ascer schrieb:
Bei uns gibt es z.B. noch keine Queer- oder Genderstudies, aber das ist ja auch stark im kommen.
Gerade an deiner Uni ist das scheinbar notwendig, solche Fächer zu installieren.
Wenn man Genderstudies nicht nur als reine Frauen-Lobhudelei versteht, sondern eben die aufgabe dieser Theorierichtung primär darin sieht, nach geschlechtlichen Unterscheidungsstrukturen zu forschen, welche in der Gesellschaft wirksam sind, und BEIDE Geschlechter lediglich in unterschiedicher Weise treffen, dann wird die Gender-Debatte an deiner Uni davon profitieren ... aber die Feministen werden einfach keinen Bock drauf haben (genau wie die Stammtischmachos keinen Bock auf Gleichstellungsbeauftragte hatten ... es ist wirklich das selbe andersrum).
Ich wollte mich eigentlich für Gendersrtudies einschreiben ... just in dem Semester nahm die Soziologische Fakultät aber keine Studierenden mehr auf. Also wurde es Pädagogik mit Schwerpunkt auf Ungleichheitsforschung.
Ich glaube, eure "Kampflesben" wären aus den Seminaren, die ich erlebt habe, schreiend weggelaufen ... denn es wurden KEINE Männer-KZ's gefordert (oder eben nur gemeinsam mit Frauen-KZ's).
Es ging in diesen Seminaren meist um Forschungsergebnise aus Biologie, Medizin und Pädagogik ... es wurde nicht gesiebt, und gerade Forschungsberichte, die natürliche Unterschiede zeigten, wurden ganz besonders berücksichtig ... natürlich auch mit dem gedanken im Hinterkopf, sie anzuzweifeln.
Dafür mussten wir jedoch andere Argumentationen nutzen, als "das ist eine pariarchale Struktur, auf der diese Studie aufsetzt".
Es ist egal, ob sie das tut oder nicht, es ging eher darum, welchen wissenschaftlichen Standards genügt wurde, und welchen eben nicht.
Wenn es bei euch "echte" Genderforscher gäbe, dann würden de wohl jeden Shitstorm aushalten, denn ihr Wissen und ihre Beschäftigung mit dem Thema würden sie befähigen, JEDE Kritik zu widerlegen. Wahrscheinlich wären das dann die "übelsten Sexisten und Machos", nur weil sie es wagen, die heilige Kuh (Bevorzugung von Mädchen/Frauen) schlachten zu wollen.
Ich bin in diesem "Kampf" nicht angetreten, damit Frauen ihren eigenen Machismo entwickeln ... das einige genau das getan haben, ist einfach nur widerlich aber das sind dann mMn eben keine Feministen, sondern eher Sabouteure.
Das Aufbrechen der Strukturen ist auch mein Ziel ... aber davon MÜSSEN mMn beide Geschlechter profitieren.
Es geht nicht darum,. das schwächere oder das gefährlichere Geschlecht im Keller einzusperren, es geht darum, genau DIESE Einschätzng, die bei der Unterscheidung Frau/Mann automatisch mitschwingt, zu schwächen.
Dafür braucht es gefährliche Frauen genauso wie Männer, die stark genug sind, auch mal Schwäche zu zeigen.
Mit Schlapschwänzen, die sich wegducken, sobald ein feministischer Lynchmocb auftaucht, kann ich nix anfangen.
Genau so wenig, wie mit Hausmütterchen, die zwar im "feministischen Diskussionszirkel" auf "Kampflesbe" machen, ihrem Macho zuhause aber dennoch immer nur mit "ja und Amen" antworten.
Es ist traurig genug, wenn eine "Männerbewegung" nötig erscheint, denn dann haben die Feministen (als Gruppe) grundlegende Motivationen hinter der Gleichstellungsdebatte nicht im Ansatz verstanden.
Vielleicht ist es aberauch eine notwendige Zwischenphase, in der Frauen nun mit Macht umzugehen lernen - auch bei den Männern führte das primär zu Machtmissbrauch ... nicht zuletzt, WEIL sich Frauen zu lange defensiv verhalten haben.
Eine Wiederholung der "gleichen Geschichte in anderer Farbe" ist mMn das schlechteste, was wir uns ausdenken können.
Die 294 Geschlechter der Queers sind übrigens eher ein politisches Programm ... damit soll die Auflösung der Geschlechtzerdichotomie vorangetriebenen werden ... die Methode "Differenzierung bis zur Bedeutungslosigkeit des Geschlechterlabels".
Die Angabe eines Geschlchts macht einfach keinen Sinn, wenn dabei 294 Varianten berücksichtigt werden müssen ... soweit die Theorie.
Eine dritte Variante (divers) gibt es schon heute ... wahrscheinlich sollte man grundsätzlich nur noch diese Geschlechtsangabe machen ... auch wenn man klar geschlechtlich eintütbar ist.
Oder die Frage nach dem Geschlecht einfach mit "Ja" beantworten.
Ziel ist, dass erst garnicht mehr nach dem Geschlecht gefragt wird, weil es als übnerdifferenzierter Begriff eben keine Unterscheidungen mehr ermöglicht.
Dabei geht es darum, die Frage nach dem Geschlecht ganz allgemein ad absurdum zu führen.