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Damocles' Sword
Gast
e-ding schrieb:Alle anderen Berufsgruppen müssten als Folge ebenfalls eine künstliche Einkommenssteigerung durchlaufen, da sonst der logische Lohnabstand von ungelernten zu gelernten Kräften usw. nicht mehr gegeben wäre. Die Folge wären wiederum Preiserhöhungen. Der gutgemeinte Ansatz verpufft. Es stehen lediglich höhere Zahlen auf Lohnbescheinigung und Preisschildern.
Die Frisörin verdient dann zwar das Doppelte, der Besuch beim Frisör kostet dann aber auch das Doppelte. Es ist also zwingend erforderlich, dass auch andere Lohngruppen nachziehen müssen.
Warum sollte der Dachdecker mit 15 € die Stunde auch mehr Lohn bekommen? Damit er sich weiterhin für was Besseres halten kann ? Jemand der um 6 Uhr auf Schicht geht und sich den Buckel krumm ackert ist weniger wert als jemand der im Büro seinen Sessel voll furzt und nur ab und an mal ein Tel.-Gespräch entgegennimmt ? MMn nicht. Btw: Ich bin nicht dafür dass der Hartz-Regelsatz angehoben wird. Ich bin für Mindestlöhne,die ein Aufstocken unnötig machen und ein normales Leben ermöglichen. Normales Leben heisst für mich auch ab und an mal etwas neues zum anziehen,ein günstiger Gebrauchtwagen um zur Arbeit zu fahren,1 mal im Jahr 2 Wochen Urlaub,ausgewogene Ernährung und vor Allem keine Angst davor dass mal etwas dazwischenkommt und man sich z.B. Reparaturkosten vom Munde absparen muß. Nebenkostennachzahlungen sind hier auch ein gutes Bsp..
Höhere Zahlen auf Preisschildern? Quod erad demonstrandum. Meine Friseurin hat anno '90 für einen Haarschnitt DM 8 verlangt,für eine richtige Frisur. Seit 10 Jahren trage ich langes Haar. 2006 war ich beim Friseur um die Ecke um die Preise abzuchecken: 14 € für 2 Minuten Spitzen schneiden. Seit '90 sind die Löhne in dem Sektor gesunken. Hätte nach deiner Formel also billiger werden müssen.
Dass die Lohnkosten,je nach Produkt, keine 50 oder mehr % der Herstellungskosten ausmachen brauche ich dir wahrscheinlich nicht zu erklären. Doppelter Lohn ist deshalb =! doppelter Endpreis.
P.S.: Das Friseurbeispiel kannst du auch auf die Lebensmittelbranche übertragen (welche gerade für Hartzler maßgeblich ist). Seitdem der Sklavenlohnmarkt immer größer wird steigen die Preise,teilweise in 10 Jahren um über 100 % (z.B. Margarine).
Ich könnte hier jetzt darlegen weshalb die Preise tatsächlich steigen,das hat nur indirekt etwas mit Löhnen zu tun. Ein BWLer der nachdenkt sollte auch auf die Lösung kommen. Auf Nachfrage werde ich das gerne erläutern.
P.P.S.: Die 1,5 - 2 Mio freien Stellen sind ein Märchen. Das sind keine "Stellen",sondern überwiegend Jobs a la Restaurantküchen putzen,7 Tage die Woche,5 € die Stunde,in einer anderen Stadt,kein Fahrgeld,Arbeit bis in den späten Abend,keine Schichtzulagen. <------- Das ist ein reales Jobangebot von 01/2010,welches meiner 60-jährigen,im Dez. 09 arbeitslos gewordenen Mutter angeboten wurde. Sie ist gelernte Einzelhandelskauffrau und war zwischenzeitlich auch selbständig. Letzter Stundenlohn als Angestellte: 15 €.
Die hiesige Tageszeitung offeriert ca. 2-3 Stellen wöchentlich,bei 13000 Arbeitslosen.
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