden will, schön der braucht Latein vlt. Aber warum wird etwa die 2. meist gesprochene Sprache der Welt, Spanisch, nicht, nur als 3. Fremdsprache als Wahlpflichtfach oder nur bei sehr vereinzelten Schulen angeboten.
Das Fach Kochen bleibt bei uns etwa den Gymnasialschülern gänzlich vorenthalten, da es nicht mit der Stundentafel des Kultusministeriums vereinbar ist.
Zudem fände ich persönlich einen etwas mehr praktisch orientierten Unterricht sinnvoller, auch um gegen zunehmende Motivationsprobleme der Schüler anzukämpfen.
Unser Schulsystem, die Schulen und einige der Lehrer benötigen dringend ein "Upgrade" und dafür müssen viel mehr Gelder aufgewendet werden, als es etwa beim Digitalpakt der Fall war.
Es gibt ausreichend ambitionierte Lehrer, aber das System ist einfach zu alt und hinderlich.
VG