Hardware-Verschleiss (Mainboard, CPU) bei Nicht-Nutzung?

lead341

Lt. Commander
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Nach meinem (laienhaften) technischen Verständnis nutzen sich Komponenten ja eigentlich nur ab, wenn man sie benutzt - d.h. diese bspw. einem temperaturbedingten Verschleiss unterliegen. So steht bspw. meine unten angegebene Grafikkarte - wenn ich zu Hause bin - unter "Dauerstress", wird also sicherlich nicht die Ewigkeit überdauern. Hätte ich andererseits meine Komponenten bei Erwerb einfach gut verpackt in die Ecke gestellt - könnte ich diese dann nach 20 Jahren wieder "hervorkramen" und "wie neu" nutzen?

Woher rührt diese Frage: ich hatte mir für einen Rechner im Ausland einen Router gekauft - und diesen maximal 1 Woche genutzt. Er funktionierte tadellos. Danach hatte ich ihn gut verpackt und im Schrank untergebracht. Nach da. 2 Jahren hatte ich ihn nun wieder ausgepackt und wollte ihn nutzen - und siehe da, nichts hat funktioniert. Ich bin daraufhin in einen Hardware-Shop zur Inspektion. Dort hatte man mir mitgeteilt, dass der Router völlig hinüber sei - angeblich sei er im Innern oxidiert.

Kann das tatsächlich sein? D.h. unterliegen auch Komponenten wie Mainboards oder Grafikkarten dieser Art von Verschleiß, selbst wenn diese nicht genutzt werden?

Gruß lead
 
Zuletzt bearbeitet:
deswegen liegen ja meisten in den Beuteln mit HW auch die Luftentfeuchterkugeln drinne

aber nach 2 Jahren Oxidiert????
kann ich mir kaum vorstellen (bei welchen Spezies in Chemnitz warst du :lol: )
 
Ja Korrosion, Oxidation, sowie Grünspan kann sich bilden. Das kommt aber ehr durch Feuchtigkeit, kann also durch entsprechende Verpackung verhindert werden.

Im Rechner selber herrscht eine höhere Temperatur, bzw. Zugluft. Dadurch beugst du vor.
Wenn der Rechner läuft entsteht wie du schon sagtest dadurch aber auch Abnutzung, Kondensatoren halten nicht ewig, bzw. sollen auch gar nicht ewig halten.

Weitere Abnutzung durch Nicht-Nutzen entsteht keine, da keine organischen Materialien wie Kohlenstoff verwendet werden, der zB bei gebrannten CDs für Ausfälle nach ein paar Jahren führt.
 
Oxidieren kann sowas schon. Aber so schnell? Das macht mich schon stutzig. Geh mal zu einem 2ten Händler.
 
Kann schon passieren, vor allem wenn man sowas im Keller oder ähnlich feuchten gebieten lagert. Am besten ist, wenn man keine andere möglichkeit hat, immernoch der gute alte dachboden Luft/Wasserdicht und Sonnengeschützt mit den Trockenkugeln zu lagern. Dann sollte meines Wissens nach, abgesehen von Naturkatastrophen oder extremen Temperaturschwankungen, nichts passieren.
 
Interessanter Fall.

Bei "Lagerung" in normalen Wohnraumbedingungen oder auch zwischenzeitlich in Dachboden oder Keller ist mir persönlich jedenfalls noch kein Computer oder computerähnliches Gerät "kaputtoxidiert". Sogar mein uralter C128 + Zubehör läuft noch wie am ersten Tag (allerdings äußerlich ziemlich vergilbt ;-).

Was ich allerdings schon mal erlebt habe, waren leere und auch ausgelaufene BIOS-Batterien. Die betroffenen Rechner haben dadurch bei jedem Abschalten die BIOS-Einstellungen verloren und z.B. die Boot-Festplatte nicht mehr gefunden.
Nach Austausch der Batterien und gegebenenfalls Reinigung des Mainboards haben sie dann wieder funktioniert.
 
Danke erstmal für die ausführlichen Schilderungen und Erklärungen. Meine zentrale Sorge bezieht sich nämlich aktuell auf einen Rechner (hatte ich schon in Benutzung), der in einer Plastiktüte in einem Schrank lagert (Asus P5B, E8500, Geforce 285 GTX etc.). Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass die Luftfeuchtigkeit dort allzu hoch ist. Nun gut, in einem Monat werde ich es prüfen können. Die Nachricht von Herdware stimmt mich da allerdings sehr tröstlich: wenn der alte C128 noch läuft wie am ersten Tag, sollte bei meinem Kandidaten (lagert seit Januar) eventuell noch alles funktionieren.

@derChemnitzer: nein, nicht bei einem Chemnitzer Spezi, sondern bei einem "Spezi" in Sao Paulo - dort gibt es solche kleinen Hardware-Shops an jeder Ecke.
 
Hallo,

wenn Du Fleisch in die Sonne legst, dann kannst Du es auch nach 2 Stunden eher weg werfen, denn verzehren.

Wie lange sich etwas unter Lagerung hält, liegt einzig daran, wie man es lagert. Wenn nach 2 Jahren ein Router innerlich verrostet ist, dann war es definitiv zu feucht Ber Lagerung unter sachgemäßen Umständen wird wenig bis gar nichts passieren.

Also solltest Du bei elektronischen Dingen drauf achten, dass sie absolut vor Feuchtigkeit geschützt sind (und nein, eine Plastiktüte hilft da nicht, sie hat den total gegenteiligen Effekt) und die Temperaturen im moderaten Plus Bereich sich bewegen.

Grüße,

Blubbs
 
Du könnstet den Router mal backen. Das soll gegen Oxidationen helfen. Anleitungen kannst du hier im Forum genug finden. Kaput ist er ja schon, kann ja nur gute bei raus kommen.
 
Entschuldigt, wenn ich den alten Thread nochmal öffne, aber ich bin im letzten Monat leider nicht zur weiteren Beschäftigung mit dem Thema gekommen.

@ BlubbsDE: wieso hat denn eine Plastiktüte (wenn diese bspw. mit Klebeband verschlossen ist) einen gegenteiligen Effekt?
 
Weil sich die Feuchtigkeit im Inneren niederschlagen kann und es in der Tüte dann feuchter ist wie im Lagerraum selbst.
 
Danke für die schnelle Antwort.

Ok, das mag sein - aber woher kommt denn dann die Feuchtigkeit? Plastik ist doch - meinem Verständnis nach - nicht "permeabel", also feuchtigkeitsdurchlässig - oder sehe ich das falsch?
 
Luftfeuchtigkeit in der Tüte, die beim Abkühlen kondensiert, denn die Tüte ist ja luftdicht.
 
Ok, danke - das macht schon Sinn. Aber gerade da müßte es ja - von der Definition her - notwendig sein, dass sich vorher schon Feuchtigkeit in der Tüte befand. Bei einer größtenteils trockenen Tüte dürfte der Effekt ja minimal sein. Dazu kommt, dass ich die Komponenten ja nicht "direkt" in der Plastiktüte lagere, sondern diese nochmal innerhalb des Gehäuses eingeschlossen sind (Stichwort: Komplettrechner). Dies sollte das ganze eventuell weiterhin dämpfen.
Schließlich wäre interessant, ob 6 Monate "relative Feuchtigkeit" (sollte diese tatsächlich "vorgedrungen" sein) genügen, um etwas zu schädigen.
 
Es gibt den Zustand "trockene Tüte" nicht, die Luft in der Tüte hat beim einpacken den Luftfeuchtegehalt der Umgebungsluft. In der Regel ist es auch so, dass die Tüte ja nicht Luftdicht verschweißt wird sondern immer eine Öffnung vorhanden ist, durch welche ein Luftaustausch statt finden kann und somit kann sich auch die Luftfeuchtigkeit ausgleichen.

Wie schon geschrieben wurde, war das Innenleben des Routers oxidiert, Oxidation ist ein Prozess der i.d.R. in Verbindung mit Luftsauerstoff geschieht und je nach Umgebungseinflüssen und Materialien schneller oder langsamer von statten geht. Ist Feuchtigkeit im Spiel geht es, zumindest bei Metallen bzw. mehreren unterschiedlichen Metallen, sehr viel schneller.

Das Eisen rostet dürfte jedem bekannt sein, was genau passiert steht hier:

Quelle

Während sich Eisen weder in purem Wasser, noch an trockener Luft deutlich verändert, rostet es bei Anwesenheit von Wasser und Sauerstoff, also etwa an feuchter Luft. Die silbrige Farbe verändert sich hierbei in braunrot, da das hydrierte Oxid entsteht. Im Wasser gelöste Elektrolyte beschleunigen die Reaktion, die aussieht wie folgt:

4Fe + 3O2 + 6H2O -> 4Fe3+ + 12(OH)- -> 4Fe(OH)3 oder 4FeO(OH) + 4 H2O

Meist schützt die entstandene Rostschicht das Eisen nicht vor einer weiteren Reaktion, sondern löst sich, so dass mehr Metall oxidieren kann. Bei den anwesenden Elektrolyten handelt es sich zum Großteil um Eisen(II)sulfat, das beim Angriff von atmosphärischem SO2 entsteht. In Regionen in Meeresnähe spielen zudem Salzteilchen in der Luft eine wichtige Rolle.
Eisen(III)hydroxid fällt auch häufig in natürlichen Gewässern aus.

Entsprechend ähnliches passiert nun in deiner Tüte mit dem Router, nur das es in diesem Fall weniger das Eisen ist sondern die ganzen anderen Metalle welche im Router Verwendung finden.

Nachdem das Wasser allerdings etwas oxidiert hat, ist es ja nicht mehr als Wasser vorhanden sprich die Luftfeuchtigkeit in der Tüte sinkt. Da sich die Luftfeuchtigkeit allerdings ausgleicht, wandert von außerhalb der Tüte Feuchtigkeit in die Tüte und der Kreislauf beginnt erneut.

Es gilt hier zu beachten, dass dieser Prozess i.d.R. relativ langsam verläuft. Wie in Deinem Fall 2 Jahre oder länger. (Ok wenn der Lagerraum ein Feuchtbiotop ist, dann ist das Teil schon nach 2 Monaten Schrott, aber ich denke nicht das jemand unter solchen Umständen etwas einlagert) ;)
 
Danke für die sehr detaillierte Schilderung. Das ein oder andere ist mir jetzt auch klarer ;-)
Ich denke mal, dem Rechner dürfte da bis jetzt nichts passiert sein - es sind knappe 5 Monate vergangen (im Schrank). Ich werde schauen, ob ich eventuell diese Luftentfeuchterkügelchen irgendwo her bekomme.
 
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