Ich glaube auch zum Teil, dass wir aufgrund der noch eingeschränkten Handlungsspielräume der Genres und der Story-Stagnation in diese Schlachtspirale gezogen werden. Ich habe gelesen, in 15 Jahren sollen wir eine 1:1 Fotorealistik in Spielen haben. Wenn die Anbieter dann mit frischen Story-Ideen aufwarten, entscheiden wir sicherlich anders...
Aber zum Dampf rauslassen werden sie sicherlich auch in Zukunft Beat 'em ups und Ballergames konsumiert. Schließlich, und deswegen fordert die Politik ein Verbot, verändern diese Spiele (man glaubt es kaum) unsere Einstellung gegenüber der Realität. Sicher nicht in dem Maße, wo alle Amok laufen. Aber dennoch ist eine nachhaltige Veränderung der Wahrnehmung durch Gewaltspiele (auch wenn es nur auf der hintersten aller Bewusstseinsebenen unseres Gehirns geschieht) existent. Beschäftigt man sich mit schönen Dingen in Spielen, z.B. erschafft eine schöne Kreation in Anno 1404 oder Flower, werden diese Dinge in der realen Welt intensiver wahrgenommen (z.B. Architektur und Flora). Aber unsere Kultur ist eben auch durch Filme wie Scarface geprägt. Diese suggerieren, dass es im Leben nichts schöneres als Autos, leichte Frauen und Waffen gibt. Diese Objekte strahlen auf uns immer eine Begehrlichkeit aus. Wie weit sie ausgelebt wird, tragen Film- und Spielindustrie sowie Politik und zuletzt unsere eigenen Prämissen Rechnung.
das Thema "Zukunft des Gaming" hängt meiner Meinung nach untrennbar mit der Gewaltfrage zusammen!
Nun sind wir an einem Punkt in der Entwicklung von Videospielen angelagt, wo man bereits von Kunst spricht. Entwicklerteams hocken nicht mehr zu dritt in Garagen basteln Baller-Allerlei in Leveleditoren zusammen. Gewalt ist bekanntlich Bestandteil des FPS-Shooter Genres, aber nicht nur. Dort beschleicht mich (FPS-Fan der ersten Stunde) mittlerweile auch ein Gefühl der Sättigung. Das Bildschirmzentrum auf die Gegnergestalt zu richten, diesen schließlich mit einer variablen Anzahl von Vernichtungswaffen mehr oder minder blutig zu Fall zu bringen, das Thema ist einfach irgendwann ausgelutscht wie alter Kaugummi. Kreativität kommt dabei auch an seine Grenzen ... Waffentypen, was soll da noch kommen, was noch nicht dagewesen ist. Nein, ich glaube dass die Videogame-Branche eine zunehmende Bewegung in Richtung (nennen wir es) Virtual Movie machen wird. Die Grenzen zwischen aufwendig produziertem Blockbuster und "Spiel" werden dahingehend verschwimmen, dass schließlich eine Verdrängung der reinen Spielfilm-Kultur erfolgen wird. Der Mangel an Interaktivität wird dabei K.O.-Kriterium! Werfen wir einen Blick auf die aktuellen MediaControl Charts im DVD-Vertrieb/Verleih, sucht man vergebens nach B-Movies aus der Splatterecke. Diese rein auf Gewalt basierenden Streifen können niemals ein ähnlich großes Publikum erreichen wie z.B. aktuelle Topseller ("Twilight", "Benjamin Button", "Australia" etc.).
Die Portation von Emotionen wird schließlich die Wende bei den Videogames mit sich bringen, das ganze wird super spannend und den Gamern ungeahnte Möglichkeiten bieten. Und das Beste: der grundlegende Wandel steht bereits in den Startlöchern. Die E3 hat gezeigt, dass in den nächsten Jahren ein Wandel (vor allem im Erwachsenen-Entertainment) zu erwarten ist, der mit einem einzigen Wort beschreibbar ist: Atemberraubend!
Ein aktuelles Beispiel ist die PS3-Entwicklung "The Last Guardian" von Team Ico. Dieses Spiel erntete den mit Abstand größten Applaus aller ausgestellter Titel der Weltmesse. Die anwesenden Journalisten beschrieben das Erlebnis mit "großer emotionaler Berührtheit" und "Gänseheit-Erfahrung". Grund dafür war eine digital erschaffene Kreatur, die man "sofort ins Herz schließt". Aber schaut selbst:
http://www.youtube.com/watch?v=T4E0e-ZCn14&feature=fvst
Diese Titel werden zunehmend Erfolge ähnlich GTA IV feiern. Und GTA wurde vorrangig wegen der authentisch wirkenden Human-Interaktionen und seiner täuschend echten Umgebung mit großer spielerischer Freiheit gefeiert, nicht wegen seiner (sicherlich vorhandenen) Gewaltdarstellungen. Das ist auch voll OK - Gewalt als Option und Element gescheiterter (Videospiel-)Charaktere. Aber als Dreh- und Angelpunkt wie wir es in aktuell in Prototype erleben? Diese Games werden eine Randgestalt darstellen, die sicher auch Ihre Berechtigung haben wird, das ist klar. Erfolgreiche Titel werden das Thema auch aufgreifen aber eleganter verpacken. Wie im Noir-Thriller "Heavy Rain" von Quantic Dream. Dieses Spiel wird sicherlich seine Freunde dunkler Handlungen finden, auch ein echter Vorreiter der "Virtual Movie"-Gattung.
Die Darstellung von Kriminalität - nervenaufreibend, spannend! Aber Schrotsalven-durchsiebte-Leichen gepflasterte "Schlauchlevels"? Neein, das glaube ich ganz und gar nicht, dass das laufen wird... von daher zeigt die bevorstehende Gaming-Zukunft ein ganz klares Contra Gewalt auf. Die Menschen werden dies auch wollen.