Leserartikel Erfahrungsbericht: Realtek RTL8126 / RTL8127 (Instabilitäten auf X570 / PCIe 4.0)

Ich wollte meine Erfahrungen mit den Realtek-NICs RTL8126 und RTL8127 teilen, da es in meinem Setup zu reproduzierbaren Problemen gekommen ist. Beim Recherchieren habe ich Hinweise auf ähnliche Probleme gefunden – bei mir waren die Auswirkungen allerdings noch deutlich gravierender.



Testsystem

  • Mainboard: ASRock X570S PG Riptide
  • Chipsatz: AMD X570
  • CPU: AMD Ryzen 5900X
  • Betriebssystem: Windows 11, neuste Version
  • Netzwerk: überwiegend Cat.5e-Verkabelung
  • Vergleichskarte: Intel X550-T1
Die getesteten Realtek-Karten liefen jeweils über PCIe-Slots, die über den Chipsatz angebunden sind. Soweit mir bekannt, nutzen beide PCIe 4.0 x1.



Ausgangssituation

Die auf diversen IT-Plattformen angekündigte RTL8127 wirkt auf dem Papier zunächst attraktiv:
  • 10 / 5 / 2,5 / 1 Gbit/s
  • relativ geringer Stromverbrauch
  • PCIe 4.0 x1 Interface
Verglichen mit z. B. einer Intel X550-T1 ergeben sich einige praktische Vorteile:
  • deutlich geringere Leistungsaufnahme
  • geringere Anforderungen an die PCIe-Lane-Anzahl
  • X550 zeigt unter manchen Betriebssystemen Einschränkungen bei Autonegotiation

Ich nutze überwiegend 5 Gbit/s, da meine Infrastruktur größtenteils auf Cat.5e basiert. Unter aktuellen Windows-Treibern lässt sich mit der X550 NBase-T teilweise nicht mehr manuell erzwingen, während Linux hier mehr Optionen bietet.



Beobachtungen RTL8126

Mit meiner vorhandenen RTL8126 trat folgendes Verhalten auf:
  • Karte wurde nach Herunterfahren sporadisch nicht erkannt (ca. jeder 10. bis 20. Bootvorgang)
  • Problem ließ sich nur durch vollständiges Power-Cycle beheben
Ähnliche Berichte finden sich auch in diversen Foren. Ich kaufte dann eine RTL8127 in der Hoffnung, dies abzustellen.



Beobachtungen RTL8127

Nach testweisem Umstieg auf die RTL8127 zeigte sich in meinem System ein vergleichbares Verhalten, allerdings deutlich häufiger (nahezu bei jedem Bootvorgang).

Parallel dazu kam es zu zunehmender Instabilität meiner Windows-11-Installation, Anwendungen (z. B. Steam, Ollama) starteten nicht mehr, Reparaturversuche fruchteten nichts.

Ca. 24 Stunden nach einer deshalb erfolgten Neuinstallation inklusive Zurücksichern des Benutzerprofils traten erneut Fehler auf:
  • flackernde Desktop-Icons
  • Standardbrowser ließ sich nicht mehr setzen
  • nach dem Februar-Windows-Update dann kein Boot mehr möglich
  • Windows-Reparaturoptionen sowie Reparaturinstallation blieben ohne Erfolg
Nach erneuter kompletter Neuinstallation und Wiederherstellung eines Benutzerprofil-Backups traten beim Restore CRC-Fehler auf, obwohl die Quelldaten bei der ersten Neuinstallation unauffällig waren. Zeitgleich hatte ich die RTL8127 testweise in einen anderen PCIe-Slot umgesetzt.



Eingrenzung der Ursache

Daraus ergab sich der Verdacht, dass die über den X570-Chipsatz angebundenen PCIe-4.0-Slots instabil arbeiten.

Beobachtete Symptome:
  • PCIe-Geräte (insbesondere NICs) werden beim Cold-Boot-Training teilweise nicht erkannt
  • Über PCIe übertragene Daten sind offenbar korrupt
Besonders deutlich wurde das beim Transfer von ca. 500 GB Daten über das Netzwerk während der Wiederherstellung des Benutzerprofils. Mein Verdacht ist, dass auch die nachinstallierte Software beim ersten Versuch und das Windows-Update dann teilweise defekt waren.

Da X570 zu den ersten Consumer-Plattformen mit PCIe 4.0 gehört, wäre eine Limitierung in bestimmten Konstellationen zumindest denkbar. Gleichzeitig existieren Berichte über ähnliche Kaltstartprobleme auch auf Intel-Plattformen, weshalb die Ursache wahrscheinlicher bei den Netzwerkkarten als bei meinem Mainboard liegt.



Vergleich mit Intel X550-T1

Die X550-T1 läuft im identischen System stabil. Sie:
  • nutzt PCIe 3.0
  • benötigt mindestens x4 oder x1 (x2 wird nicht genutzt)
  • hat einen höheren Stromverbrauch



Reproduzierbarkeit / Workarounds
  • Problem trat mit zwei unterschiedlichen Realtek-Karten (RTL8126 und RTL8127) auf
  • Fehler verschwanden beim Einsatz der Intel X550-T1
  • Ein Power-Cycle konnte teilweise Erkennungsprobleme lösen



Fazit (nur eigene Beobachtung)

In meinem Setup zeigen RTL8126 und RTL8127 Instabilitäten in Kombination mit einem ASRock X570S PG Riptide und PCIe-4.0-Anbindung über den Chipsatz.

Theoretisch könnte man im BIOS PCIe 3.0 erzwingen, dies ist jedoch nur getrennt für CPU- und Chipsatz-Lanes, nicht pro Slot möglich. Dadurch würden auch die NVME-Slots und USB-Controller auf PCIe 3.0 herabgestuft, was ich nicht will. Es würde die RTL8127 auch auf ca. 8 MBit/s limitieren.

Ich habe nach ca. 3 Tagen wiederholter Neuinstallationen keine Lust, diese Karten nochmals einzusetzen, so toll sie auch theoretisch sein mögen.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: coxon
Danke für den Bericht.

Wollte in den nächsten Tagen NICs (RTL8127) kaufen. Werde erst einmal abwarten.
 
Ich nutze aktuell 2 Stk. 8127A , 1 Stk. 8127AT und 1 Stk. 8126 und kann die Beobachtungen bei anderen Chipsätzen nicht teilen.

System 1:
MSI B850 Tomahawk Max
Ryzen 9950X
RTL 8127A - PCIe 4.0 x1
Win11 Pro

System 2:
Gigabyte B850 Wifi 6
Ryzen 9700X
RTL 8127A - PCIe 4.0 x1
Win11 Pro

System 3:
MSI H310i pro
i5-8500
RTL 8127AT - PCIe 3.0 x4
OMV_8

System 4:
MSI B550 Tomahawk
Ryzen 5900
RTL 8126 - PCIe 4.0 x1
Win11 Pro

Alle 4 Systeme laufen bei mir absolut problemfrei. Die Verkabelung ist mit Cat.5e ausgeführt. Die Fehlerrate bei der Datenübertragung ist nicht nennenswert.

1770915013670.png

Hast du eine aktuelle BIOS Version auf deinem Board?
 
Ja, ist ziemlich aktuell. Es gibt ja auch keine Fehler auf der Ethernet-Strecke (die würden ggf. korrigiert), sondern von der Karte zum Rechner (per PCIe).

Übrigens: Auf dem MSI B550 Tomahawk hast Du sehr wahrscheinlich kein PCIe 4.0 - es sei denn, Du nutzt den x16-Slot und dann ist die Karte direkt an der CPU.

Das H310i hat auch nur PCIe 3.0 und der RTL8127AT hat nur 2 Lanes.

Das Gigabyte B850 Wifi 6 hat ebenfalls an den "kleinen" PCIe-Slots nur PCIe 3.0. Nur der x16-Slot kann mehr.

Das MAG B850 TOMAHAWK MAX hat nur einen Chipsatz-Slot, der PCIe 4.0 kann.

Du kannst die reale Geschwindigkeit mit HWINFO64 feststellen.

Der Punkt ist: Interessant wird der RTL8127 eigentlich erst durch den x1-Anschluss, aber dafür braucht er PCIe 4.0 - und damit scheint er - zumindest bei mir - instabil zu sein.
 
Zuletzt bearbeitet:
Wie misst Du denn mit CrystalDiskMark den Netzwerkdurchsatz? Achso, indem Du einen Netzwerkordner nimmst?

Es geht ja zunächst mal auch nicht um Messwerte, sondern schlicht um die Anbindung per PCIe.

Und da gilt nun mal: Es können maximal so viele Lanes genutzt werden, wie Slot und Netzwerkkarte zur Verfügung stellen. Beim RTL8127 ist das Maximum 4.0 x1, beim RTL8127AT ist es maximal x2, nicht x4, egal, wie viel der Slot kann.

Bei mindestens 3 von 4 Beispielen ist also Deine Karte vermutlich gar nicht per PCIe 4.0 angeschlossen und mutmaßlich würden sich dort auch solche Probleme nicht zeigen (was Du ja auch schreibst).

Dummerweise braucht es aber PCIe 4.0, damit der RTL8127 volle 10 Gbps erreichen kann. Beim RTL8127AT ist das anders, aber der passt auch nicht in x1 Slots.

Abgesehen davon schrieb ich ja bereits, dass ich zwar zur Vermeidung von Problemen auf PCIe 3.0 beschränken könnte - aber nur alle Anschlüsse und das beeinflusst dann die Geschwindigkeit der NVME.
 
meyergru schrieb:
Wie misst Du denn mit CrystalDiskMark den Netzwerkdurchsatz?
Indem man ein Netzlaufwerk einbindet. Solange das Laufwerk nicht limitiert, kann man die Geschwindigkeit testen.

meyergru schrieb:
Bei mindestens 3 von 4 Beispielen ist also Deine Karte vermutlich gar nicht per PCIe 4.0 angeschlossen und mutmaßlich würden sich dort auch solche Probleme nicht zeigen (was Du ja auch schreibst).

Dann würde der Netzwerkduchsatz aber bei 7-8 Gbit limitieren. Und eine Netzwerkkarte so einzubauen, dass diese per PCIe 4.0 angebunden ist, bekomme ich durchaus hin. Sollte die Netzwerkkarte nicht mit PCIe 4.0 angebunden sein, sondern nur mit PCIe 3.0 x1, dann wäre eine Übertragung mit ca. 800 MB/s möglich. Dem ist aber nicht so.
 
Ich habe zwar nur eine Marvell AQC113-X1 im PCIe 4.0 x1 Slot vom Crosshair VIII mit X570 ohne Probleme
getestet und keine RTL8127. Aber auch NVME SSDs in einem einem PCIe 4.0 x4 Adapter machten auf den
System keine Probleme.

Daher würde ich ohne das du es mal auf einem anderem X570 Board getestet hast nicht eine generelle
Aussage machen das es grundsätzlich an X570 liegt.

Wenn ich auch eine RTL8127 habe werde ich es auch auf dem X570 ausprobieren.
 
Das habe ich nicht getan - eher im Gegenteil: Ich sage nur, bei mir machen beide Realteks definitiv diese Probleme. Über die wirkliche Ursache kann ich nur spekulieren:

Ich habe ganz konkrete Hinweise gefunden, dass es auf anderen AMD-Chipsätzen auch Stress macht:

https://www.reddit.com/r/Fedora/com..._rtl8127_dropping_out/?utm_source=chatgpt.com (AMD X870E)

Und auch für Intel finden sich Hinweise:

https://www.reddit.com/r/intel/comm...ny_pcie_30_x4_card_in/?utm_source=chatgpt.com (Intel Z690)

https://forums.servethehome.com/ind...dapters-might-be-on-the-way.47683/post-489414

Offenbar sollten die RTL8126 anstelle der RTL8125 onboard verbaut werden, das wurde dann aber gekippt:

https://www.hwcooling.net/en/realtek-rtl8126-suffers-from-instability-no-5-0gb-s-ethernet-this-year/

Wenn der X570S Chipsatz generell kein richtiges PCIe 4.0 könnte, hätte man sicher mehr davon gelesen. Außerdem laufen zwei PCIe 4.0 NVMEs einwandfrei bei mir.

Nochmals: Ich werde die Karten weder weiter nutzen noch sonstwie testen - da steckt bei mir schon zu viel Zeit drin.
 
meyergru schrieb:
Karte wurde nach Kaltstarts sporadisch nicht erkannt (ca. jeder 10. bis 20. Bootvorgang)
Problem ließ sich nur durch vollständiges Power-Cycle beheben
Was verstehst Du unter Kaltstart bzw. „vollständigem Power-Cycle“ genau? Oder anders gefragt: Hattest Du in Windows bereits den „Schnellstart“ abgeschaltet?
meyergru schrieb:
nach dem Februar-Windows-Update dann kein Boot mehr möglich
Weißt Du noch, welches Symptom Du genau hattest, also was für ein Bildschirm kam, schwarz, blau, Text, kein Text?
 
Power Cycle heißt: Power komplett weg, d.h. hinten am Netzteil ausschalten oder Netzstecker ziehen. Nur das half.

Normales "Herunterfahren" (Kaltstart) (Schnellstart oder Ruhezustand nutze ich sowieso nicht) brachte beim Boot immer den Zustand, dass die Karten nicht erkannt wurden - und das war kein Treiberproblem: man konnte mit F11 schon sehen, dass auch der Boot von der Netzwerkkarte in diesem Zustand nicht angeboten wurde. Die Netzwerkkarte ist in Windows dann nicht angezeigt worden und tauchte in HWINFO64 am Bus nicht auf, das war ein echtes PCIe Trainingsproblem.

Ja, der Effekt war: Asrock Logo mit drehendem Kreis, schaltet um auf schwarzen Bildschirm mit drehendem Kreis, das hielt über Nacht an (ich hatte mit ein bisschen Wartezeit nach dem Update gerechnet und liess den Rechner dann nachts an). Mehrfach versucht, immer das selbe. Vom USB-Stick gestartet, Reparaturoptionen brachten nichts, eine vom USB-Stick gestartete Windows-Reparaturinstallation ging ebenfalls nicht durch. Und wohlgemerkt: Es handelte sich um ein Windows 11 Pro, das erst zwei Tage vorher frisch installiert wurde.

Tut aber nicht viel zur Sache, die vorangehenden Symptome waren ja schon "seltsam" - der Kipppunkt war dann, dass das 2. Zurücksichern des Benutzerprofils mit der Karte in einem anderen Slot als beim 1. Mal auch noch CRC-Fehler anzeigte. Wenn Programme mit fehlerhaften Daten installiert werden, kann halt alles mögliche passieren.

Und außerdem: Nachdem ich das Problem erkannt hatte, habe ich alles nach dem Zurücksichern des Profils mit der Intel X550 durchgeführt - und zwar genau die selben Programme wie vorher. Bislang läuft jetzt damit alles stabil.

Kann man draus schließen, was man will - für mich ist klar, dass auf meinem System beide Karten die Startprobleme hatten (bevor jemand fragt: ja, ich hatte sowohl im BIOS als auch im Treiber schon EEE und Wake On LAN deaktiviert, mit der RTL8126 hatte ich jeden Blödsinn schon durch) und mit der RTL8127 dann auch noch CRC-Fehler sichtbar wurden. Das war wohl nur der Fall, weil das Tool, das ich dafür genutzt habe (ForensIT Transwiz 1.19), selbst nochmals Checksums macht.

Beide Symptome wären konform mit PCIe 4.0 Erkennungs- oder Übermittlungsproblemen, weshalb ich diese Karten nicht mehr einsetze.

Ob das nur bei meinem speziellen Board ist, der X570(S)-Chipsatz, AMD-Chipsätze allgemein oder einfach die Karten betrifft, weiß ich nicht - habe aber aufgrund ähnlicher Berichte aus dem Internet eine Vermutung.
 
meyergru schrieb:
Schnellstart nutze ich sowieso nicht
Weil der „Windows Schnellstart“ voreingestellt ist und beim Ausschalten greift, heißt das, Du hast es nach der Windows Installation explizit abgeschaltet?
 
Zuletzt bearbeitet: (umformuliert um die Werkseinstellung =Schnellstart und die Situation = Ausschalten klarer zu machen.)
Ja. Im übrigen trat das Problem auch auf, wenn man Reset oder den Power-Knopf lange drückte.

Jeder Start lief voll über den Asrock-Screen, nie "sofort", wie es beim Schnellstart passiert. Ich hatte in der Vergangenheit mit Windows 7, 10 usw. zu viele Probleme damit, als dass ich mich darauf verlassen würde (auf diverser Hardware).

P.S.: Nur zur Klarstellung: es geht mir nicht darum, nachträglich an den Probleme herumzudoktern - ich brauche keine Unterstützung. Da ich auch nicht bereit bin, die Karten nochmals einzubauen, kann ich auch nichts ausprobieren. Es ist nur ein (negativer) Erfahrungsbericht, kein Hilferuf.

Ich weiß, dass es ähnliche Berichte schon gab (s.o.), in diesen wurden aber oft frühe Treiberprobleme genannt (besonders unter Linux), manchmal aber auch die Startprobleme. Das CRC-Problem hat aber noch niemand beschrieben und ich glaube, dass man das auch nur in sehr speziellen Umständen nachweisen kann. Deswegen habe ich das geschrieben, vielleicht hilft es jemandem.
 
Zuletzt bearbeitet:
danke für deinen Erfahrungsbericht.
welcher Switch nutzt du / kann 5GbE?
 
Unifi USW Pro HD 24 PoE - hat zwei Ports mit 10/5/2,5/1 Gbit/s.
 
Zurück
Oben