Odium schrieb:
Nun, vielleicht hast du ja die Grafik übersehen, die meinen halben Post ausfüllt. Staatspleite ist nichts anderes, als das man seine Schulden nicht zurückzahlen kann oder nicht zurückzahlen will. Und das passiert häufiger als man glaubt.
Ich habe die von dir verlinkte Grafik sehr wohl zur Kenntnis genommen. Tatsache ist aber, sie gibt keine Informationen preis, die mir nicht schon längst bekannt wären.
Natürlich hat es Staatspleiten immer schon gegeben, selbst Deutschland hat mehrere hinter sich. Ich erinnere auch an Argentinien in unserer Zeit.
Eine Staatspleite klingt spektakulär, tatsächlich ist sie halb so wild. Das Land zahlt auch nach einer Staatspleite seine Schulden ab, siehe Argentinien. Der Staatsbankrott ist lediglich die förmliche Erklärung einer Regierung, fällige Forderungen nicht mehr oder nur noch teilweise erfüllen zu können, oder die faktische Einstellung fälliger Zahlungen.
Das sagt noch nichts darüber aus, ob die eigentlichen Schulden beglichen werden können und in Bezug auf Griechenland ist es auch ohne Aussagekraft.
e-ding schrieb:
Das ist mir schon klar. Ich gehe allerdings nicht davon aus, dass die Zinsen, zumindest auf ein erträgliches Niveau, fallen werden. Es ist ebenso denkbar, dass die Spekulationen den Zinssatz weiter nach oben treiben, da ja die Papiere durch die EU nun "gesichert"sind. Die Spekulanten wissen zwei Dinge: 1. Griechenland braucht Geld und das macht es teuer. 2. Die EU hat Griechenland nicht fallen lassen und das macht es "relativ sicher".
Richtig, aber die Verzinsung läuft nun direkt über die EU. Die Spekulanten haben auf diese Bürgschaften keinen direkten Einfluss. Gefährlich ist natürlich das Signal, dass Griechenland geholfen wird. Die Banken könnten das ausnutzen, um die Kreditwürdigkeit von Staaten herauf zu setzen, die eigentlich keine weiteren Kredite aufnehmen dürften.
e-ding schrieb:
Schulden wurden nicht mehr getilgt sondern lediglich die Zinsen. Solange das BIP das gesamte Verhältnis deckt, ist das ja relativ entspannt. Das war in Griechenland offensichtlich nicht mehr der Fall.
Ob Schulden oder nur Zinsen getilgt werden, hängt davon ab was ein Staat macht. Wir tilgen Schulden schon lange nicht mehr, wir tilgen noch nicht einmal die Zinsen. Wir machen sogar noch mehr Schulden.
e-ding schrieb:
Eine Zwischenfinanzierung bzw. Bürgschaft, wie jetzt geschehen, verschiebt das Problem lediglich, da die Griechen offensichtlich nur halbherzig bereit sind, Ausgaben zu senken.
Falls Griechenland nicht die notwendigen Sparmaßnahmen umsetzt, wurde das Problem tatsächlich nur verschoben. Wir werden sehen ob das der Fall sein wird.
e-ding schrieb:
Richtig aber ich schieße nicht noch Geld hinterher, wenn er nicht bereit ist, auf den Zweitwagen zu verzichten.
Das ist nun eine böse Unterstellung. Die griechische Regierung hat einen strikten Sparplan vorgelegt und bereits Kürzungen vorgenommen. Die meisten Griechen haben das auch akzeptiert, einige streiken natürlich.
e-ding schrieb:
Was genau wäre die Folge, Griechenland in eine kontrollierte Insolvenz gehen zu lassen bzw. aus der Währungsgemeinschaft auszuschließen? Ein Signal an andere Kandidaten, wie Odium schon schrieb. Sicherlich leidet der Euro etwas, aber nicht elementar. Die Geldgeber müssten Verluste jetzt realisieren (ich glaube hier liegt die Ursache für die Hilfszusage).
Ich frage mich welchen Anreiz jetzt andere Wackelstaaten haben, aktiv zu agieren. Deutschl...äähh...die "Währungsgemeinschaft" hilft ja.
Man kann Griechenland nicht einfach aus der Währungsunion ausschließen. Dem müssten alle Mitglieder zustimmen. Ausgeschlossen werden kann ein Land aus der Eurozone nur, wenn es "freiwillig" geht. Das Signal für den Euro wäre aber sehr negativ, der Euro wäre plötzlich eine Weichwährung. Langfristig bestünde die Möglichkeit, dass die Eurozone auseinanderbrechen würde. Wegen des wachsenden Vertrauenverlusts wäre es für die PIGS Staaten zunehmend schwierig und teuer, Geld auszuleihen, was ihre Budgetkrise noch verschärfen würde. Und das würde vermutlich zum baldigen Austritt der anderen ehemaligen "Weichwährungsländer" neben Griechenland führen.
Sollte Griechenland die Drachme wieder einführen, käme es vermutlich sofort zu einer starken Abwertung der neuen Währung. Die Auslandsschulden, die ja weiterhin in Euro notiert sind, würden dramatisch steigen. Zu erwarten wären zudem hohe Zinsen für die neuen Staatsanleihen, um verunsicherte Investoren zu locken. Kurz: Der Staatsbankrott wäre kaum zu vermeiden. Das wäre dann ein Totalverlust für alle Gläubiger.
Ganz zu schweigen von der Tatsache das unser Export einbrechen würde. Wir exportieren über 2/3 aller Waren in die Eurozone, es sind sehr wichtige Absatzmärkte für unsere Produkte.
Nein, wir müssen einen anderen Weg finden. Leider hat man viel zu spät reagiert, weil man die Finanzhochheit den Mitgliedsstaaten überlassen hat. Die haben das schamlos ausgenutzt und in den letzten 10 Jahren Schulden bis zum Umfallen gemacht. Die Stabilitätskriterien sind gescheitert, jetzt heißt es neue Regeln zu verabschieden. Die EU muss die Macht erhalten außer Kontrolle geratene Haushalte zu übernehmen und auf die harte Tour zu sanieren.
Sonst haben wir ein Problem!